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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-27 · 5 (27.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
5 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Abschluß feiner 25jährigen Thätigkeit als Stadtverordneter Anlaß, dem Jubilar eine« prächtigen Pokal zu überreichen, aus den. er bei dem gestrigen Festtrunk der Stadt den Ehrentrunk widmete. Diesem Festttuok wohnten gegen 6V Lheilnehmer, die städtischen Kollegien und Freunde de» Jubilar» bei. AarkornHe. Montag, den 18. d. Mts., beging der ,Verein für jüdische Geschichte und Litteratur' am hiesigen Orte die Mlllenarfeier für Saadia Gaon au» Anlaß des im vorigen Jahre wiedeigekehrten tausendsten Geburtstags desselben durch einen längeren, da» Leben und die Schriften desselben behandelnden Vortrag, der Herrn Stadt- und Konserenz-Rabbiner Dr. Schwarz übertragen war. In dekennt mustergiltiger Form entledigte sich der Redner seiner Aufgäbe in mehr als einslündigem Bortrage vor einem auS den besten Gesellschastsschichten zahlreich erschienenen Publikum. Auf die Bedeutung und Stellung Saadia's in der Geschichte jüdischer GeisteSwisienschaft näher eingehend, wies der Bor» tragende noch, wie die ״vierHauptsttüme' im Eden,die auch aus dem Garten jüdischer Wissenschaft hervorgegangen, und zwar: Bibelexegese, Sprachkunde, Talmudforschung und Religionsphilosophie, in Saadia, den ersten und gleich auch einen meisterlichen Bearbeiter gefunden, dessen Leistungen solche der Karäer auf dem Gebiete der hebräischen Sprachforschung und Bibelexegese weit zurückgelassen. Saadia, obwohl am Ende der gaonäischen Epoche stehend, sei in dieser Beziehung vielmehr der Vorläufer der nachfolgenden Litteraturperiode, de» in der jüdischen Litteratur erwachenden wisienschastlichen Geistes, wie er die jüdisch-spanische Litteratur kennzeichne. Sein Verdienst um die Talmudforschung bestehe auch darin, daß er auch da ein Mann der Wissenschaft gewesen. Redner ließ die Gelegenheit nicht vorübergehen, auf die Nothwendigkeit eines kritischen und also wissenschaftlichen, ja klassischen Talmudstudiums auch in Zukunft hinzudeuten. ״Die Tradition ist entwickelungsfähig', war der Refrain seiner Ausführungen nach dieser Seite hin. Der beste Kommentar dazu dürfte die neueste Arbeit des Bortragendeu: ,Die erste halachische Conttoverse' in der wiedererfcheinenden Frankel-Grätz'jchen Monatsschrift sein. Auch der Charakter Äadia's fand seine gebührende Würdigung. Mit einem kräftigen Eintreten für das traditionelle Judenthum schloß der Vortragende. (Wir bringen den tteifiichen Vortrag im ״Litteraturbl.'.) Ans MSrltemöerg, 20. Januar. (Or.-Cor.) Da» A. Ministerium oes Kirchenuud Schulwesens veröffentlichte die Statistik des UnterrichtsundErziehungswesens in Württemberg auf das Schuljahr 1891/92. In den gelehrten Schulen finden sich 5978 Evangelische, 1940 Katholiken, 817 Israeliten und 17 anderer Konftssionen. Die höheren Mädchenschulen zählen 2967 evang., 722 katholische und 322 israel. Schülerinnen. Wenn man bedenst, daß Württemberg ca. 1300000 evang, 600000 katholische 13 OvO israel. Einwohner zählt, so sind die Israeliten unter diesen Schülern ,ehr stark veitteten. Anders ist das Berhältniß in den Volksschulen. Diese zählen 317 721 Schüler, darunter blos 812 israelitische. Die Zahl der israel. Schulen mit Elementarunterricht beträgt blos 27, dazu eine Unterlehrer- und eine Lehrgehülfenstelle. Viele Gemeinden behaiftn sich mit Religionslehrerstellen, und es dürfte, da kein Mangel an SchulamtSkandidaten henscht, Aufgabe der Israel. Oberkirchenbehörde sein, auf die Vermehrung der Stellen mit Elementarunterricht bedacht zu sein, besonder» in solchen Gemeinden, die früher solche Schulen besaßen. Der Ausschuß des israel. Lehreivereins sollte in seiner demnächst der Behörde vorzulegenden Denkschrift über die Verhältnisse der iSrael. Lehrer Württembergs diesen wichtigen Punft besonders hcrvorheben. Schwei». ^irnnch» Mitte Januar. (Or.