Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 4 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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*fetöfae» auf unsere Ahnen und einein ihin begründeten ^' Selbstvertrauen» herbeizuführen. Hieraus hielt Herr Dr. Braun, Dozent am Rabbinerfeminar, den angekündigten Bortrag: .Die Betheiligung der Juden an den geographischen Entdeckungen >«S 15. Jahrhundert-'. AuS den interessanten Darlegunxen möchte ich nur einige Bemerkungen hervorheben. Juden wnren besonder« im Dienste Heinrich des Seefahrer« thätig, indem sie sowohl durch ihre AmdrlSbeziehungen mit fremden Völkern in Berührung traten, und über sie Auskunft ertheilcn konnten, als auch durch Verbesserung von Sternkarten und des Astrolabs, eines der damaligen Schifffahrt unentbehrlichen Instrumentes. Ferner tras BaSco de Gama auf einer seiner -ersten Reisen einen durch merkwürdige Schicksole auS Polen nach Indien verschlagenen Juden an, der ihin durch seine OrtSkenntniß außerordentlich hilfreich war, und den er zum 'Dank dafür zur Taufe zwang. Auch unter den Seeleuten, IJie die erste Fahrt mit EolumbuS machten, btfand sich ein j Jude, der das besondere Vertrauen deS Admirals besaß. ן TaS zahlreich erschienene Publikum zollt: diese» Aus- - Rührungen reichen Beifall. Möge der Verein, der für die 1 kurze Zeit seines Bestehens schon eine verhällni';mäßig große Anzahl von Mitgliedern besitzt, sich weiter gedeihlich entwickeln! Aus Schlesien, 15. Januar. (Or.-Evrr) Rechtsan-!malt Isidor Friedman» in Glogau ist zum Justizrath ׳.inannt worden. Herr Rechtsanwalt Friedmar n gehört für Rirderschlesien zu den Führern der freisinnigen Partei, und ist ein Mann, der nie seine freisinnigen Urberzeugungen ixeleugnet oder auch nur verbirg«; er ist rin eifriger Belrnner des Judcnthums, der stctS daraus dringt, daß wir Juden uns nicht verstecken, sondern offen und ehrlich unsere religiösen Ueberzrugungen bekunden. Als Vorsteher der jüdischen Gemeinde »oidmrt er sich mit Eifer den jüdischen Augelegrnheitcn, die er, da er die jüdischen Traditionen kennt und gute talmudischc und sonstige jüd,scl>e Kenntnisse ^äut. besser als soviel andere jüdische Juristen zu würdigen ^ersteht. Es ist jedenfalls ein Zcugniß, daß die Zugehörigkeit zur freisinnigen Partei und das laute Bekennen zum Judenthum bei den maßgebenden Behörden nichts schadet, -trenn ein Mann wie Friedmann noch einige Jahre früher, «lS er der Anciennität nach dazu berechtigt war, diese Titel- Erhöhung erhält. Rechtsanwalt Friedmann verdankt offenbar die;e Anerkennung seiner juristischen Tüchtigkeit und ^^Gewissenhaftigkeit, sowie seinem gemeiunützigrn Wirken als -Stadtverordneter und in anderen öffentlichen Aemtern. - ArauRfurl «. JK. Uebrr Stellung und Aufgabe des '?iudenthums gegenüber dem Antisemitismus sprach Herr Dir. >IIk. Hirsch im Verein Ben-Usicl. Ec erklärte, die anti- ״ semitische Bewegung lasse sich nicht ausschließlich durch den »cquemen Glauben an einen Bazillus erklären, der in der?"allgemeinen Unzufriedenheit einen ausgiebigen Nährboden Gründet. Biele der Vorschläge aus dem israelitischen Lager, durch den Antisemitismus hervorgerusen wurden, schüffm lmeoen das Ziel. Man könne den Juden unmöglich zu- «,mtheu, daß sie ihr« ganz selbstverständliche «erurthei- I de« Wuchers oder der unredlichen Geschäffsgebahrung noch feierlich betheuerten. Such Aeußerl chkeiten, wie Dialekt, seien nicht von Wichtigkeit; in Den schland rede l recht» und links vom Main wie einem der Schnabel ichsen sei. Wer sein Judenthum zu verbergen trachte, nicht erwarten, daß Nicktjuden er achten. Die Juden strenge gegen sich selbst, sie haben mit GesetzeSverrn nicht« zu thun, aber sie werden nun und nimmerzuarben, daß sie durchschnittlich aus tieferem mora- Niveau stehen, als ihre nichtjüdischen Mitbürger, zige« Mitgefühl mit allen Vergewaltigten und rücküm, gleichviel welchen Glauben« unl> Stamme«, Zusammenhalt untereinander seien ehreavolle Bort Iudenthum». Der Redner, der da» Thema in vortrügen «eüersortzntzt»«» Stdrukk stcht ans orthodoxem Boden und schrieb von dieser Ansckmuung auch dem Antisemitismus ein Gute« zu, daß er die übrigen Juden der Orthodoxie zusühre. (Da« reden;sich die Herren ein.) Stettiu. 