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Israelitische Wochenschrift · 1893-03-10 · 11 (10.3.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
11 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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!Käsen können bekanntlich nicht mitgetaust werden — hin- »gesellen. Itft Zuschriften derselben an die betr. anti* emitische Zei uing oder Zeitschrift beginnen rnmeist mit dem Satze, daß .!>er verehrte Herr College ihnen vollkommen au» 11er Seele gesprochen habe." Dann folgt die ganze große Litanei der Anklagen, fast wörtlich so. wie sie im eizent» lichen Hetzartikel gestanden haben, nur mit einigen Abfchwächungen im Vordersätze, um im Nachsatz dafür um so stärker betont zu werden. Dabei geberden sich diese Herren, cil» ginge sie selbst da» Alles gar nichts an. als schwebten sie hocherhabn, in einen Alther der Sündcnlosigkeit und könnten stolz und verächtlich herabblicken auf ihre vermeintlich mindcrwerthen Glaubensgenossen Eine lächerliche Anmaßung die diese orc listen doch so gern den Anderen zum Borwurf zu machen pflegen! — Zum Schluß kommen dann noch e!nigc wohlgemeinte Rnthichläge, die dir Herren Rathgeber zunächst selbst befolgen könnten. Diese jüdischen Antisemiten sind unseres Erachten» di« gefährlichsten, weil sie den Schein erwecken, als ob sie. selbst versolgt und angrscindkt, wohl am besten fühlen und erkennen müßten, wir wahr und gerecht die Angriffe sind, die gegen dis Judenthum erhoben werden. Sie scheine» in ihrem Eifer für die ״sittliche Hebung" ihrer Glaubensbrüder gar nicht r!r bemerken, wir unsittlich und unverantwortlich gerade sie dindrln, indem sie noch Oel in'» Aruer gießen und, anstatt zu befferu, weit mehr dazu beitragen, daß der antisemitische Lrond immer größere Dimensionen annimmt. Die Berechtigung Einzelner zum'Moralrfiren einer Grsammtheit wollen wir hier nicht Weiler erörtern Wer aber nun ei»,- mal den unwiterstehlichen Drang hierzu in seinem Innern i-ihlt, wer sich berufen und befähigt dazu glaubt, der mag es thun, jedoch in geeigreter, nicht provokatorisch verhetzender Lleise, zunächst allerdings durch das eigene, leuchtende Borbild — denn Sünder sind wir allesammt. Uebrigens erinnern uns diese Herren lebhaft an jenen Athener, der die wahnwitzige Behauptung aufstellte: Alle Athener seien Lügner. Dann ist selbstverständlich auch er «in Lügner unl> Alles was er sagt, erfunden und erlogen. E,rnz ebenso verhält es sich wohl auch mit unseren jüdischartisemilischen Sittenpredigern. Stimmen des Adels «ttf dem vereinigter» preußische» Landtage von 1847. Sine Leminisc «nz. An den wüsten antisemitischen Orgien unserer Tage ne Men auch die Herrn vom Adel einen hervorragenden Antheil, sie idmtisiziren sich s1.mil mit dem Plebs niedrigftct Gattung und sind «eit entfernt, oiejenige Achtung beanfpruchen zu dürfen, die der Adel lauterer Gesinnung und chienhastrr Gesittung verdient. Es ist darum von aktuellem Zstterefse. Stimmen auS dem Adelsstande zur Zeit, als vor 46 Jahren im vereinigten preußischen Landtage die Emancipationsfrage der Juden Gegenstaud der Berachungen bildete, rrns iu's Gedächtniß zurückzurufen, um den wohlthuendeu Gegensatz zu dem widrigen Treiben unserer Tage zu regisiriren und auch um das Andenken der Edlen für immer zu feiern. Wir gedenken zuerst des Fürsten zu Lyna r, der nach dem strnogravhischen Bericht sich u. a. wie folgt äußerte: .Ich will auf et«« lktnwand etageheu, de« man gtgtn bk Lmaneipation der Juden zu machen gewohnt ist : dag tu eineui chrtsttiche» Staate dt« Jude» unmögltch politisch» Rechte aalüb«» köuate». Ich glaub« nicht, dah der christliche Staat als ein Hiuderntß betrachtet sende» Sinne, in In» die volle Anerkennung jeder »«»schlichen Natur «ad rnltbin auch die Auerlennuno der Recht« der Jude», recht eigrnt- Itch die Pflicht eine» christlichen Staate« ist. — Ich halte »ttmltch de» EriUtch« Staat teineSwrg« nur für «in« Anstalt, nmoewtff« dag«»» ätsche» Lehrbegriff«« immer »ehr Seit»»- zu »erjchchse», n» gewiss« reliotss« Arnßeritchkrik» (de,«» ich übri^n» die innigste »oll«) i« das Lebe, z» rnfen nnd ihnen gesetzliche» C' schal e». Rein, der christlich« Staat hat hanptsächlich Hs« christliche» Snmdidee» immer »ehr und mehr zu verwirklichen, christliche Lebenlide« aber ist di« L tr de »ab dies« wird in ihrer Äset» bildnna. 