Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 50 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Do» Antlitz Recha's hatte allmülich eine iniensil« Rüthe mnaenommen und ihre Augen leuchteten und strahlten vor Glück und Seligkeit bei dem Gedanken an die Stunde de» Wiedersehen». Meta hatte den Worten der Schwster stumm gelauscht. Zunge war fast gelähmt. Was sollte sie auf all die gen, die auf sie einstürmten, antworten. Roh durfte die wester, die, seitdem ihre Hoffnungen sich neu belehr, sich mtsrhend» erholt hatte, die voll« Wahrheit nicht erfahren. Dir wähnte doch, dag nur der Widerstand des Later» es sei, der den Geliebten fern hielt. Sie mutzte es ja nicht, daß ganz andere Gründe für diesen bestimmend waren, sie zu -»«den. Hatte sie daher nicht jetzt allen Grund, nun, da sie her Einwilligung d>» Vaters sicher war. an eine baldige Erptllung ihrer heißen Wünjche fest und zuversichtlich zu glauben? Der einzige Widerstand des Bakers war ja gebrochen, und Meter hatte selbst da» Versprechen gegeben, dirsl Erfüllung Mit eigener Hand herbrizusahren.- Meta wch den sich drängenden Fragen mkglichst au», und sie sprach nur: „Der liebe Vater ist ausg.gangen." »So früh schon? Da« ist doch gegen seine Gewohnheit. Wohin ging er?" »Ich weitz es nicht." antwortet« Meta nnd fuhr dann »fort: »Liebe Recha, ich mntz Dich auch für einige Minuten aerlaffen." Die Angeredete fuhr rrschrcktt zusammen. »Der Vater fort. Du fort, und ich soll allein zurück» Reiben? O. warte Du doch, bis der Battr heimkehrt, dann Rannst Du ja gehen. Oder ist die Angelegenheit, die Du zu erledigen hast, so dringend?" »Io» sie ist sehr dringend," erwiderte Mtta mit seltsamer Wetonung und bebender Stimme, wa» der Schwester aber nicht auffiel. „Nun, so gehe in Gotte« Namen.2 Hoffentlich wird der Vater inzwischen heimkehren. Sage aber dem Stu>tenwüdchen, datz es in meiner Nähe bleibe, bi« Du zurücksskehrt sein Wirst" Meta legte Hut und Mantel an, nahm Abschied und Mit den schweren Weg nach dem Hause de» Herrn Stadttaths Emil Frirdheim an. Unterwegs stürmten die verschiedenartigsten Gedanken aus sie ein, sie war jedoch außer Stande, rä-en einzigen festzuhaltto. Wohin ihr Geist schweifte, überall Uvs er auf undunhdiingliches Dunkel. Nirgend« eispühte sie . «inen Lichtpunkt. Hinsichtlich ihrer selbst hatte sie längst auf } «in reine« Glück verzichtet; sie hoffte für sich nichts von der ’ Zukunft mehr. Aber ihre Schwester — wie würde sich nun ' deien Geschick gestalten? Würde da« Schreiben, datz sie bei " sich fühlte, trotz des momentanen Jammers Erlüsung bringen? D>« neben ihr rinherichreitenden Menschen erschienen chr »ie Traumgrstalien, denn wie geistesabwesend ging sie ihres ckWigr». Mancher war kopfschüttelnd stehen geblieben und sthunte ihr verwundert nach. So war sie bei der Friedheim'schen Wohnung anaelangt. Eie kannte d:e Räume des Hause» und wußte, wo sich da» “ lgemach de» Hausherrn befand. (Forts, folgt.) Pr. Aaron Kordon, welcher am Ende de» 17. Jahrhundert» lebte und vielleicht js.wt den Ahnen de» jüngst verstorbenen russischen Dichter» s Leon Go»von gehört, hat eine merkwürdige Geschichte Er i^ftndirte Medizin in Padua, da die medizinischen FaculBten W Polen und Lithauen den Juden verschloffen waren. Der trätet Rückkehr au« Italien wurde da- Schiff, auf welchem s« sich befand, durch einen Sturm an die Küste von Spanien eu, wo e« scheiterte. Dr. Aaron Gordon durchwanderte oh»>e Freund verschiedene Städte Spanien», in weichen natürlich kein; Juden antras. Endlich