Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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stellt werde. Die Petition begründet tan Antrag mit »er geschichtlichen Entwicklung unserer religiösen Verhältniffe: »Leit mehrere« J»hrieh»«e» «erde» di« i»dtlG«ligi»le» An׳ Gelegenheit«« »ustre« Lande* durch dt« hohe Behörde in hervor- »orrageud-ltberale« Kinne «eletiel, und «* darf wohl mit Grund angenommen werde«, daß jeweils da* geistliche Mitglied derseiden in erster Linie betheiligt war. Früher al* audermSn« sind in' unserem Land« weitgehende gone*dienstlich« Reformen von oben herab angeordnet und in silmmilichen Gemeinden de* Land«*, auch da, wo man «in Vedürsniß noch solchen Reformen nicht ««Pfand und wo der konservativ« Sir» der Gemeinde» derselben widerstrebte, streng durch, geführt wurden.' Gegenüber den schon in der Tagespreise laut gewordenen Stimmen, daß auf dem Stuttgarter Rabbinatssitz, bezw. in dir Lberkirchcnbehörde eine Persönlichkeit berufen werde, von welcher eine Förderung oder entschiedenere Weitcrführuna der reformistischen Bestrebungen zu erwarten stände, will sich durch dies« Petition die gcgenlheilige Ansicht zur Geltung bringcn; sie dürste besonders in den Landgemeinden zahl» reiche Unterschriften finden. St#«• Württemberg, 27. Drcember (Or.-Eorr.) In diefui Blättern war schon mehrfach von der Besetzung des Stuttgarter Rabbinats die Rede, die um so mehr an Bedeutunz gewinnt, als mit ihr die Ernennung zum rhcologischen Mitgliede der isr. Olerkirchenl>ehölde verbunden ist. Lharsächlich besitzen alle Berichte nur den Werth von Brr-! muthungrn, die zum Theil recht deutlich den Wunsch als Pater des Gedankens dnrchblicken lassen. Jedem, der mit den württembergischen Verhältnissen einigermaßen vertraut ist, kann es kaum zweifelhaft erscheinen, daß für die Stuttgarter Stelle rin in Württemberg geborener und in Württembcrg omtirendcr Rabbiner in Betracht kommen muß. Ein-!,!al rrrlangt die Stellung eines Kirchenraths eine genaue Bekanntschaft mit der gesetzlichen Verfassung, den Bedürfuificn und Wünschen der wüUtembergischen Juden, und zum zweiten Hot die Oberkirchenbehörde erst neuerdings in einem Lpezialsalle gezeigt, daß sie bei Besetzungsfragen auch gegen sie Wünsche der Gemeinde an den Prinzipien des Avancenaitö sesizuhalten gewillt ist. Es wäre für die württem-! 1 ergischen Rabbinrr, die meistens auf kleinen Stellen mit ' recht kärglichem Gehalt sich begnügen müssen, recht betrübend, wenn die Behörde plötzlich von dem Prinzip des Avancements abgehen wellte. Augenblicklich sind fünf geborene Württemtcrger in Württembergischen Diensten, , die alle den Auforderungeu der Ministerialversügung vom Jahre 1834 genügt haben. Sollte unter diesen keine geeignete Persönlichkeit sich befinden? Zn den Gemeinden des Landes envartet man mit Bestimmtheit dieBerufungeinesWürttembergcr», und wenn neuerdings von Laisingen aus ein Lircular verbreitet wird, in welchem die Ernennung eines orthodoxen Kirchenraths verlangt ist. so verdient diese Thatsache uur ihrer Merkwürdigkeit halber Erwähnung. Weder unter Maier noch unter Wassermann haben sich unscre Cittjotogtn zu beklagen gehabt, auch der Nachfolger dieser Männer wird sicherlich für die berechtigten Wünsche der O rthodoxie eia offenes Ohr haben. B. Zschaffensurg. Der schon längere Zeit zwischen der hirs. Israel. ZtultuS-Verwaltung und dem Distrists-Rabbiner bestehende Streit, besten ursprüngliche Brranlaffung eine Kompetenzfrage zwischen beiden Stellen über innere Kultusongelegenheitrn gewesen, scheint nunmehr durch Stellungnähme der Kultusgememde selbst zu einem hoffentlich recht baldigen Ende gelangen zu sollen. Eine von 70 Mitgliedern der hirs. israelitischen Kultusgemeinde unterschriebene Eingabe ist an die hohe k. KreiSrrgierung abgegan«n, welche den Zwcck hat, die Ermächtigung der Kultus-Verwaltung zur prov. Ausstellung eines von einem daher. Rabbiner geprüften Schächters zu erwirken, damit den z. Zt. hier herrschenden unleidlichen Schächter-Zuständen endlich ein Ende bereitet »erde. Aus dir Entscheidung der hohen KreiSstelle ist man sehr gespannt. x dortigen Ztg.vervffrnff.