Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 4 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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daß der übet die Israeliten Urgarn'S für ihre Theilnahme an der Freiheitsbewegung der ungarischen Nation von Haynau verhängte Schulfond der Gesammtheit der ungarischen Israeliten wiedererstattet wurde. Bei der Erörterung des rumänischen Handelsvertrages im gesetzgebenden Körper vergaß es der Selige nicht, die Gleichstellung seiner Glaubensgenossen als Beengung für den Vertrag auszusprechen. Sein muthigeS Auftreten für die Freiheit und Gleichheit seiner Glaubensgenossen hatte in antisemitischer Zeit einen Zweikampf zur Folge, aus welchem er ehrenvoll hervorgegangen ist. In der Religionsgemeinde Pest's sind seine Verdienste ganz vornehmlich um die Humanitäts-Anstalten und das nach den Gesetzen der Hygiene vortrefflich ausgestattete isr. KrankenhauS unvergessen. — Der treue Mitarbeiter Wahrmann's in Angelegenheit der Gleichstellung der Glaubensgemeinschaft, RechtSanwalt Dr. Moritz Mezei, ist an Stelle des Verewigten zum hauptstädtischen Reichstogsabgeordneten gewählt worden. — Die Idee der Reeeption' harrt noch immer der sicher erwarteten gesetzgeberischen Verwirklichung. Gegen die mit der Gleichstellung der isr. Glaubensgemeinschaft verknüpfte Livilehe macht sich in klerikalen Kreisen ein wahrer Sturm gettend, trotzdem die Kirche bei diesem Fortschritte erfahrungSmäßig so wenig zu verlieren hat, wie die Synagoge. Für uns Israeliten ist die Frage der Civilehe ein wichtiger Fortschritt in der Gleichstellung und kann, bei günstiger Lösung derselben, zahlreiche Familien, welche unter den gegenwärtigen Verhältnissen gezwungen sind, aus dem Judenthume auszutreten, dem Verbände der Glaubensgemeinschaft erhalten. Man sage nicht, daß mir an Mitgliedern, welche aus dem Judenthume scheiden, wenig oder gar nichts verlieren. Jedes Glied der Gottesgemeinde muß uns lieb und theuer sein, zumal wenn doffelbe, was zumeist der Fall ist, durch die Lage der Verhältnisse gezwungen widerwillig von uns scheidet. ,Die Erhaltung einer jüdischen Seele bedeutet oft die Er- Haltung einer ganzen Welt!* 4&od«ab. B. Vollerda«, 9. Januar. (Or.-Eor.) Das Local- Eomiiä der Allianoe isr. aniv. hat das Lvjäbrige Bestehen des Vereinin unserer Gemeinde durch eine außerordentliche Versammlung begangen. Herr Dr. G. Polak Daniel eröffnete die Versammlung mit einer Uebrrsicht von der Zeit der Sttftung dieses Comitä's i. I. 1867 durch die Herren I. Goudsmit und Z. A. Rippe, im Verein mit Herrn L. Börstel, bis jetzt. Er brachte in Erinnerung, daß die Zahl der Mitglieder Anfangs nur 20 betrug und jetzt bis 280 gestiegen sei. Er erwähnte die Thätigkeit des Vereins unter dem verstorbenen Präsidenten Dr. M. Haantje» für die verfolgten russischen Juden im Jahr 1882, und die Theilnahme der Beknner auch anderer Confessionen an diesem Hilfswerk. Durch die Bemühungen des Bice-Borsitzenden Dr. M. Denekamp's wurde ein Propaganda-Eomits gegründet, wodurch die Mitgliederzahl sich bedeutend vermehrte. Aich die Montefiore-Stiftung hat zur Unterstützung der russischen Juden reichliche D»:nste geleistete Er bedauerte die Judenverfolgung und wies auf das nothwendige Bor« handensein der Alliance isr. hin, da die Zeit noch nicht da sei, von der die heilige Schrift verheißt, daß das Lamm und der Wolf friedlich nebeneinander weiden und die Sichel die Stell« des Schwertes einnehmen werde. Rach dieser Einleftung wurde vom Oberrabbiner Herrn Dr. B. Ritter eine Gedächtnißred« gehalten. Der Redner setzte den Zweck und WirkuugskreiS der Alliance auseinander. Sie schützt die Juden wo sie leiden, und arbeitet an ihrer gefftigen und moralischen Erhebung. Die Berläumdungen uud Verfolgungen in unserer. Zeit beweisen ihre Nothwendigkeit. Di« Hauptreligionrn hoben ihre Regiiruugr», di« ihre Bekenner vertheidigen und beschützen, wenn sie verfolgt wer« de». Die Juden macheu hiervon eine Ausnahme. Sonach habe die Alliance nur eine moralische und humanitäre Tendenz. Die Pflichten de« Baterlandes sind dem Juden heilig, H und im Bezug auf die Alliance sagten ihre Stifter schon:/ .Wir kennen keinen anderen Feind als die Bedrückung, und keinen anderen Zweck als die Förderung der Liebe unter den Menschen." Dem Redner wurde durch den Vorsitzenden warmer Dank j ausgesprochen, das zahlreiche Auditorium avplaudirte laut.