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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-27 · 5 (27.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
5 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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«rr» O«k-re». י Von b«n sechs Thesen, di« er an den Schluß der Broschüre kestt. sind vir mit allen, außer mit der dritten einverstanden, |& utt brauchen die fünf Thesen nicht herzusetzen, weil sie nicht» Be- W sondere» enthalten; aber eine lautet wie folgt: ״Unsere Moral * beruht nicht aus den Lehren vergangener Jahrhunderte, sondern fe auf den Anschauungen, die wir unserer modernen nationale» Erziehmig verdanken." Was fällt dem gescheuten Manne ein? Sind die zehn Gebote moderne, nationale Erziehung? Ist * der Glaube an einen gerechten und guten Gott nicht aus der heiligen Schrift? Auch die Thesen, die wir billigen, lassen iv sich besser und milder fassen. ״ Der Verfasser schrieb in der Erregung, al» Meyer'» Adresse drohte, er wird wohl jetzt über manchen Passu» seiner ■f Bro schüre ruhiger denken, ebenso wird wohl auch bei Herrn 1' Hildesheimer dre ״KampfrSstimmung" geschwunden sein, die ihn nach dem Berichte der.,Zukunft" vor Kurzem beseelt hat was soll der Spektakel? un» ist sehr weh zu Muthe; wenn;;, wir schon kämpfen müssen gegen den Judenhaß so sagen wir wie Friedrich nach der Schlacht bei Zorndors melancholisch: ״Mit solchem Gesindel muß ich mich herumschlagen" und י׳ dabei war Friedrich Sieger, während un» zuweilen die Angst beschleicht, dieser Pöbel könnte un» über den Kops wachstn. s T B. B. Mehrt Such! L- & Das Mahnwort, das wir unseren Stammesbrüdern so unermüdlich und so eindringlich zugerufen haben, r» scheint — endlich! — Erhörung gefunden zu haben. Endlich wird in der deutschen Judenheit das Bewußtsein wach, daß schneidiae, energische Abwehr gegen den immer maßloser und skrupelloser agitirenden Anrisemitismus zwingende Nothwendigteil sei, und das Bewußtsein auch, daß die stark» Wurzeln unserer Kraft in unserer Gemeinschaft ruhen, in uuserer Kraft und Unermüdlichkeit. Nicht drmüthiges Flehen um herablassenden Schutz steht uns an; unser Recht, unser verbrieftes, schwer erworbenes Recht, da» Neid, Haß und Bosheit uns zu rauben sich verbunden haben, wollen wir schützen. Israel hatte nie Glück mit schutzfiehenden Gesandt» schäften an mächtige Herren gehabt und nicht entbehrt der Aktualität die Historik, welche Flaviu» Josephus von der Mission der alexandrinischen Juden an den Hof de» rümischen Kaiser» Caju» Caligula nüchtern erzählt.*) Weil er die richtige Lehre zieht aus der vieltausendjährigen Geschichte unsere» Volk», die un» vor fremder Hilfe warnt, darum begrüßen wir freudig den ״A u fr u f**) wÄchen angesehene Männer der jüdischen Gemeinde in ,de» Reiche» Hauptstadt an ihre Glaubensgenossen gerichtet haben und wir wünschen innig, daß der Ruf weithin erschalle und den Panzer de» Jndifferrntismu» unserer Glaubensgenossen kraftvoll durchdringe!. Unter glücklichen Auspicien ist der Aufruf in da» Licht der Oeffentlichkeit getreten: denn an dem'elben Tage ist eine Broschüre geboren, die, in kiner Abhängigkeit vou jenem Erlaß, seine Gedankn — wie autrcipirend bemerk werden mag — in meisterhafter Weise ausführt und begründet. Packend und bezeichnend hat der Pseudonyms Autor seiner Broschüre den Titel ״Wehrt Euch!" vorgesetzt: denn eia Ausruf, ein tiefempfundener, von inniger Liebe zum Zudrnthum erfüllter Aufruf zur Abwehr wider die antise- «itische Pest, die unser Leben vergiftet Und unsere wirthschasttiche und soziale Existenz bedroht, ist das Büchlein, auf da» wir noch zurückkommen wollen. d. P. *) Lieh« da» heutig« ,Aamilieublatt". ־*) vir bringe» de,selbe, »eiter ״ter ״l-erlt»". II l. Zu den vielen mehr oder minder lobcnswerthcu Eigenthümlichkeiten unseres interessanten Landes, hat sich jetzt eine neue gesellt: die traurige Erscheinung eines jüdischen Antisemiten. Dir niel»rrträchtigrn Schimpfereien eine» gewissen Leopold Caro bilden jetzt das Steckenpferd, auf dem die durchwegs judenfeindlich gesinnte polnische Presse reitet. Nun muß man ober wisse», wer dieser junge Herr ist, der leider den Namen des allgemein verehrten Lemberger Rabbiner» trägt, ohne mit ihm auch nur im Entferntesten verwandt S' ' ־ ' " ־ welcher die Assimilation der Juden mit den Polen um jeden Preis — auch um einen solchen, den Juden »i e zahlen werdrn — zu fördern bestrebt war. Als gebildeter Mann hatte er Zutritt zu den besten Häusern in der Stadt und eS gelang ihm auch, sich mit einem sehr reichen Mädchen aus Warschau zu verloben. Wahrscheinlich um sich für seinen künftigen Beruf al» Ehemann vorzubereitrn, drängte er sich an eine schöne aber anständige Frau heran und versuchte bei ihr den CiciSbeo zu spielen. Als er aber siech wurde, b-kagte sich die Frau bei ihrem Manne und dieser prügelte den einstigen Herrn Weltverbesserer auf offener Straße jämmerlich durch. Der verwundete Held schickte zwar seinem Zücht'ger eine Forderung zum Duell, bevor aber sein Sekundant noch zurückgekehrt war, fuhr rr zum Kreisgericht und lettete die Klage ein. Natürlich war er von diesem Augenblicke an für dir bessere Gesellschaft tot und die reich« Warschauer Braut gab ihm den — Laufpaß. Seinen Gruß erwirderte kin anständiger Mensch. Nun verließ er Lemberg, ging nach Leipzig und schrieb jene Broschüre gegen die Juden, die ihm eine so traurige Berühmtheit einträgt. Dieser Leopold C. hat sich die Erziehung der Juden zur Sittlichkeit und Moral zur Aufgabe gemackr! Wahrlich ckilLoils »ab sat^ram non ■cribere! Reinigen wir uns von diesem Schlamme durch eine Uebersicht der in Lemberg bestehenden jüdischen Wohlthätigkertsanstalten. Sie wird am besten die Berläumdungen des geprügelten Sittenrichters widerlegen. Außer zahllosen, kleineren Vereinen und Chewros stehen in erster Reihe »er Verein Oboaaock Voeme», der seinen Mitgliedern ein würdiges Begrädniß und den Hinterbliebenen, wenn e» nöthig ist. ausgiebige Unterstützungen sichert mit einem Jahresbudget von über 8000 fl״ die Gesellschaft vao-l-Mij» zur würdigen Bestattung von Mittellosen, der Buchhalter-Verein zu . Unterstützung stellenloser und hilfsbedürftiger Mitglieder de» Handel»- standeS mit einem Jahresbudgrt von 5000 fl.; der Voll»- küchen-Bcrein mit einem Vermögen von über 15 000 fL; der Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen (mit Geld) und neugeborener Kinder (mit gesunder Milch), t»r Rigorisanten-Verein, der e« armen Studenten ermöglicht, die atademischen Grade zu erlangen, mit einem Jahresbudget von 8000 fl. und einem Reservefonds von 20 000 fl., der Freitisch-Bereiu für arme Mittelschüler und endlich der Verein für Ferienkolonie», der jährlich 80 arme Kinder zu gesunden» Landaufenthalt i!?S Gebirge sendet. An frommen Stiftuugea und Legaten, welche die LultuSgemrinde verwaltet, erliegen bei derselbcn fast 300 000 fl. Zu den heworrageudstea gehören das Knabenwaisenhaus mit 50 Waisenknaben, da» Mädchenwaisrnhaus, für welches jetzt rin neue» Gebäude errichtet wird und mehrere HeirathSauSsteuer-Stiftungeu für arme Bräute. Da» für 120 Betten eingerichtet« Spital mir einem Jahresvudget von 30 000 fl. erhält sich au» den ihm von der LultuSgemrinde überwiesenen Begräbnißtaxen. Die zum Andenken »u das 40 jährige Regierungsjubiläum de» Kaiser» errichtete Franz-JofephS-Stiftung verleiht jährlich 5000 fl. in Beträgen von 100—300 fl. an keine Hand-

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