Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 6 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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b»0 Actt hier bst Wahrheit Schiffbruch gelikte»; |M «ich Mn ft, «* ist Kar. »er der Pilot gewesen, der I*r Echiffbruch veranlaßt hat. Da einmal davon die Rede ist, daß Herr Meyer ,seit lZahrzehnten mit nie ermatteter -rast die große Arbeitslast I« Gemeinde trügt", so mag auch hierüber noch ein Wort gestattet sein. Daß Herr Justizrath Meyer im Dienste der jüdischen Ge- ,»einde eine große Arbeitslast trägt, will ich nicht bestreiten, da e« behauptet wird. Ich geiraue mich aber zu behaupten, ״Md mache mich starl, e« zu beweisen, daß er ersolgreiche Hebest nicht geleistet. Zwar alle« bureauftatische Werl ist!-»scheinend in guter Ctbnwra. Auch der Gottesdienst ist, liimungleich iu unzureichendem Maß und in einseitiger Nich- .^uag, leidlich geregelt. Da« BestattungSwesen läßt äußerlich »ttcht« zu wünscheu übrig. Daß die Armenvenoaltuug gut is^ soll nicht verschwiegen werden. Doch unter der Leitung lstA Herrn Hustizrath Meyer ist die Spaltung in die jü. ltischr Gememde Berlin« gekommen, uuter seiner Leitung ist I»ie Pflege de« jüdischen Religionsunterricht« in Himmelcheeieuder Weise vernachlässigt worden, unter seiner Leitung st die jüdische Gemeinde Berlin« geistig vollständig nulliizirt worden! Dafreilich hat er ,seit Jahrzehnten mit me ermatteter straft" geleistet. Sein jüngste« Vorgehen in Ime AdreHangelegenheit war der Vergangenhet würdig, ja (1 hat ihr die Krone aufgesetzt. M. A. Klausner. ״Ki»e nette deutsche sgtilef.“ tbtx I. Sehr geehrter Herr Redacteur! In Nr. 1 Ihre« geschätzten Blatte« wild rin Aufruf zur Verbreitung einer ltesttsche» Bibel durch ,die BezirkSconferenz jüd. Lehrer Süd-!Hannover« erlassen. Zwar hat sich der Appell zunächst nur 11» einen ihm zuständigen kleinen Kreis gewandt; aber man ,»kennt an dem eifervollen Streben, da« die Berfaffer in ich» -um Ausdruck bringen, daß es ihnen zur hohen Be» «edigung gereichen würde, wenn er weithin Anklang und!8«chhall finde. Und gerade darum kann ich r« wir nicht Zersägen, mit einigen Worten den gemachten Vorschlag zu ׳»feftnt. WaS zunächst die Einführung der ״Aurrbach'schen Schul- und HauSbibel ' betrifft, so mdchie ich derseliien nicht nur »z energisch widerraten, sondern sie vom pädagogischen andpunkte au« mit aller Bestimmtheit verbiete. (?) Dabei!fitze ich allerdings voraus, daß seit etwa 5—6 Jahren in »er Redaktion der betreffenden Bibel keine wesentliche Aen- IfttMg vorgenommen worden ist. Ich hatte im Jahre 87 Gelegenheit, in einer befreundeten Familie Berlin« en Brivatunterricht zu ertheilen und fand bei Beginn biblischen Geschichtsunterricht« genannte Bibel in der enden Familie vor. Ich benutzte dieselbe zunächst, da vorher nur wenig kennen gelernt hatte und eine un- : Ausgabe vermeiden mochte; ich gedacht« ja auch da« ade Buch nur für die nachträgliche Repetition e« anwenden zu lasten. Ich erstaunte aber lveu eine mehr al« ernüchternde, die Phrophetie oder Engel«- ube, e« war das erstere Thema — gewahr wurde, die in einer für ein kindliche«, noch erziehende« und zu. stärkende« Gemüth gefährlichen Weist jede factische Bedeutung absprach. Ist dem wirklich so — und davon kann man sich ja überzeugen — wird wohl jeder ״positive" (?) Pädagog« mir Recht geben, ich da« Buch von der ferneren Benutzung ruSschlog und mir noch au« meiner Schulzeit her bekannte Levy'sche el ««schaffen ließ. Man mag über die wirkliche Bedemung er beiden religionsgeschichtlichen Kapitel sonst urtheilen, «an will; iu der Erziehung der Kinder aber schecnt e« »* schlüpfrig, dem unablässig thätig׳:n, kindlichen Frager auf der einen Geile die Authertir der biblischen