^ Zum Schluß wurde durch Herrn S. Rippe ein Gedicht) vorgetragen, das vielen Beifall erntete. % G>«la»d. <£sa»sa, 8. Januar. Bei der heute stattgehabteu Berathungssitzung der Analo-Jewish-Affociation verlas derPrä/G sident, S>r Julian Goldsand. folgendes von Baron von 3, Hirsch an ihn gerichtete Schreiben: Jä .Bezugnehmend auf die Verabredung, welche ich die Ehre hatte, früher mit Ihne» zu treffen, bestätige ich meine «bsicht. nach welcher A für de» Fall meine« Sbleben» da« von mir gegründete jüdische E,lo»t-Tm salion«werk sicher gestellt »erden kann, farm» meine >n«heilfchetae an dem jüdische» Lolontsatio»«verein unter den glicht׳» jüdischen Gemeinden Europa'« und de» Foad«»er«altern in den Bneiaigien Staaten zu vertheilen. Die «ngla-Je-vif h-Lffvciation, welcher Sie vrlstdiren. scheint mir in jeder Beziehung würdig, bei dieser BeNheilung mit einer erheblichen Summe berücksichtigt zu werden und bitte ich Sie de«halb. -4 mir mitzutheilen, ab der >ssocia»ion«rath geneigt sei» würde, ei» 9t* j schenk von 8600 Antheilscheineu für den Lolonisallonövereln entgmen- \ zunehme». Ich würde hieran nur die Bedingung knüpfen, da» Net der Repräsentation diese« Beschenke« so lange ich lebe, selbst behal» zu dürfen, da ich, wie Sie leicht denken können, »üasche, die Leitung^ de« Werke«, welchem ich den Rest meiner Lebenszeit gewidmet habe,; so lange mir diese« vergönnt sein wir», selbst zu behalten. < Wenn, wa» ich nicht bezweifle, die Anglo-Jenüsh-Uffociation geneigt \ sein wird, diesen Vorschlag zu acrepiiren, so bitte ich Sie, zu veranlasse», t bafe dieselbe bei.ihrer nächsten Si»ung die Personen bezeichnen möge,׳ welche zur Entgegennahme de» Beschenke« für eigenen Namen augw ersehen find, und denselben zu diesem Behuse die nölhigen Bolmochteal zu erlhetlen." H Bon den nach eingehender Berathung einstimmig ge-1 faßten Beschlüssen haben die 8 ersten und wichtigste»^ folgenden Inhalt: 1. Der Rath acceptirt da« Beschenk de« Baron von Hirsch unter! den in dem Schreiben au Sir Julian Boldsmid vom 29. Deeem »892 gestellten Bedingungen. 2. vorbehaltlich die Benehmlgung de« Baroa von Hirsch sind l Julian Boldsmid, Herr EM« >. Franklin und Herr Leopolds Schlag ernannt, al« Bertrauen»männer die Anglo-Jewish-RffociatiSWs zu vertrete« und die Aatheilscheine in deren Namen z» übernehme» 3. Ohne Zustimmung de» Baron Hirsch dürfen sie bei dessen Leb-j zeit diese Uebettragung nicht registrire». Baron Hirsch ist wahrscheinlich durch da« Gsd. glü abgelaufene Jagdunglück lebhaft daran erinnert worb da« Coloa/ationswerk für alle Fälle sicher zu stellen, er selbst die Leitung noch lange in eigenen Händen behalteus und das Gedeihen des großen RettungSwrrkeS erleben! ttutit«. tßicaga, im December. Bei Gelegenheit der Weitausstellung werden u. A. auch religiöse Bersammluugr« finden, auf welchen alle Religionen der Erd« vertreten werden. Diese Versammlungen werden im Monate 1 abgehalten werden. Außer der General ׳ Versammlung siudl auch Spezial-Versammlungen in Aussicht genomme» uud wirf hoffen, daß unsere Glaubensgenoffen es sich werden angele sein kaffen, für Beschickung der jüdischen Eonftrenz allen zu Gebete stehenden Mitteln zu sorgen. In Uebereinstimmuna mit dem Plane anderer EonsesstonÄrs hat da» jüdische Frauen-Tomite« e« für geeignet erachte^ eine) besondere Lonferenz zur Erücterung aller AngelegenheikS religiöser uud philanthropischer Natur, welche dieMq betheckiguna der Frauen erheischen, zu veranstalten. Zu dies Zwecke ist die Mitwirkung aller Frauenvereine dringeud 1 forderlich. Man beabsichtigt. S bi» s Sitzungen abzus in welchen Vorträge gehalten und diseutirt werde» Zu den Hauptaufgaben dieser Lonferenz gehört auch dies sammlung hebräischer Melodien und hofft mau, daß welche sich für diese« Zweck iuteressiren. diese» durch Mitwirkung bethäligen werde«.