Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 10 (3.3.1893)
- Date
- 1893-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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lexikalisch aufgefaßt lottb an dieser Stelle )ort Aku« für Christen gebraucht» aber e» wäre ge- »tan böswillig dir durchaus christeufreundliche Be» »rrvtng JfferleS' zu mißbrauchen» um anihr Kapital ,^gev da« Jndenthn« zu schlagen.*) Roch in eine« andern Punkte müssen wir der .Staatsliürgerzeitung״ recht geben. E» heißt in der Erklärung .da» tktaatSaesetz hat im staatsbürgerlichen Leben verbindliche straft. «3 ist dewgunäß rrligionSgeketzliche Pflicht, mit der streu« gegen die Religion Gehorsam gegen die Gesetze de» tStaates zu verbinden." Sehr richtig, aber der Grundsatz, t«S EtaatSaesty ist unbedingt verbindlich kommt gerade dann zu seiner Bedeutung, wenn StaatSgesrtz und Religion»- aesetz sich widersprechen, wenn e» nicht möglich ist die .treue gegen die Religion mit dem Gehorsam gegen da» trtaotSgesetz zu verbinden. Zweifellos zwingt die Lehre: l>in* de-Malcbntha Diua, zn der Folgeru7>g» daß auch in solchen Fällen das Staatsgesetz die oberste Geltung behält» »aß das RrligionSgesetz weichen muß. Die Religion verlange z. B. Sabbathruhe. der Borgesetzte verlangt vom jüdischen Soldaten am Sabbath Arbeit. '>a koll der jüdische Soldat die verlangte Arbeit verrichten wie eine sittliche, wie eine religiüse Pflicht, nicht gezwungen sondern aus fteiem Antrieb, denn seine Religion selbst lehrt in» Gehorsam gegen den Staat a!« die oberste Richtschnur ׳n staatlichen Leben. Ter Satz .es ist demgemäß religionrgesetzliche Pflicht, 71it der Treue gegen die Religion Gehorsam gegen die Gesetzte deS Staates zu verbinden", ist zum mindesten höchst 'berflüssig, well rS wenig Dinge giebt, die so selbstversiändlich sind, als dieser Satz. Sollte schon au» den vorang'gangenen, durchaus klaren Sätzen des Jeremia» und deS almudseine Folgerung gezogen werden, so hätte sie lauten nüffen: .Da wo «in Witastrell zwischen RrligionSgesetz und tzitaatsgesetz entsteht, verlangt e» das Judenthum, daß wir m StaatSgesrtz folgen." Reben diesen wenigen Ausstellungen, denen wir eine .misse Berechtigung nicht absprrchen können, hat die ,Er» Gärung' unzählig« Angriff« erfahren, die durchaus hohl und ltloS sind. Die.Staatsb >rgerzeirung' hat mit großer '-enugthnnng konstatirt, die Rabbrner gestehen selbst zu, der Tnlmud sei eine ReligionSqurlle der Juden. Aber heißt ■i nicht am Eingang: .die hellig« Schrift ist di« Grundge für die Lehre des Judenthums"; die Grundlage, d. h. ich nach deutschem Sprachgebrauch die einzige und auS» chließliche. Aber allerdings ist unS auch der Talmud! >r Rrligionsquelle; sollen wir Rabbiner die Quelle schelten, . 1» der wir so manchen erbaulichen Satz schöpfen \ Herder iut Gleichnisse dem Talmud entnommen, die in viele Schul» ich« übergegangen sind; sollen Rabbiner das Buch veri<ugnen, daß ein protrstantischer Generalsupnintendent vom ^ange Herder's geehrt hat! Llir können un» vom Talmud nicht lossagen, « ist für s-kS em Jahrtausend jüdischer GeschiüÜe; wir sollen durch!