Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 50 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492351-8722847-5962178--2040-5375485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
htf erstaunt die Schwester, .der Welch ein Glück für Dich» liebe« „Meta," rief sie, „er kommt» o, erklommt. Der gute Vater w>rd schreiben " „WaS sagst Du?' Vater will nachgeben? Äinb!" .Ach Meta»- entgegnete Recha, „soeben fühlte ich mich so glücklich. Jetzt ist e» plötzlich anders geworden! Mich j befällt eine so entsetzliche Angst; o. Du hättest den Vater | sehen sollen» aler von wir schied» das war nicht der theilnehmend« Blick» den ich ron ium erwarten sollte, da« war mehr der stiere Blick der Verzweiflung Sollte er eS sich so sehr zu Herzen nehmen. nach.,eben zu müssen?" .Du bist aufgeregt, liebe Recha, daher kommen Dir solche Gedanken. Morgen wirst Tu Dich beruhigt haben. Darum versuche zu schlafe». Gute Nacht, l>ebe Schwester.' Mit diesen Worten schied Meta von ihrer Schwester. nsch Am folgen«» Morgen herrschte im Salden'schen Hause eine grenzenlose Verzweiflung. Die Geschwister Salden hatten sich wie gewöhnlich bearüßt, und 4' eta hatte das Hausmädchen beauftragt, dem Vater den Morgenkaffee z» bringen. Das Mädchen meldete bald darnach, sie sei bereits mehrere Male im Zimmer de« Herrn g>weien. Derselbe sei aber nicht anwesend. — Meta war allmählich unruhig geworbrn, und sie begab sich nach dem Zimmer ihres Vaters. Wie erstaunte sie, als sie das Bett desselben unberührt fand. Ihr Blick fiel dann aus den in der Rühe des Fensters stehenden Schrciblisch und was bemerkte sie? Zwei anscheinend vor wenigen Stunden geschriebene und sorgfältig couvertirle Briefe lagen da Eine furchtbare Ahnung beschlich sie. Ihr Herzschlag drohte zu stocken, und ihre Glieder begannen heftig zu zittern. .Mein Gott, was bedeutet dies? Mit wankenden Schritten n herte sie sich dem Schreib¬ und blickte auf die beiden Briefe. Auf dem einen stand dir Adresse: .An meine lieben Kinder." Aus dem anderen Bricft standen folgende Worte: „An den Herrn Stadtrilh Emil Friedheim (Sofort zu übergeben!)" Mit stierem Blick schaute die Tochter Saldens aus die beiden Briese. Wa» war geschehen? Wo war der Vater? Warum hat er denn diese Bri.fe geschrieben? Furchtbares mußte sich zugelragcn haben. Sie wagte es nicht, die zitternde Hand nach den Briefen auszustrecken Und doch mußte es gcsck^hen DaS entsetzlich« Räthsrll mußte seine Lösung finden Sie mußte doch wissen, »aS der Vater wollte, wo er zur Stande sich aufhielt. Sie ermannte sich, ergriff das eine Schrerben und erbrach es. Dann las sie: .Meine lieben Kinder! Das Verhängnis; bricht über mich herein; — wie soll ich chm entrinnend?- Dir. liebe Recha. und Deinem Glück stehe ich im Wege, daher scheide ich von hier. Suchet nicht, forschet nicht nach mir. Euer Bemühen wäre zwecklos.- Verzeiht Eurem alten Vater, wenn er gefehlt, es geschah um Enrerwillen; verzeiht, wenn er Euch durch sein Scheiden eine schmerzliche Stunde bereitet hat.