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Israelitische Wochenschrift · 1893-03-10 · 11 (10.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
11 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Doch — brr Wort,! find antn§ gewechselt , wir wollen rrdl'ch Thoten, »s heißt zahlreiche Subscriptionen, sehen. Die Unzahl der rein .platonischen" Empfehlungen d«S Buches — da« mögen uns die betreffenden Herren nicht für ungut nehmen — ist rntschieden wcnhlos, ja bedenklich; sie wiegt den ohnehin fct>on schwergeschädigten, ״vor dem Scheiterh-iusrn" der Antiscmiten stehenden Verfasser immer wieder in Sicherheit, sie giebt ihm die Zuversicht, die Subscriptioncn <uf sein Werk werten mindestens die Druckkostcn decken; a!er es hat nicht den Anschein. Seltsam, ruft die Antisemiten (cfr. Deutsch-Soziale Bl.) die Bedeutung!)cs Buches weit höher zu stellen scheinen, als ihre Gegner. Sie lassen cs wenigstens an Schimpfereien nicht fehlen, und wenn die anonymen Schmähbrief,.׳, die. wie wir wifien, der Verfaffer empfängt, Hundcrt-Mork-Schcinc wtiren, könnte die Ausgabe des Werkes in kürzester Frist erfolgen. Das sollte doch jedem Veiständigen etwas zu d-nken geben. - Also nochmals: Weniger platonische Empfehlung, mehr energische Förderung der Subscriptionen auf den ״Antisemiten- Hemmer"! (Tic Red.) Mitgdeßnrg. Das ist der Humor davon! So möchte man ausrufen, wenn man in der ״Staatsbürgcr-Ztg." das Feuilleton dieses Blattes über die Ausstellung in Chicago, verfaßt vo r Herrn Böttcher, dem Svccialkorrespondeten des Blattes, liegt. Bei dem Besuch der dcutjclicn Abtheilung wird Herr B. einmal an Heine und einmal an Auerbach erinnert, dessen Schwarzwälder Dorfgeschichten in dem ״Deutschen Dorf" auf der Ausstellung eine malerische Illustration gefundcn haben. Heine und Auerbach, die einzigen deutschen Ncmen in einem langen Feuilleton eines antisemitischen Bltttrs! Was sagt Ahlwardt dazu? Vielleicht wird er auch noch transatlantisch bei dieser Verjudung des Antisesntismus. 8. Aerkm, 5. März. (Or-Cor.) Am Donnerstag, den 2. März feierte die Gemeinde B'ne B'rith ihr 14. Stiftungsfei! in den herrlichen Concordia-Festsälcn der Andreasstraße durch ein, von hervorragenden Künstlern gegebenes ״Elite- Cs>«rt". durch einen Festvortrag des Herrn Rabb. Dr. PH. Krön er und durch Tanz. Mehr als tausend Personen — darunter viele christliche Mitbürger — betheiligten sich an der Feier und oll« waren, wie dem aufmerksamen Beobachter md)t entging, in hohem Graoe von den gebotenen Genüssen befriedigt. Bcsonirers fand der Vortrag des Herrn Dr. Iraner den Beifall der ganzen Versammlung, den sie dem Rrrner — nach den warmen Dankesworten des Gemeinde- Präses Herrn Moritz Loc.vinsohn — in begeisterter Weise kundgat. Ich übermittle Ihnen, verehrter Herr Rcdacteur, hiernrtcn den ungefähren Wortlaut des Vortrages. (Wir geben dkms'lben gern in uns. Bl. Raum, weil wir davon überzeugt sinii, daß wir unfern Lesern und Leserinnen mit dem durch ich e Form wie durch seinen Inhalt gleichsehr ausgezeichneten ^i;r trag einen wahren Genuß bereiten. Red.) ״Geehrte Anw«send«! Wir h«.ben uns hier versammelt, um «me schöne Doppels«« zu begehen — die Nachfeier des Purim und dr.. re. Stiftungsfest der Gemeind« B'ne B'rith. lvie harmonisch fugin sich beide Feste ineinander, wie zutreffend taffen sich di« Bai ptgedanken, di« beiden zu Grunde liegen, miteinander vergleichen! Ans dem farbenprächtig m Purim - Geschichtsbild, das uns noch wie in der Ain>heit frohen lagen, in seinen Jauberkrrir bannt, rr.rrn uns zwei Gestc.lten besonder» sympathisch entgegen: Mordechai »11-.? Esther. Die Schrift zeichnet uns Mordechai in den bedeutsamen Worten: J* 11 jetiadi faojoh be-Schuaehan ha-biroh uachemo Mordechai. .£ווי Mann, «in Inda, war in der Hauptstadt Susa, und sein Name Maidrchai". Ja. er »vor ein Mann, ein Lharakt« ohne Falsch und Fehl, «bin Furcht and Tadel, in allen Lagen, In den Niederungen und auf ds a söhen des Lebens, als schlichter Unterthan und als hochgedietender Mn>:ner des perfisch-medischen Reich»; er war ferner ein Jode, d. h. ein bankender und Di nlendrr warme« Herzen» und lichten Geister Surä und durch; da» war und blieb er inmitten de» vielgestaltigen Trr׳ >en» der Hauptstadt, da» ihn nimmer seinen Idealen z« entfremben vermochte; »Nb sein Nant» -War Mordechai, b. h>, der Widerstrebend«,*) der Mann, der sich Hagen alle» Nieder, und Ge- ' meine'aufiehnt«. von ähnlichen Sefinnongen «füllt, mit ähnliche» Engenden geschmückt, haben