Erzählungen, aus der andern ihre Lächettichkrit (?)'zu lehren. — Dann aber möchte ich in aller Kürze von Neuem fragen: Glaubt man «irüich in jüdischen Häusern durch die BerbilligunarinerBibel.Ueb«rsetzuagresp...Erzahluna''den jüdischen Geist auf die Dauer zu heben? Wer ein wenig psychologisch den frommen Ehristen mit dem Juden vergleicht, wird den Unterschied zwischen beiden gewahr werden. Abgesehen davon, daß dem ersteren auch da« ,Neue Testament" zur Verfügung und ausdrücklichen Benutzung steht, ist der letzte r auch ganz ander» geartet, um an einer wiederholten, einfachen Lektüre dauernd Gefallen zu finden und sich zu erbauen. Denn wer die Sidra allwöchentlich zweimal und dazu da» Targum ohne weitere« Berständniß durchgeht, wird davon keinen anderen Nutzen haben al« da« Bewußtsein einer Snordnung d-r Weisen genügt zu haben. Und diese durften mit Recht ennehmen, daß die immer wieder aufgenommene ״Textdurchsicht" endlich doch zu einem Berständniß wenigsten« einzelner Stellen führen oder wenigstens den Wunsch rege machen würde, sich da« Begreistu auch der übrigen Parthieen zugänglich zu machen <־ שלא לשמה בא לשמהpTO). «ber all da«, da« doch den allergeringsten Erfolg der Durchsicht de« Wochenabschnitte« darstellt, geht verloren, wenn man durch tue durchgängige Einführung einer dentschr» Bibel di« Kenntniß der hebräischen Sprache immer me.hr untergräbt. Nicht nur, daß ta« anregende הפול־ בה והטון* בה דכולה'בה ohne Anwendung bleibt und der in mrhrsacher Hinsicht förderliche und segensreiche Einfluß de« tiestren Verständnisses dieser gehaltreichen Sprachgute« illusorisch gemacht wird: e« entsteh n daraus sicherlich immer schlimmere Folgen. Gesetzt nämlich den Fall, die deutsche Hausbibel existtre allerorten! Wer wird sich da noch dafür interessiven, daß die ״Quelle" irgend wo ander« alin den oberen Klaffen de« Gymnasiums ob« der Universität, für die da« hebräische Pensum jener die Vorbereitung bildet, gelehrt und kennen gelernt wird. Und wird man nicht schließlich alsdann auch die hebräischen Gebete au« Synagoge und Haus banne» und sie höchsten« noch in ״Gottesdienstlichen Borträgen" historisch behandeln. — Doch was liegt daran? Jeder findet ja seinen Gott, wo und wie er ihn anruft! Allerding«! Aber damit ist e« bei Weitem nicht genug; denn jedem aufrichtigen Erzieher und Lehrer ist eS klar, daß nicht bloß da- Minimum de- Zwecke« auf irgend eine Att und Weis« erreicht ',werden soll, sondern durch eine zweckmäßige Methode eine günstige Ausbildung m.t höchstem Zweck aazu» streben ist, die Geist und Herz zugleich bildet. Und da« wird, um e« nochmal« zu wiederholen, durch nichts anderes besser und vielseitiger erreicht, als durch eia intensives, nicht trockene« Studium der hebräischen Sprache undmöglichst vieler klassisch-jüdischer Schriften!^ Damit erledigt sich meine« Erachtens die Frag« der all» gemeine״. Einführung der (Auerbach'schen) deutschen Bibel von selbst. Breslau, im Janur 1893. B. KoenigSberger. n. Sehr geehrter Herr Redakteur! Sir hatten die Güte, mir die vorstehenden Ausführungen de« Herrn B. Königsberg« vorher zu einer etwaigen Widerlegung mitzutheilen. Diest kann ich aber in der Kürze, die Sie vermuthlich verlarmen, nicht geben, und ich muß mich daher begnügen, einig« Miß» Verständnisse de« Herrn K. auszuklären. Den ersten Theil kann ich füglich übergehen, da Herr K die betreffende Bibel gar nicht kennt, nicH wriß, daß sie zwei Theile hat, sie nur einmal im Jahre 87 oder 88 bei einem Schüler gesehen, und wegen einer gefährlichen Bemerkung über Prophetie oder Lagellekre — deren er sich nicht mehr entsinnt — in Bann gethan hat. Herr K befürchtet struer eine .Untergrabung der Kenatniß * der hebr. Sprache" eine Aufhebung der Verordnung unsere׳