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Israelitische Wochenschrift · 1893-02-03 · 6 (3.2.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
6 (3.2.1893)
Date
1893-02-03
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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CBctfen ,die Sidra wvchenüich zweimal, und da» Targum einmal ohneBerständniß.durchzugehrn" in weiterer Perffrmve »die Verbannung der hebr Gebete au» Synagoge und Haus" u. s. w. Kennt Herr St. wirklich die tatsächlichen igerhält» nisse jo wenig? Weiß er nicht, daß unter hundert Juden karm einer jene Verordnung erfüllt, daß die andern sie nicht erfüllen können, weil selbst bei denen, die eine Relioions» schule besuchten, die Kenntniß der hebr. Sprache sehr schnell wieder untergraben ist? Daß dagegen in größeren Gr. meindcn selbst die treueste Lehrcrorbrit auf die Dauer nicht ankämpftn kann? Ein Beispiel: In Hannover, einer Gemeinde mit intensivem religiösen Leben, dem Sitze eines Lehrerseminars, der es also nicht an Lehrkräften fehlt, wächst der dritte Theil der jüdischen Jugend ohne alle Kenntniß der hebräischen Sprache auf; und da Herr K. von Berlin spricht, wird er besser als ich wissen, daß dort :ausenden von jüd. Schulkindern dasselbe und schlimmeres widerfährt. Aber ich verliere mich dennoch in unnütze Er» örrerrngen. Ich frage nur, wie in aller Welt der geringste Schaden (!!) für die Religion daraus entstehen könne, daß es in jedem jüdischen Hause eine deutsche Bibel gebe, sei es auch nur, wie es fast in jedem Hause einen Schiller gicbt? Wie er in unsrem Aufruf auch nur den geringsten Anhalt für eine Gefährdung der hebräischen Sprache finden kann? Wie dadurch die allermeistrns gar nicht vorhandene hebr. Bibel verdrängt werden könne? Im Gegen theil erwarte ich, daß bei wahrhaft religiösen, aber des Hebr. unkundigen Juden, die diese Bibel trifft, gerade ihr Studium — denn freilich darf das Wort Gottes in keiner Sprache nur gelesen werden— erst recht das Verlangen erwecken wird, den Uttext zu verstehen, von dem ffe mit Fug Höheres erhoffen dürfen. Nicht ein vorhandenes Bibelstudium soll erleichtert, sondern ein nicht vorhandenes allererst angebahni werden. Gerade an der deutschen Bibel, in der der Lehrer an den öffentlichen Schulen etwa die Propheten und Hiob liest, muß sich ihm Gelegenheit bieren, den Schülern auf Schritt und Tritt zu zeigen, wie ein riohres und volles Berständniß nur aus der Kenntniß der Ursprache zu gewinnen sei. Ich erwähne endlich noch, um Herrn K. zu beruhigen, daß ich aus dieser Bibel in der präparircn lasse, während Die Nachüberjetzung aus einer unvocalisirten Thora (Didtrrm) erfolgt, wodurch ich die Schüler auf den Privatunterricht vorbereite, den sie nach Verlaffen der Religionsschule bei mir haben können, und in dem sie wirkl.ch klassisch-bebr. Schriften lesen sollen. Güttingen, 4. Januar 1893. Jacob. in. V«wid gaffeC. Unabhängig von obiger Meinungsverschiedenhett erhiel» ten wir kurz nach Erscheinen des ״Aufrufs" folgende Zu» schrift, die wir als בתוב השלישי ש*כריע hier an dritter Stelle abdrucken: ״Geehrtester Herr Redakteur! Ich jühle mich gedrungen, zu dem Aufruf an leitend. Stelle der 1. Nummer Ihres gejch. Blattes v. dies. Jahre Ihnen di« freudigste Zustimmung auszuspreche». Eine nicht zu rheure gute deutsche Schul» und Hausbibel für Israelit, ist in der Thal eines der dringendsten Bedürfnisse, der Fehlen einer solchen in vielen uns. Familien eine der. schmerzlichsten Erscheinungen der Gegenwart. — Möge es sich bald bessern! — Ich sehe mit Spannung weiterem Vorgehen in der Sache entgegen! Hochachtungsvollst Eßlingen. _ C. Stern, Hausvater u. Hauptlehrer am lsr. Waffenhause. ES ist ein« Egenthümlichkeit unserer jüdische« Verhältnisse, daß wir gern in Superlativen urtheffen und reden. Eine Gemeinde, die ihren Rabbiner