Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 11 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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'wich erinnert, habin Sie als Redakteur brr ,341. Wochenschon wiederholt auf da» Treiben diese» unreifen JünglmgS aufmerffa« gemacht, auch im Deutschen Parlamente AnNde schon einmal seiner unrühmlich gedacht, als man von der ' feinem Stamme eigenen wucherischen Ausbeutung sprach, ge- '׳' Ugentlich der von Singer veröffentlichten Schreit, ,Äeußerungen , großer Dkänney. über den Antisewiti-mu»,' bekanntlich An- .zapfungen Singer'» ihm unbekannten Männern gegenüber, die gar,nicht süv-die Oeffentlichkeit bestimmt waren. Sollte ׳.׳ Niemaiid da sein,׳ der diese« au» Oesterreich zu un» herüber» “ gekommenen JünDng zur Raison bringt? L. HietbriUnnien. Loubch«. Am 24. Februar verschied, im Alter von 82 / Jahren, Rep. B. H. Ascher, geboren in der Provinz Posen, / von wo er 1840 seinem Halbbruder Simon, dem berühmten KKHasa« an der ,Großen Schul* nach London folgte. Der Verstorbene war ein hervorragender Talmulnst und im Besitze von 3 Rabbiner-Diplomen. Auch mit der deutschen Litteratur war er vollkommen vertraut und beschäftigte sich vorzüglich gern mit dem Schriften Mendelssohn» und Lessings. Sein ausgezeichnete» Gedächtniß vermittelte ihm auch bald die stenntniß der englichen Sprache. du: er nach kurzer Zeit in den vornehmsten jüdischen Familien unterrichtete. Da kein äffentliche» Gemeindeamt vacant wur, bekleidete er br» zum Jahre 18>-4 da» Amt eine» Kabtronim-Rabbi an der großen Synagoge. Al» solcher halte er die Kranken und Sterbenden zu besuchen, in den Sterbehä jfern zu lernen Die Vorträge, welche er in den Häusern hielt, waren ^der eigentliche Anfang der englischen Predigt in der Shnagoge. Wr war also einer der ersten, welche in der Volkssprache Medialen >׳nd mehrere seiner Vorträge sind un» durch den ' Drgck erhalten. Er gehörte' zum Lorstaudi des ,Verein» Sr Verbreitung religiöser Kenntnisse*)* und de» ,Jüdischen tterat'ir-Vereins-, der jüdischen Volksküche de» jüdischen -Hospitals und verschiedener anderer Wohlthäiiakeitsanstalten. > Er war der erste amtlich bestallte jüdische Gefängnißi-vnd Anstaltsgeistliche und stand bei der Gefätignißverwaltung »nd den Anstaltsärzten in hoher Achtung. In dieser Stellung > ermöglichte er e« auch den Gefangenen, daß sie in der Au». .-Übung ihrer religiösen Pflichten nicht behinde .1, am Sabdath ^»icht zur Arbeit angehalten und am Pessach mit ritueller ׳ Kost versehen wurden. 1884 wurde er in Amrkennung seiner ׳ vielfachen Verdienste mit vollem Gehalt in denRuhestand versetzt. Vermischte und neueste Nachrichten. M«Ove»«rO. Am 1. März käme» unter Führung der Herr«« .^׳Davtd Fetnberg «nd Nappaport dir ersten 16 jfltischenEmigranten - •»t Nu bland tu Santo» an, welche das -omitee >us den 400 für *־ Argenttaien ansgewählten Acker baufamtlien alt Pion Ir« vorantgeschickr hol. Heut« wurden dtefelbeu vom Baron Hirsch hn Beisein des Lhtef- Robbt, der Herren Lousada, Moeatta, A. vhtle, Dr. Sommerfeld, % Fetnberg und Rappaport empfangen. Die Unterrelmng dauerte über Stunden, wahrend welcher Baron Hirsch seine Schützlinge belehrt«, K'»U sie sich gegen Mißerfolg« schützen könnte». Dan» ermahnt« er sie noch eindringlich, glanbenttrene Inden zn bleiben nn > versprach, ihnen alle zur Antübnng ihrer reltgtöfen Pflichten erfordelichen Mittel zur ^Oerfügnng zn stellen. Mngdednrg. Wie unt ans Erfurt berichtigend mirgetheilt .