Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 8 (17.2.1893)
- Date
- 1893-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-IMgimrntSarzt im Jnf.-Reg. Nr.60, Dr. AnselmOppler, im noch nicht vsllendeteu 60. Leben-jahre. Der Verstorbene entstammt einer alten Rabbiner-Famtlie in Glogau und hat in seiner Jugend talmudische Studien getrieben. Hiervon giebt eine größere, von ihm vor Jahren veröffentlichte Studie. ,Die Medizin im Talmud,* Zeugniß. Eine von ihm vor kurz! r Zeit veröffentlichte Entdeckung über den antffeptischen Characler des gemahlenen Kaffees erregte in Fachkreisen grotze- Aussehen und veranlaßt daS Kriegsministerium zu eingehender Prüfung, die ein günstiges Resultat ergeben haben soll. Seine beruflich« Tüchtigkeit, sowie die Lauterkeit seines Eharacters haben an allen Stätten seines Wirkens, so auch in Minden, verdiente Würdigung gefunden. Für das Judenthum beseelte ihn ein lebhaftes Interesse, das er auch bei allen fit, bietenden Gelegenheiten gern bethätigtc. Er ruhe in Frieden! Lötze« O.-Pr., 12. Febr. (Lr.-Cor.) Am 2. Febr. er. wurde der am 30. Januar infolge eines Schlaganfalls ver» storbene Lehrer und Prediger der hiesigen Kreis-Synagogen- Gemeinde, Julius Ahrenfeldt, zur ewigen Ruhe bestattet. Um 1 Uhr Nachmittag» begann die Trauerseierlichkeit mit der Aufbahrung der Leiche in der Synagoge. Der Andrang nach der Synagoge war sowohl von Juden als auch von Christen ein sehr starker. Um 3 Uhr bestieg Herr Rabbiner Dr. Bamberger aus Königsberg i. Pr. die Kanzel und hielt eine ergreifende Rede, in der er den Verstorbenen nicht nur als einen pflichttreuen Beamten feierte, der mit unermüdlichem Eifer seinem Berufe oblag, nicht nur als einen beredten Lehrer der Religion, an dessen Lippen liebevoll seine! Schüler hingen, nicht nur als einen geistvollen und reichbegabten Prediger des Gotteswortes, dessen Rede die in Andacht lauschende Gemeinde voll Gotlvertrauen und Zuverficht erfüllte, sondern auch als einen humanen, biederen Charakter, der durch Wählthätigkeit und Menschenfreundlichkeit sich die Herzen aller seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens gewonnen hatte. Nach beendeter Rede ordnete sich der unabsehbar lange Trauerzug und geleitete den theuren Toten zu seiner letzten Ruhestätte. Auf dem Friedhofe sprach Herr Dr. Bamberger noch einige tröstende Worte, worauf der Sarg in die Gruft gesenkt wurde. Julius Ahrenfeld«, der im 62. Lebensjahre stand, war 41 Jahre i-rAg in einem Amte thätig. In unserer Äemcüide wirkt« er fast 18 Jahr« hindurch, und sein« Thätigkelt war stet» von reichstem «ge« «?kränk. Er war reger Mitarbeiter de« Zynagogen-Verbaade« von vstpriußen, in dessem Aufträge er alljährlich di« «eltgionsschulen umliegender Städte in,plzirre. Kerner hat er auf Anreguug de» hiesigen Gememdevorftandes im Jahre 1884 di« Veranlassung zur Gründung der ,Hülsslasse für Beamte israelitischer Syuogogen-Elemeinde», deren Vinwen und Lalsen in Pommern, Ost- und Äefipreußen" gegeben, and dis zu feinem Tose gehört« er dem Borstand« dieser Kaffe an. , So hat der Verewigte über seine Gemeind« hinaus segensreich gewirkt. Als leuchtendes Vorbild ftshr sein Geist vor uasern Augen, und sein Andenken wird für alle Zeilen in Ehren gehalten werden l v. den 6. Februar. (Or.-Eor). Nichts ist dem Antisemitismus heilig. Er richtet seine giftigen Pfeile nicht jt-1 ׳ gegen das Judrnthum, sondern auch gegen das Christenweil es — ״semitische» Ursprungs" ist. ״Zer-!!eißen wir ihre Bande, und werfen von uns ihre Seile* ist der Ausruf Per echten Antisemiten. Sie lehnen sich auf «gegen Gott und ihren Gesalbten.