Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 10 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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di bis Re treivtliirnA Wir haben ferner Grund, auch gegen den Philoftmitismas mißtrauisch zu sein. Denn abgesehen von der konservativen Partei, die sich für jeden Juden discreditirt hat — warum sollte mancher Partei bei dem allgemeinen Wahlrecht eine -semitische Stimme nicht ebenso werthvoll sein, als eine antisemitische? Daß aber Geld allein es nicht macht, daß wir auch für alles Geld der Welt den Antisemitismus nicht aus der Welt schaffen werden, diese Erkenntnis sollte allge- «einer sein, als sie ist. ES ist aber nicht nur nahezu zwecklos, Tausende in 3 und b Pfennig« llrken anzulegen, eS ist auch höchst verderblich, weil es nnS von unsern -Wahren und besseren Aufgaben ablenkt, nxnn man unsern Glaubensgenossen einreden will, es sei nur eine« nbthig — Geld! Geld; Geld! Jo freilich, am bequemsten ist es so. Herr Eommerzienrath N. läßt sich begeistern für die gut: Sache, zeichnet »pftrsreudig tausend Mark und geht nach :pause, die Brust geschwellt von dem Hochgefühl, das Seiuige gethan zu haben als ein edler Mensche denn er hat ja Gelt gegeben! Wir aber wissen, daß wir noch andere Pflichten haben, Haß wir aus religiöser Verpflichtung, ode«, wo man dies leider nicht zugeben will, al« eine Minoritlt, gehalten sind, besser zu sein als andre. Andre gelten so lange als echte Münze, bis sie sich als falsch erwiesen halün, wir so lange als falsche, bis wirals echte erfunden werten. alles, daß wir viel unter uns zu arbeiten haben, r4<fo1 wir übrigens, wenn wir unter uns sind, ganz unum- ,wunden zu und daher giebt es eine ganze Reihe Spielarten von jüdischem Antisemitismus, von denen nanche nicht nur berechtigt sondern vor allem wünschenswert!, ist. Denn am Lude waren jo die Propheten die grüßten Antisemiten, die aus heißer Liebe zu ihrem Volt es unaushkrlich geißeln und auf dft rechte Gesinnung und den rechten Wandel dringen. Wrcklen wir uns wirflich helfen, so muß et geschehen; 1• offen, 2. durch un« selbst, 3. duich innere Arbeit. Offen, denn wir haben nichts zu verkergen, durch un« selbst, denn es ist unser gutes Recht, für das wir kämpfen, duich innere Arbeit und nicht allein durck — Geld! Wir wollen den Antisemiten nicht «ntgegentreten mit hreu Waffen, und nun gar,^kampf-sstimmung"zu erregen, st schon deshalb thüricht, weil dann d e Niederlage des ^winzigen Israelsicher ist. Es gilt zunächst die Juden in den Stand zu setzen, allen Angriffen in der rechten Weise eotgegenzutretea, sicher und maßvoll, sie mit geistigen Waffen zu versehen, sie ]0 zu belehren, daß sie nicht wie jetzt jeder Unw endung rathos tlwenüberstehen. Ls gilt dann, durch einen fühlbaren moralische« Druck diejenigen schlechte« Elenente unter »ns tttederzuhalten, für deren Sünden wir mi büßen mflffen, es gilt der plauvMen Verhetzung durch Wott und Schrift planvoll durch Wort und Schrift entgegenzuar seiten, es gilt als letztes Mel, das friedliche Li«vernehme*mit unfern christ» lichen Mitbürgern, das der Antisemitismus zerstört hat oder zerstören will, wiederherzustellen oder zu «halten. Fast über ganz Deutschland breitet sich jetzt eia Netz .deutschsozialer Vereine', lasset uns über ganz Deutschland ein Retz breiten .deutsch-israelitische ,Vereine', als deren erste Paragraphen wir vor schlagen: 8!- Der deutsch-israelitische Verein ha: den Zweck: über irscheiunngen des Antiftmitismus zu!