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Israelitische Wochenschrift · 1893-02-17 · 8 (17.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
8 (17.2.1893)
Date
1893-02-17
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Herr» Freiherr v. Wackerbarth passicten in seiner Er- Änderung einige Jrrthümer, rrsp. nur durch sinne diesbezügliche Ignoranz zu erkürende» Schnitzer. Er sagte (nach dem Berichte in der ״Krcuzzeitung"): .Ich muß erNärea, b«fe K« Juden schuld banu sind, wea» solch« Angriffe gegen sie gerichtet «erde». Den, wea» sie den Talmud ein Jahrtausend laug «hei« halte», ianu man naturgemäß zu der An» nahm« kommen, daß derselbe Dinge enthLl«, dl, wegen ihrer Ber- «erpichkeit geheim gehalten werden msiffen. Waa den Talmud selbst betrifft, so Hab« ich heute kein Material miigebrachl, um mein« Ansicht über ihn zu äußer». Doch «e»n gesagt wird, der Talmud enthalt« gar keine Lehre der -ieligioa, so verweije ich aus >le.Talmud-Thora- Schule»׳. Daß «4 solche Schulen glebt, legt doch die Ansicht nahe, daß der Talmud eine Lehre eiithalte. Hierauf haben wir zu erwidern: 1. der Talmud ist nie von den Juden geheim gehalten worden, er lag stets aller Welt offen, und wer die nvthigen Sprachkenntniffe besaß, konnte sich mit seine», Inhalt vertraut machen, was gar oft auch von christlichen Gelehrten geschehen ist. 2. In der Wortverbindung ״Talmi d-Thora-Schule׳ bezeichnet da» Wort ״Talmud" nicht das unter diesem Nomen «ursirende 12 bändige Werk, sondern eS hat hier seine ursprünglich« Bedeutung ״Studium, Lernen", und ״Talmud- Thora-Schule" heißt ״Thora-Studium-Schrlr", eine Schule, in der die Thora (mit oder ohne Lommeutar) gelehrt und gelernt wird. Es giebt sehr viele,.Talmud׳Thora-Schulen", u> welchen auch nicht ein Talmudexrmplar vorhanden ist.— Damit zerfällt der Beweis des Herrn v. W. in Nichts. Zum Schluß seiner Rede hat der wackere Herr v. Wackerbarth auch noch darauf hingewiesen. daß die ״Israelitische Wochenschrift" mit der ״Allgem Zeit, des Judenth." über den Werlhund Bedeutung des Talmuds gestritten (?)habe; DaS ist wiederum nicht wahr. Wir haben darüber mit der ״Allgem. Zeit, des Iudrnch." niemals gcslritten; rS konnte dir» nur mit einem der orthodoxen jüd. Blätter der Fall gewesen sein, indem wir im Gegensatz zu der Auffassung einiger Orthodoxen über den Talmud unsere auf dem historischen Urtheil de» jüd. Geschichtsschreibers Graes, (Ende des IV. Bande») über da» talmudische Schriftwerk fußende, wissenschastlich begründete Ansicht anführte». Die ״Allgem. Zeit, de» Judenth." ist aber, wie schwer es auch bei ihrem beständigen Gesinnungswechsel sein mag, ihre religiöse Richtung zu fixtrrn, doch nichts weniger als ein orthodoxes Organ. — Wie in der gestrigen Sitzung der Talmud, so Atte sich in der heutigen der Schulchan aruch die Kritik eine» Centrumsredner» (Abg. DaSbach) gefallen lassen müssen. Da wurden wieder die Ecker und Rohlinx und ihr beider» seitiger Helfershelfer, der Religionsschacheret Justus alian Aron Briemann in'» Feld geführt, und die oft widerlegte Behauptung wiederholt, ״daß den Juden gegen Christen Alle» erlaubt sei, wa» die Moral verbiete". Was nützt e» nun, wenn di« kompetenteste» Beurtheiler der jüdischen Sitten- ׳lehre, die Rabbiner Teutschlands, da» gerat e Grgenthril betheuern, ״r» seiden Juden dem Nichtjuden gegenüber nichts erlaubt, was dem Juden gegenüber verboten sei?" — Die Herren vom Lrntrum wollen «S bester wisse», ihre Autorität tu des Lügensabrikanten JustuS״ ׳Judenspiegel", besten 100 Sätze wir Satz für Satz schon im Jahre 188-t (in uns. Lltleraturblatt) widerlegt und »ck absurd un. geführt haben. /Wir hatten zur Zeit einen Separatabzug oavon veranstaltet:!?״Der Judensptegel des Dr. Justus im Lichte der Wahrheit", und stellen dem Herrn Abgeordneten — da das 89 Seiten umfaffendc Buch im Buchhindrl vergriffen ist — unser Handexemplar zur Verfügung, vielleicht wird -er dcdurch eines Bessern belehrt?) Wir kommen auf die Verhandlungen »o«h zurück, sobald »nS der stenogr. Ver cht vorliegt. 