Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1893-02-03 · 6 (3.2.1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
6 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492344-5935087-5962189--1436-5375543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

be* .Md^Caairignai* NI Sachen br» Verweise« MM bett berühmter^'Ahlwarbt-BerehrerLaadrach v. Bor»- frevt-Friebeberg. Mit aller Kraft erhob der Herr Graf sein . bltnne« StimmchenHrm über eine exceptionell schlechte Behandlung brr Konservativen durch die Regierung zu klagen, worin ihm als wsckerer Kämpe nachher Freiherr von Min nigerod e sekundirte. Derb und gepfeffert waren die im Tone großer Entschiedenbeit vorgetragene 11 Erwiderungen des Grafen E ulenburg, brr die Erklärung abgab. die Regierung habe gegenüber dem Uhlwardt'schen Treiben so handeln müssen, wir s e gehandelt, un sich nicht dem Vorwurf der Zweideutigkeit cder gar der Konnivenz auSzusetzen. — Damit war da» Sigial zu einer ausgedehnten Debatte über den Antisemitismus gegeben, in bet oie freisinnigen Abgeordneten Rickert, Dr. Meyer und mit großer Entschiedenheit auch der nationallibcrale Abg. Lobrecht da« Geoahrrn der verschämten und unverschämten Autist-,iten geißelten. Fortwährend wurden diese Redner durch lärmende Zurufe der Rechten, die sich heute einmal vneder in ihrer wahren Gestalt zeigte, unterbrochen. Johlender Beifall dagegen wurde seitcnS der Kavaliere den Rednern zu Theil, welche über dir Juden Herzogen, allen voran dein ״Wahrheitsfreunde" St Ücker, n>elchersich durch dir hundertste Wiederholung seiner Tonhallen- und Tivolibierreden hervorthat. Gelegentlich drehte sich die Debatte auch um den so- «nannten ״Deutschen Bauernbund*, der, wie Rickert ent» IjtEj: und der Bater dieses netten KindcS, Herr von Plvtz, offen zugab, Schulzen und Landräthe ganz unverfroren in I>e» Dienst seiner gegen ״Freisinn und Judenchum* gerich-!!etetrn Bestrebungen stellte. Die Sitzung, in der die Unkultur mn«S wüsten Rassenhasses sich in beschämender Weise breit «achen durfte, ließ doch den Eindruck zurück, daß die Anti- '«miten am Ende ihrer Weisheit anaelangt seien. — De» chrmaliaen Ministers Hobrecht Schlußworte — er hatte in seiner Rede u. A. da» schmutzige Flugblatt ״Talmud-Aus- «" einer vernichtenden Kritik unterzogen und es drrLüge überrt — werden im Lande noch lange nachkliigen, dem sie enthalten in drei Worten da« schärfste Verdikt de» Antiienntismus, den er als ״unedel, undeutsch und unchristlich* geißelte. — Wir kommen auf Einzelnes aus den fulminanten Reden noch zurück, weil wir ganz besonders be- ^bei ״Rechtsverweigerung" in der von Rickert grell belen St rack scheu Angelegenheit einen Vorschlag zu «achen haben, der uns eminent wichtig und praktisch erscheint and aufZustimmungin maßgebenden jüd.Kreisen rechnen dürfte. J. |täSin, 30. Januar. (Or.-Tor.) ״M. w — M. w. u." Kennen Sie. geehrter Herr Redacteur, diese Abkürzungen? Ruu sie sollen auder maulfaulen Sprache der köstlichen Gigerl stammen und bedeuten: Machen wir! ot«r — machen wir nicht! Die- Wort fällt mir allemal ein, wenn ich die jüdische Gemeinde in Berlin betrachte. Hier »nrd alle« ״ge- «acht" oder ״nicht gemacht", selbst die zartesten religiösen Berhältnisse werden — natürlich von Vorsiandswrgen — arrangirt und wie man zugeben muß, oft recht geschickt arrangirt. Man arrangirt die Wohlthätigkeit, man arrangirt Wahlen, die Presse, ein Gebetbuch eine jüdishr Sittenlehre, eine Erklärung, den Gottesdienst kurz die ganze Religion und es hängt von der mit Spannung erwarteten Kopfbe׳ «egung des allmächtigen Vorstandes ab, ob n: auf eine Anforderung winken wird: M. w. oder M. w. n. — Eine solch« Einrichtung, welche der Vorstand, aniriirt durch erfolgreiche Bestrebungen in der Provinz, wotlwolleud dekrr- Irrt hat, ist der Jugcndgottetdirnst. Er ist ohne Zweiftl von großem Segen in mittleren Gemeinde!, wo auden Lindern sich ein« Jugendgemeinde, gleichsam ta« Vorbild der Großgemeinde, bilden läßt, die eine in den natürlichen BezÄMNgen wurzelnde Disziplin zusammenhält. Was in der Großgemeinde so unendlich schwierig