Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 9 (24.2.1893)
- Date
- 1893-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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AberW»»"bMchtfM Trupp» «ab neuer Jhfastet Saatpfeftüftä, 4tm die alten sind verbrauch: und seine ungezogene» Rangen versag» ihm den Gehorsam deshalb W7rft er sich seinem Herzen»-Ahlwardt in die Arme und sie weinen vor Schwerz und Fr»ne, des» halb muß jetzt Hertwig der Dritte im schön» Bande sein. Er selber gleuht ja de« bekannt» Wolf in der Fabel, welcher seine besten &fif»e bereits verloren hat. Sein Prestige ist weg. er ist nicht mehr Hofprcdiger und, ach, nicht mehr christ-!ich und cvan!zelisch und natürlich sein wüste« Treib» ebenso wenig. Ter Kaiser hat es bei anderer Gelegenheit gesagt und nur Her-: Stöcker wagt es, an dem Kaiser«oet (onlätzlich der Berliner Oberbiirgermeisterwahl) zu mäkeln, nenn es ihm nicht in den Kram patzt. Wörtlich lautete das Wort, welches der Kaiser, als 8nmwexi-ooxn» der Landeskirche, zu Wittenberge gesagt hatte: ״Wir Evangelischen befehden Niemand» >tm seines Glaubens willen!" In ronsr« quenter Weise forderte der Kaiser, Stöcker solle zwischen seiner Agitation und der Hostredigerstelle wählen, und Herr St. ist ein ehrentoerthe: Mann, er wählte Elfteres, weil eS offenbar seiner Neigung mehr entsprach, lieber Ahriman — der Urheber physischer und moralischer Uebel — als Ormuzv — Liebe lehrend und bethätigend—zu sein. Run über Geschmacksach» läßt sich ja nicht streit»; hält doch St. den beruf«- mäßigen Perleumder Ahlwardt, welchen selbst Böckel fall» läßt, für ein» braven Mann, wahrscheinlich weil von A. noch kein verschämter Meineid bekannt wurde, und leiht chm seine Schulte» und seine Krück», damit er vermittels derselben in den Reichstag hineinhumpeln und geschützt durch seine Immunität aus Herrn Stöcker- Schleppe den Staub auswirdeln lass» könne. Ahlwardt wird nun am 24. d. M. seinen viermonatlichen Winterschlaf in Plötzensee sich aus d» Augen wischen, durch den er sich in d» Reichstag hin- Sberträumen mutzte. Hoffentlich hat der opferbereite Frh. v. Lang» lä* Gesängmtzkost ihm! geschmälzt und versüßt, aenn es wäre schade um sein feiste- Gesicht und Bäuchlein. Am 24. d. M. wird er dem ansehnlichen Pantoffel seiner liebevollen Frau wiedergegeben, w»n ihm nicht seine neue Würde als Reichstagsabgeordneter auch nach dieser Richtung sohithätigen Schutz gewährt — auS der Verjährung im Judenflintemarozeh wird ja doch nichts, so schön e» auch gewesen wärt, denn seine inzwischen perfect geworde Unsterblichtest durch die I«r Ahlwardt hat dieser Finte einen eisernen Riegel vorgeschob». Run ater ist eine Frage zur ,brennend»" geworden: Wo wird ker neue Abgeordnete sein» Platz emnehmen? Die konservative Partei zählt doch noch zu viele anständige, vornehme Elements als daß sie von dieser Nachbarschaft nicht zurückvnche, die Antisemiten-Partei bedank sich auch für diesi Brüderschaft — das Antisemitenthum gleicht der Medea, Ke chre eigenen Kinder erwürgt — was also thun? Fall« sich Harr Stöcker, der m dieser Beziehung sehr .vormthellstos" ist, es nicht über sich gewinnt; den durch seine Weihnacht«, jommlungen gewiß'nicht allzufett geworden» Rector aller Dämmen liebevoll auf ftioem Schooße zu placiren, wird nicht» A«de1:es übrig bleiben, als für denselben noch eine eigene Fraktion zu bilden unter dem Titel ״Rotfohe da bionte“ usd ihm einen eigenen Stuhl zu widm» Mit solgendcn Emblem»: Der Sitz bemalt mit einer LondschafUltizze von % lötzensee, in dessen Hintergrund im Abendsonnenscheut ein trohllreis sichtbar wird. Die Rückenlehne wird ausgcpolster: mit den Akten aller Berläumduugsprozeffe, wekhe von?her gegen chn angestrengt waren; die Seitenlehnen