«lehren, sich gegen griffe desselben innerlich zu kräftigen, das sittliche und Indische Gefühl zu pflegen und für ein friedliches Linehmen mit den Mitbürgern nach Lnisten zu wirken. 1 Zwecke sucht tftr Verein zu erreic 1. durch regelmäßige Versammlungen, in welchen Vorträge. Referate und freie Diskussionen über Fragen des Anti« semitismus sowie über Geschichte und gegenwärtige Stellung des Judenthum«, vornehmlich in Deutschlands gehalten werden. 2. Durch Verbreitung dem entsprechender Schriften. j 3. Durch persönliche Einwirkung nach innen und außen.! — Politik und gesellige Vergnügungen sind ausj geschlossen. § 3. Mitglied kann jeder unbescholtene Jude über lä Jahren werden u. s. w Alles andere ist gleichgiltig und wird sich nach localen Berhältniffen richten. Auf den Geist kommt es an, in dem gearbeitet wird. Bor allem oürften diese Vereine nicht zu groß sei«. In großen Städten würden Gruppen zu bilden sein» in kleinen müßte dahin gewirkt werden, daß dem Verein all׳» Juden der Stadt angehören. Wir begnügen un« für heute mit dieser Anregung indem wir uns Vorbehalten, sie weiter auSzusühren wenn wrc sehen, daß sie gewirkt hat. b. Hleue püikoftmitische Schriften.*) Der Talmud hat den Spruch: Der Gefangene kan» stich schwer selbst au« dem Gefängniß befreien. Mendelssohn v»t die Ansicht ausgesprochen, baß die politische und sociale Gleichbmchtigung der Juden und der Kamps gegen Mt Judenfeinde am besten gefördert werde, wenn Lhristeu f!tr uns streiten. Da« soll nun Alles nicht wahr sein. Wir Juden sollen unsere Angelegenheiten selbst füh'.en. Wir stirb jedoch bis auf Weiteres der Ansicht, daß die R;de Ho brecht'« weitaus da« Wirksamste gewesen ist, waS i׳.t der letzten Zeit gegen den Antisemitismus geleistet worden ist. Wehrt Euch! Das Schriftchen, das unter diesem Titel erschienet! ist, ist sehr schön und beachtenswerch, es enthält Humor und Ernst und beidk« an der rechten Stelle. Aber am besten hat uns doch die Stelle gefallen, wo datum die Rede ist, daß wir un« wehren sollen durck die strengste Reellität in Handel und Wandel. Es ist nicht hübsch, 'saß so viele Juden in ihren Inseraten, versichern, sie verkauft« unter den Kostenpreisen, unter Fabrikpreisen, fabelhaft billig u. dgl. m. Und doch wenn die jüdischen Kaufleute nach dem Rathe in der Broschüre: Wchrt euch, mit eine« geringen Nutzen zuftieden sind, so heißt es wieder, die Juden schleudern. Vortrefflich ist der Rath, daß die Jude» ihre Religio« und ihre Geschichte lernen sollen, obgleich nicht anznnehnft» ist, daß im Kämpft gegen Ahlwardt diese Kenntnisse was nützen «erden. Wir leben in einer militairische» Zeit, da werden auch die Gleichnisse für das bürgerliche Leben ans dem Militairwese» genommen. Wehrt Euch! Der Autisemitismus ist eingeleilet worden mit einer jüdische« Ohrfeige- Aber die Sippe hält was aus. . Auch der Staatsanwalt kann uns nicht helft». Wen« einem Juden ein« bestimmte böse Handlung verläumderisch vorgeworfen wird, dann giebt es keine» andern Ausweg, als die «rechtliche Fifftstellnng des Sachverhalte«. Aber gegen die Schimpfereien die Hilfe des Staates auftuft«, scheint uns nicht Me richtige Gegenwehr. Herr Simon erklärt den Antiftmitismus» wen« wir das erste Kapitel kurz zusammenftsftn, theils für verrückt, theils für niederträchtig. Wir drücke» ihm verständnißinnig ') «ehrt Luch «m frei«»*. — otes€«ImijnktK|n1 »«» ttt■ ~ ■**ifcmUMaw* »ob Nschtzrulleö« vou Krtzr. ». Lttu» »,!«». — Dt» 3»«, »ürfn» fi« Verbreche* M» Nelftt»»sWe>t» D»> Mmt'MtftOL M Prüf. Streik.