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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 51 (1892) · p. Seite 201

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
51 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 201 (sequence 3)
Language
German
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^vie hintertiest mir einen herzige« ft«« tat. Mei, Vcrhültuist }■ der Mutter meiner Frau wurde stms ungünstigste. Und nun steht auch mein TÄ> bevor; ich «eist, dast e4 bald mit Mr zu Ende gehen wird. Eine schwere Sorge belastet aber mein Herz, und ich vermag nicht eher von dieser Erde »u scheiden, als bi« ich dieser Sorge ledig geworden Du weiht, liebe Hanna, ich stehe ganz allein auf der Welt. Nur Du liehst meinem Herzen noch nabe, obwohl ich Deine Theilnahme nicht verdient habe. Aber ein Vater bittet für sein Kind, daß ich vor meinem Tode in sichere Obhut bringen möchte. - Bei meiner Schwiegermutter darf ich den Knaben nicht lassen. Er soll Jude bleiben, ich will nicht die schwere Sftrsündigung auf mich laden, ihn unserem Glauben entfremdet zu sehen. Die« wird aber geschehen, wenn er in nichtjüdische Hände 'gelangt. So erbarme Dich meiner um meines Kindes willen. .Ich weist, Du wirst die Bitte eine« Sterbender nicht unerfüllt lasten, darum komme und hole den Knaben, der Dir gewist Deine einsamen Tage verschönern wird. So lebe denn wohl, ewig wohl! Bewahre wenn Du es kannst, ein warmes Andennn Deinem Simon. Heute, am ersten Ehanuka-Abend war Havna mit dem kleinen Willi, dem fünfjährigen Sohn« Simon Ehrberg's aus F. heimgekehrt. Sie hatte nicht gezögert, den letzten Willen des ehemaligen Geliebten ihres Herzens zu erfüllen. Hatte sie ihm doch längst verziehen. Ihn selbst hatte sie nicht mehr lebend angetroffen. Er lag schon im Sarge, nelien dem der 8eine Willi weinend gestanden als sie ringetroffen. Der arme Knabe, — er hatte geweint vor Schmerz und --Hunger. — denn die herzlose Grostmutier kümmerte sich nicht um das ihr jetzt lästig gewordene Judenkind. Nach erfolgter Beerdigung war Hanna nach R. zurück- «eilt und nun stand ihr der liebliche Knabe, das lebendige bdild dessen, der auch jetzt noch ihre Lieb« besah, zur Seite. > Sie wollte da« Kind lieben wie sich selbst es hegen und pflegen mit mütterlicher Sorgfalt, denn es war ja sein Kind! Z>ie Schuld der Wäler. Eine Erzählung von I. Herzberg. . (Tortsetzung.) Ohne sich vorher anmelden zu lassen, ging sie bi« zur Thüre dieses Privatgemaches. Da ward diese auch schon geöffnet und im Eingänge erschien die Gestalt de« Studttaths. ■J> Verwundert schaute er auf, als sein Blick auf Meto fiel, nn d er ries: .Mein Gott, Frau von Wiedenhof, was verschafft mir die Ehre und das Vergnügen, Sie zu so früher Morgenstunde in meinem Hause begrüben zu dürfen?" Al» er aber prüfend in das betrübt dreimchiurude An- . gesicht Meta'S schaute, änderte er sofort seinen heiteren, jovialen Ton und sprach: ,WaS ist geschehen? Sie sind so traurig? Hat sich etwas Austergewöhnliches zugetragen?' Bei dieien Worten erfaßte er Meta'S Hand und führte sie in« Zimmer nach dem Divan, auf welchen sich die Dame .*»!*? einem schweren Seufzer niederliest. Während besten hatte Friedheim in ängstlichem Tone gesagt: .Gewist must ein Unglück geschehen sein, sonst wären Sie nicht hier." Al« Meta sich niedergelasten hatte, da war e« chr erst «öilich, ihrem so lange gewaltsam zu rückgeha lernen, unglichen Schmerz« Lust zu verschaffen. Sie begann bitterlich zu »einen. Friedheim erschrak und suchte die Weinend« zu beruhigen. .0, so sprechen Sie doch! Gewist erwarten Sie von . mir Hülfe und Beistand, und Sie wissen doch, dast Sie jederauf mich zählen können." £ .Mein Vater ha: uns