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Israelitische Wochenschrift · 1893-01-07 · 2 (7.1.1893) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
24 (1893)
Issue
2 (7.1.1893)
Date
1893-01-07
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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nach der,Bolkszeitg.nachdem der Petitionsbeschluß bereitaufgehoben war, Worte zu einem Leitartikel ,Die deutschen Juden und die Verfassung" gefunden, in dem sie jetzt natürlich auch nicht umhin kann, ״die Anschauung derer zu th ileu, nxlche meinen, es sei an der Zeit, daß unsere jüdischen Mit׳ -ürger die Bertheidigung ihrer Interessen nicht mehr btoS den- ->en!g<n überlassen sollen, welche aus politischer Ucberzeugung, aus Rechtsgesühl undaus Verfaffungstrcuevon einer Verkürzung der staatsbürgrilichen Rechte der Juden nichts wisien wollen." .Wir!)alten den Augenblick für gekommen, in welchem die deutsche Jndeiiheit durch öffentliche Kundgebungen aller Art, gegen Vorwürfe, Verleumdungen und Verdächtigungen, denen sic sich ausgejrtzt sieht, mannhaft selbst das Wort ergreifen mutz." — (Das hat sie immer gethan') Wenn d.:s ,Berl. Tagebl." den Vorwurf erhebt, daß nur durch eine ,peinlich berührende Indiskretion" die gan,e Angelegenheit den Weg in die Presse gesunden, so mutz jeder Unbefangene doch der ״Volksztg." zustimmeu, die dem ,Tageblatt" die Antwort nicht schuldig bleibt: .Unsere .JndiSkretion" war nicht peinlich, ,andern sie war, das lehrt der Erfolg, im höchsten Grade nothwendig, und, weil sie noch gerade zu rechter Zeit wirksam wurde, gewiß auch i n hohem Grade verdienstlich. Das ,Peinliche" lag nicht darin, datz »aS famose Projekt enthüllt wurde, sondern es lag iu dem Projekt selbst. Die Absicht eine« in Deutschland existirenden jüdischen Gemeinde-Vorstandes, die überwundene, barbarische Idee des Schutzjudcnthums hierzulande von Neuem praktisch ju machen, ,st vom politischen Gesichtspunkt auS kein Gegen- Itand, der sich als jüdisches AmtSgeheimniß qualifizirt, das gleichsam hinter Ohetto-Mauern so lange bewahrt werden müsse, wie es den Herren Eingeweihten gefällt. Nein, die Juden leben nicht mehr im Ghetto wie ehedem, sic sind keine Schutzbefohlenen, wie ehedem, sie sind Staatsbürger. Vom rechten staatsbürgerlichen Gesichtspunkte aus mußte also das Borhaben der Herren Herz re. aus Tageslicht gezogen, be- und verurtheilt werden, ehe es zu spät war." Trotz diese« günstigen Ausgang« der Sache, wird sie »och nicht nur den antisemitischen, sondern auch den freikonser- »atmen Blättern Veranlaffung zu Mißdeutungen geben. Schon hat di« officiös« ,Nordd. AUgem. Ztg." davon Notiz genommen; auch ist bereits eine anonyme Flugschrist: Schutz- -»den oder Staatsbürger" erschienen — kurz die so Ungeschick als nur möglich eingcleitete und behandclt« Angelegenheit wird doch, fürchten wir, noch viel Staub aufwirbeln. Werki», 1. Januar. (Or.-Lorr.) Ein vielbesprochenes TageSerrigniß bildete hier das in der radikalen, sozraldrmokratisch angehauchten ,Zukunft" von Maximilian Harden") erschienene und vom ,Kleinen Journal" weiter verbreitete Interview des Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer (durch einen Mitarbeiter der ,Zukunft") über die Lage des deutscheu Judenthums. Dieser der öffentlichen Kritik unterlie- -ende politische Akt wird verschieden brurtheilt. Die Meisten halten es nicht für richtig, daß gerade diejenige religiöse Richtung, welcher der Talmud und Schulchan Aruch dem Staate gegenüber ein möglichst vorsichtiges Verhalten mit Recht vorschrribt, durch eine so prononzirte Persönlichkeit, wie der Lehrer au einem orthodoxen Radbinerseminar doch immer ist, jetzt die Offensive in politischer Richtung er- ״reift; denn Herr Dr. Hildesheimer spricht nicht im eigenen!