Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 4 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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sie im schönsten Goldschnitt prangt. Praktischer ist jeden fall« der Vorschlag, ein Komitee zur Herausgabe einer Haus- und Schulbibel zu wählen, um darüber zu berathen, welche Lektüre wir dem jüdischen Hause bieten können und sollen. Eine Bibel allein thvt eS nicht, denn der geschichtliche Theil ist wohl den Meisten aus der Schule bekannt und der erbauende Theil, unsere herrlichen Psalmen und Propheten u. a. ist unseren gebildeten (!) Damen zu wenig — interessant. Was wir gebrauchen ist ein wirkliches Volksbuch, ein jüdischer Familicnschatz, aber ja keine gelehrte ״Anthologie", oder Lebensbilder großer Männer und Gelehrten. Auch hier können wir von ünsern Altvordern lernen, die öfters weit vraktischer waren als wir. Diese halte» ein: ״Ze6nn0 urenno“ d. h. ein «Lrbauungsbuch für Frauen, ein sog. Weibrr-Chummesch. (rin solches Werk muß im modernen (Sewande wieder erstehen, in schöner Sprache geschrieben, «ine sorgfältige Auswahl guter Midraschim nebst populäre homiletische Betrachtungen über die Wochenabschnitte entgalten. Soweit hierüber, wir kommen zu den andern Artikeln. Wenn wir unter einer Arbeit die Initialen B. B. sehen, so wissen kundige Leser der ״Wochenschrift", daß hier kein '^eres Stroh gedroschen wird und daß hier jede Zeile bedeutungsvoll ist. Zwei Tinge aus den beiden Artikeln stelle ich zusammen, ״dos bunte Kleid" das den Neid unserer christlichen ״Landsleute' erregt, d. h das geschmacklose und herausfordernde Betragen unser slavischen Brüder und den Dienst rür das Vaterland, den Patriotismus. Es ist traurig ־״r.ug, daß wir Letzteres überhaupt erst betonen müssen. Um unsere Meinung und d!e Prinzipien der deutschen Rabbiner und Lehrer, hierüber klar zu legen, müßte uns mehr Raum ׳,u Gebote stehen, als uns diese Spalten gcwähren und wir irüßten etwas niehr Toleranz in unserer eigenen Mitte voraussetzeu, wenn wir srcimüthig uns darüber äußern sollten. Tie Herren am Vorslandstisch der jüdischen Gemeinde in Berlin betonen ja auch, selbst in ihrer Ausschreibung von -.neanzen, ihren deutschen Standpunkt und stellen auch •n der Thal ausschließlich und grundsätzlich nur deutschgecren: — Synagogendiener an; aber Rabbiner, Kantoren — doch schweigen wir. Es ist ein wahres Glück, daß die . gekcnheits-Adresse nicht zu )Stande gekommen, denn es »r« den!Überbringern eine Antwort von dem Haus- ׳ninistrium geworden, unte der alle deutschen Juden^gelitten b-rbeo würden, unter Hinweis darauf, wie — Rabbiner- Zahlen verübt werde»! Mit welcher Energie deutsche Rabbiner gegen den u.neten und äußeren Feind zu Felde ziehen, beweist das Auftreten des— man verzeihe mjr das Wort — ״wahren _fot>״, zuerst gegen den Antisemiten-Häuptling in Göt- .ingen und dann in der Nr. 1 des ״Litteraturblattes" gen die Judenfeinde unter uns. ״An den Pranger mit ihnen, den jüd. Wucherern, uuredlichen Börsianern, Geldprotzen" — ruft er in seiner Re- -nsion des Waldhausenschen Buches über ״jüdisches Erwerbs- Irten" aus.*) Ja das ist das Richtige: An den Pranger mit ihnen! Wir haben keinen Theil an ihrem Rewach, wollen ncht ihr Geld, selbst nicht für eine bestellte — Leichen red. - nd weisen auch die Beranwortlichkcit für ihr unjüdisches ir.'iben von uns. Diese Schäden rücksichtslos aufzudecken, ist die Hauptrusgabe der jüdischen Blätter, es ist dawichtigste Kampfmittel gegen Amalek. Möge die ״Wochenschrift", die diese Lluigabe so unerschrocken erfüllt, sich durch nichts beirren i.ssen, auch nicht durch die Verleumdungen im eigenen Lager, in der orthodoxen — ״jüdischen Presse".*) *) Wir wollen uns in jetziger Zeit mit der etwas üppig geworderen und nach allen Seiten Pi» ausschlagenden orthodoxen ^üd. Vr-sse" in keine Polemik einlaffe» und lasse» ihre schmutzige» Angriffe, B1?i>tzchtigunge» und Denunziationen gegen jeoe ihren Bestrebungen ur.i Zieren nicht huldigende Ansicht unerwidert; wir halten es da mit »er Hessen Philosophie", die — nach de« Aussprache eine» Philoi WshÜA, im Januar. r0r.