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Israelitische Wochenschrift · 1893-02-10 · 7 (10.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
7 (10.2.1893)
Date
1893-02-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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war, bic aber den gewohnten Eindruck nicht mehr machten, ans alledem ziehen wir die Lehre, daß die Tonservativen fühlen, wie sie ausgewirthschafttt haben. Wahrlich, sie hatten reckt, rm 8. Tecember v. I. den bekannten Paragraphen gegen antisemitische AnSschreitungea in ihr Programm nicht auszumhmen; wozu mit den Busenfreunden sich erst necken und entzweien, da der Selbsterhaltungstrieb sic zwingt, sich wieder zu vertragen, ja noch mehr, mit Sack uud Pack inS befreundete Lager überzugehen. Herr Stöcker, de« nach seiner Verabschiedung aus der Nälc des wahrheitsliebenden Monarchen die Judenhaß einziger Lebenszweck geworden, hat von seinem früheren Handwerk — mehr war es ihm nicht, sonst hätte er eS nicht um daS antisemitische Linsengericht verkauft — Liebe genug übrig behalten, um mit ihrem Mantel alle-Unvorsichtigkeiten eines Ahlwardt selbst bedecken zu können. Ja, ja, Herr Stöcker weiß, wie das thut und ist daher sehr milde in der Beurtheilung von Menschen, die wegen leichtsinniger Reden, Schwüre oder Handlungen von den Gerichten gefaßt werden, die natürlich ob dieser ״Fassung" verjudet sein müssen. Der Mann bat einen großen Fehler, daß er nicht conseqnent ist, weil er gnädig behauptet, die Beschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden nicht zu verlangen. Don Chrislobal tlrem«, sein Genosse a if demKriegsps-rde, zieht doch wenigstens seine Lonsequenzrn, wenn er init beneidcnswerther Weich, müchigkeit erklärt, nichts dagegen zu haben, ,wenn es den Zettbedürfnisien entspricht," den Juden ihre vrrfassungsmäßigen Rechte zu nehmen. DaS ist ein Volksvertreter, eines Volkes, zu dem auch Juden gehören, welche a» seiner Wahl glücklicherweise unschuldig sind. Ihm brauchte Herr Ricke« auch nicht die Frage entgegen zu schleudern, welchen streck die Hetze denn habe, »renn an den verfassungsmäßigen Trrungrn schäften nicht gerüttelt werden kann und darf. Schade, daß der alte Windthorst nicht mehr lebt, der Wirde nicht müßig zugrsehen Haben, wie des Nachbars Haus brennt, ohne löschen zu helfen, weil er versichert ist. Die Herren vom T^ntrum haben ein sehr kurzes Gedächtniß. da» erst auflebt, wenn sie am eigenen Körper die Geißel fühlen; wir denken der unglückseligen Zeit des unglücklichen Culturkampsrs, mit welchem Pathos sie für die gleichen Rechte aller Staatsbürger eintraten, und heute ist der Spiritus fort und nur das Phlegma ist geblieben. Was in der ganzen Unterhandlung ain Bittersten berührt, ist dasjenige, was außerdem nicht gesprochen wurde. War den» kein Dalberg da? Wo war denn der Justizminister? Wo war er, um Aufklärung darüber zu geben, warum dem Verlange«! des Professor Strack nicht Folge geleistet wurde, was die Herren Abg. mit Recht bemängelten? Warum thar es nicht der Ministerpräsident an seiner Stelle? Nun denn, war Herrn Sttack verweigert wurde, darf uns nicht versagt werden. Wir ve»langcn keine Gnade, sondern unser Recht. Wir beantragen Sic Untersuchung gegen uns — wir verlangen Gehör, aus daß wir uns vertheidigen. — Wir stellen uns selbst dem Gerichte; welcher Justizministcr wagt es, unere Vernehmung un» zu verweigern. Leben wir in einem Rechts, stoatr, oder nicht? Wenn ja, darf der Minister nicht zugeben, daß wir durch Paaiphlete gelyncht werden, er m u ß prüfen, ob wir schuldig sind, um uns zu strafen, oder unschuldig, *a» uns den Schutz zu gewähren, den wir als Staatskürzer zu beanspruchen befugt sind. Todtschweigen darf ein Minister derartige Anklagen gegen verschiedene Hundertiausende von Bürger« nicht» weil dadurch die Waage der Gerechtigkeit zu Sumsten des Anklägers beschwert wird. Der