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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-27 · 5 (27.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
5 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Dr. S^elbert durch seiaeu Bortrag erzielt und dm auder Diskussion noch di« Boten de* katholischen richttprLstdente»Streng und de»protestantiscbenGeistlichen ^Brenner hervor. Lrsterer brach eine Lanze für die Glaubens- ^:uich Gewissensfreiheit und sagte u. A.: ,Was eine CultuS» Handlung einer Konfession sei, darüber hat nur diese Konsession zu entscheide«. Steht nun die jüdische Lultu »Handlung des Schächtenin Widerspruch mit 8 60 unserer Verfassung? 3ft das Schachten etwas, das der guten Sitte und Ordnung ■ .widerspricht? So lange die Wissenschaft hierin noch zweifelhaft, so lange haben wir auch staatsrechtlich zu Gunsten 11er Cultus- - Freiheit zu entscheiden." Letzterer betonte namentlich, daß nicht die Z-chächtftage der betreffenden Jnitiativbewegung soviel Unterstützung und Unterschriften gebracht, sondern daß eben die g.rnze Sache doch mehr oder weniger mit dem Antisemitismus zusammen- , hänge; denn der Schmerz der Christen liege im Grunde genommen auseinem andern Gebiete als aus dem des ischächtens.) Kr«»kre1ch. Hsiari» Ueber LsonceLehmann, den verdvnten Advokaien und Philanthropen, der im Alter von SS Jahren geftorben, enthalten die ,ArchivrS" folgende biographische Daten: Geboren 1886, machte derselbe glänzende Studien und wurde io! 21. Jahre von der Pforte als Sekretär de!.׳ türkischen Gesandtschaft am Hofe in Neapel angestellt. In dieftr Stellung widmete er sich wissenschaftlich juristisctien Studien und übersetzte ins Werk von Mamiaiti ״Das neue europäische ^echt" in dos Französische. :)lach Frankreich zurückgrkehrt, trat er in die französische Barre ein und wurde der Secretär 'יי CremieuL׳, wo er gleichzeitig mit Gambetta und Clement >Lauriet Mitarbeiter de» berühmten Advocaten wurde. Als Lremieux 1870 das Justizministerium üdernabm, wurde Lehmann sein Cabinetschef. Er war Mitglied des Centralconsistoriums, zuerst Schatzmeister und dann General- Xseeretär der Allianz; er widmete sich fthr energisch den jüd. Interessen und namentlich denen Algeriens. Sr war Ossizier des türkischen Medjidie-Orden» und der französischen Ehrenlegion. Pakästin«. Aer«sake«, 17. Jan. Eine neue Verordnung deS osman. , ״Ministris des Innern verbietet allen Juden das Ankäufen und Erwerben vou Ländereien und Häusern in den Städten sowohl als auf den Dörfern der Provinzen Syriens und '^Palästina's. Dieser furchtbar harte Schlag trifft und berührt nicht nur unsere Israel. Mitbrüder, sondern auch ^7; in sehr empfindlicher Weise zahllose Andersgläubige, die .יי«(« Häuser und riesige Strecken von Ackerbauland besitzen. %מומסך diese Leute machten bisher so gerne Gesääftr mit den ~ »raeliten, die ihnen ihre gänzlich verwahrlosten aber dennoch ^hr fruchtbaren ausgedehnten Felder und Wälde׳: für schwere» eld abkauften. Man hofft, daß es gelingen wird, den ^Sultan zur Zurücknahme dieses Firmans zu bewegen, bis ' tzt leider vergeblich. ES stockt da» ganze die jetzt so florende Geschäft deS An- und Verkaufvon Grundstücken. Vermischte und neueste Nachrichten. Veelt«, 23. Januar. (Or.