Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 4 (20.1.1893)
- Date
- 1893-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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■ pMfb Hera», Mt thetsächUche« DtrbSJtniff* fkirttUt nnb di« nMwirkenSenpiycholoaifchen Beweg qrünbe klar genug erkennen läßt." Ja, Var genug ist dir christliche Moral, die in diesem, da» Berhältniß zwischen Bauer und Jude behandelnden Aufsatze in der antisemitischen »Tägl. Rundschau" (Nr. S Unter- Haltungsblatt) so verschmitzt und doch wieder so tölpelhaft aufrichtig kundgrgeben wird. Linige Lesefrüchte au» den Be- .tcantoiffen dieser schönen Seele werden zeigen, wie der Mund der Kinder und Narren manchmal, ohne e» zu wollen, die reine Wahrheit spiicht und in unbewachten Augenblicken plappert, «a» man sonst nur in esoterischen Kreisen als Geheimniß bewahrt. E» ist köstlich zu leftn, wie in diesem Aufsatze unbeabsichtigt gexigt wird, daß da» arme Lamm (der Bauer) häufig drn Wolf (Juden) scheert und rupft. Es heißt da wörtlich: ,€# ift f*rner gewiß richtig, daß er (der Bauer) seinen Nachbar nicht gern betrögt, nährend er sich freut, wenn der Jude rringe - fallen (•io! ist." Eine andere Stelle in diesem Auft'atzc lautet: Nun kommt e» aber auch in ieder lvirthschaft "einmal vor, daß ׳ man tvaaren abgeben möchte, welch« nicht taSello» find. Da» kann (»wohl dumpfige» oder ausgewachsene» Getreide »der kranke Kartoffeln ,!in, alt auch Vieh, z. B «ine Kuh, di« infolge de» Kalben» krank geworden ist, sich nicht erholen kann, die man aber bu> chfütlern muß, ••hu Nutzen von ihr za haben. Solch« Thier« kaust mein Nachbon - Vierhanvt nicht, und der Möller kaust da» Getreide auös nicht, sondern ■ der Awischenhandler, hier sageich der jüdische Zwischimhöndler, muß heran, Der kaust di« Kuh, natürlich für «in Spottaeld und der kaust auch da» schlecht« Getreide. Ich weiß, daß er, oder ein Glaudensgenoff« Mn ihm. aller tvahrscheinlichkeit nach mit -er Kuh eirien Andern an- ׳geführt, daß er da» sqlechte Getreide unter gute» m scht und dann al« vollwerthig verkaust? aber «» geht für mich nicht ander», ^ichdinnichtin so glanzender lag«, daß ich «in« Kuh, ohne Nutzen von ihr zu haben, bi» an ihr selige»cinde füttern kann, and bin ftoh, wenn ich wenigstens noch (00 Mark dafür be- (rannt, obwohl ich erst vor kurzer Zeit vielleicht »>o Mark dafür Stahlt Hab«, and ich bin auch nicht in der tage, so und so viel «Zentner Getreide auf den Komposthaufen schütten ju können, weil M nicht tadelfrei ist. In solchem Falle mutz mir Jeder (welch« Morall) recht sein, der mir diese schlecht« lvaari n überhaupt «,bnimmt und wenigsten» etwa» dafür bezahlt." Weiter heißt «Sin jenem antisemit. Organ: .Ein« zweite Zuschrift, legt da» Hauptgewicht auf die psycho- :legische Seit«, den Ehr«nvunkt, und erläutert theoritisch, wa» oben lau einem!heile der praktischen Beispiele auch hervorleuchtet: Daß , in» Ehrgefühl de» Deutschen ihm bei einem Qanfecl mit seinen Rasse- ««enoffen hmdernd wird, »vähr-nd ihm der Jude in dieser wie in * jeder anderen geschäftlichen Beziehung bequemer ist. Betont wird «inch, wie dies« Bequemlichkeit noch gesteigert wird tard) die Di»- - frei io n, welch« der Jude zur Wahrung seine» geschäftlichen vortheil» immer übt. fix gtttmirf ja et»er drfUmn» Ster Talmud. echulchau.«-uch 11) die jtttfche Sittevletzre ••־' ••׳ ״ * ״ - - '! unser eigene» Urtheil zurückhaltend. »Gegenüber falschen Borstellungen, die besoni«rS .in jüngster Zeit über da» ältere Schriftthum und die Sittenkehre de» Judenthum» verbreitet worden sind, erklären wir: »Der Talmud ist uns werthvoll aleiu Buh, da» über die Auffassungen und Lehrmeinungen, über die älter« Geschichte de» Judenthum», über Glauben und Aberglauben, üver Sitten und Unsitten unserer Borfahren nrährend vieler Jahrhunderte di« mannigfachsten Anfschlüffe aiebt; aber der Talmud, welcher int wesentlichen nur Diskussionen wiederaiebt, ist uns kein