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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 51 (1892) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
51 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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:*.b daß er bei seiner Charakterstärke nie das Schicksal eines Mädchens an sich knüpstn und eunter denselben Anklagen dulden kaffen würde, die ihn beunruhigten und ihm die ungetrübte Lebensfreude raubten. Mein Lind aber soll glücklich «erden, und dies kann nur geschehen, wenn jene Anklagen in ein Nichts zerfallen, wenn di« Beschuldigungen di« seinen Pater als Verbrecher und ihn als den Sohn eines solchen erscheinen ließen, auf ei»m Anderen zu wälzen sind. So hören Sie denn! Nicht Hirsch Löwen entwendete den Inhalt jenes Werthbrieses. sondern — ich war der Dir dl! Ich allein Hab« die Werthscheine gestohlen! Sehen Sie diese Eelbstbrzichtigung nicht als eine grundlose an. Ich will die Schuldlosen gereinigt und gerechtfertigt sehen!- In jenen Tagen war ich in argen Verlegenheiten, meine Verbindlichkeiten hatten eine ungewöhnliche Höhe erreicht und ein in thvrichtem Wahn gehegter und gepflegter Plan drohte zu zerstören aus Mangel an Mitteln. Ich war rathloS. Ich bat Eie eines Tages um Ihr GefälligkeitSaccept, dos Sie mir nicht verweigerten, und das ich mit Sehnsucht erwartete, da ich dadurch die drückendsten Verlegenheiten aus dem Wege räumen konnte. Hirsch Löwen, den Sie am selbigen Tage zum Kassenboten bestellt hatten, ükerbrachte mir das Accept. Ich sah seine gl oße Tasche, sah auch seinen werthvollei« Inhalt, namentlich den ominösen Geldbrief. Alsdann begann es wir mit dämonischer Gewalt über mich zu kommen. Alle meine Fibern erzitterten, alle meine Leidenschaften waren erregt. Ich war nicht mehr einer Ueberlegung fähig. »Hier ist Rettung, Er lösung fü» Dich; nimm, und Deine Brust wird freier athmen." So ries cs in mir, und im selben Augenblicke waif ich mich >n meinen Seffel zurück, eine Ohnmacht «heuchelnd. Löwen, der dies bemerkte, sprang herzu, und ich bat ihn, er möge meine Trchter rufen. In seiner Aufregung ließ er unvorsichtiger Weise die Tasche auf meinem Schreibtische liege i. Kaum hatte er sich entfernt, da erhob ich mich schnell und entnahm der Tasche den umfangreichsten Werthbrief, öffnete ihn in fieberhafter Eile, zog die Kassenscheine aus der Umhüllung, die ich zur Seite legte. Dir scheine hatte ich in eine Schublade geborgen bi» aus einen einzigen, den ich unter die zerrissene Umhüllung legte. Alles dies war in wenigen Augenblicken geschehen, und ich setzte mich hin, zu schreiben. Tie Thatsache, daß Löwen mit den Räumlichkeiten meines Hauses, das ich damals bewohnte. weniger bekannt war, war Schuld daran, daß dieser erst nach längerer Zeit z» mir ins Zimmer tteten konnte. Ich hotte noch Zeit, die Feder zu ergreifen, sodaß er mich beim Schreiben ontraf. Er sprach seine Verwunderung darüber aus. daß ich wieder wohl sei, und ich bat ihn, ein Schreiben an Sie mitzunehn en, dasselbe, welche» später bei ihm vorg-junden worden ist. Ich steckte dieses Schreiben selbst in seine Rocktasche und wußte auch einen Theil de» Briefumschlages, sowie einen der Tausendmarkscheine mit in seine Tasche zu bringen, ohne daß er e« merkte. Er entfernte sich ohne weiter einen Blick in dir Tasche zu werfen. Wa» nun folgte, dos wisse» Sie selbst. — Ich selbst also war der Dieb; um aber jeden Verdacht von m,r abzulenk-n, wälzte ich die Schuld auf den inzwischen verstorbenen Löwen, dessen Mund verstummt war für immer. Rur die äußeren scheinbar belastenden Momente ließen die Schuld Löwen'« als erwiesen erscheinen. An dem gestohlenen Gute haftete aber ein Fluch, es gnrichte mir nicht zum Segen. Dies ist das Bekenntn'ß meiner schweren Schuld. Und die Sühne? In meinem Schreibtische findet sich in einem Fache zur rechten Hand ein Mehrfach versiegeltes Päckchen. enthält neun uud vierzig Tausendmarkscheine. Nehmen Si« sie wieder zurück. Sogen Sie aber auch dem jungen Manu«, daß die Unschuld seine« Vater» zu Tage getreten sei. Sage« Sie es aller Welt, -nein — nicht aller ^l Rehmen Sie Rücksicht auf mein« Kinder.