ist, /Herstellung von Ordnung und äußerer Andacht, ein wirklicher tßemeindegesaug, «in innerlich wahrer Gottesdienst, ein Jwruanderarbeiten von Schule und Gemeinde, das alle« läßt sich in kleinen Gnminbe» mit^tt Zuaenb leicht bewirken.!Der Rabbiner ist zngleich der Lehrer dieser Jwgenb, er kennt jede« Kind genau, er kann feststellen, wer fehlt, er kann seine Belehrung so einrichten, daß sie nicht langweilig eben weil all-!'," ' ' " ‘ .. er kann den Jugendgottesdienst zu einem durch die Anwesenheit der Eltern doppelt wirksamen Anlaß zu loben oder zu tadeln machen. Das Alleist in Berlin nicht möglich. Der Besuch kann nicht kontrollirt werden und kein Pädagoge wird so thöricht sein, schon der Jugend ״dir Freiheit de« Bekenntnisses" zuzugestrhe». Der Gottesdienst ist heut im Westen morgen im Osten, der Unterricht ist nicht auf den Gottesdienst eingerichtet, noch der Gottesdienst aus den Unterricht, für den Gemeindegesang tritt wieder ein;'teüvertrrtrnder Chor ein, die Sache wird also der Jugend langweilig und ein Schauspiel, die Herren Prediger stehen zu denKindern vor ihnen in gar keiner Beziehung und treten auf, wie sie dienstlich abcommandirt werden. ES ist also nicht anders, die Sache mag ganz nett arrangirt sein, aber eS ist eben nur repräsentative M ache. Der Vorstand sah: Die Sache ist zeitgemäß, bekam Thatendürft und sprach imperatorisch die entschlossenen Buchstaben: ״M. w." Die Adressenangelegenheit beschäftigt noch immer die Gemüther und es wäre bas beste, wenn sie bald eine wahrheitSgrtreue ausführliche Darstellung erführe, natürlich wie alles, waS jetzt geschieht, streng vertraulich, sobiß also die weitesten Kreise dir Sicherheit haben, etwa« näheres zu erfahren. 1 B. AerNn, den 30. Januar. (Or.-Lor.) (Ein eigenthümliches Streiflicht über die falschen Auffassungen von Ehre bietet der jüngste Vorfall, der in dem Bankhause de« Herrn Josef Stern sich ereignete. Die älteste Tochter de« reichen Bankiers Heirathete einen preußischen Ofäzier, nachdem sie sich vorher getauft hatte. Da« war jedoch dem OffiziercvrpS nicht ausreichend. Diese edeln Herren machten nunmehr geltend, sie konnten Niemand als Tollegen auerkennen, dessen Schwiegereltern mosaisch seien. Herr Stern hatte nun nichts Eilgeres zu thun, als sich und seine gesammle Familie taufen zu lassen, um der Ehre nicht »erlustig zu werden, einen Offizier zum Schwiegersohn zu haben — obwohl sein Reichthum es gestattet hätte, Liesen sejnen Abschied nehmen zu lassen. . . . Und doch hat man in höchsten Kreisen keinen so schlechten Begriff vom jüdischen Kaufmannsstande, sonst würden die meisten Gegenstände für das hohe Brautpaar — dessen Festlichkeiten eben in Berlin zu Ende gehen — nicht bei den jüdischen Firmen (Friedländer, Juwelen — Sobersty, Kleider — Wurm, Beschuhung u. a. m.) gekauft worden sein. Werkst», 1K. Januar. (Or.-Cor.) Hier e zählt man sich aus Anlaß der letzten Rabbinerwahl von einem Renkontre, da« der Weise von Dessau und der Weiße von Deffau einmal mit einander gehabt haben. Sagen wir :» nur von vornherein, daß Mendelssohn dabei den Kürzern gezogen. Allerding« konnte es sich, da Mendelsohn nun schon länger als hundert Jahre todt ist, nur um den Mendelsohn in etfigi« handeln. Die Sache klingt geheimnißvoll und allerdings wurzelt sie in den tiefsten Gründen einer altorthodoxen Religionsanschauung, deren Prinrip ja bekanntlich ist, was vor Jahrtausenden und im Orient vernünftig war, nun auch für unsere Zeit als richtig und verbindlich zu erkläre!.. Ja einer Zeit deS Götzendienstes duldete der Puritanismus der Jude« keine Statuen von Menschen in jüdischen Häusern. Ader in Dessau girbt es, sollte man glauben, jetzt keine Götzendiener und wenn die Statue eines Mannes, und sei es auch MeabekSsohn, im Hause deS Rabbiner« steht, so ist die Befürchtung kaum vorhanden, der Rabbiner könne vor diest Statue hinkuieen und sie wie einen Gott anbeten. War c« nun mese Furcht, oder hatte sonst Weiße gegen diesen Moses Deffau etwa« auf dem Herzen, genug, der Rabbiner von Deffau konnte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.