Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 6 (3.2.1893)
- Date
- 1893-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ihr» ganz« Criftatj h<tn-t davon ak, käst k«r ״Antiseinittom»»", «ii. - ntrstgüch« «*fdyät* ־ ' (Darum wirk «r von ihnen -«nährt, »wil er st« nährt.) — (H*k.) X*t große Werth der Broschüre wird noch erhöht, durch einen »offenen Brief" der grau Baronin Bertha von Suttner an den Verfasser, in welchem diese edle Dame alle Vorzüge ihre» guten Herzens und ihres durchdringenden Erstände« in der ihr eigenen geistsprühenden und doch gleichzeitig da» Semüth packenden Weise offenbart. Weitere Indiskretionen von dem reichen Inhalt des Büchleins zu geben, verbietet uns derWunsch, dir Broschüre unter Juden und Christen weitverbreitet zu sehen: wie sie ii nen Kraft und Ausdauer im Kampfe wider den Antifrmieismus ci:1flüßt, so ist sie in hohem Maße geeignet, bei diesen viele Borurtheile wider die Juden zu zerstören. Ls ist eine ernste Pflicht für unsere Glaubensgenoffen, für die Verbreitung des Werkes energisch zu wirken. G. P. Aertbler Arief. Berlin, Ende Januar 1893. ^,Unter der Ueberschristj »Die Moral der Geschichte" rrröffentlicht die »Allgemeine Zeitung des JudenchumS" in ihrer Nr. 3 vom 20. d. Mts. einen Artikel, der daSFacit btt jüngsten Vorkommnis!': innerhalb der jüdischen Gemeiude ' Berlin» zu ziehen vorgiekt. ES soll durch diese Borkomm׳ nffse ein Vierfaches bewiesen sein: einmal, daß die Behauptung, d« Juden gehörten somm: und sonders der deutsch-freisinnigen Partei an, ein Lärchen ׳ei; sodann, daß die jüdische Solidarität in politftchen und öffentlichen Angelegenheiten gleichfalls ein Märchen sei; ftrner, daß die Fabel der »jüdischen Presse" eine der größten Lügen sei; endlich daß die religiöse Solidarität der Juden ein Märchen sei. Da» ist nun, mit Verlaub, rin vierfacher Unsinn. Nie und nirgend ist behaustet worden, daß die Juden sammt und sonder» der deutsch-freisinnigen Partei angehvren, nie und nirgend, daß sie in politischen und öffentlichen Augelegenheiten solidarisch feien. Selbst die thürichtsten Feind« der Ju'oen wiffen, daß es unter den Juden religiös« Partei- «rügen giebt, genau so abweichend von einander, wie die Parteiungen innerhalb anderer Religionsgemeinschaften. So» gar brr Berfaffer de« Arrikels »Die Moral der Geschichte" hol sich nicht eingebildet, man habe ftgendwo geglaubt, die Juden all« zögen religiös und politisch an einem Strang. Er hat sich bloS den Ansthein gegeben, als sei er in solchem Jr-tkmm ksangen, um die Moral daraus zu ziehen, daß Justurath Meyer, Vorsitzender des Vorstandes der Mischen Gemeinde Berlins, eia hochverdienter Mann sei, oefier Werth nur von den Juden nicht voll gewürdigt werde. In der Tkat ist da» der Fall, utid ich will, was ich vermiw, dazu beitragen, daß unter den Juden Berlins die Wörlngung der Verdienste des Herrn Justizrath- Meyer noch ein-: zanz andere werde. Zunächst eine Richtigstellung gegenüber der .Allgemeinen Zeitung des JudrnthumS", welche in dem erwähnten Artikel schreibt: Ils Herr Zafttzrarh Meyer, den lei« Kractiou al« Staktver» orknereavorstehei-SteUvenrerer vor geschlagen hatte, trotzkem ntchr gewählt wurde, hat «an seftgestellr, kajj die jüdischen Stimmen in der Staktverrrkueten-Verfammliiug gegen ihn abgegeben wurden." Herr Justizrath Meyer ist allerdings von seiner öS Mitglieder zählenden Fraktion für den stellvertretenden Borsitz in der Stadtverordneten-Bersammlung vorgeschlagen worden, er erhielt aber im Ganzen nur 24 Stimmen, weil n durch '«in inzwischen von mir aufgedeckte» zweideutige« Verholten in der Frage der von der jüdischen Gemeindeverwailang beschlossenen Adresse an den Kaiser da» Vertrauen «erkoren hatte, und zwar «ehr nach seiner christlichen als fein« jüdischen Fraktionsgeuosfen. Letztere wußten zum Theil, sagtest es aber aicht, in welchem Maße poeideutig das Berdes Herrn Meyer gewesen, und daß er die ihm als!־.