Brrtreicr der Gerechtigkeit soll blind, aber nicht taub sein! (Za, hier ist der Punkt, wo der Berliner jüd. Gemeinde» vorstanS »st einer Petition im Namen aller Gemeindevor» stände einsetzen müßte; jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt getmata. um sich — nachdem der Instanzenweg erschöpft ist, der Jnstizmiuisttr es abgelehnt hat. de« Oberstaats. anwaltsbeschluß zu recttsicire» —.in einer Immediateingabe an den Kaiser, den Ho« und Schirmherr« der Gerechtigkeit, zu wenden, und ihn um das Recht des Angeklagtwertzen's anzugrhen, ein Recht, da« gegen jeden eines schweren Ber» brechen« Verdächtigen von Staatswegen geübt werden muß. Wir wollen angeklagt werden, um uns ver» theidigen zu tönnenl Red.) AatSok-ismus gegen Anttlemttirmn». In dieser Zeit, in der —!eit Windthorst'S Tod — auch die tonangebenden katholischen Blätter in die Juden. Hetzrust der Protestanten mit cinstimmen, ist rin« Kundgebung, welche wir der soeben erschienenen Broschüre: .Offenes Sendschreiben an den Hochwürdigen He«n Johann Hauser. Redakteur, von Dr. Karl von Krßling', dem Be»- kämpfer de- Antisemitismus in Oesterreich, entnehmen, von besonderer Bedeutung. Es ist dies ein Schreiben de» Pfarrers I. von ll. an seinen Mitbruder Sch. in L., da» wir folgt lautet: .Alter Freund! Als Du mir vor ein paar Jahren Deinen Entschluß, wider die Antisemiten zu schreiben, mit» gethrilt, habe ich Dir offen und unverblümt meine, wie ich glaubte, unwiderlegbaren Bedenken vorgrtragen. .Wie? sagte ich. Du. ein Geistlicher — willst wider dst Antisemiten zu Gunsten der Juden schreiben, die in unserer CharfreitogSUturgie als ״perüdi' bezeichnet sind, Du, der ein ganzes Menschenalter hindurch Kirchengeschichte vorge» tragen und alljährlich daS ״Odium JadMoram“ als ״im• pedimentam“ der Ausbreitung des Ehristenchum» hingestellt; Du. der Du die canonischen «Ätzungen bezüglich Juden» thumS in Dein Handbuch de» Kirchenrecfste« ansgenommen hast. Du willst nun aus einmal, nach so vielen Jahren, Dich selbst drSavouiren, willst Israel als da» unschuldig verfolgst Lümmlein hinstellen, willst mit Deiner ganzen Hergänge»» heit brechen?“ So schrieb ich Dir. Du beantwortetest mein Schreibe« mit einem Pakete antisemittscher Druckwerk und den zwei einzigen Worten: ״Doll«! leg«!" Nimm und lies! Und ich las und studi«c die namhaftesten Schriften der hervorragendsten Urheber und Vertreter des heutigen Anti» semitiSmus, die eines Dühring'), Fritsch'), Nauth'), Frei'). . u. a. m. und schrieb Dir nach meiner Lektüre: »Du hast recht, der heutige Antisemitismus ist eine der gefährlichsten Häresien, so jemals aufgetaucht. Den Beweis hieflir könust« wir durch Anführung zahlloser Stellen auS den anttstmi» tischen Schriften erbringen, die jedoch, weil mitunter ent» schiede« blasphemisch, nicht wörtlich mitgetheilt werden dürfen. (Vgl-Dühring S. 40, •11, 57 u. a.; Nauth S. 17, S. 30 ff./ u. s w.) Auch die Schattirungcn des AntistmitismuS bergen in ' sich mehr oder weniger Grundirrlehreu, namentlich die, daß - .die moralische Seist de» Menschen dem Blust entstammt." ' Ist nun dem so, involvi« der Anttstmitismus funda» - - mentale Jrrkhren, so Kat sich der katholische Lleru« als von Gott bestellter Hüter der Religion, ihm gegenüber gänzlich / ablehnend zu verhalten. Da gibt e» weder Transaktion noch' Pactirung, sondern nur unbedingte Repudiatioa, welche auch , durch den Hinblick ans Praxis, nämlich da» Gebaren der Antisemiten, geforde« ist, den« Verleugnung des Theistenchums in Throne und Praxis ist dst Signatur deffelbeu. Wo steht aber nun der Großtheil unserer lieben Ton» statrrs? *) »Der Srsttz kn SttUsim durch Belltommms uud die > schstdasa asm Jude»«««» durch dm »»dem» «sttn^tp.» («r ruhe ■ak ad^glSO.) *) hlaiWt, (•nwMakau a. s. ». 1 .»st Im dem nk kn deuqche «tan.« («staust» UW.) •j ,Brra stakt Fraßes.-

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