-»trd, hat der Herr Rabbiner Dr. Salzberger bet der Hauptttauerstier t» Hans« det Lommerzienraths venartz (vor deifen Ueberführung nach Gotha) eine Trauerrede gehalten, in der er 01« Verdienste des Entschlafenen gebührend gewürdigt hat. von ״jüt. Intoleranz* — toi« bat .Verl. Tage bl.» behauptet« — kann also hier keine Rede sein. Ans Wunsch der Hinierblievenen ist di« Trauerrede »«druckt worden. Berlin, 1t. Februar. Herr Beneralkonsnl Landau ist in den Vorstand det Auerbach'schen Waisenhauses eingetreien und besnchte die seiner Obhut an vertrante Anstalt. An Stelle der ver» *) von seinen lttterarischen Werken sind zn nennen: *ivü englischer Uedersenuug. NN2V mit engl sihm Uebersetzung rgetehrtrn Anmerkungen, ein Katechismus für de Jugend u. a. ' klta> alt Nabdiner nach Australien (1868) fchlngDer ans. weil nicht ßerteffen wollte, £ ftorbenen Ehrenmutter, Krau PH. Siebermann, geb Haller, hat deren Schwiegertochter, Freu Lachmumt, bat veranworttingsoolle Amt einer Ehrenmntter »er Witsen übernomm-n. Berit«, l. «Br». Di« Erben det aehrimraths Bleichröder überwiesen dem Aelteften-llollegi um der Berliner lkaufucannschüft ÜO.tXXl Mk. alt Berson-Bletchrödersch« Stiftung, dir nach den Grund» sähen der Friedrich Wilhelm Bictorta-Stiftung zu verwalten Ist. Gldim«, ö. März. (Or^Lor.) Heute ist Herr Dr. Stlberftetn, Schüler de« Breslauer Seminars, einstimmig zum hiesigen Rabbiner geworden, nachdem er gestern mit großem Beifall gepredigt. Brondendurz a. H. Hier ist Herr Dr. I. Plato aut Löln nach gehaltener Probepredigt einstimmig zum Rabbiner gewählt worden. N. Gloddnch, 20. gebr. (Or-Lor.) Am Fastnachts-Dienstag erschien in einem Ballsaalc ein Israelit alt — Franziskaner-Pater. Kaum Hane derselbe sich für einen Augenblick aut dem Saal« entfern», alt verschieden« andere Masken ihm nachgingen und ihn. wie de« .Bladb. M.' mitgetheilt wird, Windelwrich durchprkgelten und ans di« Straße warfen. Jedeusalls wird dem Bürschchen dir Lust vergangen sein, nochmal als Frunziskaner zn erscheinen. (Der ist noch lange nicht genug verhauen worden.) In Zichst»« (streit Bardelegen) hatte ein« Versammlung det Bauernbundes stattgefunden. Der Sandrath Herr von Boßler eröffne»« die Versammlung. Darauf hielt ein Herr v. Dies» einen zweiftvnhigeo Borttag darüber, was die Landwi.khscha ft zu erstreben Hab«. Der Borttag bestand grüßtenthetls tn Judenhetz«. Die Juden, dt« Börsen» iobder, bestimmten v;n Preis det Betreidet. Geld und stapital seien tu ihren Händen. Di« Juden wollttn den Bauernstand vernichten, sein« Biller an sich reißen und oen Bauer» zum Judenknech» machen. Laster und Vamberger mpchren das Bankgesrtz. Die Millionen aus dem Be» winn der jetzigen Reichsbank füllten die Laschen der Juden, und was dergleichen Unsinn medr ist. All das Zeug druckt das amtli che streisblatt ohne ein Wort der Widerlegung oder der Rüge, und dann wundern sich die Minister in Berlin über die Zunahme antistmitischer Agitation. Stuttgart, 8. März. Dem Oberkirchenoorsteher Reumann hier, Mitglied dcr st. Israel. Oberttrchenbehörde, wurde von Sr. Mas., dem König, das Ritterkreuz 