Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 24 (1893)
- Issue
- 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mi Me Bidet fßt H«d wem, Hr am Sabbat La» : Gatteshaus aufsucht und verfolgt darin Thora- und Hafj tara Vorlesung, wenn ihr da» hebräische nicht verficht,! ^n»1 Me Bibel z»r Hmitz, wenn Sabbatstill« in eure! HLiser einziekt, versammelt eure blinder und hawsleute um euch und leset mit ihnen darau». Lrquickt euch an ihr, erbaut euch an ihr, tröstet euch an ihr. ״Cs soll dieses Buch der kehre nicht von Deinem Mund« weichen und du sollst sinnen darüber Tag und Nacht, damit du beobachtest, in allem zu thun, wie darin geschrieben ist; denn alsdann wird es dir gelingen auf deinem Wege und dann wirst du glücklich sein." (Jos. 1, 8 Kap., Theil I., Seit« 174.) Wir glauben fest, daß Jeder, der uns hierbei Hilst, ein wahrhaft gottgefälliges, frommes Werk chut. Dir wissen frei'ich auch, daß damit nicht alles gethan ist, wohl aber 'er erste Schritt zu dem, was dem Iudenthum in diesen trüben Zeiten &*r Bekämpfungen, der Zerrissenheit, des blleinmuths noch chut, nämlich allem voran eine sittliche innere Kräftigung, auf daß Israel erkenne, welches sein« ihr« geistige Heimat ist: Gott und sein Wort: ״Dmm bei dir ist der Urquell des Lebens, in deinem Licht« schauen wir Licht" (Pf. .36, 10, Theil II, S. 158.) Me Ne-KLskonferevr jüd. Lehrer SLdhaunovers. Blumenfeld-Adelebsen. Iacob-Göttingen. Mil diesem beherzigenswerthen Aufruf, dessen Verfasser, u wir erfahren, Herr Rabbiner Dr. IacobGöttingen ist, beginnen wir unseren neuen vieruu»zwanzigsten Jahrgang: Mit «0t1 — und seinem heilige« Wort! Wir möchten aber diesen Aufruf nicht auf die Vorstände!!ndGemeinden in Südhannover begrenztseh«n,sondernchm eine Ausdebnung auf alle Vorstände der jüdsschen Gemeinden Deutschlands geben. An all« Vorstände der Gemeinden, msbesondere an die jüdsschen Schulvorstände, richtet sich der Aufruf: Sorget dafür, daß die Bibel unserem Volke nicht abhanden komme, daß sie in keinem jüdsschen Haus« fehle; » gilt eine gute, deutsch« Volks». Schul- und HauSbibkl zu einem billigen Presse zu beschaffen. Die Bibel muß wieder heirnssch werden in Israels Häusern und Herzen vergessen; wir im Kampfe um unser« heiligsten Güter nicht des Arsenals, dem wir unsere besten Waffen zu entnehmen haben, des unveräußerlichen Grbe's der Gemeind« Iacob's. Die Bibel sst unser Panier und unser« Zuflucht, mit ihr in der Hand und im Herzen werden wir nicht unterliegen. — Das Wort Gottes besteht ewiglich! Auf welchem Wege die hohe Aufgabe am praktischsten zu lösen ist, darüber hoffen wir die Vorschläge eines ״Haus-, Schul- und Bibel-Komitees" unseren Lesern zur Zest unterbreiten zu können. Aer Arnder-aK ei« nU,W« Z>ltd«lr*ch»»»,. W otto: .Sit Habit» Ihn unk lonnttu nicht freundlich mit ihm reden.' — (I. «uch Mos. 37.6.) Jüngst hat ein tapferer Soldat, der den höhrrn Muth hat nach geistiger Freiheit zu streben, öffentlich den Stab gebrochen über di« biblischen Schriften, welche Israels Heiligchm« sind. Dieses Buch, dessen Geschichten und Lehren weithin den Lindern als ine erste GeisteSkost dargeboten werfern, soll, so meint der allzu tapfere Mann, au« der Schule verbannt werden, denn es verwildere und verderbe Geist und Gewuth, und wer nach Sittlichkeit strebe; müsse sich von dem Buche loSjagen. -1 Dieser Gegner ist offenbar ehrlich; woher mag thm nur dieser Ingrimm gekomuten sein? Ost finden wir bei einem §2nz verständigen Manne einen Widerwillen gegen irgend eine Wissenschaft und wir können uns den Ursprung di Abneigung vorerst nicht erklären, bis ein Einblick in die Erziehung und Entwicklung dies» Manne« uns das Rächftl ( löst; er ist in jungen Jahren in dieser Wissenschaft von eine» stumpftn, öden, langwelligen