>ramen, sondern er konstatirt als Mandatar des deut- ^chen Judenthums ״eine Kampfesstimmung in unseren Reihen", der er eine weittragende Begründung giebt. Wie ms ans sicherer Quelle berichtet wird, beabsichtigt Hr. Dr. H, i« Falle der Austösuug des Reichstag-, sich um ein Mandat für die Reich-vertretung zu bewerben, um darin die Rolle d«S Dr. Bloch im Wiener Parlament zu spielen. (Wir kommen auf dieses Interview — und besonder« 1 Di« Mesnlchentslchi Kz. kt .gatMft" ist k»»fi«»tt1 und Mt 1Mtar Mp «cheMäklMMpm, erhoben. auf die von Dr. H. darin gegebene Erklärung über Talmud - »och zurück; wir warten nur ab. obHr.Dr.s in seinem Blatte nicht vielleicht die Rich igkeit de« Work lautein Abrede stellt) Werkt«, l. Januar. Selbst in die ärzllichen BeziRsvereine, die einen rein sachlichen Eharakter lwben, suchen Antisemiten politischen Zwiespalt zu bringen. Bisher gal als alleinige Vorbedingung für Aufnahme in diese Vereine die thatsächliche Ausübung des Berufs und bürgerliche Ug bescholtenheit, da die Vereine lediglich die Jntereffcn 1' Berufs vertreten sollen. Demgegenüber aber haben, iin ät lichen Verein des SüdwestenS einige antisemitische Aerz den Antrag gestellt, die Kugelung über Aufnahme oder Nid j ausnahme von Mitgliedern entscheiocn zu lassen, in W j offenkundigen Absicht einer konfessionellen Sonderung, trotz» dem von anderer Seite selbst gegen die Ausnahme au«f־ | sprochencr Antisemiten bisher kein Einspruch erhoben word : war. Der Antrag der kugelungSsüchtigen Mitglieder wur! mit lOvgegen 26 Summen abgelehnt, und nun betreib i diese 28, unter sorgfältiger Wachsamkeit darüber, daß n i ' Nichtjuden ihrem Kreise angehöre», die Begründung eine neuen ärztlichen Verein-, in welchem unverfälscht christlid^ germanische Krankenheilung der Aufmerksamkeit der ~ fenossen gewidmet werden wird. Hoffentlich sind diese' o konsequent, sich auch bei der Annahme von Patienb auf ihre Konfesfionsangehbrlgen zu beschränken. (Auch hier in Magdeburg machte sich im vorig, eine solche antisemitische Agitation im Aerzte-Berein gelte die aber von allen Gebildeten verurtbeilt wurde) א. Z«, Lve-fnk»«, 1. Januar. (Or.-Tor.) Ja uns> westlichen Provinzen ist die Hochfluth des Radau-Antise«^ tismus thatsächlich in ein ruhiges Bett zurückgetreten, um so erfte'ilicher ist. als das antisemitische Programm 1 Jahresfrist und später eine systematische Bearbeitung, mentlich der Rheinprovinz, durch namhafte Hetz« Zeitungsartikel und Flugblätter in Aussicht stellte, forderte. Daher sah man mit Spannung auf die Mh vor Weihnachten. Die Befürchtungen haben sich 1 erwiesen; nirgends, mit Ausnahme eines einzigen ist das Hetz-Spettakel-Stück in Action getreten, einzige Kttis ist der MuckrkreiS Lübekke, und der wählte Ott in diesem Streife ist das Städtchen Level «ine hochgradige Auftegung gegen die Juden äugest, wurde. Bon einer Hetzversammlung im September, der Dr. König in Levern abhielt, wurde seiner diesen Blättern berichtet. Eine zweite Versammlung am 18. d«. Mts. daftlbst abgehalten. In dieser gewaltig über die Juden her, es wurden einige deratt angegriffen, daß gegen den Wanderredoer ger vorgegangen werden soll. — In den Städten Dort»( Bochum und weiterhin im industriereichen Bergischeo I es ganz ruhig; in Münster, wo der Weihnachtsradaus letzten Jahren alle seine Schleusen aufgezogen hatte, auch diesmal Versammlungen angeküntM — aber J alles stockmäuSchen still. In dem gewerbreiche» *. wo vor zwei Jahren eine große Versammlung aus die"! gebracht wurde, — wurde ui jener Versammlung virlstl von Bürgern gerufen: ״Ihr fallt 08 unsere brave in Ruhe lossen." — war auch Heuer eine Versamr angekündigt. Aber der Wortheld fand in de« Küpper'schen Saale leere Wände und mußte nach Watten werthlos mit leeren Händen abziehen. — Jo großen Dorft Drove bei Dünn wurde um dieftlbe ein JSraelit, M. Polak, in den Grmeinderath gewtz Auf Anregung der Henen Spier-Bocholt und Bol Rhein« fanden sich am 28. Dezember v. Js. Lehrer aoä^ Regierungsbezitt Münster zu einer Berachung iu^Müf ein. Der einzige, «othweudig« Gegenstand der galt der Erzielung einer Einheitlichkeit detrrffs des! unterricht«-. Lin v»n dem Herrn Lrhrcr^iZaum

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