- Wenn ich aber von danuen sziehe, so geschieht es nichh. um mich der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen! Nein k Ich wollte gern sühnen und büßen. Ich möchte aber meine» unschuldigen Kindern eine tiefe Schmach ersparen. Wohin ich mich begebe, soll gcheim bleiben damit ich nicht durch Nachforschungen und Nachstellungen behelligt werde. Ich kann allerdings die, welche unschuldig gelitten und ein Jahrzehnt im Grabe mit dem Makel eines Verbrechen» behaftet ruhen, welches ich selbst begangen, nicht um Verzeihung bitten. Aber ihren Sohn bitte ich für sie um Vergebung, wenn er mir veiyeihen kann; ich bitte ihn, nunmehr mein Kind glücklich zu machen, und es nicht durch des Vaters Schuld leiden zu lasten. Und Sie» geehrter Herr Stadtrath, bitte ich, sich meiner Kinder anznnrhmen. % Ä * 3* i weiß daß. wenn Sie dieselben in Schutz nehmen, sie wohl geborgen sind. Ich scheide mit diesem beruhigenden Bewußtsein. Gott segne Sie. Gott segne die Meinen alle! iSchtub folgt.) Leo Saiden.^ JU» atter Jett »Ich erinnere mich", schreibt ein Korrespondent des „American Jsraelite", „in meiner Kindheit von einer Fra» in der ..Gasse" erzählen gehört zu haben, die das hohe Alter von 106 Jahren bereit» erreicht hatte. Trotz Regen, Schnee, Hitze und Kälte konnte man sie jeden Morgen und Abens während des Gottesdienstes in der Synagoge treffen. Hier hatte sie ihren Sitz nahe am Gitter der Frauensynagogch welches der damaligen Sitte gemäß mit einer Gardine verhängt war. Bon Zeit zu Zeit hob die Greisin die Gardine aus und warf einen Blick in die „Männerschul". Hierdurch wollte sie sich überzeugen, ob all ihre Lieben, von ihre« 8vjährigen Sohne bis zu dem jüngsten 7 jährigen Urenkel auch anwesend waren. Die Zeiten haben sich seitdem geändert. Unsere heutige» . Prachttempel sind während der Wochentage geschlossen. Unseres moderne jüdische Religion sucht ihren Schwerpunkt einzig und allein in der Wohlthätigkeit; aber die Opfer, weiche man dieser bringt, halten in keiner Weise einen vergleich - mit denen auS, welche unsere Boreltern der alten Reltg'S» brachten. Wir stellen an unstre Jugend nur da» bescheidene Verlangen, daß sie einigemal im Jahre (an den Festtage« . wenigstens) den Tempel besuch« und an die Eltern, baß sie moralisch auf ihre Sprüßlinge wirken wie unsere ehrwürdige Matrone, die täglich ihre sämmtlichrn Familieaglieder in der Synagoge zusammen sah. Chanuka * Räthsel. von C. in B. I. Deutsche» L^ogogrypy. Kennt et Sippe, Clique, Hone, danOe, fetet» gereicht'» den trtgern int Schande. Wenn vom Wort die erste Silb' Ihr irennt, Der Rest am Shanukaleuchter brenni. (3 vertchvs»»»« In dem Gedichte: Sani und Sänger (vorist Spaltes Z- - »nächt'gem Grande" und »lichte »mfe* zu I II. Deutsche» Logogryph. Smbt ein Ding ganz rund klein. Schiebt ein „r" dann klug hinein; Sa» Ihr findet, zeigt aus» Best' Euch die Sag' vom Weihefest. AuskSsuug de» Htäthsek» tu voriger Nummer. Jt# - Cel; «chrmen — Schatten. (Richtt). tk- --;»»ril.Uedakienr:Dr.Rehmer,Magdeburg. DrndftaA vendtk s Hnhn (früher: D.L.V»lff', «agdednrg. BeriagUob. Griese,

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