*Cor.) föe Kons haben hier alle« Grund zur Klage. Jüngst war dieses einmal, um ein« Rede Maybaum's zu hören, in ״konservativen Synagoge". Ts waren'geradezu lebensgefährliche Zustände. Jeder Platz war mehrfach besetzt; die Gängen' waren dicht gefüllt. Wenn irgend eine Verwirrung entstanden wäre, so wäre die Scene entsetzlich gewesen. Es ist eine dringende Pflicht des Vorstandes, solche Zustände zu verhindern. Natürlich leidet durch solche Ueberfüllung die Andacht ■ ungemein. Bon der Toravorlesung, von den durch den ' Rabbiner vorgetragenen Gebeten war selbst in geringer Entsernung vom Almemor wenig zu verstehen; rin wüstes Dröhnen wurde durch dasGedränge, dos Plaudern und durch den Vortrag der Tora und der Gebete erzeugt. Auch die bestellten Ordner vermehrten nur noch die UnordnonA; so drängte sich während der Predigt ein Gemeindedienrr in die vordersten Reihen, um vor den Augen deS Predigers einem Herrn einen Zettel zu überreichen; vielleicht war der Zettel so dringlich, vielleicht auch nicht. Seltsam berührt eS, wenn ein so notorisch freisinniger Mann wie Maybaum die Setzenssprüche über den Propheten» abfchnitt genau so recitirt, wie es in den orthodoxesten Synazogen geschieht. Ist der Glaube des Predigers in der Königs« stadt ein anderer als in der Friedrichsstadt? Wenn schon dies« Segenssprüche, die für Zion, den Propheten Eliah und das Königthum Davids in deu glühendsten Worten sich begeistern, gesprochen werden sollen, warum muß cs denn gerade der Prediger thun, dessen ganze religiöse Richtung solchen Strebungen konttär ist? Warum wird der Prediger' in diese Zwangslage gebracht? Warum befreit er sich nicht aus ihr, wenn den Gemeindebehörden die Einsicht mangels daß dadurch die Prediger in den Verdacht der Heuchelei kommen und an Achtung einbüßen? (Siehe unter ״Cincinnati".) Ureslnn, IS. Januar. (Or.-Cor.) Am tt. d. Mts. hielt der neugegrüudete ״Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" in den hierzu freundlichst zur Verfügung gestellte« Räumen der ״Erholung" seine erste Versammlung ab. Die» selb« wurde von dem Vorsitzenden, Herrn (Seh. San-Rattz^ Dr. Wollner, mit einer Ansprache üt«r die Ziele des Vereins . eröffnet. In kurzen, markigen Worten schildere er das Treiben des Antisemitismus. Eine Berechtigung sei demselben in keiner Weise zuzugestehen. Fehlerlos sind ,zwar di« Jude« nicht, aber der Prozentsatz der schlechten Elemente ist bei ihnen keineswegs grüner als bei irgend einem andern Volksstamm. Die Eigcnthümlichkeiten im Verkehr, die ihnen von ihrem ftüheren, abgeschlossenen Leben anhafteten, sind sie mit Erfolg bestrebt gewesen abzustreifen, um mit vollem Herzen Bürger der Gegenwart zu werden und ihr« Pflichten - gegen das Vaterland in jeder Beziehung zu erfüllen. Die Mittel, die wir besitzen, den Antisemitismus zu bekämpfe«) sind keine schnellwirkenden. Einerseits haben unsere Prediger und Religionslehrer die Pflicht, alle Mitglieder der Gemeinde zu immer größerer moralischer Vollkommenheit anzuleiten, . andrerseits darf unsere Presse nicht ermüden, die lügenhafte« , Angriffe der Gegner mit Entschiedenheit zurückzuwrisru. Da- , neben giebt es noch eine dritte Aufgabe. Line Anzahl unserer ' Glaubensgenossen hat sich dem jüdischen Wissen entfremdet ‘ oder gar, irregeleitet durch die beständigen Beschuldigungen, an der sittlichen Reinheit unseres Geistesschatzes zu zweifeln begonnen, deshalb hat sich dieser Verein da» hohe Ziel ge» steckt, die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratmc 09׳ in weit« Kreise zu verbreiten und durch dies« Pflege der Z Wiffenschast auch eine Steigerung der moralischen Kräfte, de» sophe» — ״in der Verbindung heitere» Spotte» mrd tolerouier ver» ׳ achiung" besteht. Wen» aber die Orthodoxie ״lawpseemuthig- «M »cdmi» miliuui» auftritt unk die» — me da» der tziedaüenr des ge». Bl. in feint« bekannten ״Interview" ttznt — i« Namen M isesammijudemhnin» »»»spricht, f# «erben wir archt er«üben, ihm Berechtigung hierzu -bz» sprechen, unk dergleichen »»«gndenthn« umF? promiirirenoe Aenßernngen als unvernntworUich znrbikjUweisen.