- Jede Faser welche beide Religione : naturgemäß zusammenhSlt, soll durchschnitten werten Die Davidische Abstammung des Stifterwird geleugnet, die hohe sittliche Lehre der heiligen Schrift, daß alle Menschenkinder von Adam abstammrn, wird verhöhn», weil Adam der Ulvattr von Sen! ist. Nicht nur datatmudische Schriltthum wird begeifert und verunglimpft, sondern g«ch .das alte Testament״, ohne welches das .Neue* gar uicht denkbar ist. Tie letzt« Judendebatte im preußischen Landtag« war der .Tägl. Rundschau" noch nicht scharf genug gegen diejüdische Moral. Sie sagt: ,Wunder muß es unS nehmen, daß auch dieSnol wie stet» talmudische Weisheit herangrsogen wurde zur Kennzeichnung der jüdische« **mm — ran Lehre, deren Eiuzelsätze von Juden »nd Judenfreunden stet» für die Jetztzeit unverbindlich abgelehnt »erden. Genügte es nicht, sich einfach an da- Deuteronomium zu halten, wo es Kapitel 23, Bers 20 heißt: .An dem Fremde» magst Du wuchern, aber nicht an Deinem Bruder . . .' Diese llebersetzung ist Luther- Bibel entnommen. Auch Men« delSsohn und Zunz haben die noch mit ״Zinsen nehmen* übertragen. Dir richttge Uebrrsetzung ist aber nach .talmudischer Moral*, wie auch nach dem hebräischen Sprachgebrauch«: ״De« Ausländer sollst Du Zinsen geben, Deinem Bruder sollst Du keine Zinsen geben.״ Der Schlußsatz verspricht hier auch deshalb den Segen Gotte» Nach obiger Nebersetzung aber hat da- Bei sprechen des Segenkeinen rechten Sinu.*) Nur die mittclalinlich« Gesetzgebung zwang die Jude», zu dem unsauberen Handel und Wandel von Geldgeschäften, da ihnen alle anderen Erwerb-ziveigr verschloss«» waren. — Es wäre der Wahrheit wegen zo wünschen, daß die Stelle Deuteronomium 23, 20 in angeführter Uebertragung in den Schul- und Hausbibeln Eingang finden. Anrksrnße, 11. Febr. Eine seltene Feier in de» ton« stitutionellen Leben eine- Staates begeht morgen Finanzminister Dr. Ellstätter, das Fest des 2Sjährigen Julnläums als Leiter des Finanzministerium». Moritz Ellstätter ist 1827 als Sohn des Möbelsabrikant-n Ellstätter geboren׳ und ttat nach zurückgelegten Universitätsstudien in de« An« waltsstand, nachdem er vorher bei der Diskonto-Gesellschaft in Berlin thätig gewesen »var. Im Jahre 1866 wurde er unter Mathy in das Finanzministerium berufen, deffen Leitnag - er am l2. Februar 1868 bei der schweren Erkrankung Mathtz'» übernahm. 1871 wurde er zum Bundesbevollmächtigte« ernannt, 1888 erhielt er den Titel eines Finanzminister» und wurde von der Heidelberger Universität zum Oooror jnri» honoris causa ernannt. Man dars Ellstätter da- Zeugniß ausstellen, daß er da- Finanzministerium, daer unter de« schwierigsten Verhältnissen übernahm, dtlrch all« Klippen der polifischen Bewegungen und volkswirthschafllichen Strömungea geleitet hat, daß er durch Einführung der direkten Einkommensteuer bestrebt war, einen wirthschastlichen LnS-. gleich zu finden, und daß er andererseits mit Energie de» . Sondergelüsten auf dem Gebiete der Eisenbahnwünsche ent-1 gegentrat. Für eine gerechte Sparsamkeit hat er stet» in« den verschiedenen Kommuniquszu den Finanzgesrtzeu seine f warnende Stimme erhoben, und war auch mit Erfolg be- * müht, die Finanzen im Gleichgewicht zu halten. Heute stich die Finanzen Baden» die besten. Staatsschulden exisfiren nicht. Dem letzten Landtag konnte eine bedeutende Steuer״ «Mäßigung vorgeschlagen werden, die von der Kammer anch^ gutgeheißen wurde. Der Finanzpolitik Ellstätter» wird großes Anerkennung gezollt, auch von Seiten dr» LaudeSfürsteL^ wurden ihm wiederholt Auszeichnungen zu Theil. Ja erkennung seiner Verdienste wurde er 1872 zum Staat»! 1878 zum Geh. Rath I. Kl. ernannt. Ellstätter ist Ritters des Kommandeurkreuze« I. Kl. und de» Großkreuze» vom! Zähringer Löwenorden. Auf welchem polifischen SlandpsnM der Minister steht, darüber gehen die Meinungen au»eina»der^ *) Lieft Uebertragitug stützt sich zunächst auf Baba mezta 70 bj wo Rabbi Rachman besoaders U*chu5h (filftlfora) betsat, um b« zu folgern, daß wir dem Rochct (Ausländer) Zins« gebe» f* wenn eine Feststellung derseld» vorangegangen ist. (Vergl l zur Stelle),מ», ,אין לי אלא לוד• dieser Stell« ist nur zu einnehme,/? baß der Leiher de» Ausländer gtuseu ged« soll (darf), u. s. Auch Vdadja Geforno, Jbn Esra, Lalomml Parchsn (ft, Alänerbuche s. v. TfipZ) sagt es ln dftftr Seift ans. Berg'.! 1. Lbell Brief 8. Le« Rlchtjudr» kannst La Zinsen geben und — von chm nehmen. Aber nur solche, welche da« Gesetz gestaltet. vjW-L fttzlich« find Erpressung und Dftbpahl. («chnlchan Arnch Jor. dastz'' lös. 180) — I« Talmud (Mansch »4a heiß» es sogar UI Vs/2. «er« ö: .Sein Geld gftbt er nicht ans Zins, fttdst vomnimmt er ttln« Zinftu.* -Vergl. nach Baba «chi» 70t>.)