15. Jan. (Or.-Tor.) Au« dem soeben erschienenen BerwaltungSöerichtoc« jüd KurhoSpitals in Kolberg ist folgende« mitzutheilen: Die Anstalt war vom 31. Mai bi« SS. September geöffnet. In diesem Zeitraum wurden 126 würd!ge, arme und zugleich kranke Personen zum Zwecke einer Tool- und Seeba'oekur ausgenommen und empfingen unentgeltlich die ihnen angcinesscne Verpflegung und ärztliche Be- Handlung, Arzneien, Bäder und sonstige Kurmittel. Bon diesen 126 Personen — 51 männliche und 75 weibliche — waren 51 Kinder unter 14 Jahren, die sich auf Berlin, die Provinzen Brandenburg. Pommern, Posen, Sachsen, Schlesien, Ost- und Westprcußtn. Stadt Hamburg und Herzogchum Anhalt vcrtheile!:. Davon konnten entlassen werden als geheilt 58, als gebessert 66, — ein überaus günstige» Resultat! Die Reineinnahme betrug 15107,89 Mk., die Ausgabe dagegen 10887,94 Mk., oem Grundsond konnten 5600 Mk. zugesührt werden, sodaß derselbe jetzt Mk. 58,300 Mk. deträgt, außer dem schuldenfreien Grundstück und dem Jnventar. Einzelne Einnahme-Conten weisen größere Erträge aus, so namentlich die Spenden und Einnahmen währntd und auch außer der Badezeit; dagegen sind die laufenden Beiträge leider um etwas zurückgegangeu, was wohl aus die schlechten Zeitverhältnisse zurück zu führen ist. Hoffentlich finden sich im neuen Jahre neue Wohlthäter, die diese» segensreiche Werk unterstützen Zu» HIerelsah, 16. Januar. (Or.-Cor.) Ueber di« Tragödie Blanche Kahn in Mühlhausen herrscht noch immer Dunkelheit. Es sitzt ein verrufenes, übel beleumundete» Frauenzimmer schon seit einigen Wochen in Untersuchung»- hast, welches aber hartnäckig leugnet. In Hixhfelden bei Straßburg wurde ein Schiffer verhaftet, welcher aber nach euiigen^Tagen wieder frcigelaffen wurde, da er sein Alibi Nachweisen konnte. Kürzlich wurden nun in der gleichen Angelegenheit ein Mann und eine Frau in Belforr festgenommen, die wahrfcheinlich an die deutsche 4Behörde au«- geliefert werden, da sie dringend verdächtig sind. — Auch die Raubmörder der im letzten Herbst ermordeten Eheleute Dieysus sind trotz des Eifers der Behörden noch nicht entdeckt. Möge der himmlisch« Richter diese Missethätrr auch der irdischen Strafe nicht entgehen lassen! L. N. S-st-rretcd-U»g«r«. Mieu, int Januar. Die Vertrauensmänner der Baron Hirsch-Stiftung für Galizien hielten bierselb t unter dem Vorsitze deS Parlamentsmitgliedes Dr. Arnold von Rapoport eine Sitzung ab. Ein der Versammlung vorgclegtet Bericht zeigte, daß von dem Fonds gegci wattig 34 UntrrrichtSanstatten, bestehend aus Elementar- und Abendschulen (letztere werden sowohl von den Eltern als von den Kindern besucht), Handelsschulen und Kindergärten, unterhalten werden. In diesen erhalten 4423 Schüler ohne Unterschied des religivstn Betenntn'.jses Unterricht. Für den Religionsunterricht der christlicheti Kinder, welche dir Elementarschulen besuchen, ist ebenfalls Sorge getragen. In der Handelsschule zu Krakau unterrichten auch chriitliche Lehrer gegen monatliches Salair. Dem Umstand«, daß da« Executiv-Eomitee für Gestgalizien, dessen Präsident Prof. Dr. Rosen bla tt ist, auf die religiösen Bedenken der orthodoxen Juden dir gewissenhafteste Rücksicht nimmt, ist es zu verdanken, daß biete ihr Mißtrauen gegen die moderne weltltche Erziehung haben fahren lassen. An Stelle des verstorbenen Ritter« von Fürth soll David Ritter von G utt m a n >1 zum.Präsidcntcu des Eomitee'S gewählt werde«. N. Zu» Au§«ru, 15. Januar. (Or.-Lorr.). Au» den -- -■»— ־*־»—“ ־׳-־י —-----—>-« ... '! tagsabgeordneten Wahrmaun, feten uoq fotgeude'.vtemenu hervorgehobea. Der LnewigA hatte r» i« Parlamente durchgesitzh