-Lorr.) Sester» Abend verschied in seiner Wohnung ohne vorausgehend«« Leiden der bekarnte jüdisches«. , lehrte Dr. David Cassel im Alter von 75 Jahren, nachdem ihm ittoor kaum S Wochen sein Bruder Selig-Paulu» Eaffel vorausgegangen ' war. Noch am Tage vor seinem Tod« hat er an der Lehranstalt für ss, di« Wissenschaft de« Judenlhum«, wo «r bi« zuletzt seine« Amte» treu -JMTtctc, seine Hörer unterrichtrt. Die Beerdigung find,« Mittwoch früh l W Uhr aus dem Friedhöfe zu Welhensee statt. Wir r»erden über sein lKden und besonder» über sein wtffenschasiliche« Wirtin und Schassen ־י einem besondere» Artikel verhandeln. Ehre seinen Andenken I Bern». Herr von Bleichrider hat anher dm der Stadt ge» rn 20 000 Mt. noch der jüdischen Gemein de 2) 000 Mt. über- Bo» dieser Summe solle« die Armenkommissio» 10000 Mt. zu» Krankenhaus« der Gemeinde gehörend« Si-chenhau« 15 000 ' iltcn. Sa» jüdisch« Kraulenbau« selbst ist i» besonder«!«herziger Weise Jtztg Lamm vedacht worhetz, der dteser Unstall al» ein« de» Manen feiner kürzlich »erstarr«»«» Kran geweihte Stiftung!00000 Mark geschenkt hat. . Meuttzi«. Der hiesig« Stadtverordneteuvorsteh« Herr Kauf««»» Birnbaum, wurdei» Auerkennung seiner Berdieufte um unsere Stadt wahrend seiuer Ldjährige» Thatigkeir al» Smdtverordneter zum Sh reu» bürger unserer Stadt ernannt. Mmmttm, 17 Januar. Heule fanden aus dem Amttgericht« wiederum Zeugenvernehmung^« in Sache» de« hiesigen ltnabenmorde« statt. U. A. wurden Kaufmann Jllinger, Kaufmann Roghmaa» au» Lon«beck, Älterer Tbönnesen von Vynen u. s. w. vernommen. E« sind da» augenscheinlich Namen, auf welche die Broschüre .Prozeh Oberwinder" ausmrrkjam gemacht hatte. Durch dies« Vernehmung«» ist der Name Busch Hofs wieder in den Vordergrund gedrängt. (Bote.) ISeUbur», 22. Januar. (Or-Eorr.) Herr Rabbiner Dr. E, Landau in Zürich wurde zum Stadt» undVezirkü-Rabbtner hier» selbst gewählt. tftlMar» i. Pom. Die hies. Ollodr» lraäioob» hat am 17. Januar ihr!lbjöhrige« Stiftuugüsest durch Aoitetzdienft und Predigt, durch «in Festmahl, an welchem fast SO Bereln«-Mitglteder Thetl ge» nommen, und durch Bertheilung von Lxtraunteistützunge» an dle Arme» und Dürftigen in der «emetnde würdig gefeiert. »«»««, -8. Januar. Die vor. Nummer dies. Bl. brachte von hier au« eine Notiz, welche ein« Berichtigung bedarf. Unser Hauptlehrrr Herr Selig war «» ganz besonder«, der durch sein« ruhige und sachgemäße Widerlegung den Hrrro Dr. Danneil aus da« gründlichste abgeführt hat, wie au« der Zustimmung selbst der radikalsten anwesenden Antisemiten hervorglng, ja Herr Dr. Danneil selbst muhte zum Schluff« öffentlich zugestehea. dah er von Herrn Selig sachlich widerlegt worden sei, während HerrDr. Fink mit persönliche n Angriffe» aus ihn «»gesprungen wäre. Durch die Widerlegung de« Hrn. Selig wurde Herr Dr. D. dahin gebracht, dah er, im Segensatze zu seine« im Bonrag« zur Geltung oelommenen Motiv« .tauft bei keinem Juden", am Schluffe sagte: .L« ist kein Unglück bet einein Juden zu kaufen". Anch de« Herrn Lehrer A p t Auöführungen verdienen anerkennend« Erwähnung. MuutUzeim» 