Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 7 (10.2.1893)
- Date
- 1893-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i׳. Off« »üb rückhallslas herouSgesogt: Er steht auf Leiten - der Antiscmsten, die sich an manchen Olten .vereinigte . Christennennen. — Wie kommt da»? — Höre die Ant- . Wort: Meinen verehrten Confratres geht e» genau so, wie e» mir selbst ergangen ist. Schon als kleiner Bub lernte ich von mi inrr Umgebung, de« Juden als Wauwau betrachten, vor dev! man sich me vor dem Gottseibeiuns zu hüten habe... Danr kam die Schule, die Beschicht« des bitteren Leiden» und Sterben» unsere» göttlichen Heilande». Nicht einem meiner Lehrer an der Volks-, Mittel, und Hochschule ist e» beigesallen, etwa zu sagen: .Die Kreuzigung unseres göttlichen Erlösers und Heim war ein Justizmord, welcher zunächst uu>> hauptsächlich aus da» Kerbholz dessen zu schreiben ist, der da» ja» gladii hatte, und las hatte nicht der Judl, sondern der oberste Landesbeamte de« römischen Kaiser«. Freilich haben auch die Juden mitgethan und mitverschuldet hauptsächlich deren oberste Hierarchen, die, mnn damal,i eine gewisse Zeitung existirt hätte, von derselben.StaatSpfaffen' titulirt worden wären, sofrrne ja die damaligen hohen Priester der Juden mehr oder weniger Creaturen Roms naren und sein wußten. tz Daß auch au» dem Balte das ״Kreuzt;e ihn!" laut geworden, ist nicht zu verwundern, zumal baf Volk von jeher diejenigen, die es am besten mit ihm gemeint, aus den Wink seiner selbstsüchtigen Führer hin verlästert und ge- Peinigt hat. Zudem darf gerechter« und billigerweise die jetzig« Generation für die Thaten eines längst vergangenen Geschlechts nicht verantwortlich gemacht werten." Solches und Arhnliches habe ich in der Schule niemals gehört. Der Mittelschule folgte sofort mein ״theologisches Studium." Kirchengeschichte undKirchenrecht eröffnet» den Reigen. Der Docent war «in gutmüthiger alter Herr, aber un» fähig selbstständig zu urtherlen. Was chm die Eomprndien vorsagttn, erzählte er nach, und die Campe,!dien erzählen bloß das, was die Juden den Christen aaget »an. aber nie buch was di« Christen den Juden angethan. Letzteres wurde grsÜfsentlich verschwiegen, damit der Theolog,! eine .feste, gute Richtungerhalte, d. h. eigentlich recht einseitig werde. So ausgerüstet trat ich in die Seelsorge und in dem Studium muß man froh sein, wenn man da» Cingepaukte eicht vergißt. Zum Selbststudium fehlt in der Regel Zeit , und Anregung. Nunmehr ,st da» Faktotum, zewissermaßen :tat Borlese- und Lehrbuch, die Zeitung. Der Geistliche setzt voraus, daß sein« Zeitung nur Be- und Wahres bringen könne, er nimmt an, daß ■Jkt Zeitungsschreiber sein Bedruckte» gründlick, durchstudirt 'And »«»halb glaubt er ihm meist aus« Wort. 'Unsere, d. h. bk von un» Geistlichen gelesene» Zeitungen traten nun gleich iwch dem ersten Auftauche» des modernen Antisemitismus ans die Seite der Antisemiten und stimmten rückhaltlos in In» Heppl Hevpl Die unleugbaren MH- und Uebelstände, ,wiche zum Dhell Christen und Juden versckmldet haben, ,wurden letztere« allein zugeschoben, der Jude wurde einzig und ausschließlich Sünden bock für alles. Run, ine Hand auf» Herz, mein Lieber! Du warst elbst Zeitungsschreiber. Kannst Du in Wahrheit sag», «ß Du eine jede Materie, über die sich Dein Blatt verwütet, gründlich durchstudirt? Steinl und abermals nein! L»d gerade so fleht es mit unser» ZeitunMcksreibern. Ich hundert auf eins, daß sie die Stiftes der Anti- , kau« einoesehen, geschweige durchsdwirt Isaben. Denn tfcakm sie stmst »tt ttmm Fritsch «ab Frei Hand in h»? Sie, die sich