Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 50 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jsäifche« 1898. r s \\\\Ucn=©/^ tperauSgcgebcn uon Ur. «. 9U»tz««r in Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. '11, r. Die ^Schuld mt toter/ ilnc Erzühlr-n« von I. Herzderg. «fzortsetzung.» — Di Aaron «or^on^^^Dle MnIerl^Ma««* \tlx)flll I L. »oodmann. — «US dem SpiuAf+a# de« Talmud Poetlsv überttagen von Max Weinberg - Saul und Sänger, «edich» ' von $. Katz-Ha Hingen — Xäthsel-Aufgabe. — Räthsel - Lösung. <r»desu»>er Nachdruck an« diese« Blatte tft nntrrsagt., Iie Schuld der Mter. Eine Erzählung von I. Herzberg. XIII. Seit Wochen weilte Joseph Löwen in dem Kreisstädtchen L, da« etwa zwölf Meilen von H. entfernt liegt. Er wohnte hier bei einem ihm befreundeten Kaufmann Felix Zomber. dem ehemaligen Prokuristen der Firma Emil Friedheim. Zomber hatte schon vom ersten Augenblicke an, da Joseph Löwen in da« Friedheim'sche Geschäft eingetreten war, eine besondere Zuneigung für dcn Waisenknabe» gefaßt, der ihm besonders dir geschäftliche Routine zu v»> danken hatte, die er jetzt besaß. Zomber hatte vor mehnreii Jahren in L. ein Geschäft errichtet und war Löwen bald darauf sein Nachfolger geworden. Joseph Löwen verlebte im Zomber'schen Hause, dem eine liebenswürdige Hausstau Vorstand, angenehme Tage. Der Stadttath Friedheim hatte Zomber ohne Wissen Löwrn'S in einem Schreiben verständigt, was die Veranlassung zu der Erholungsreise seines Prokuristen den Anlaß gegeben habe. Zomber war daher von dem ersten Tage an bestrebt, seinem Gaste die verschied»nstcn Zerstreuungen zu bieren. Er streifte mit ihm in Wald und Feld umber, durchwanderte di« herrlich gelegenen Waldketttn und hatte es bald erreicht, daß die Stimmung Löwcn'S allmählich eine andere geworden war. Wiederholt halte er direct darauf hinzuwirken gestrebt, in der Denkweise Lön-ens eine Wandlung hervorzurufrn. Er glaubte um so mehr auf Erfolg rechnen zu lvnnen, als er ja damals selbst Zeuge jener Affaire gewesen war. .ES war mir stets unbegreiflich/ sprach er eines Tage« beim Frühstückstischr, .wie man einzig und allein Ihren Vater beschuldigen konnte. Ich habe nie an die Schuld desselben geglaubt. In mir stieg, als ich mehr Einblick in die Einzelheiten erlangt hatte, bald der Verdacht gegen eine ganz andere Persönlichkeit auf.' Löwen horchte auf und ries: .Gegen wen?' .Erlassen Sie es mir, einen Namen zu neunen, denn möglicher Weise ist mein Verdacht ein unbegründeter, und ich würde ein Unrecht begehen, aus Vermuthungcn hin einen sonst als Ehrenmann geltenden Mitmenschen zu verdächtige». In diesem Augenblicke wurde das H.'sckn .Tageblatt' gebrachi. Zober nahm es entgegen, und kaum hatte er seinen Blick aus dasselbe geworfen, als er auSricf: .Endlich hat ihn sein Schicksal eireicht!' Fragend blickte Löwen auf den Sprechenden. .Sie wünschen eine Erklärung meiner Worte? So hören Eie: Sir lasen doch wohl auch vor einigen Wochen in diesem : Blatte, daß bei einer Wahlversammlung, wrlckje anläßlich der Stadtverordnetenwahlen stattsand, einer der enraqirtesten Hetzredner durch Herrn Friedheim als ein abgeseimrer Gauner entlarvt worden ist, und daß man in diesem den ehemaligen Geschäftsführer Hauswald wiedererkannt hat. Gestern ist er zu einer fünfjährigen Gefängnißstrase verurtheilt worden. Er hatte nach seiner Flucht auS Herren Hof sich unter falschem Namen direct nach dem Anslande begeben. Hier muß es ihm geglückt sein, sich Vermögen zu erwerben, denn vor einem halben Jahre war er unter stinem richtige» Namen nach H. zurückgekehrt, und trotzdem der nach seiner Flucht gegen ihn erlassene Steckbrief oft bi« zum letzten Jahre wiederholt worden war, hat man seiner nicht habhaft werden können.'- [ .Ein Telegramm für Herrn Joieph Löwen!' hörten di« l beiden Herren jetzt sprechen und als sie aufblickten, stand ein Telegraphenbote vor ihnen .Ein Telegramm für mich?' fragte Löwen, .Seltsam was kann sich ereignet haben?" Er erbrach das Schriftstück, das ihm der Bote, der sich inzwischen entfernte, überreicht hatte, und las: .Bitte unverzüglich zurückzukehlen. Friedheim ' .Mein Gott, lvas inag sich zugetragen haben!' rief Löwen, die Depesck>e Zomber überreichend, der sic durchlas. .Seltsam/ sprach dieser, .es muß etwas ganz Außerordentliches sein, das Herrn Friedheim veranlaßt, Sie au« Ihrer Einsamkeit so plötzlich und unerwartet zurückzurustn. Wenn nur nicht ein Unglück sich zugetragen hat- .Hoffen und wünschen wir, daß dies nicht der Fall ist/ erwiderte Löwen, „jedenfalls werde ich mich sofort reiseferttg mache» und mit dem nächsten Zuge nach H. fahren/ .Möchten Sie mich nicht begleiten?' stagtr dann der Sprechende. Nach kurzem Besinnen antwortete Zomber: .Wohl, ich werde Sie begleiten. Ich will das Dringendste erledigen und meine Leute dermaßen instruiren, daß ich ohne Störung de« Geschäftes einige Tage abwesend sein kann. Fahren wir also zusammen!' Nach zwei Stunde» fuhren Joseph Löwen und Felix Zomber der Residenzstadt H. zu.- » * * „Ich ivcrde schreiben, — und dann wird er gewiß kommen!' — — Diese Worte hatte Leo Salden an jenem Tage gesprochen, al« er sein K>nd. das er nach langer Zeit wieder einmal aufgesucht, verlassen hatte. Durch diese Worte war wieder neue Hoffnung in die Brust des unglücklichen Mädchens eingezoge». Der Gedanke, der Vater werde nun ihrem Glücke sich nicht entgegenstcmmea, richtete sie wieder auf, und zum ersten Male umspielte wieder ein leichtes Lächeln ihre blassen, welken Lippen, al« jetzt ihre Schwester Meta einttat.