werd» durch Judeaflinten dargestellt. Die Stuhlkeine kurz — denn Lug» haben ja tune Beine — und als Materiet werd» die dutciplinartschen Rasen verwerthet, weiche Herr Ahlwardt schon bekommen und noch anssteh» hat. Außerdem überdacht das Ganze ein aus Baschhoff- Prozeßakten hj »gestellter Baldachin, deff» ftdldasartige Fransen von den uncingelösteu Ahlwardt-Wechseln gedreht hakten wird, - »eiche ״ trag» und mit der Inschrift ״Embarnm de verseh» sind. Annähernd so bflrfte der neue Fraktionssitz ausseh und jede Berührung mit der Auhenwät vermeiden: dann der Stuhl hoffentlich bald zwecks« geworden ist, er desinficirt und der Lhalerabarake überwies» werd«, den Grunostock bilden zu ,inem anzulegenden Musen» für; .verirrte Mittelalterthümer."- A .Die Natur liebt keinen Sprung. Sehen wir sie ein«; chun, so zeigt er. daß ihr Gewalt geschehen ist" — sagt, Schiller. Wie sehr wird ihr erst Geisa» angethan, man sie zu einem Sprung nach rückwärts zwingt und dieses Streben ist die ganze SeisteSthätigktt der Hintermänner ' ״Kreuzzeitung" gewidmet. Dach gemach wer mit seiner^ Hand in die Speichen des ewig fortschreitend» GeltenradeSZ vorwitzig greift; der wird svrtgeschleudert und zermalmt unP^ auch die alte Ruhestürerin wird diesem ihrem Schicksal uich^ entgehen. Schon ist der Fuß erhoben, der dieses-Gewür zertrrten soll, und nicht von Juden, nicht v.׳n bürgerlich» < wird sie in den Abgrund gestürzt, sonde» der Untergaugi droht ihr auS jen» Kreis», als deren Bertreter sie sich am sehen zu (affen beliebt, aus den Kreisen der Aristokat» u«Sj hohen Militair»... Sie halt» das Zünglein an der ftBaaQT' tn der die zahllosen Miffelhaten der,Lreuzzeitung" gewog», werden — noch einen Ruck und sie ist geruhtet! biene, mene Tebel Uphan>in! VI. Die christlichen ״Tilmndjndeit." Herr von Wackerbarth scheint sich thatsächlich zu eis .Talmudjuden", mindestenaber z» einem jüdisch» •©d“i steiler" auszubilden — gemeint sind hier die periodisa scheiu»den jüdisch» Woch»schristen, deren eifrige» Stnd der Herr v. W. sich angelegen sein läßt, wie er in Sitzung des AlmeordnetenhauseS vom 13. Februar Da wir aufftreDcnbc Talente gern in jeder möglich» unterstütz», soll sein Wiff» hiermit durch einen alt« r buchvers bereichert werden: JCK ימה VTO אך חד כעל" ,Der Unheil planende Geist mutz wider seinen Willen geständniffe machen." Der BalkSmund drückt dies mst Worten ans, daß mancher Mann so lange Böses ge Andere spricht, bis feine Worte seine eigenen Js schädigen. Dieser Leser der ,Israelitischen Wochenschrift" und ,A. Z. d. I." wußte jed»salls nicht, daß er am er denkwürdig» Tage uns ganz an« der Seele gesprochen, als er die mangelnde staatliche Fürsorge für den jüdi^ Religionsunterricht rügte; wir beklag» dies mit ihm, diesem Umstande ist es zu dank», daß es auch in jüd Krerstn Anhänger de« seligen Zedlitz'schm Boiksschulgi gab. Wäre dies durchgegaogen, gäbe rs allerdings mö viele israelitische Kinder m Preußen, welche jedes Relij unterrichte« doar auswüchs». ES ist ein ebenso is und ergötzliche« Schauspiel, die Herren v. W. nutz ׳ Arm in Arm mit der orthodoxen Iudenhei. für die liche Bormuudschaft in die Schrank» treten zu sehen. W»n den Herr» dabei zwei Jrrthümec mitunter^ stnd, ist das nnr ««schlich: 1. ES find nicht blas 800 i ueinben in D»tschtaud, in welch» die Echnljug»d^ vemachläsfigt wird; Gemeinden, welche Eorporattos sitz», werden schon vom Staate gezwungen, ReligionSb anzustelleu. Da aber der Staat kein» Pstuuig daz steuert, ja nicht einmal für sachgemäße Revision des ex Unterrichts Sorge trügt, welche einzig and allem de« stände auheimgegeb» ist, der wiederum nicht immer W*j“ feit und den gut» Will» dazu besitzt, so erklär»- " Resultate von selbst. Für die gering» Mittel,