als Säulm der Kirrhe betrachten, die Urheber und Führer des Antisewititmu» — die , brbarttttn Arier" — die Fundamente d>» ««»ergrabeu. ״sied» Väter' de» TatisemitistNMsckc» ' als sie di« willige »r*־ *** folge der .Ulttamontaa»' und ,Clerikalenvor Auge» hatten. Während diese dann Sä«. im Interesse der Religion, wie sie meinten, das ״aaaa ckaia«׳!c>a" schrien, ist den Urhebern und Führern de- Antisemitismus nicht bloß das Lhristenchum absolut aleichgiltig. sondern im Brun re genommen gerade so verhaßt als wie das Judenthum. DoÜa, lag«! schriebst Du. DoUabam, lagabpm, ad ckoladaru. Was ist dem Antisemiten der Gott MosiS? EinSheusal, ein blutdürstiger, grausamer Moloch. Und doch ist der mosaische Gott identisch mit dem von uns angebeteter Herrn de« Weltalls. Stur vermögen wir Christen Gott, die absolute Selbstsuffikienz und Selbstseligkeit. nicht als absolut einsam zu denken, wie Du vor elf Jahren ia Deinem Essai über den Mohammedanismus weitläufig gezeigt hast. Dana aoloa non aolitarioa. WaS sind den Antisemiten die Patriarchen des alten Bundes — Abraham. Isaak, Jakob, Josef? - Spitzbuben, Bettüger und Lumpen, während wir sie in der Allerheiligen Litanei um ihre Fürbitte bei Gott anrufen und der Herr selbst den Abraham in den Hiinmrl versetzt. Was ist den Antisemiten unser Herr und Heiland Jesus Christus? Zunächst ein Arier. Schon das ist eine Grund- und Hauptketzerei. Christus, als Person betrachtet, ist weder arisch noch semittsch er ist rein göttliche Person, flliua Dar. Seiner menschlichen Natur nach ist Christus Semit. DibargaaaratioaisckaaaOhriati, Mi David, filii Abraham! Darüberhin gilt Christus den besseren Antisemiten als ein ,hervorragender weiser Mann', während die Aussprüche anderer aalva reverentia nicht können angeführt iverden. Was ist den Antisemiten daS ganz« neue Testament? Der nur etwas .zerflossene Ausdruck der jüdischen Rassenbeschaffenheit und hier und da sich selbst widersprechend' (Dühring). Selbst dachristliche Moralprincip vermag vor den Augen der ״Mtrr" nicht Gnade zu finden. Ich Hab« «och viel anderes, vom Standpunktt des Christen» chumS aus betrachtet, höchst Mcwerfliche in den Schriften der ״Bäter" gefunden, indes genüg« da» Gesagte zur Braut» Wortung Deiner Frage: ,Zarin ein katholischer Geistlicher mit den Antisemiten Hand in Hand gehen?" Nie und nimmer. Sohin hast Du, alter Freund! Dein Auftreten geg» bte Antisemiten nicht zu bereuen und es steht zu hoffen, daß Episkopat und Primat advaraaa haaraain antiaenut. decketirrn werden. Schließlich bezeuge ich, daß ich währmd meiner ganzen Lebenszeit von keinem Juden bin angeschmiert wor» dm. Und wäre es geschehen, so hätte ich Raison gering nicht zu generalisiren und zu sagen: so sind sie all«, weil ich die Generalisirunz auch für aus Christen nicht gelten lasse. Nun hoffe ich, alter Frmndl Dir bewiesen zu Hab«, daß ich aaatali «t legi. Yale! und bleib' treu Deinem Getreu» Franz! m. p.* 3MM- oder. Zkttd»j«de»t-r»«. Unter diesem Titel erschi» soeben — von ״fff* (!) — eine Gegenschrift gegen die sensationelle Broschüre: .Schutzjuden oder Staatsbürger", als deren EZeHaMr sich Herr Dr. Raphael Löwenfeld ia Berlin nachträglich», nanut hat. — Die Hrgmbroschüre ist da« gerade Gegenteil . der Löwenseld'sche» sowohl in Bezog auf Form aU Inhalt. Sk ist nichts weniger als geistreich imd nur iusofe» von Interesse, als sie »dl ich dasjenige klar enthält, was Einsichtige, durch frühere Lrfahrun-m mißtrauisch gemactz, ' geahnt, nämlich das Bestreb» der lvrthodoxk, in dem .ר■/, ' der antisemitischen Bewegung i« Trüb« jzu ' «güeWw > i .rJ dir durch die .Reform'