Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 11 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492344-5935087-5962201--1487-5375588- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
verölter Prolog eröffnet« da« Programm, dem sich als künstlerische Genüffe, Biolin»Boi träge des Conrert- Meisters Pokorny, sowie Liedervorträge der auf dem köuigl. hies. Konservatorium ausgebildeten Sängerin Miß Walter anschlossen. Herr Max Rosenthal erheiterte durch höchst gelungene humoristisch« Vorträge, unter denen ein ganz neuer .Di׳: berauschte Loreley" von Dr. Ludwig Fulda besonders hervorgchoben werden mag Allen diesen Prägen ward reicher Beifall. — Das sich anschließende Mohi war mit mehreren geistvollen Trinksprüchen gewürzt. Dem sehr belebten Ball verlieh ein von 8 Paaren exakt ausg.'führter Kostüm-Tanz, bie Herren als Wiener Gigerl, die;)amen als Wiener Wascher-MadlS, sowie ein werthvollrr Geschenktanz angenehme Abwechslung. Die Feier des 12. Stiftungsfestes des Brüder-Vereins hatte sich gleichfalls einer recht regen Betheilignng zu erfteuea. Das avS deklamatorischen,gesanglichen und musikalischen Vorträgen bestehende abwechslungsreiche Programm ward durch eine F«ststLuve!.türe und einen zumTheil herzlich und gemüthvoll, zum Theil sehr schneidig gehaltenen Prolog, versagt von Herren Institutsdirektor Schmidt, Ehrengast des!Zerrins teintm seit Jahren allenthalben mit Wärme und'8eschick in der Leffentlichkeit die antisemitischen Angriffe rurüikweisenden Nichtisraeliten) und verständnißvoll von der Tochter eines Mitgliedes gesprochen, eröffnet. — Durch die Mitriirkung von künstlerischen Kräften ward das Concert höchst genußreich. — Nach dem gemeinsamen Mahl, bei dem es an Festreden und einem sehr beifällig aufgenommenen Tnuklie!׳ nicht fehlte, beschloß ein Ball auch dieses alle Th^i nehmer befriedigende Fest. Ztirick. Die .Emdener Zeitung" brachte vor einiger Zeit folgende »Erklärung" de» hies. talmudkundigen Lehrer« Hrn.Dr. Fink: In einer Versammlung zu Emden am v.d.M. sprach Herr Dr. Daneil-Bielefeld: ״Ueber den Talmud im Judcnthum und di« jüdische KampfeSweisr". Ich stellte bei jener Gelegenheit vor allen Anwesenden ftst, daß der Vortragende noch nie den Talmud gesehen, den Schulchan aruch — die beständige Zielscheibe seiner giftigen Pftile — nicht einmal feem Namen nach kenne, am allerwenigsten aber im Stande sei. auch nur «ine Zeile in jenen Schriftwerken zu l.'sen. Wie bezeichnet sich denn eigentlich eine Kampfweise, welche sich mit solch unerhörter Unwissenheit au die Bekämpfung von Schriftdenkmälern heranwagt, die zu bewältigen nach eigenem Grständniß ein Menschenleben nicht ausreicht? Bon mir in sei«» ungeheuerliche« Behauptungen gegen den Talmud rrsp. Schitlchau aruch widerlegt, nahm der Vortragende zu Herrn Prvftffor Dr. Lazarus in Berlin, seinem ehemaligen Lehrer, Zuf ucht. Diese« unterschob Dr. Daneil eine Resolution, nach «lcher jener behauptet haben sollte, daß die Juden an verschiedenen Vergehen und Verbrechen procentualitrr stärker brrheiligt, seien als der Bevölkerungszahl entspreche, daß di« jüngere Generation durch provocatorischeS Wesen vielfach die Deutschen verletze. Die Resolution sei abgelehnt und Laznus etwa 3 Monate darauf um dafür gezüchtigt zu werden, au» dem Vorstand der jüdischen Gemeinde ausgestoßrn worde». — Obwohl ich diese Behauptungen mit Entschiedenheit bestritt, wurde sie dennoch immer wiederholt und meine Einwendungen als Frechheit bezeichnet. Dem gegenüber veranbißte ich den Vortragenden, seine Behauptungen zu Protcckk ll zu geben. Herr Professor LazaruS erhielt davon eine Abschrift. Er erwidert«, daß seine diesbezüglichen Ansichten, ani die sich einer berufen dürfe, in seiner Schrift .Treu und Frei" niedergelegt seien. — Nun behauptet aber Prof. Lazarus (^rgl. S. 12« Anm. S. 124. S. 128 und 129. 