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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-27 · 5 (27.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
5 (27.1.1893)
Date
1893-01-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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4, ך~' ׳^■ ju Sott empor: ״ אשירה להיכי נאה :אהich fing« unsrrm Gotte, denn Lr ist hoch erhaben!" Gott hat in ernster Zett den Mann auf den Thron der Hohenzollern erhoben, der ein Lnkel Uaiser Wilhelm I., ein Lohn Friedrich des Dritten, sein Amt als ein Heiligthum erfaßt, der ein Hort des Friedens ist nach innen und nach außen. Auch die jüdischen Bürger dieses Landes wissen es, daß dieses Reich verwaltet wird im Geiste der Gerechtigkeit, und wir haben den festen Vorsatz, alle Fehler, die aus der Zeit des Druckes etwa noch uns anhasten, abzustreifen uud durck Treue und Lifer in unserm privaten Berufe wie im öffentlichen Leben uns auszuzeichnen. Der Talmud crzählt: Ls hatte Jemand ein Stück Acker, der Boden war steinig, dürr") und unfruchtbar, er gab den Acker fort, und der neue Besitzer ließ die Steine ausgraben, und siehe da, plötzlich drang ein Euell frischen Maffers hervor, diese Fiuthen wurden durch den Acker ge' leitet und es gedieh darauf der Deinstock und lieblich duftendes Gewürz und jede prächtige Frucht. Da kam auch der frrchere Besitzer einst an dem blühenden Gefilde vorüber und scch schmerzlich erstaunt die üppige Lntfaltung und machte sch Vorwüfe, daß er sein Gut so arg vernachlässigt habe. Dies ist dem Talmud ein Gleichniß für die Israeliten im Druck und in der Freiheit. — In Jahrhunderten, wo die Menschen uns quälten und stuchten und uns von jedem ehrlichen Lrwerb abdrängten, waren die Juden nicht immer ein Segen für die Länder, in denen sie wellten. Aber als der Druck von uns genommen wurde, haben Viele sich bemüht, auf allen Gebieten redlicher Arbell sich hervorzuthun. Das sei unser Dank gegen das Vaterland, gegen seinen Fürsten, daß wir in diesem Bestreben nicht ermatten, daß wir durch keine Feindseligkell uns beirren lassen, daß wir, um auch dies hervorzuheben, von den schlechten Llementen unter uns, uns etwa nicht lossagen, sondern uns bemühen, sie heraufzuziehen und zu bessern, damit das ganze deutsche Israel wie ein fluthdurchzogenes liebliches Gefilde dem Vaterlande zum Segen und zur Zierde gereiche. ״Ich finge dem Lwigen, denn Lr ist hocherhaben"; dem höchsten Dank, der Fürst und Vaterland beschützt hat. Lr halte ferner seine Hand über Aaiser und Reich, über Fürst und Volk und lasse unfern Raiser in Frieden und in Freuden zu hohen Jahren kommen! 8. R. Lchuhjudeo oder Staatsbürger. Erst spät dringt in die Provinz, was die Hauptstadt bewegt. Vielleicht aber ist hier unser Blut ruhiger, um un» befangener zu urtheilen. Erst einige Wochen nach der Veröffentlichung ist uns eine Broschüre zugegangen, die den Titel führt: ״Schutzjude oder Staatsbürger", zugleich mit einer Nummer der ״Jüdischen Presse", in welcher diese Broschüre arg ^handelt wird Die Broschüre hat einen formalen Vorzug, der aber auch sachlich nicht ohne Bedeutung ist; man wirft den Juden vor, w׳r seien Fremdlinge im deutschen Lande; Fremdlinge sind gewöhnlich unbeholfen in der Sprache des Lande»; wer einen guten deutschen Stil schreibt, beweist schon dadurch, daß er nicht fremd, sondern heimisch und heimathsberrchtigt ist; der Verfasser, «in Jude, sogar ein talmudisch gebildeter Jude, verfügt über einen vortrefflichen deutschen Stil, wie wir ihn allen antisemitischen Scribentrn wünschen möchten, schon dä» HM ׳^־ ,י' ־.' ^ל־ ־ ־•f ן.) י wegen, damit die Lectüre ihrer Schriften nicht gar so quaAoll^ werde'. Eine Gemeinschaft, die so gute deutsche Stilistttt