׳ ■I Vorsteher der jüdischen Gemeinde aiivertrauten I um seine« persönlichen Ehrgeize« willen prrisgegeben hatW: Deshalb wollten einzelne jüdische Stadtverordnete Harr» Meyer auch nicht mehr als Fraetionsvorsidendea habe». Andere, weniger genau unterrichtet, stimmten für ihn. Es wäre ja möglich, daß Herr Meyer der Meinnn! gewesen ist, nicht Ehrgeiz veranlaffe ihn, sich um eiueu hervorrageaden städtischen Ehrenposten zu bewerben, sondern der Wunsch, vor aller Welt zu zeigen, daß wenigstens die Städte Vertretung Berlins vorurtheilssrei genug ist, an ihre Spitze «inen Juden zu stellen. Solche VorurtheilSlosigkeit herrscht thatsächlich in der Berliner Stadlvertretung. Wäre in der Stadtverordnetenversammlung ein für den Borsteherposte» in ganz besonders hervorragendem Maße befähigter Man», die Wahl fiele unbedingt auf ihn. er sei Jude oder Katholik oder Protestant. Wenn aber nur dabescheidene Mittelmaß :j der Eignung sich findet, so verlangt es meines Erachtens in . .4 jetziger Zeit der Takt, daß die jüdische Minderheit sich zurück« 3 hält und einen Bewerber gu» der Mehrheit wählt. Ich gebe. > ohne weiteres zu, daß man hierüber auch anderer Ansicht sein kann, und Herrn Meyer trifft fein Borwurf, daß e r » anderer Ansicht gewesen. Herr Meyer hat aber um seiner Landidatur willen sein Thun al» Vorsteher der jüdische» j Gemeinde modifizirt, und da» gereicht ihm zum Borwurst Er selbst hatte die Absendung einer Adreffe in der Repräse» ‘V tantenversammlung vertreten, von ihm selbst rührt der kläg- . J liche Entwurf her, der von der .Bolkszeituna" treffend als eine .Schutzjudenpetition" bezeichnet worden ist; und als er wahrnahm, daß diese .Schutzjudenpetition" von fteisiuniger j und demokratischer Seite übel angesehen wurde, da verkenn- 3 nete er fein eigenes Werk und rief den Anschein hervor, als ^4 sei er ein Gegner der Adreffe überhaupt, deren Abseadung er verhindern werde. Er hat auch die Absendung verhindert, die er anfänglich betrieben. Wäre er von vornherein Gegner >^> einer Adresse gewesen, so war er in seinem Recht; da er -i aber au« persönlichen Rücksichten vom Saulus zu« Paulus geworden, noch dazu zu einem Paulus, der es gar nicht mehr wahr haben wollte, daß er je ein Saulus gewesen, so hat er dosPelte Schuld auf sich geladen.; In dem Artikel der ,Allgemeinen Zeitung des Jude»» thums" heißt es an einer anderen Stelle: .Der Kampf, ker sich gegen Me Adreffe, gegen Mt Gemeind». Verwaltung, ja hauptsächlich gegen kea Borptzeadeu kccfclb•», der seit גי Jahrzehnte» mit nie ermatteter Kraft die große Arbeitslast der Gomeint« trägt, wurde in erster Reih« aväschllehlich von Zeftuagen ge- «i Äi führt, deren Letter oder Heranägeber Inden find." Ich nehme an. daß hier nur Ungeschicklichkeit des Aus« drucks vorliegt, nicht geflissentliche, auf Verftflrierona der Wahrheit abzielende Undeutlichkeit. Nicht gegra dir Hkejfe ist gekämpft worden, sondern gegen die Meyer'sche .Schntz. _s judenpetition", von der allein die Oeffentlichkeft durch eine Indiskretion etwa« erfahren. Nicht gegen die Gemeinde». י"׳ Verwaltung und hauptsächlich gegen den Vorsitzende» der» selben ist gekämpft worden, sondern dagegen, daß He»- Meyer um'seiner städtischen Kandidatur willen seine Änf- ' \*״l4 faffungen und Handlungen als Vorsteher der jüdischen Ga« meinde modifizirte, und dagegen, daß die Gemeinde-Berwake tung sich von seiner Sigeuwolligkeit in» Schlefwtau nchmen ließ, dagegen endlich, daß die Repräsenwnten-Versammlnng — ganz gewiß nicht im Sinne der Mehrzahl ihrer 84hl« — ihren eigenen Auftrag und Beschluß und deffen Miß» achtung verschluckte und kopfnickend zustimmt«, da Herr H Meyer Alle« für ein »Mißverständniß" erklärte! Ist es W doch dahin gekommen, daß die Repräsentanteu-Bersammluntz nach drei Wochen ihr Sitzungsprotokoll umstieß, das va» dem Beschluß der Absendung einer Adreffe sprach, obwohl mittlerweile der Vorstand selbst ,.eine öffentliche Erklärung" erlaffen hatte, in der gesagt war, daß er .aus Ehrsmchst vor der Allerhöchsten Person" von der Ausführung eines — nun gar nicht ertheilten — Auftrages Abstand genommen hak.