1. stl. de« Friedrlchsordens verliehen. — Für die hier stattfi.idende erstt Prüfung als Lehrer der Babelsberger-Stenographie wurde zu-n Mikgli«) der Prüsungskommiifion auch Lehrer Hähnlein in Hall bestimmt, der vor einigen Tagen diese Prüfung in München mit glänzendem Erfolge bestanden hat. ver«, 28. Februar. Dl« naiionalräthliche Kommission, betreffend dl« Schächtttag«, beant agt in i^,rer Majorität solge.iden neuen Art. 2b dio der Bundetverfaffuna: ,Der Bund wird ferner über das Ver» fahren beim Schlachten vonTHIeren, sowie überhaupt im Jutereff« det Thierschutzes gesetzgeberisch Vorgehen. Die Minorität will den Initiativ» annag ablehnen. Jffotr« (Frankreich). Ein« «delmüthige That ist von hier zu meld.n: Ein hier aufsteig-nder Ballon b^egnrtete aus der Fahrt einem heftigen Lontrewind und stürzte in die Alltrr, welch« durch Schnee und Tauwetter hoch angeschwollen war. Die 8 Suftsch'ffer würden unfehlbar erttunken sein, wenn nicht di« Herren Abraham Weil und Lazarus Wormser, welch« sich in der Räh« der Unglücktftätt« befanden, sich schnell in di« Fluthen gestürzt und die bereits vor Frost halb Erstar'ten glücklich ans Land gebracht hätten, wo sie sich bald wieder erholten. MeAmtnfter» 2. März, Bester, hielt Herr Ern,st Hart i« ,Verein für Saniiäts- und Beerdiguiigtreform* einen Bortraa über .den mosaischen Besundheitseodex ׳, in welchem derselbe die Nützlichkeit des Pentateuchs in Bezug ans modern« Hygiene demonstrirtr. Er legt« den Beiftlichen die Rothwendigkeit ans Herz, die mosaischen Besetz« der Hygiene in ihren Bemetoden praktisch zur Ausführung zn bringen. Rach dem Bortrage wurde der Inhalt deffelben und der mosallche Lodex von Lord Bressay, Dr.Farquharson, Dr. Rorman ste rr und Lanonicut Bark er zur Rachachtung ewpf^len. Hieran schloß sich rin kurzer Borttag det Rev. Michael Adler über ,das jüdische Beeriigungtve!fahren-, an welchem sich eine intereffant« Ditcusston zwischen Lanonicut Barker, General Lowrv und Braxton Hi ckt, Leichenbeschauec für Southwort, knüpfte. Beiden Rednern wurde mit reichem Beifall belohnt. Nnßlono. Dt« Autweisung der Juden aut den Ostseeproviuzen, über di« wir bereits gesprochen haben, wird jetzt durch eine offizielle Bekanntmachung in der ^Livld. Aouv.-Zlg* bestätigt. Dieselbe lautet: »Di« livländische Bounernementtegierung bringt hierdurch zur allgea «einen Kennmih, daß in Ueberetnftimmung mit dem Circular det Herrn Ministers det Jnnernvom 14. Januar 1881 die Hebräer, welche die im Besitze festgestellten Bedingungen zum Leben in den inneren Bonvernemeuts nicht für sich haben, aber bisher zum Aufenthalte im livländischen Gouvernement ans Brund det Lireulart des Ministers des Innern vom 8. Apeil 1880 zugelaffen worden waren, der Ent» sernung noch den für sie angewiesenen Wohnsitzen binnen einer viermonatlichen Frist uuterkegen. Dem livländischen Souoernement ist et anheim gestellt, diese viermonatlich« Frist btt zu« 1. November zu verlängern, für diejenigen Hebräer, welch« Handel treiben, Jmmodilten besitzen, «ine ständige iveschäftigung haben, »der deren Familien zahlreich sind. Hierbei hä!« et die «ouvernementreaterung für nothwendia, dekann» zu machen, daß dt« sestgesitzte vsirmonaUtcheKristsü» dt« Ausmessung von de» Tage dtö Erscheierns diesir vetanarmachu»g tzerechnot wird.