wackere an» Israel unsere Gemeind« gründet und ' leite« solch« auch jetzt unsere Gemeind«, di« entsprechend ihr«« Namen B'ne B'rith, ,^Angehörige de» Gottesbundes", den Zweck «er- . folgt, hehr« Lebeiwguter zu pflanzen und zu ostegen, die Lichtsaat edel» Menschenthnm» auszustreaen und zur Reif« zu bringen. ~ ־ dieser Zweck gewissenhaft und erfolgreich erstrebt ward, da» ich an diesem Abend festlichen RÜÄlick» konstatiren; da» un, di« Hoffnung, di, Gewähr einer frohen Zukunft für den lebenskräftigen Grganismos unserer Gemeinde, für di« LSsung ihrer Aulturaufgäben. Dank und Ehre den Vorstehern und Vertreter», di«, geführt voa ihren thatkräftigen, umsichtigen und verdienstvollen vorsttzenden, dt» Institute der Gemeind« zu schöne- Blüth« gefördert. Dank und Ehr» allen Männern, die arbeit»- und opferfteudia dem Gedeihen de» Ganzen gedient. — Aber Dank und Ehre nur den Männern? V, wie falsch urtheilrn diejenigen, welch« den Einstaß unserer Frauen auf die Lut- Wicklung de» Iudenthum, und seiner Bekenner gering schätzen! Heißt es doch in der Midrasch-Litteratur: Der Sittenreinheit and -er Irene, ' mit der die Frauen an der Rrligion hingen, hatte Israel sein« erst« Erlösung zu verdanken und wird es seine letzte Erlösung zu verdanken haben. Und zeigt uns nicht das purimfeft di« Lrlösungsthat eine« jüdischen Weibe»? Ich meine da» Weib, dar mit Reiht H adassah hieß, das alsHabafsah erzogen ward: einfach und schlicht, fromm und licht, der lieblich duftenden Myrthe des Drients gleich. Und die veezöge, di« ihr trefflicher Erzieh« ihr zu eigen gemacht, verblieben ihr auch, als da» königliche Diadem ihre keusche, züchtige Stirn zierte. De» Volkes Tochter stieg sie hinauf zu den Höhe» de» Thrones, dort und hier die Majestät weiblicher Tugend verkörpernd. Wohl verdient« ste den ihr am Hofe beigelegten Namen Esther, d. h. Stern, nicht nur wegen ihre» strablenden körperlichen Liebreize», ukbit mehr noch wegen ihrer fesselnden see li sche n Schönheit, einer Schönheit, dl« nach dem hohen Liebeslied de» gekrönten Sängers eine verschwisterung der Seelen wirkt,f) einer Schönheit, di« Göth« da» Ewigweibliche, da» uns hinanzieh», nennt einer Schönheit, die einen andern Dichter (Rodenberg) zu dem wundersamen Wort begeistert: Der Blick tu eine Fraueuseele ^st wie der Blick ins Himmelreich. Esther war ein hellleuchtender Stern in der Nacht der Trübsal unserer Ahnen, ein echtjüdisch Weib, in Glanz und Glück nicht der« v«geffend, aus deren Mitte fi« hervorgegangen. viel leuchtende Gestalten verschönern unfern Festkreis, die, d« «dein Weiblichkeit uns«« Ahnfrauen nachahmend, zum Aufschwung uns«« Gemeind« nicht wenig deigetragen — al» Hüterinnen de» heiligeu Feuers d« Begeisterung für fromme, gute Sitte; di« gegenüber den Nachtgestalten d« mod«nen Humanität un» ermothige« zu segnen, wenn jene fluchen, zu lieben, wenn jene Haffen, wohlzuthu« allen Menschen ohne Glaubensunterschied, wenn jene uns wehethun, uns zu erheben zur Sonnenhöhe der voin Iudenthum gelehrten Humanität. Sowie durch die ganz« Seele solch« Frauen ein harmonisch Tönen geht, das st« zu Lieblingen Gottes und der Menschen macht, so wist ich, «ingedenk der Mahnung uns«« weisen: uns«« Frauen zu lieben wie uns seihst, zu ehren inchr al» uns selbst — so will ich ihnen mehr als den wackern Männer», deren wir vorhin gedacht, meinen Festgruß entbieten, der in unser!» ganzen Inn«n nachklinge wie ein harmonisch Lied: Den Iran », die unser» Kreis verschönen, D!e oft uns mit uns selbst versötznr», Die unser Hau» mit Tugend krönen, Soll unser hehrstes Hoch ertönen!- Hterki«, 6. Mürz. I» den! jo gelvaltigen, alle, selbst die niedrigsten Leidenschaften, entfesselnden Rassen-Klassen- Kampfe, den der Antisemitismus in unserem deutschen Vaterlande entzündet hat, ist das Verhalten der Sozialdemokratie von größter Wichtigkeit, weil es ausschlaggebend sein dürfte. Daraushni sind die Vorgänge in dieser Partei zu beobachten und lediglich aus diesem Grunde lassen wir hier einen gedrängten Bericht über die in der gestrigen (Sonntag-Bormittag) von Socialisten einberufcnen Volks-Versammlung stattgehabtc Debatte über den Anl'scmilisuius folgen. D«Referent, Metallarbeiter Lit sin. sühneu. a. au», es sei u». wahr, wenn man behaupte, die Juden wollten nicht arbeiten. I» London und Nordamerika gebe es sehr viele jüdische Arbeiter. Di« ־־־־*” ־" *־־־ •־ ׳ - ~ ■;£'־ *) Morbochai oon marad abgeleitet? (Lins.) t) Achoaai kalloh? (Eias.s

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