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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-14 · 3 (14.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
3 (14.1.1893)
Date
1893-01-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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tat ei»in Llriitstaat Unttoni tmt versteckte HerauSfncherung er- Mi&ctf. Herr Justizroch Meyer kann nicht behaupten, daß <* fßr da« Hilfspredigtamt Berlin keine geeigneten deutschen Bewerber giebt. Wir nennen von jüngeren im Amte defindlichen Theologen Dr. Littmann (Elbing)'), Dr. Jacob . (Gvttingen), Dr. Kn oll er (Breslau), Dr. Einstein (Laupheim) und wissen ganz gut, daß die Liste sehr unvollständig ist. E« wären auch einige au« der Lehranstalt für die Wissenschaft de« Judenthum« hcrvorgegangene befähigte Rabbiner und Prediger zu nenne».**) Ihr geistreicher Korrespondentau» W i e n in vor. Nr., der die Kandidalcn aus Posen mit denen an« Ungar» auf eine Stufe stellt, vergißt, daß da« Gymnasium in Posen in?leicher Weise seine Schüler wie da« Gymnasirm in Berlin rranbildet. Nochmol«, die Wahl von fünf Oesterreichern zu Rabbinern in Berlin halten wir für unvorsichtig; die Orthodoxen werden in Berlin durch deutsche Rabbiner, durch Dr. Hildesheimer und Dr. Lohn vertrete», die Haupt» Gemeinde ausschließlich durch Oesterreicher. Aerkiu, 8. Januar. Bor dem Straficnat dt« Kairimergericht« gelangte in der Rkvisiöneinstanz eine Anklage wegen Proben Unfug« gegen den Studenten Leo Levy zur Be» Handlung. Derselbe war in den Borinstanzen unter der Feststellung, daß er am 2. Juni pr. einem Händler, der mit einem Auszug aus dem Talmud (Schulchan Aruch) hausiren ging, an der Ecke der Friedrich- und Mohrenstroße dir betr. Druckschriften aus der Hand geschlagen hatte so daß die Bogen über die Straße flogen, wegen groben Un» fug« zu fünf Mark Geldstrafe verurtheilt worden, wogegen er Re- Vision einlegte. Sein Vertheidiger, Rcchtsamva't Borchardt, führte vor dem Kammeraericht namentlich au«, daß es sich hier um einen Akt der Nothwehr gegen Beleidigungen gehandelt l)abe. Die von dem betr. Händler ostentativ aus» gebotene Druckschrift habe nämlich von den schwersten Beleidigungen gegen die Juden g strotzt, ihnen die größten Greuel und Berbrechen als Ausfluß der Eigenthümlichkcit ihrer Raste vorgcworfen. Ihr Schachcrgeist werfe sich auf Alles, selbst der Arzt, der belehrte, der Z'itungSvcrlcger und Redakteur schachere lediglich mit seinem Berufe. Diesen Jnvektiven in der von dem Händler verbreiteten Schrift gegenüber sei die Erregung de« Angeklagten eillärlich; er mußte sich in seinem religiösen Gefühle tief verletzt fühlen und habe lediglich einen Akt der Nothwehr begangen, sei detholb fni;usprechen. — Der Angeklagte selbst erklärte, er Habe sich in seinem religiösen Gefühle tief vorletzt gesuhlt und seine Handlungsweise habe kein Aergerniß erregt, werde vielmehr von jedem normalen Menschen als berechtigt an- ^erkennen sein. — Da« Kammrrgericht erlannre indeß auf Zurückweisung der Revision, weil eine Nothwehr nicht vorgelegen hätte. X Alerli«. Hier hat sich ein jüdischer Verein zur Ab- «ehr antisemitischer Angriffe gebildet. Zum Sekretär des Vereins ist Herr Willy Ga m bu Sk gewählt worden. Wenn «uch der Sekretär nicht selbstsiänvig arbeiten kann, so halten Wir e« dennoch für keine glückliche Wahl. Herr Willy Bambu» hat sich auffällig bekannt gemacht als Agitator und Reisender für die nationaljüdische Idee und ist wahr- /scheinlich von Herrn Hirsch Hildesheimer empfohlen worden. Solche Leut« kompromittnen unsere nationaldrutschen Bestrrbungen. X Vcn der Hl«ßr, 3. Januar. (Or.-Lorr.) Zu Essen- Ruhr kam am 1. Januar der Borstand des Beceins iSrae- 'Mischer Lehrer Westfalen« und der Rheinprovinz (die Herren Steinweg-Rhedch Goldstein-Grevenbroich, •) Der jetzt in Zürich zum Rabbiner vewShlt «mb«. —) Ja t» Berlin felbft fände» sich über«,» lüchttg« theolagisch »»> ctalfisch gut geschulte, pädaga^sch Heros» rageude Ra Unaer. dt« sür Mcfc Stelle, dt« var allem «tn« pädagogische «rafr forderte, wt« Oeschaffe» «are». lRed.) Levi.Neuß und Treu-MLnster) zusammen, um ini.