Gesetzbuch, sonder» eine historische Quellenschrift, und zwar eine solche, die, nach mündlichen Traditionen gesammelt, erst mehrere Jahrhunderte nach der Zerstvrung des Tempels durch Titus und der Zerstreuung der Juden in seiner gegenwärtigen Gestalt niedergeschrieben warden ist. Der Talmud enthält viele stellen, welche wir nicht billigen und vertreten, diese Stellen sind zu erklären auder Nach, au» der Anschauung der Zeiten, in welchen sie ausgesprochen worden sind, und der Männer, welche sie ausgesprochen haben Der Schulchan-Aruch ist die Arbeit eines Gelehrten, der ohne Auftrag, sondern nur eigenen gelehrte» Neionngen folgend, einen Auszug au» dem Talmud und späteren rabbinischen Schriften zusammengestellt hat; die Ansichten diese» gelehrten Rabbiners, Joseph Karo in Safed, haben nicht mehr Autorität, als die eines anderen, mit umfassendem talmud. Wissen ausgestatteten Rabbiners. Für unsere Beziehungen zum Staate hat uns der Prophet AremiaSda» Gebot gegeben: .Strebet für das Heil de- Landes, in dem ihr wohnet, und betet für dasselbe zu Gott, denn in dem Heil de» Staate» liegt das Eure." Augemein angenommen ist der Grundsatz: .Das Staatsgesetz hat für üus unbedingte Geltung." Unter Akum sind wörtlich .Srernanbetrr" und sodaun Götzendiener, Heiden im Allgemeinen zu verstehen; Bekeuner des einen Gottes sind demgemäß keine Akum. Die Sittenlehre des Judenthums beruht auf der heiligen Schrift, auf der Lehre, daß der Mensch em Ebenbild Gottes ist, auf dem Gebot der Nächstenliebe und kennt in der Uebung dieser Pflicht keinen Unterschied selbst zwischen Juden und^— Akum. _ Heut« bist Du nun um Dein schöne» Seid betcoaen, möchtest ׳wch retten, wa» zu retten wäre, bist aber eben an einen fremden tvrt versetzt und mußt Dich dort mit einem Bani'ier besprechen, tvffeubarst Du Dich einem Christen, so befürchtest Du — gesteh« e» ' imr eiu — in besten Achtung zu finken. Du ahnst, daß er Dich nach Iiiesem Streich« al» «inen in Geldsachen sehr unerfahrenen Menschen :!»»nrtheilt und dies« IverlhlchLtzuntz auch Andern gegenüber nicht verheimlicht. L» ist Dir Sa, ärgerlich. Also gehen wir zum , Juden, der schweigt gewiß." f Was Wir darau» folgern? Nichts; wir wollten diese , Reußerungrn in einem Blatte, welche» fort und fort die i christliche Moral und Tugend der jüdischen entgegenhält, ‘nur niediger hängen. Wir Juden sind doch (nach solchen 'Anschauungen) beffere Menschen. Wir sind diskret, wir ,!holten da» Anschmieren eine»Jede« für verwerflich und i unsittliche die Freude darüber für gemeine Scha xnfteude und Lieblosigkeit. Die jüdische Liebe hält eben nicht stille bei Et ben eigenen Glaubensgenossen ,Seinesgleichen 'ist ihm eben »Jeder, der ein Menschenantlitz trägt und ein Ebenbild wWottes ist. »!^.Meiningen. Dr. M. Des sauer. I&* Landrobbiner. _ Berichte und Corresponderrze«. Deutschland. Hlerlluer Arief vom 8. Januar. LS ist keineswegs meine Absicht der ״Wochenschrift" in ihren eigenen Spalten Elogen zu machen; empfinde ich doch oft bitter genug die ״Striche" des unerbittlichen Rothstists, wenn nicht gar mriue Artikel Bekanntschaft mit jenem Gegenstand machen, den ich nicht einmal als Heirathskandidat bekommen, aber ich muß doch heute bekennen, daß die Nr. 1 de» neurn Jahrgang» das Beste enthält, wa» seit langer Zeit eine jüd. Zeitung geboten — trotzdem (die Redaktion bemerkt ״weil") ich auch nicht eine' einzige Zeile darin geschrieben. Da mir aber di« Lorbeeren der verschiedenen Eoreespondenten keine Ruhe lassen, so will ich durch einen Tommentar einige Artikel zu vervollständigen suchen. ^Hast Du eine Bibel im Hause?" Die Antwort braucht durchau» nicht so peffimrstisch auszufallen, wie die.^V»irkskoaferenz" sie ausgesprochen, denn in der Th-t muß sie in den meisten Fällen bejaht werden. Etwa» ander« aber ist eia Buch besitzen, etwa» andere« es kennen. Täuschen wir uns darüber nicht; unsere Damm werden auch ferner nicht die Bibü al» Lektüre wählen, auch wenn