^bcklärunk"- scheu Metzgern ist so gravirrnd gega de» Herrn Rabbiner, daß wir den Abdruck nnlrrlaffen. Dergleichen interne L> gelegeaheiten in öffentlichen Blätter zu hchandeln, halten wir in jetziger Zeit für ganz besonder« sündhaft, für einen Ehillnt haschem. Wir möchten beide Parteien zum friedlichen AuS» gleich der streitigen Angelegenheit «ahnen. Red.) -London, 12.!)ecember. Unter dem Vorsitze de« Ekief Rabbi hielt Herr Hall Eaine gestern Abend >m jüdischen Arbeiterclob einen Bortrag über die Erfahrungen, welche er auf seiner jüngsten Mise nach de« russische» Grenzgebiet gemacht hatte. Daß er sich in jeder Beziehung ftei und offen aussprach und gcwiffe Fehler, welche er bei den Juden wahrnahm, auch solche, die er nur für Fehler hielt, nicht bemäntelte. daS verlieh dem Bortrage einen ganz besondent Werth. Es war eine rührende Schilderung, welche Herr Lame zu wiederholen hatte, die auch dadurch an ihrem herzzerreißend» Charakter nichts cinbüßte, daß sie in anderer Form hier und da schon gemacht worden war. Dem Berichterstatter ist eSnicht möglich, den Eindruck zu schildern, welchen die vorge» führten Lridenssccncn auf die Zuhörer machten, da diese un» fähig schienen, durch die gewöhnlichen BeifallSäußerungcn ihr« Abscheu, ihren Zorn und ihre Bctrübniß in entsprechender Weise kundgeben zu können. Wie die russische Verfolgung«» Politik jeden Menschen anwidert der sie in« eigener Anschauung kennen gelernt hat, so muß sie auch alle diejenigen onwider»^ die sie ohne Voreingenommenheit studiren. Das Verdick des lperrn Caine über diese Politik, idenlis ch mit dem des Comitee'S bet Bereinigten Staaten N.-Amerika'S, unterscheidet, sich von diesem nur durch feinen ouofficiellen und deshalb freiern Ausdruck. So wird z B. die-Austreibung eines jüdischen Soldaten, der nach einer fünfjährigen Dienst» zeit von Ort zu Ort gejagt wird, ohne einen Ruheplatz aus dem Boden zu finden, den er vertheitngen hals, geradezu ,eine officielle Sanktion der Inhumanität und Brutalität' genannt. 'S in ver Inhumanität uns Brutalität״ genannt, Wenn in dieser scharfsinnigen Beurtheilung russischer Zustände ein Anflug von Fanatismus wahrgenommea werde«. sollte, so rührt dieser von der Klarheit der Anschauung welche alle Sophisterei russischer Apologeten verdrängt und ' die Handlungsweise der russischen Behörden in ihrer völlig:-'/l nackten und unverhüllten Erbärmlichkeit bloSlrgr. ,Wenn Länder," ruft dieser gerechte und unparteiische Beobachter au«, ,ohne solche unmenschlichen Praktiken nicht regiert werden können, nun, dann mögen sie im Namen der Gerechtigkeit ., und Barmherzigkeit zu Grunde gehen!" — Da« sind Worte ' eines Nichijuden, eines Mannes, dessen christliche Sympathie» durch sein. Mitleid mit den niedergettetenen Juden nicht ab» v’׳ gestumpt, sondern im Gegentheil aufs Neue verstärkt ward« sind. Es ist aut, daß nichtjüdische Lipp.-u sie gesprochen haben denn augenscheinlich frei von jeder Nebenbedeutung. auSge» nommen den Hinweis aus Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, werden sie desto eher bei der ganzen Welt Gehör finde»Ä Vielleicht mögen auch noch Andere neben Herr« Eaine etnaf*'; finden, die Aufopferung der russischen Juden für da« chavaktcriftischc Ideal ihre« Stamme« zu bewundern. Trotz ihms) Elend«, ja vielleicht ivegeu deffelben, klammern sie sich mit unveränderter Zähigkeit au den Glauben einer nationale»?, Wiederauferstehung. Dieser Glauben verklärt ihr sorgenuuta kummervolles Leben und muß nothwendig von jedem denkenden Zuschauer die höchste Achtung erzwingen. Haittl«. Wontreuk. (Caiiada.) Der Iahresbericht des,Ba Hirsch Institut" enthält sehr ermuthigead« Details über AuSstchte« der nrugegründeten Lolonie .Hirsch". Das " wurde von der Domänen-Berwaltung den La» gemäß erworben, und schon habe« sich 49 Familie» Gruppen dort angefielielt. Der Bode» bietet so AuSstchte», daß viele Famllie» sich in unmittelbarer mit eigenen Mitteln an zesiedelt haben, während die um!