Lehrer unterrichtet worden, so daß ihm der Unterricht zur Pnn gewesen ist; da hat sich /־. denn ein Groll im Gemüthe eingemstrt. der nicht nur de« i Lehrrrgilt, sondern auch der Wissenschaft, die er unterrichtet hat. Wie mancher unserer Gensssen ist später im Leben ein H Feind der Thora geworden, nur weil er von einem galligen j Lehrer allzusehr gequält worden ist, als er die ersten Kapllel'A diese- Buches lernen sollte, oder weil mit raffinirter Unvernunft -ssl die für ein Kind uninteressantesten Stellen beim ersten Unter» richt vorgebracht wurden. Auch die heilige Schrift kann es nicht ertragen, wenn sie von befangenen Menschen schlecht ־.? gelehrt wird. Der dient der Religion am besten, der für 3 ־ dies Buch kein Vorrecht verlangt, der den Inhalt desselben unbefangen auf Geist und Herz der Jugend wirten läßt. ■J Die Erzählung von der Schöpfung z. B., die» von der freisinnigen Kritik am meisten angegriffene Kapitel, wird den Geist der Jugend mll erhabenen Bildern, mit hohen Ahnungen erfüllen, ohne daß es darum nöthig wäre anzunchmeu, alle diese Vorgänge haben sich innerhalb netto sechsmal vierundzwanzig Stunden vollzogen. Wie die Schöpfungsgeschichte rin ‘ herrliches Bild des Werden-, ist die Erzählung von der Sintfluth eine furchtbare Schilderung des Vergehen-; beide reden erschütternd und erbaulich zum Herzen de- Hörers. Auch die Schicksale der Erzväter werden uns nicht darum erzählt, damit wir ihr Thun in Allem und Jedem »achahmen sollen, sondern wir stehen auch diesen mächtigen Persönlichkeiten frei gegenüber, wir sehen wie nicht selten aus kleiner Verschuldung großes Unheil emporwächst; das kann die Jugend gar nicht früh genug erfahren, daß zu» weilen ein Schritt vom Wege in den Abgrund führt. Es ist iveder nöthig noch nützlich, daß dte ganze Bibel der Jugend mitgetheilt, oder auch nur zu erbauliche« Be» ׳ trachiung im Gottrshausr verwerthet werde Denn die heilige ' Schrift i|t noch mehr alsein Erbauungsbuch für Jung und Alt, die Gelehrten und Weisen werden auf den verschiedensten Gebieten der Forschung sie nicht entbehren können, wer jedoch dies Buch völlig der Jugend entziehen will, der ver» sündigt sich schtver an ihr, der dient nicht, wie er vermeint, der .ethischen Kultur", sondern schädigt sie und e» kau« dieser Aerger über unser heiliges Buch, wenn ein verständiger^ für die Pflege der Moral begeisterter Mann ihn äußert, nur erklärt werden aus einem schlechten Bibeluntcrricht, de« er selbst in der Jugend empfangen hat. Nein, die heftige Schrift vergölte« keinen, sie erzählt, und wir lernen, daß auch die Guten nicht ohne Fehl sind, daß di« LebenSlänft-^H! der Menschen überhaupt nicht wie die Schularbeiten mll gut, M oder schlecht abgefrrtigl werden können, sonder daß Tüchtig»זנ י י feit und Charaklergröße die Preise sind, dir in schwere« >~y Kämpfen erworben werden. Und *׳fit Alles, was das Getriebe der Welt au gutr«:^ und schlimmen Erscheinungen bietet, hat die Schrift ei« flHt&t•' niß. Wir leben jetzt in schweren Seiten; Israel wird 00» einem Hasse verfolgt, für den es kaum einen Anlaß, « Anhalt gibt; zwei Juden sind in den letzten Monaten Gegenstand schwerer Anklagen im deutschen Vaterlande ge« wesen; der eine wurde angeklagt, daß er au§ bösem Aberglauben ein unschuldiges Kind gemordet habe, der an! wurde verdächtigt, das er da» Vertrauen der Staai rung gemißbraucht habe, um da- Land zu verderben: schli! Frevel lägt sich kaum ersinnen und beide sollte» nicht eigener Bosheit, sondern tm Auftrag der jüdischen Gesa hell alle diese Niedertracht oeüvt haben. Da stellte sich die völlige Unschuld dieser Männer unserer Glaubensgemeinschaft heraus. Wir hätten erwa dürft», daß die aufgeregt« Bolksletdenschaft sich der gerechten Anklage schämen, und sie bereuen werde.