18. Januar. Wegen Meineid« wurde gestern vom hiesigen Schwurgericht der Ant'ftmit Rothau« au« Hockenheim nach einer?Stunden währ«»d«a Verhandlung zu zwei Jahren Zuchthau» veruttheilt. Kemtzerg. Di« Nachricht von der bevorstehenden Eröffnung eine» Seminar« htesrlbst. sowie die Bertheilung der Lehrfächer an demselben (in einem zu Krakau erscheinenden jüd. Bl.), welche sür Elngeowihete eine« komischen Beigeschmäcke« nicht entbehrt, ist von Anfang bi» zu vnoc ciu^cii. P«E, 19. Januar. In der heutigen Budgetdebatte de» Abgeordnetenhause» erklärte der Minister de« Innern Hieronymi, dah, um di« Einwanderung russischer Juden und anderer Au«läader und deren Nirderlaffung aus ungarischem «ebiete zu verhindern, die Handhabung der Vemeindeordnung genüge- Die «»«Wanderung nach Amerika könne nickt durch Sewaltmaßregela, sondern nur durch di« AusNärung de« Volker htntangehalten werden. Paris. Beim Jahreswechsel wurden viele J«raellten durch de» Präiidenlen der Republik mit dem Orden der Ehrenlegion in allen Sraden ausgezeichnet. — Zur Beglückwünschung seiten« de« i«r. Eonfi», storium» er,chienen im Elyffes: Zado« Kahn, Oberrabbiner Dreifuß, Rabbiner Israel Levi, Saston Rothschild, Sse, Dr. Sorm« und die Seeretär« Abraham Lahen und L«on Kahn. Ni««s. Im Borjahr« beschloß der Miinicipalrath zurRestaurirung der Synagoge 8000 Fr., in diesem Jahre wurde zu gleichem Zwecke 5 700 Ar. bewilligt. M«t»»ft«r (Türkei). Mit Genehmigung de» Sultan» haben sich einige Hunderte russischer Juden hier niedergelassen. Die Einwanderer wurden von der Bevdlkeruna sreundlichft empsangen; dies« leistet« den» selben bei ihrer Ankunft jede nur mögliche Hüls«. Sa« Araweise». Gelegentlich ihrer silbernen Hochzeit haben Herr und Frau Alexander Weil in Pari«, die früher hier gewohnt, außer den in Pari» gemachten Stiftungen noch folgend« Legate autat» setzt: 30000 Fr. der französischen Sohlthättgkeitogesellschast, 2500 Fr. dem Damenuntrrftützuag«verei«, 2 500 Kr. d:m i«r. Armenverei» .Eureka', je 5 <100 Fr. dem I-raelit-, katholische» und protrstanttschen Waisenhau«. Im Otanzen 50000 Fr. Malta. Sin hier stattonirler jüdischer Marinesoldat au» England richtet an die .Jewish Ehconicleeinen Brief, dem wil Folgende« entnehmen: .Ich bin ein guter Jude, stolz auf «eine Religion und ich mach« durchaus kein Hehl au« derselben. In der Kaserne ist man in dteser Hinsicht sehr aufmerksam gegen mich, und der Oberst fordert mich immer aus, di« jüdischen Festtage zu halten; am Bord bin ich der einzig« Soldat, der währen« de« Gottesdienste« am Sonntag machen kann, wa« er will. Meine Kameraden haben die gröhte Achtung vor meinem Glauben und wenn Schweinefleisch auf dem Küchenzettel ist, bereite» man mir ein« besonder« Mahlzeit. Nie ha׳, e« Jemand gewagt, Proftlytt«mu« mir gegenüber zu machen, obwohl ich der einzige Israelit in dem Maitnerorp« hier bin. Aus dem letzten Schiffe wurde ich vm dem Kapitän zu« Lehrer der Schiffsjunge» unter vielen Kandidaten bestimmt und in dieser Stellung hatte ich viele Untertrdunge» über «ein« Religion mit dem setze ehren»ertheu und würdige» Geistlichen de« Schiffe«.

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