plötzlich verlassen!", schluchzte Meta laut auf. »Ihr Vater hat Sie verlassen? Wir soll ich da« verstehen!' ftagte Friedheim höchst vem ändert. .Hinterliest er nicht eine Mittheilung, wohin er sich begeben, und dast er bald heimtehren werde? Ihr Vater pflegt doch sonst wohl gelegentlich das Hau« zu verlasten? Warum erschreckt Sie jetzt sein Fortgehen so sehr?' .O, es ist diesmal nicht ein (.elcge.itlicheS AuSgehen; -es ist.eine Trennung, vielleicht-für immer. Er hintertiest zwei Briese. Einer derselben war an mich und meine Schwester Recha gerichtet. In demselben macht er so seltsame, mir noch ganz unverständliche Andeutungen. Er erklärt, er sei dem Glücke seiner Kinder im Wege, daher scheide er von dannen. Wie dies zu verstehen sei, dast hat mein armer Vater jedenfalls in dein zweiten Briefe näher ausgrführt, der an Sie. Herr Stadtrath, gerichtet ist, und den ich Ihnen hiermit überreiche.' Meta legre das uinfangreiche schreiben in die Hand des immer erstaunter gewordenen Mannes, der eS sofort erbrach und zu lesen begann. Je u>eitcr Friedheim kain, desto gröstere Spannung ergriff ihn. Seine Gedanken weilten »ur noch bei dem, wa« ihm hier mitgetheilt ward, und das hn so sehr erregte, dast er zusehends von einem Zittern ergriffen wurde. Hören auch wir den für das Lebrnsschicksal mehrerer uns lieb gewordener Personen solg, »schweren Inhalt de« Briefes. .Mein lieber Herr Stadtruth! Ein unglücklicher Vater, der im Begriffe steht, au« dem trauten Kreise seiner Lieben, die er über Alles geliebt hat, zu scheiden, und zwar für immer, spricht in fogenden Zeilen vor Ihnen sein Bekenntnist au«. Schweres belastet ist meine Seele, iver weih, ob ich je Verzeihung erlangen werde und ein Berg« hen sühnen kann, durch welches andere Mitmenschen um ihr schwer errungenes Lebens» glück gekommen sind. Ich habe gefeblt, um da« Dasein meiner Kinder mit Glanz und Pracht umgeoen zu können und einem Phantom Wirklichkeit zu leihen. Dar» erstrebte Glück verkehrte sich indest in grenzenloses Unglück; durch meine Schuld hatten die. welche ich zu beglücken trachtete. Unsägliche« zu erdulden. Wo ich auszubaue» wähnt«, rist ich selbst nieder, geblendet und irregeleitet durch nichtige Phautasiegebilde. Zehn Jahre verfolgen mich nun du täglich immer lauter in mir sprechenden Anklagen. .Du richtetest Ane zu Grunde durch Deine nimmer zu befriedigende Ehru. Habsucht!' Dieser Schrrckensruf ertönte stündlich in meinem Ohre und zauberte die Gestalten derjenigen vor meine Siele, die durch mich in Elend in Tod gesunkn. Aber auch die, welche meinem .'-xrzen so nahe stehen, dir mein Fleisch und Blut, litten wie jene; das LebenSglück der Einen ist vollends zerstört, und auch die Andere droht durch ineine Schuld deui Elende, dem unvermeidlichen Verderben, anheimzufallen. Ta« vermag mein Baterherz nicht mit anzusehrn. Wo jene all« elend geworden, soll sie wenigsten« ein, wenn auch noch so geringe« Maah von LebenSglück finden. — Meine Tochter Recha gestand m r, dast sie eine tiefe Neigung zu Ihrem Prokuristen Josepb Löwen gefastt habe, und dast sie glaube, seine Gegenliebe j,u besitzen. 3d) mißbilligte sofort diese Liebe und verbot meiner Tochter, jede Beziehung zu jenem jungen Manne ahubrrchen. Meine Tochter härmte sich darob und und der HaczenSkummer warf sie auf« Krankenlager. Sie aber ftagen nun, warum ich mich gegen eine Verbindung der beiden jungen Leyte mit Rächt stemmte? { Joseph Löwen ist der Sohn )r«jenigen, der eine« schweren Vergehens beschuldigt wurde und darob in« Grab sank. Ich weist, auch er leidet unter der Schuld siine« Vater«, weist, dast er sich dieserhalb von seiner Umgebung abschliestt

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