13« An nerkuug, 139 Anmerkung) daselbst schlechterdings das Gr׳,entheil. Eben so wenig war Herr Prosestor Lazarus, wie er selbst mir gegenüber erklärte,!e Vorsteher der jüdischen Gemeind« zu Berlin, kann also infolge jener erlogenen Resoliitioa auch gar nicht aus seinem Ehrenamte hiuauSgestoßen W-r'de» sein. Ich kann mich daher^, nur mit Abscheu von einem -solche« frivolen Treiben abwenheü, ' ein berufmäßige« Verleumden und Ehrabschneideu . fMatnidi. ׳f H^aris. Der hiesige Semeinderath, der -echtlich jut Zahlung der Wohnungsentschädigungen für die Diener Mer Eulte verpflichtet ist, hat dieselben, in seiner radikale»-Art, derartige Fragen zu behandeln, einfach gestrichen, wodurch auch die hiesigen Rabbiner benachtheiligt worden. , Die protestantische Kirchrnverwaltung in Paris hat gegen dselen Beschluß die Entscheidung des StaatSratheS angerufen, welcher in seinem ausführlichen Berichte den Geme-nderath zur Zahlung verurtheilt. Jetzt werden auch die iSrael. CultuSdiener von dieser Entscheidung ihren Bortheil haben. Bekanntlich gibt es in Paris keine Eultussteuer. Die Verfassung läßt eine solche nicht zu. Der Staat bezahlt, wenn auch nicht genügend, die Rabbinen, Vorsänger mich unterstützt die Gemeinden beim Bau der Synagogen. .Da diese Staatsleistungen nicht ausreichen, so hat man sämmtlicht von der Synagoge zu leistenden Dienste, wie Hochzeiten in der Synagoge, Becrdigunaen, Frauenber. rc. mit Tajftn belegt, so daß jemand l. Elaste getraut oder beerdigt werden kann, je nach der Zahlung der Leistung; auch mußten die die sehr lästigen Thorabenedictionen Mlscheberach herhalten, weil diese viel Geld eintrugen. Es scheint aber, daß diese Einkünfte nicht mehr ausreichen. Man will jetzt »achanderweitigem Brauche eine Eultussteuer einsührrn, deren Zahlung gewisse Rechte für die Mitglieder der Äenieinde im Gcfolge hat. Jedenfalls wird auch diese Steuer nur ein« freiwillige sein können, da dieselbe gerichtliche weil mit dem Staatsgesetz unvereinbar, nicht vertreten werden kan» Dieselbe wird aber die Verwaltung und deren Institute vor Schwankungen und Uebrrraschungen bewahren. Früher vor 50 Jahren war auch hier der Modus der Einschätzung nach רך?, jetzt soll diese Institution wieder neu belebt werden. (Wie oft spöttelten die französisch jüdischen Blätter über di« deutsche Eultussteuer, über die von ihnen nicht begriffene Bertheidigung de« Judengesetzes von 1847 und jetzt macht man dort dasselbe.) "£«1». Im ״ÜDiyer» üratlit•‘ beklagt sich mit Recht Herr Rabbiner Dr. Simon Levy aus Gchirrhofen (Elsaß) über die Art und Weise, wie Herr Singer, der Schöpfer der noch nicht geborenen ,Encyclopädie des Judenthums" den Antisemitismus in Frankreich zu bekämpft« sucht und mit diesem rühmlichen Unternehmen das sehr unrühmlich« Geschüft einc» Reelamehelden verbindet. Die Person des Zeit doppelt vorsichtig iu der Wahl ftiner Mittel sei« soll. ,Herr Singer, der Verfasser so vieler offener Briefe," sagt Herr Levy, will nächstens im Lande umherreisen, umgeben von einem Generalstab von 100 Rednern, Vropheten, um der Hydra des Antiftmitismu» den Kopf aozutreten. Die Reden Zadoc Kahn'« sollen die Zauberformeln sein, womit der böft Dämon gebannt werden soll. Welcher Ehilul haschem wird dadurch entstehen? Ich glaube, daß die Reden des- Pariser Oberrabbiuers. diese feinen und eleganten Homilie», den Stier nicht an den Hörnern packen werden. Man kaffe Zadoc Kahn auf seiner Höh« und den Bauer an seine» Pfluge. Ich begreift, daß Singer die Antisemiten Drummont und Paul de Eassagnac angrnft, aber er laffr den Bischof Richard in Ruhe, einen angesehenen und hochgeachtete» Kirchenfürsten, den Vertreter der so sehr mächtigen Schwester» religion. WaS mich besonders beunruhigt ist, daß der Geist der ,offenen Briefe" nicht in die Encyclopädie sich einschleicht. Die ,offenen Briefe׳ verschwanden aljt Eintagsfliegen sehr schnell, aber die Encyclopädie soll ja bleiben und diese würde daun als ein Monument des Hasses und der Unduldsamkeit gelten. Sollen wir unS noch neue Feind« schaffen, haben wir an den alten nicht genug? על הראשודם אנו םצגו?דים• 4־K