ehrt, kann die» nur so an«- drücken, daß sie ihn für den ersten Redner beider Hemisphären Religionsschule für die Vorübersetzung des PentattuchS 1 erklärt; bewundert sie ihr« Kantor, so th«t sie es ander» als mit der Behauptung, der Mann würde als erster ׳ Tenor an der Pariser Oper Furore machen, wenn er nicht; ja wenn er e» nicht vorzöge, Kantor in Kurnik zu sein. Stirbt nur gar ein wackerer Gelehrter, so ist eS allemal der Erste' seines Jahrhunderts, die Leuchte seiner Zeit; Ruhm aber ist kein Almosen, das dem Dürftigen gespendet wird. Ruhm ist ein wohlerworbenes Recht und kann Keinem als Geschenk und Gnade gewährt werden. Am allerwenigsten entspricht eS dem bescheidenen Sinne eines Mannes wie David Cassel über Gebühr gelobt zp werden. Das aber ist in der letzten Zeit von übereifrige« Freunden geschehen, wer die ״Nachruft" gelesen hat, dft dem schlichten Mann gewidmet werden sind und selbst nicht im Stande war Kontrolle zu üben, mußte glauben, daß einer der Größten von dannen gegangen war. Erfahrene ZeitungSleser wissen freilich, daß derjenige Gelehrte, der stirbt, für viele Zeitungsschreiber gewöhnlich der Größte ist. Sagen wir über David Eaflel die Wahr» heit; die Wahrheit ist ehrend genug für ihn. Ei» Leben der Arbeit, gelehrter Thätigkeit ist etwa- Herrliches und so hat David Caffel gelebt bis zu seinem fünfundsiebzigsten Jahre; er hat sich nie überschätzt, er hat überhaupt niemals an Ruhm und Ehren gedacht, er wollte nicht» Anderes thun als seine Schuldigkeit. Sein Bruder Paulus war zweifellos der bei weite« genialere; es war der Stolz des ältern Bruders, diesen um 1 Jahr jünger« Mann in die Bahnen der Wissenschaft zu führen; und es war der grüßte Schmerz David Caffel'», al» sein Bruder und Zögling im Alter von 28 Jahren die Religion der Väter verließ. Taffel war der Sohn frommer Eltern und hat in Gloga« das Licht der Welt erblickt. Glogau muß damals eia de» - sonders günstiger Boden für die Entwicklung junger jüdffcher - Gelehrten gewesen sein und Talent und Charakter sind bei ׳ diesen Männer» im innigsten Bunde. Sachs, Munk David Cassel, Zedner, Arnheim — waren nicht nur ,^ute' Musikanten" sondern auch gute Menschen nicht nur Ta-" lente, sondern auch Charaktere. David Cassel war in seinen Studien wie in seinen wifsenschastlichen Studien am ehesten Arnheim verwandt. Barlin ist seit Jahrzehnten Caffel zur Heimat geworden; Caffel hat es sich zur Aufgabe gestellt» die Gelehrsamkeit nutzbar za machen für die Schule und die gebildeten Kreise; sein« Bücher j erheben nicht den Anspruch, grundlegende Weisheft.zu ver»1 künden; aber Niemand war mehr als er geeignet, populäre Werke zu schreiben, denn er war ein Gelehrter, er wußte ausgezeichnet Bescheid auf den Gebieten, über die er AndaeE zu unterrichten versuchte. Im Leben bekundete er eine durchaus konziliante Natarp er war stamm und gut, er war persönlich der religiöse» Aus»! klürung zugethan, aber e» lag ihm fern, seine Ansichte» auf» ' zudrängen. So hatte David Caffel so vftl Freunde al» eS ׳ Menschen gab, die ihm näher traten. Alk Schüler der; Berliner jüdischen Hochschule standen dem kinderlos«! Mau»^ wie Kinder nah«; die zahlreichen freundlichen Beziehung«» ' die er mit vielen begüterten Berliner Familie» pfugtt,' dienten der Wohlthätigkeit. Er war kin Fürst im der Wissenschaft, kein Eroberer in den Gefilden des 8 aber er war ein schlichter, treuer, emsig« und gesega _ Arbeiter. Wer wollte, «S gebe Biele, dre an Talent und; Eifer ihm glichen! 'Ü Geiste». Berichte ttttb Eorresp»«de«ze». De«tfchlw»d. Magdesnrg, 28. Jan. DasAbgeordnetenHaus hatte! zur Nachfeier des ^KaisergeburtstageS wieder einmal längerer Unterbrechung eine Judendebatte. Die Redesö «öffnete Graf Limb ur g-Stirum mi tnnem Ausfall, fO'.V-־ - ־.ג•.-.-T••'׳ ■.'«{

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