- Durch meinen Austritt wird dem, welchem Dein Herz, liebe Recha, rntgegenschlägt. der Eintritt ermöglicht. So lange ich hier weile, wird er nimmer kommen. Nun so übergebet da» andere Schreiben dem darauf verzeichneten Adieffaten, der Euch über alles, was Euch in diesem Augenblicke noch räthjelhast erscheinen mag, Aufklärung geben wird. — Weinet n'cht, lläget nicht über mein Scheiden. Ich vermag den Konstict meine« Leben» aus andere Art nicht zu öseu. Mein Sehnen ght dahiu, die Wolken, die das Auflsirahlen Eurer L denssooue verhindern, zu verscheuchen. Ihr sollt ftoh und glücklich sein beim Aufstrahlen dieser LebenSsonne und nicht Gram und Harm erfülle fernerhin^ Euer Herz. Rufet ihn. und er wird kommen, wird Dich, geliebte Recha in seine Arme schließen! — . Ob er es auch wird?—Diese Frage bedrückt plötzlich meine Seele. — Wird er die Tochter eines- Doch ich will nicht den Gedanken weiter verfolgen. Geb« Gott, daß mein Schritt, de» zu ihnn ich seit Wochen fest entschlossen ivar, von dem Erfolge begleitet sein möge, de« ich ihm wünsche. Werde Du, liebe Recha. nach so schwerem Leiden glücklich, und sei Du, liel'e Meta, der Schwester eine treue Beratherin. Und wenn Euch einst wirklich die Sonne de» Glück«« strahlen wird und ihr deren beftligende Wärme empfinde» werdet, dann vergesset Eure» alten Vaters nicht, der a» diesem Eurem Glücke, ach so gerne theilgenommrn hätte, - der aber dennoch trotz allem Schweren, daß ihm eia böse« Brrhängn'ß auigebürdet, in dem Bewußtsein, Euch glücklich zu wisien, diese Bürde leichter tragen würde. Euer Vater Leo Salben." Meta halte Mühe, ba« Schreiben brs zu Ende durchzulcsen. Immer reichlicher flössen ihre Thräne» und nun. da sie die Schlußworte über ihre Lippen gebrach«, schluchze sie laut auf. .Armer, armer Vater, warum denn schiedest Du vo« uns und überließest uns unserem Schicksale?" — So rief die heftig Weinende wiederhol» aus. Dann aber versuchte sie Plötzlich das Weinen zu unterdrücken. Durfte sie der Schwester von dem Porgefalleae» Kenntniß geben? Die Kunde von dem plötzlichen Berschwi»- den des Vater» mußte sie unfehlbar tövten. Sie durfte sie nicht weinen hören.- Zahllose bange Fragen durchkreuzter, jetzt ihr Hir». Was konnte den Vater zu dem verhängnißvollen Sch'itte gelrieben haben. Hau» und Familie im Stiche zu lasse«? Mußte das Hinderniß. das dem Glücke Rrcha's entgegn»- stand nicht ein völlig unüberwindbare» sein, daß der Bat» ihm lieber aus dem Wege ging und d.s Sebck'al seine» von ihm so heiß geliebten Kinder einem ungewiffen Ohngcsähr überlich Wer lüste diese Räthsel? — Sagrr er doch selbst in dieftm Schreiben, baß Herr Friedheim Aufschluß geben könne. .Zu ihm zunächst!" so rief sie. Dann aber kam ihr ein anderer Gedanke, der ihr Her, erstarren ließ. ,Me>n Gott, wohin aber ging er?"- .Sollte er sich-?" Sie wagte eS nicht, selbst diesen Gedanken auSzudenkn. — Ein Entsetzen erfaßte fle und Grauen machte ihre Glieder erzittern. .Rein, nein! Er lebt noch! Er schied nur räumlich von hier!-Sagte er nicht selbst, daß unser OHMauch seine Freude sein würde?"- Sie faltete das gelesene Schreiben zusammen und barg r« nebst dem anderen verjchlosfroen Bricft in ihrer Tasche. Dann trocknete sie rhr Gesicht und begab sich in da« Zst»- N wer Reck a'». /» ’ Diese hatte schon längst auf dft Rückkehr Meta'« gr- Z wartet und ai« sie deren Schritte vernahm, rief sie: .Wo bleibst Du, liebe Meta? Ist der Vater schm, onf-,^ g. standen? Ist er wohl? Er klagte in letzter Zeit wiederhol» über sein schlechtes Befinden" .Sage liebe Meta," flüsterk Recha dann, .der liebe Pater versprach mir. an ihn zu schreiben. Weißt Du, ob ji er es schon gcthan hat, dann lön»>t« er doch schon morge^W hier sein." .Ja, morgen wird er kommen! O» das wird herrlich femk^^I fast