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Israelitische Wochenschrift · 1893-02-10 · 7 (10.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
7 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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auf falscher Voraussetzung beiuhenden Gegnerchast euer- Osch entgegenzutrettn, anstatt die Kluft durch obige Märchen» dillrung zü erweitern und die Stimmung zu verbittern. Attischen Juden und Katholiken herrschte ehedem immer ein AundnachbarlicheSBeihältniß und so sollt' e« immer bleiben. Aemt,I. Februar. Am gestrigen Abend fand eine bemerkenSwerthe politische Versammlung im .Kaffeehiuse" statt. Die nationalliberale Partti hatte zu einem Diökutirabend über die Antisemiten-Frage einqeladen Professor Delbrück hielt vor einer großen Zuhörerschaft den einleitenden Borttag. Professor Delbrück glaubte anerkennen zu müssen, daß Schäden vorhanden seien (in Presse, Börsenspiel, Wucher), l>ri denen die israelitische Bevölkerung in einem hohen Prozentsatz, also enz vorzugsweise bethriligt sei. Dennoch sei e« nicht abzu-!en, auf welch« Weise man das Judenthum als solches rch Staatsgesetzr bekämpfen könne. Denn wer sei für den Staat ein Jude? Etwa di« getauften Juden nicht? Gerade bei diesen finde man oft di« schlimmer» Eigenschaften. Oder wenigsten« dir Enkel getaufter Juden? Auch bei ihnen könne die Raffe noch völlig unverwischt sein. Eine Aushebung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden würde die jetzigen Ber. hältnisse nicht wesentlich ändern und die erwünscht: Besserung nicht bringen. Man könne gesetzgeberisch nur so Vorgehen, daß man die Auswüchse im öffentlichen Leben, bei denen die ׳Juden vorzugsweise betheiligt seien, bekämpfe, so beim Börsen» spiel. Außerdem aber müsse man auch nicht immer gleich nach Polizei und StaatShilfe schreien. Hier sei noch ein Weg der Selbsthilfe geöffnet. Man solle sich von den un» soliden Geschäften abwenden u. >. w.—Eine large Debatte knlipste sich hieran und da zeigte eS sich denn vor allein, daß auch in der nationalliberalen Partei in Jena eine starke anti- ' semitische Strömung Platz gegriffen hatte. Gewiß bei zwei Dritteln der Versammlung war sie vertreten. Die etwa« agitatorisch zugespitzten, schärfer» Ausführungen eine« spätern Redner«, welcher die Führung der nationallibernlen Partei warnte, daß sie nicht die Fühlung mit der BoltSstrümung Verlierer, möchte, und welcher auffordette, daß man wenigsten« kein« neuen Juden rinwandern lassen solle, da da« deutsche Bilk dir schon bei un« wohneuden Juden noch nicht habe asfimiliren können, fanden stürmischen Beifall und lebhaften Nachhall in der Versammlung. (Wäre eS nicht gut. wenn der «ationallideral« H o b r e ch t diesen seinen Parteigenossen einmal «ine solche Pauke halten möchte, wir jüngst im Abgeordnetenhaus den Antisemittn I) Grattsßei«, den lll.Jannar. (Or-Eor) Unter überaus zahlreicher Betheiligung der hiesigen staatlichen und städtischen B« Hürden, der Verstlichkeit und der ganzen Einwohnerschaft ward heute hier der pensionierte Oberlehrer Alexander Elsaeßer zu Grabe getragen. Im Jahre 1817 zu Freudenthc l geboren, war Elsäßer zum theologischen Berufe bestimmt, er absolrttte das Stuttgarttr Gymnasium und bezog die Llibinffer Hochschule. Durch Familienverhältnisse veranlaßt, «!fließ er aber bald wieder me Universität und bildete sich ' im Eßlinger Lehrerseminar zu« Bolksschullehrer heran, Estin« Absicht, sobald e« ihm die Berhältniffe gestatten würden den unterbrochenen akademische« Studiengang wirder auszu- ^nelfmen, tonnte er nicht verwirklichen: er bekleidete nach ' «»«»der die Lehrersteven in Korb, LehrensteiuSfeld, Oberdorf,?.'Ätbenbausen und Laupheim. Mit seinem siebzigsten Lebens» Sicc (i. 3. 