-Cor.) Das Schweizervoll scheint sich zu der vielleicht im Mar er. stattfindenden Abstimmung über da» bezügliche Juitiativbegehren — betreffdrs Schächtverbots — allmälich vorbereiten zu wollen. Wenigsten« macht sich hier und da, namentlich in' wo keine Juden wohnen und somit keine Gelegenheit ( Händen ist, da» Schächten au» eigener Wahrnehmung ' und beurtheilen zu lernen, das Verlangen bemerkbar, _ der so vielfach ventilirten Frage orienttren und belehrend lassen. Zu diesem Behufe ordnete ei« gemeinnütziger Seiet die Gesellschaft,Hinterthurgau' in Sirnach, eine Sffenttf Versammlung auf Sonntag, den 8. Januar an, nachdem: zwei compatente Persönlichkeiten — einen Schächtgegner einen Schächtvertheidiger — als Redner gewonnen nämlich den als Hauptagitator bekannten Keller aus l Biceprästdent des Centtalvorstandes de« deutsch-schiveizerisck Thierschutzvereins, und den Rabbiner Dr. Engelbert St. Gallen. Die Versammlung war äußerst zahreich besucht und Redeschlacht gestaltett sich zu einer, t«:nn auch nicht blutigg so doch äußerst heißen. Daß die Stimmung im Allgem« ' von vornherein für ein Schächtverbot war, ließ sich gewis maßen von den Gesichttrn ablesen und besonder» an I Wohlbehagen erkennen, womit die dichtgedrängte Menge H Ausführungen des ersten Redner» Herrn Keller, entge ~ Letzterer unterlieg eS auch nicht, da» Schächten so marti und grausam als nur möglich darzustellen. — Dazu su er — gestützt auf die bezügliche Schrift de» berüchttgtew Stern — den Nachweis zu liefern, daß das Schächten׳ mosaischen Gesetz gar nicht begründet, überhaupt als CultuShandlung, als einen Bestandcheil des iSraelit Cultus durchaus nicht zu betrachten fei. Nachdem die Bundesbehörde da» mehrfache Gesuch um ein abgelehnt — so schloß der Reftlent seinen 1 '/,ständige! trag — bliebe kein anderer Weg offen, als die Inst und er hoffe, daß das Schweizeroolk, getestet von derl Herzigkeit gegenüber denThieren, zu Gunsten der Inst seine Stimme abgeben werde. Nacheiner kurzen Pauseergriffsodann der CorreferenH Dr. Engelbert das Wort und erklärte die ganze lang Schächtbewegung mit dem schließlichen Jnitiativbegeh«U^ ungerechtfertigt und verwerflich. Seine Gewähr»» sind die Wissenschaft und die Religions- und Gewis״ frei heit, die schon so oft zu Gunsten des Schächtwvül Stimme abgegeben und deren Boren für die h. Bund allein maßgebend und entscheidend waren. So Weit es wohl in der Eidgenossenschaft noch nicht gekommen, sie beim souveränen Volk kein Gehör und keine finden sollte». An Hand der zahlreichen Gutachte» vonי der bedeutendsten medieinischcn Veterinär-Autoritäten Redner auf da» Evidenteste nach, daß beim Schächte«^ Thierquälerei keine Rede sein könne, daß eS vielmehr; besten, humansten und rationellsten Schlachtmethode» Schon im Jnterresse des Thierschutzes halten die an chrer rituellen, religionSgefetzlich gebotenen Schlc Mit derselben Einhelligkeit, womit die Männer der' schast da» Schächten als eine vorzügliche erklären, au sämmtliche Gemeinden uud Rabbiner, welcher religiösen! sie auch angehören (ein Exrabbiner, der schon längst Austritt aus dem Judenthum erklärt, komme hier nij Betracht), die Wichtigkeit ~.1b Bedeutsamkeit des < institutS und würden das augestrebte Verbot als eine griff in ihren Cultus tief und schmerzlich empfinden, appellitt an den Freisinn d?s Schweizervolkes, das solchen Verletzung der Gewissensfrage die Hand nicht׳ und dem Jnitiatrvbegehren sicherlich nicht zustimmen Aus diesen ebenfalls 1'/,stündigen Bortrag des r reuten folgte :ine lebhafte Drscussion, die sofort eq die anfängliche Stimmung eine totale Umwandlung Fast alle, die sich daran betheiligten, schloffen sich^s führungen des Dr. Engelbett an und sprachen sich gegen die Jnitiattve au». — Die Verhandlung von mittags 2 bis abend- 7 Uhr. (Wir freue» uns des glänzenden

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