nahe»« da» Pej jach« " heran «ad e» überfiel ihn die Angu, daß er diese» Fest nicht nach jüdischer Vorschrift werde feiern können. Da stieß plötzlich ein lichter Gedanke in ihm auf. Er rrinierte sich, gehört zu haben, daß in Spanien viele Marannen lebten, von denen er wußte, datz sie die Vorschriften der jüdische« Religion im Geheimen auSübten Dr. Gordon begab sich also Erew Petzach auf den Gemüsemarkt. Hier stand er lange in gespannter Erwartung; doch endlich sollte seine Geduld ihre Belohnung finden. Eine glänzende Equipage kau» lserangesahren. welcher ein spanischer Grand« entstieg, der zu vc»schiede,ien Kaufständen ging, u« bittere Kräuter für den Sederabend zu suchen, denn der Grande war im Herzen rin — Jude Er nahm Gordon freundlich in sein Hau» auf, nöthigte ihn, einige Wochen bei ihm zu bleibe» uud gab ihm dann dir Mittel, u, seine Heimath Wilna zurückkehren zu können. Dr Aaron Gordon. welcher noch 1717 am Lebe» war. wurde Hosarft des Königs von Polen. Pie Malerin Madame Jl. Koodma». Am 12. Novcmver d. I. feiert,: Madame L. Goodman in London ihren s0. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit veröffentlichte »Daily Graptic" eine Skizze nebst kurzer Biographie, der wir Folgendes entnehmen: Madame Gvodman ist als eine hochbegabte Künstlerin und höchst achtungSwürdige Dame bekannt, welche mehr al» eiu halbes Jahrhundert die Kuiist der Portrait- Malerei gepflegt, und ihre Studien lange vor der Thronbesteigung der Königin van England begonnen hat. Zuerst beschäftigte sie sich mit d»m Eopircn der alten Meisterstücks in welcher Kunst ihr nurWenige gleichkamrn. LordNormanto» erwarb viele dieser Copien für seine berühmte Kunstsammlung und eine, welch« die Künstlerin nach einem Gemälde von Reynold angefertigt hatte, war dem Original so ähnliche daß der berühmte Dichter, Samuel Rogers, sich erboh da» Gemälde mit Sovereigns zu bedecken, wenn die Künstlerin e» abgeben wollte; sie konnte diese« aber damals nicht, und dr» Gemälde ist heute im Besitz ihre« Bruders, Herrn Charit» K. Salamon Im Jahre l 642 malte Madame Goodman den berühmten Magiftratsherrn Gilbert Abbott 4 Bastelt nebst Gemahlip, die Eltern der noch derühmieren Schriftsteller dieses Namen» und von dieser Zeit an bis heute war sie fortwährend damit beschäftigt, mehr oder w>niger berühmte Pe»soncn zu malen, u. A. den Carl von Westmoreland (1*67 in der königlichen Akademie ausgenellt), Sir George Macsarren, di« Gräfin Waldegrave und eine große Anzahl militüriscker Berühmtheiten. Sie malte auch die Knieiiücke des Sir Franei» H. Goldsmid, des Rev. Prof.Mark» für die Berketey-Street- Synagoge, deS Rev. A Löwy, des Sir John und der Ladtz Simon, de» Herrn Charles Salamon uud vieler anderer Mitglieder ihrer eigenen und dr Familie Salamon. Madame Goodman'« 80. Geburtstag wurde in Brighton?gefeiert, wo sie während der letzten 3 Ähre wohnt« und wa ie ihre Kunst noch mit demselben Erfolge auSübt wie ftüher. Ein« ihrer jüngsten Schöpsungen ist ein Kniestück der Schone:rin Miß Kate Rorke (ausgestellt in dem königliche» in britischer Künstler), und unter de« eben vollendete» Werken besiiidet sich ci>, trotziger, unerschrockener Kopf Charte» Bertram'«, des Verschwörer», welcher zeigt, da» die Hand der greise« Künstlerin trotz ihrer ^0 Jahre nichts von ihrer Gewandtheit verloren hat. Au» dem Spruchschatz des Halmud. Poetisch üoeniageo von slar Weinberg. Echo ist aller kprachen kund. Dru« iprndt t4 2«>m - nach de» Mand. (Lata 48.) 3* nachi-e», m« sie rarrffca, Estt ihrea MNs«g b-«ehe». (CoM. 6L)