1, ihrer praktische» Anwendung .di« Versöhnung. Li« christliche Ltaatsid«« ist mithin dk Versöhnung jedes Einzelnen ln dm gksellsch.fi.- Graf Dork: . .Ich für «einen Tdetl bin der Uebermngung, daß den Inden all« politischea und bürgerlich-« Rechte gegeben werben müsse», unb . daß dieses nur eine Rechtsgewährung von Seiten des Staate« wäre^i Sie ,die Juden) habe« sich als gut« Stnatsbürger erwiesen, fk־ baden mit gleicher »efinnuag wie dk Ehristrn di« Ltaatslafte» ge» tragen und, soviel mir bekannt ist, ist keine Beschuldigung gegen sie erhoben worden, bah sie ihren * taatsbüigerpflichten nicht nacht״»««. Ich für meine« Theil möchte daher aus vollftsndtg« Sletch» stell u ng der Juden mir den Tdrtstr» aatragen.- Im Laust der Verhandlung bemerkt der Graf Aork weiter: .Reiner Ansicht nach ist da» Religiöse vom Staate sehr z» scheide». Der Staat ruht, »einer Ueberzeugnng nach, aas dem sttt» lichen Prinzip, aber nicht ans dem religiösen. Lr ist basirt auf de« Prinzip der «kerechtigkei« und darum will ich meinen jüdische« Rtibürgern jede» Recht gewähren, dessen dk christlichen Unknhnn« 1 hei!hastig sind. — Wenn es sich nun aber dar»» handelt, dag der Jude garnicht zu« Offizier voraeschlagen «erden darf, so ift das rin Motel, der aus ihm hastet. Wenn nun aber in den großen Sri ras» jahre« nicht einig«, sonder« oerhältnißmäßig viele Inden stch znOffi^ zieren geelanet zeigten und es wirklich geworden find*), so must ich daraus schließe«, daß, wer im Kriege Offizier werden konnte, auch dk Möglichleit haben must, es i« Frieden zu «erden und dast also das Reiht ihm bleiben «nst, was er früher mit den christlichen Unter,ha»«» «heilte und deffrn er stch sehr würdig erwiese« hat. von diese« Standpunkk au» habe ich dk Berechtigung zuSivilümtern angesehen. Loher werde ich mich auch dafür ausspreche«, dast ich denJudr», wie ich ihnen die militärische Auszeichnung erlheil» wünsche, anch die unbedingte Anftellungsfähigkeit sür Liviltnrtrr »»erkenn«.- Graf von Dhhrn: »Ich stimm« als Christ für di« vol le Äewäh ru»g aller politischen und bürgerlichen Rechte an di« Juden und wen» der Liebe de» ilhristenthüm» eben dteErlvsung. Ich will, dast dk Christen von Lastern und die Juden von Laste» erlöst werden, nnd alanß« dabei ganz innerhalb de« christlichen Standpunkte« z« stehen. H ist nun gesagt «ordea. dk Inden wären nicht würdig, an dieser Erlösung »heil zu nehme«, sie toärra noch nicht reif dazu. Jedem in der Welt, de« man etwa« verweigelN wollte, ist gesagt worden: Du bist nicht reis l und wen» nachher das verweigerte gewährt wurde, zeigte dev» selbe Mann sich keineswegs als unrris.- Graf von Zielen: .Liebe Sott über Alles und Deinen Rächst«» wie Dich selbst-, ist dk erste Stütz« unserer gemeinschaftliche» christlichen Religio«: »k kann ich aber meine» Rebenmenschea lieben, wen» ich ihn von mir stoste und, dem Paria gleich, ihn in enger« Banden und Schranke» versetz« und eiazwinge, als die, in denen ich lebe nnd er selbst scho» gelebt? Ich glaube daher, hast der beste Beweis, de» ich meinen Rebenmenschen von der Liebe gebe» kann, der ift, daß er gleiche bür» gerliche Recht« mit mir genießt nnd darum stimme ich fnr dk voll Lmancipatiou der Jude». — Der Lank meine« Lebens hat «ich »st mit Jude« zusame»gebracht; ich Hab« sie stet» als erfahr«»«, detriebsame, indulgent«, mit eine« Work, als gut«, «dl« Menschen aagetroffen.- von Hochberg: »Es ist bisher l« «einer Rähe und in de» Kreise», wo ich »ich befind«, vorgriommeu, daß dk I« de« dort du» vertraue» der Stndt» bewohner gewonnen habe» und als Stadtverordnete nnd Rnthsmänn» in de» Magistrat eintrate», und sie wurden gar nicht van ihrem rr» ligissen Standpunkt an» betrachtet, sondern als Männer, dk dos vertrauen der Kommun« genieße», und ich fühle »ich verpflichtrL ihnen da« Zeugatß zu geven, daß fi« sich dieses vertrnnens stets «urdtg gezeigt hob«».- Rücksichtlich der Anstellung von Juden bei Schulau» stallen bemerkt Domkapitular von Brandt: .Ich stimm« ^>nz für de» vorsch.ag der Abtheiiuug, »msometze. 1 als ich gerade au» anng weiß, daß es wohl msglich ist, daß et» *) von den Berliner Freiwillige» find folgend« 6 jüdisch« Offiziere «ft de» eifern« Kreuze dekorier Word«: Prrmkr-LIenknmch S. A. venda, Lienknant H. Fließ, Lientmmnt Kr. «penstet», Lieutenant I. Opprrt, Lkniomm WL 21b«(, ־־

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