mV ihrer Mitte hat, wie u. A. den Verfasser dieser Broschüre,! wurzelt wohl doch ttefer im deutschen Wesen als manche Antisemiten, die zwar in Deutschland geboren aber leld:r ungezogen geblieben sind. Jndeß nn guter Stil sst rine gefährliche Waffe, besonders wenn sie im Dienste halbrichtiger Gedanken gehandhabt wird. Herr Justizrach Meyer wird energisch geschüttelt, wegen deS ״Schirm- und Schutz'-Anruss m der beabsichtigten Kaiserpetitton, wir haben wahrlich Mitleid mit dem etwas eitlen, aber arbeitsamen und biedern Manne So ganz blöde, wie der Herr Bersasser es darstellt, war wohl der Gedanke doch nicht, denn wenn der Kaiser e» ausspräche, daß alle die Pläne, die Gleichberechtigung der Juden aufzuheben, bei der Krone keine Stütze finden werden, so würde das viele unserer Gegner entmuthigen. Sodann ist die Verfassung vielfach noch incht ausgeführt; was unser,! Feinden Kraft giebt, ist ja gerade die T Hassache, daß die Verwaltung in Preußen den Juden factisch von Staatsämtern ausschließt, daß nur beim Richteramt, wo fast ein Zwang vorliegt, rine Ausnahme gemacht wird. Ja Sachsen giebrs auch keine jüdischen Richter. Die ״Schles. Zeitung" sagt: ״Niemand hat ein Recht auf Anstellung, also braNcht der Staat keine Juden anzustellen." Der Kaiser hätte uns demnach nicht so graben Wegs auf dir Verfassung gewieset., er hätte sich sicherlich auch über die Principien der Verwaltung deren oberster Leiter er ist, ausgesprochen. Wir glauben auch bis auf Weiteres nicht, daß uns de r ף Kaiser getadelt hätte; Kaiser Wilhelm ist ein bereuter ManN; er hätte schon seine Worte so einrichten können, daß stk keine neue Waffe im Arsenal der Antisemiten gewesen wären. % Das Wort so manches andern deusschen Fürsten z» unfern Gunsten wird abgeschwächt, weil der Kaiser noch nicht 1 gesprochen hat. J Kaiser Wilhelm redet zudem nicht trivial: und eS wärrH eine Trivialität, wenn er uns sagte, daß es auch schlechte^ Juden giebt. .> Noch kräftiger als Herr Meyer avird Herr Hirsch Hilde s-A heimrr abgewieftn. Dieser Herr HildesAmer ist jüngst i« V der ״Zukunft", der neuen Zeisschrift Maximalian Hardens,^ gleichsam als «in geistlicher Vertreter der Juden hingestellt worden: i die Juden Berlins vertritt der Herr nicht; mit Recht weift der1 Verfasser darauf hin, daß gerade dieser Herr zu der kleine» Gruppe gehört» die aus der Gesammtheit der Berliners Juden ausgeschieden ist. Der geistreiche Autor will eine mäg^> lichstschroffc Lossage von der Orthodoxie; Herr Dr. Hildesheimer " straft ihn in der ״Jüdischen Presse" dafür in einem vier^ Spalten langen Leitartikel mit ״wortloser Verachtung"^ In derselben Nummer wird auch der Redakteur der ״Woche» schrist"mit ״stumm er Verachtung"gestraft. Das sind hohl aufgeblasene Redensarten, durch die rin Mensch einfach lächerlii wird, und nicht, nur hohl ist die Redensart, sondern au unwahr; denn wen ich mit ״stummer" oder״wortloser" B, achtung strafe, dem sage ich es nicht. Wie kommt l Redatteur der ״Jüd. Prcsse" überhaupt dazu, gegen ei» Rabbiner, der dreißig Iah« in Ehren sein geistliches A» verwaltet und auch das Verträum der christlichen Bürgerschaf genießt — solche unüberlegte Phrasen loszulassen? Hildesheimer glaubt mit diesen Phrasen Eindruck zu n den macht er auch, aber ich will diesen Eindruck hier ni! schildern.*) Jndeß, was auch immer einige Führer der Orthodo sündigen mögen, der anonyme Bersasser wird uns nicht reden, uns von den konservativen Juden loszusagm; wollen uns durch mommtane Erschütterungen nicht arss lass«. *) Mr nehmen jut Entschuldigung de» 8Itb. der .Jüd. s«ü>« Schmähung nicht de« Kndbtner, sonder» dem-ieh,« geilten lata,;*» gwtLa»4 «iiai •c({j»•$10

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