-r de« Vorsitze de« Präses de« Vorstände« — de« Herrn Blume nseid-Esten die im Statute de« Verein« vorgeschriebene jährliche Sitzung de» Vorstände« abzuhalten. — Al» die wichtigsten Gegenstände der Beratung sind die Rechnung«- läge und Feststellung der Quoten für btc Unterstützung«- bedürftigen hcrvorsuhcben: Da« Berrinsvermtzgen beziffert sich auf 75505 Mk., Zinsen. Mitgliedcrbriträge und Spe»- den 5840 Mk, hiervon mußten laut Statut § 11 3000 Mk. zur Bertheilung an die Unterstützungsberechtigten kmnmen, während der Rest, soiveit er nicht sür die im Laufe de« neuen Jahre» hinzukommenden UnterstützungSberechtigten zur Verwendung kommt, dem Grundkapital zustteßt. — Im vergangenen Jahre ist Ne Zahl der Quoten von» 87 auf 00 gestiegen, die Eingänge haben sich aber nicht in dem- ,eiben Verhältniste gehoben, und so mußte die Quote von 47 Mk. aus 43 leider hinuntergehen. Auf einen unverheirathetcn Lehrer oder Wittwer ohne Kinder entfallen 8 Quoten, auf eine W ttwe 3. auf einen Lehrer mit Frau 7, für jedes Kind, sowie für jede Waise l Quote. Mlt Rücksicht daraus, daß sich mit jedem Jahre die Ansprüche an die Kasse steigern, erwächst die ernste Pflicht für alle, besonder« die jüngeren Lehrer, mit allen Kräften für die Förderung de« segensreichen Institutes einzutreten. Hat dasselbe, da« älteste in seiner Art, sich doch so trefflich bewährt zur Linderunn ‘״r Not dienstunfähig gewordener Lehrer, Lehrrrwitwen und"-Waisen. Es darf auch darauf hingewiesen werden, daß die Beiträge zur Verrinskasse für die Lehrer, welcher bald nach dem Eintritte in« Amt Mitglied de« Kassenverein« werden, nur unerhebliche Opfer an Eintrittsgeld und jährlichem Beiträge zu bringen haben, während ein späterer Eintritt eine Nachzahlu.'g für die vorangegangenen Amtsjahre bedingt. Die Bethciligung liegt aber nicht nur im Interesse der gesammien Lehrerschaft der weniichen Provinzen, sondern ist auch zum persönlichen Bortheile jedes Bctheiiigten, eine deruhigei'dr Aussicht sür das Alter. — Möge da« Jahr 1803 ein ertragreiches sür unsrrn Verein, ein trostreiches für dessen Uneerstlitzungsbedürstige werden! Aäk». Frau Nahiva Remy hat hier unter großem Beifall über ״tue Nächstenliebe im allen Testament* einen Vorlrag gehalten, worin sie an der Hand der Patriarch«- lischen Fomilieii-Ereignisse und an Beispielen vieler Spezialgeseye ״achwies, daß das Gebot .Lieb« deinen Nächsten wir dich selbst' (3. B. M. lO, 13) überall zum klarsten Au«- drucke gelangt sei. Ebenio wioerlegte die Redner!» den allgemein vc» breiteten Jrnhuin, daß der Gott, den die Bibel lehrt, ein Gott der Rache sei, während im Gegentheil au« derselben Stelle (»m 2. der zehn Gebote) hervorgehe, daß die Gnade Go'tes sich bis ins tausendste Geschlecht erstrecke. So löblich e« ist, daß die Christin Nahida Remy für die sittlichen Ideen des Judenthums eintritt, ein so traurige« Zeichen der Zeit bildet die Nothwendigkrit einer solchen Bertheidigung. Wollten die Gegner der Juden sich ein wenig bemühen, selbst zu denken, statt den Hetzaposteln blindgläubig zu folgen, so müßlen sie sich sagen, »aß ein Mann wie Christus, welcher so schöne Moralleyrrn predigte, doch eine« sittlich reinen Kulturvolle entsprossen sein mußte. Die Erlöser springen nicht aus der Nacht der Barbarei hervor, sondern stehen auf den Schultern von Denkern und strengen Moralisten. Atttksnche. (Or.-Lor.) AuchhierhieltFrau Nahida Remy aus Berlin im Verein für jüdisiv« Geschichte und Lilleratur i« S' י׳*”, ~ ~ ״ י “ ־־־־־'־ ‘ ׳־' - ziehenden durchgeistigten Gesichtazügen, war schon m ihre» Aeußern höcksr wirkungsvoll. Ihr gehalwoller Bortrag, der durch ein lievliche«, klangvolle« Organ nicht wenig unterstützt wurde, erntete bei dem sehr zahlreich erschirnenen Publikum, rauschenden, ungeiheilten Beifall. Nachdem Rednerin vo« dem Gedanken ausgegangen war, daß die Tradition da« Weib

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