10. Februar. Ein weit ül>er die Grenzen tmscrrS Kreise» und Regierungsbezirke», ja unserer Provmz Hinaus bekannte, sehr geachtete Persönlichkeit, deren Name *) De« Berliner ewpsehien «tr Mt V«ra»st«lt»»g kerbietlvug einer zweite» Ausisga «eser Schiist. bei verschiedenen Handelshäusern im Ausland«, mit welchem sie in Geschäftsverbindung gestand,n. wegen ihre» strengen RechÜichkeitSgesühls einen gute« Klang hatte, ein Mann, der treu zu seinem Kaiser und König gestanden, der sich de» ungetheilten Vertrauens seiner Mitbürger zu erfreuen gehabt, solches aber auch in der uneigennützigsten Weise zu rechtfertigen verstanden, Friedmann Salomon, ist zu seinen Vätern heiingegangen. Der Dahingeschiedene, zu Helmstedt geboren, war im Jahre 18k>0 nach hier übergesiedelt. Ihm gebührt ganz besonders der Ruhm, veu Hopfenbau in der Altmark gehoben und zur höchsten Blüthe gebracht zu habe». Einfach und schlicht in seinem Wesen, fest von Charakter, ein Mann, der das Recht vertrat und das Wohl seiner Mitbü ger zu fördern suchte, war er eine Zierde unserer Stadt, der er eine lange Reihe von Jahren als Stadtverordneter, Rathinann und Beigeordneter in uneigennützigster Weise diente. Bis in sein« letzten Tage hat er als KrristegSabgeordneter seine Pflicht zu erfüllen gesucht. Als Dank und Anerkennung für seine hiugcbende Wirksamkeit hatten ihm unsere städtischen Behörden die höchste von ihnen zu vergebende Auszeichnung, Vas Ehrenbürgerrecht, verliehen. Groß war die Zahl Derer, die sich heute zur Beisetzung des Entschlafenen eingcfunden halten. Außer vielen Verwandten, die zum Thril auS weiter Ferne (London) herbeigeeilt waren, bemerkten wir im Trauerzuge len Landrath des Kreises, Herrn v. G oßler, mehrere Kreistagsabgeordncte und die Mitglieder unserer städtischen Behörden irr corpore. Dem Lrickjrvzuge voran schritt die Kapelle Heß^ welche einen Trauerwarsch blies. Nachdem die Liedertafrl, zu deren Vorstand der Verblichene lange Jahre gehörte, den Chor von Fr dr. Schneider ״Mag auch die Liebe weinen", vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. R ahm e r aus Magd«, bürg die ergleiicnde und gedankenreiche Leichenrede, weiche nicht bloS den Leidtragenden Zähren der tiefsten Wehmuth und dankbarer Lieb« entlockte. Wir machen die Schlußworte des hochgeehrten Redner» zu den unsrigen: ״Ziehe hin in Frieden, Du Mann des Friedens der Du Liebe ausgesärt und Liebe geerntet. Mögen auch alle diese Kränze, di« Deinen Sorg jetzt schmücken, verwelken und vergehen, der Ehrenkranz des guten Nomens, dr» Du Dir selbst Aeflochten, er wird nicht verwelken und Tein Andenken wtrd auch über da» Grab hinaus in dieser Stadt, in unserer Provinz ein unvergeßliches und gesegnetes sein!" Während die Liedertafel hieraus das Lied: ״Es ist bestimmt in Gotte» Roth" sang, wurde der Sarg in da» Familiengrab hinabgesenkt. Ehre seinem Angedenken! Ward. KreiS-Anz^) א <jt«s Westfalen, 10. Februar. (Or.-Cor.) Das israelitische Lehrerseminar (Marks-Haindors'sche Stiftung) zu Münster entließ dieseSmäl vier Seminar-Abiturienten zur Staatsprüfung, nachdem dieselben das RcligionSlehrerrxamen gut bestanden hatten. Dir schriftliche Prüfung fand am 1-, 2. und 3., die mündlich« am 7.'und in Soest statt, und sämmtliche Kandidaten bestanden auch diese Prüfung. — DaS Religionslehrerexamen erstreckt sich über die Fächer: Religionslehre, bibt. und nachbiblische Geschichte, hebräische Grammatik, Uebersetzen der Bibel, Eommentare, Schulchan Aruch und Cantorae. — — Am 5. wurde in Münster eine B«m Tausenden besuchte Katholikenversammlung abgchalten, worin in erster Reihe Abgeordnete der Eentrumspartei das Wort führten. — Die ״Spitzen" der Reden waren hauptsächl ch gegen-die Soclaldemokratie gerichtet doch wurde auch der Anlisemitis» muS gestreift. Im Prinzip! erklärte man sich gegen de» Antisemitismus, nichts desto weniger wurde auch den Jude« unter Heranziehung der bekannten Phrasen von!rapitalmachh - wirthschaftliche Schäden re., weidlich der Text gelesen. ES geht nun einmal nicht ander», — der Jude muß herhalten, — verbannt, wenn nicht verbrannt werden. L. chkfttde», 10. Februar. (Or.-Lor.) Am S. d. Ä. st..rb in Weißendurg i. Elf. ■ der Oberstabsarzt L El. »nd

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