׳?S caudinische Joch schreiten, weil ein Stöcker, ein Rohling - fordert! Niemals, dazu sind wir zu gut und amh zu denn nützen würbe rS undoch nicht, und w!r hätten m Haß noch die Verachtung. D« Talmud ist unS ein« ReligiouSquelle für unsere ^»tteSdirrstluhe Ordnung, für unsere Festkalender, für un- -'hlige Leußrrlichkeiten der religiösen Uebung, wir erfahren i ihm z. B. wie unsere Vorfahren den Sed« gegeben l»nz ohne Christenblut) und machen e» ihnen nach. Aber natürlich stehen wir dem Talmud frei gegenüber, ׳«fällt un» irgend ein Krauch nicht, sei eS au» ästhetischen >« aus humanen Gründen, so halten wir un» nicht an «m gebunden. Wir nennen zwar die Talmudgelehrten refpect- 11 «abcrt» Stell» hat aach»ei-Sch der ttaf« Mae» Amte» :aMtm ,»» Waat für üqj, Noetüi, Lntki Htfetzn: (fck.) voll .unsere Weisen", ab« da» ist «noeilen nur ein. orn»o»; manchmal sagen .unsere Wer Thvrichtr»; und stände auch nicht die geringste sättdß Bemerbmg gegen Andersgläubige im Tatmud, wir wücd un» dennoch nicht zn seine« ganzen Inhalt bekrn^ neu; und w« lönuk eS. der ihn kennt? Für Richttalnmdisten ein beliebige» Beispiel Da lesen wir: W« eine Gans im Traume steht, hoffe ans!־' “־" ' denn so heißt eS in den Sprüchen Salomo»: .Dir lärmen auf dn Straße, auf den Märkten erheben sie ihrr^ Stimme." Hi« kommt zum Unsinn noch die Verrenkung de»" SchriftwortrS. Wem daran noch nicht genug ish d« left^ wa» dort Berachot S8 weit« Geistreiche» erzählt wird und wa» sich hi« nicht niederschreiben läßt Also den ganzen Talmud als hellig und verbind «achten, da» ist gar nicht denkbar. Nurungerni ein Predig« und Radbin«, der dem Talmud so mannig» fache Anregung verdankt, von den Schwächen, von den Hellen, von den offenbaren Absurditäten diese» Buche» reden." Aber es ist «in« Zell zu schweigen,׳ e» ist eine Zell zu reden. Jetzt ist die Zeit zum Reden gekommen. Der Talmud tf eine Religionsquelle, wie mau wohl au» den Tiefen tat Schlamm «mporholh der die Perlen enthält Ein Thor, tar mit dem Schlamm die P«l«n fortwirst. Unsere Feinde sehen n u r den Schlamm und verschließen ihr Auge vor den l Perlen. Die.Erklärung" deckt sich mit unfern Ausführungen e» ist chr Vorzug, daß sie dogmatische Differenzei zurückdrängt, um die Einigkeit aller religiösen׳ Richtungen in der Auffassung der SittatlSßr« l zuheben. B. Keld! Keld! Kek»! Unter den deutschen Juden geht seit einig« Zeit wiedq^j eifrig d« Klingelbeutel um. Bald ist eein hungr Littrrat, welcher für seine judenfreundlichen Schreib entlohnt sein wlll, bald ein betriebsam« Verleger, welch«; Private und Gemeinden, mit ftinen Neuheiten übersHweattnk^ bald ein größere» od« kleinere» Comllä, welche» die sammel^ büchst schwingt Sie alle wollen un» von unserer Roth»7 dem Antisemitismus, befreien und dazu brauchen sie: — Geld! Geld! Geld! Desgleichen erhält man jetzt öfter geheimnißvolle Schreiben, von außen bezeichnet mit: .Privatim!" von innen mit .Streng vertraulich!" und wenn man llmrfcndcn Herzrn»^ sich aus ein große« Geheimniß gefaßt macht!0 ist es w-etac > nur e׳n beweglicher Aufruf sich zu.«klären" od« tragen" natürlich Geld! Geld! Geld! :׳ So sind die meisten Maßregeln dadurch bezeichnet daß sie eine Abwehr betreiben l. heimlich 2. durch Anders, 3. für Geld. Uudegreiflich ist zunächst die Geheimnißkrämerei» die Lr wie wir gleich Verschwörern zusammengerustn »«tat jMdunklem Thun, obgleich wir ntcht» zu verbergen Hab obgleich dieOeffentlichkeit für unsereVerhandlungen s wohlthätig sein würde. Alle andern Parteien, Tonstssi BerufSgenoffenschastrn sprechen ihre Klagen und Wünsch» tA vollster Oeffeutlichkell au», nur bei un» schall man sich tar-; vor. Im Grund« hängt da» freilich mit d« ganzen v lichen und äußerlichen Auffassung d« ganzen Frage sammen. Well man keinen Glauben hat an die Kraft! Wahrhell, an den Sieg de» Recht» durch da» Rechte, versucht man die Sache zu .machen", durch Conliffrnsi die Scene zu »«ändern, zu .berinfiuffen". aus die maß den Kreise ^inzwmrkeu", Mänu« von Äame» winnen". Der ״Verein zur Abwehr de» Antis hat gewiß dir reinsben Hllst edeltackend« s