1887) trat er in den Ruhestand und ward mit ׳ goldenen Eivilverdienstmedaille geschmückt, nachdem er mehrfach für seine hervorragenden Leistunzen in der e belobt, prämnrt und auch mit dem Titel eines ״Ober- >* ansgezeichnet worden war. Bon Natur hochbegabt, sich Elsäßer ein umfangreiches Wissen aus allen Ge» der Wissenschaft, mit der jüdischen Geschichte »ud Lit» Statut war er in hervorragend« Weise verttaut und bis s seine letzten Leber^tage war er rastlos bemüht, mit dem •,Mt mt nach ein fleißiger MM bei «er tx uns. vlan«. (Neb.) Fonschritt der Wissenschaft gleichen Schritt zu halttu und seine Kenntnisse zu bereichern. Ein Augenübel legte seinem Streben mannigfache Schranken aus: aber Elsäßer'- reger Geist kannte keine Ruhe. Zahllose ANikel und Notizen. in wissenschaftlichen Blättern*) und in Tageszeitungen stammen auS seiner Feder und bei vielen wissenschaftlichen Unternehmungen >var er ungenannter Mitarbeiter. Sein reiche« Wissen stellte er freigebig rur Verfügung allen denen, die sich bei ihm Rath und Belehrung holten, und wer nur ein kurze« Hstspräch mit im pflog, der ging nie ohne Anregung, ohne unschätzbare Winke aller Art von dann.׳». Elsaeßer verstand meisterhaft zu plaudern: die Geschichte der Juden Württemberg« hatte in ihm ihren besten Kenner und wenn es ih» vergönnt gewesen wäre, die vielen Einzelheiten, die er in seinem treuen Gedächtnisse barg, seiner Absicht gemäß zu Papier zu bringen, so wäre da« Judenthum um ein werth» volle« Werk bereichert worden. Möglicherweise finde» sich unter dem großen litterarischrn Nachlasse Auszeichnungen die von kundiger Seite bei der Abfassung einer Monographie über die Geschichte der württcmbngisctien Juden sich verwerthrn lassen. Alles Gute, Wahre und Schöne machte Elsaeßer zu seiner Sache, für die Rechre de« Judenthuin« war er ein tapferer Vorkämpfer.׳ mit den meisten Grüßen unserer Religion verbanden ihn persönliche Beziehungen. Sein höchstes Ziel war ein echt de nt sch es Judenthum, daß treu den Traditionen der Bergangenheit dem Fortschritt und den Errungenschaften der Gegenwart sich nicht verschloß. Daß er dieses de i tschr Judenthum nur auf dem Boden deutscher Geburt und deutschc Erziehung gedeihen sah, war gewiß kein Jrrthuin. Er war u. A. auch Delegirter de« D.-J.- G.-B.j von der württembergischen Regierung ward er in die Kommission zur Beralhung des Normallehrplans berufen und zum Wohle seiner BerusSgenossen hals er den Unterstützungsverein für israelitische Lehrer. Witwen und Weisen in Württemberg begründen. — An seiner Bahre sprachen Lehrer Koenigsberger - KrailSheim, der ein treffliche« Lebensbild des Entschlafenen entwarf, Rabbiner Kahn- Heilbronn, d.׳r, früher in Laupheim, elf Jahre neben dem Dahingegangenen wir'.te und dessen vielseittge und umsaffende Thätigttit würdigte. RabbinatSverwefer Dr. Einstein- Laupheim, der durch langjährige persönli che Freundschaft mit ihm engvrrbunden die letzten Grüße der dankbaren Gemeinde Laupheim übelbrachte, und Lehrer Z ürndors «r-Michelbach namens der israelitischen Lehrer, die in ansehnlicher Zahl herbeigeeit: waren, um ihrem Kollege» die letzte Ehr« zu erweisen — Elsaeßer« P« rsönlichkeit, seine Thätigkeit und seine Berdienstt voll und ganz zu würdigen, ist im Anblick« de« frischen Grabhügel« kaum möglich: späteren Tagen wttd sicherlich die Erkenntniß reifen, daß auch von Alexander Elsaet,er gilt: ״Nennt man die besten Namen, so wird auch der meine genannt." Odtrt(i(f)>Ut1g«ta. Me«, 4. Februar. Da« Regierungsprogramm für die Bildung einer Majorität enthält folgenden wichtigen Passu«: »Da da» GtaatSleden auch ei» friedliche» verhültniß der »erschledenen Tansrssianeu und GesellschastsNassen der etaattb&rget er» de» Schulgesetze» wird di« Negierung den religiösen (befühlen der ve» völterung innerhalb der Gesetz« Rechnung tragen. Hinsichtlich de« religiösen Gefühl« erkennt di« Negierung an, daß lediglich di« Gutachten der betr. Airchenbehörden maßgebend sind und wird deren vün'chen rhualichft enrgegenlammen." Hkr»», 29. Januar. Im Vereine zur Berbreituug der Wissenschaft de« Judenthum« hielt am 21. d. Mt«. Herr Rabbiner Dr. Nathan Grün einen Vortrag »Zur Gestblchtt der Entdeckung Amerika'» au« älteren jüdischen Geschuht«- quellen". Der Vortragende führ« drei geschichtliche Berichte über die Eatdeckung der neuen Welt von jüdischen Historikern an, und zwar au« den Jahren 1626, 1560 und 1692. Der erste Bericht von Abraham Farissol in Ferrara enthält ganz

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