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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 49 (1892) · p. Seite 193

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
49 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
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tv ' »Sei ruhig, gelirbter Vater', warf Recha ein, »und , Ängstige Dich nicht um mich. ES wird schon bald besser werden.' n Dann fuhr sie. ihren Blich wie traumverloren, nach oben werfend, wir zu sich selbst redend, fort: »Jo» dann wird mir Erlösung werden au» allem Leid. ■<tx wird ja. er muß noch einmal wiederkehren, auf daß ich seine liebe Stimme wieder vernehme. — Er wird die Hand mir drücken und ich, ich werde ihm ins traute Auge blicken, und vereint werden wir die blumigen Pfade wandeln, die zur Glückseligkeit führen!'-- »Papa", rief nach einer kurzen Weile unvermittelt die Kranke, »wirst Du ihn jetzt rufen iusien, damit er an meiner Heit« wache?' — Der -later schrak bei diesen jWorten zusammen. Die Frage, die er gefürchtet. sie ward nun an ihn gerichtet. Und er mußte Rede stehen, wollte er sein Kind nicht ganz hem Verderben prriSgeben und eS einem langsamen, aber sicheren Tode anbeimfallen lassen. »Wen meinst Du denn, liebes Kind?' ^ragte er, einer .direkten Antwort ausweichend. B „Wen ich meine, fragst Du?' rntgegnete Recha. „Ihn, den Geliebten, der von mir sich gewandt, »veil Du ihn von Dir genoßen." Heute ließ ihn die Erwähnung dessen, der ihm sonst Entsetzen eingcflößt vollkommen ruhig. In den letzten > Wochen hatte er sich schon mit dem Gedanken vr'-traut zu machen gesucht, daß er für alle Zeiten doch nicht trennend > »wischen »ihn' und seine Tochter treten dürfe. Diese sollte ■ doch noch das ersehnte Glück finden. Warum aber zögerte j «r noch immer? Warum verlängerte er seine Seelenqual und die seine- Kindes? - Ach, er mußte sich dem Glücke seines Kindes opfern!- . Ja, er wollte sühnen, jpllte er darüber zu Grunde gehen! Mochte die Welt reden, was sie wollie. Gr wußte, laß dann seinem Kinde noch das Glück blühen werde! — j Ein Entschluß war in ihm zu Reife gelangt und ent» schlossen antwortete er auf die Frage seiner Tochter: »Gedulde Dich, er wird bald kommen und Dich nicht! wieder verlassen!' »Papa', schrie plötzlich das mit ängstlicher Spannung aufhorchrnde Mädchen auf; und dieser Aufschrei glich einem Jubelruf, der sich aus einem von engen Fesseln ring« schnürten Herzen mit Macht losrang. »Papa, Du willst ihn wirklich rufen lasien, willst ihn «mpfangen, willst uns vereinen? O, habe Tank, guter, liebster Papa. Ach, ja, ich weiß, daß Du mich lieb hau »ad mich nur g'ücklich machen willu? Warum aber zögertest Du immer noch, das beglückende Wort zu mir zu sprechen?" Schon wieder die verhängnißvolle Frage, die er nicht beantworten durste! Er wich daher diese Frage wiederum aus, indem er sagte: »Genüge Dir heute die Erklärung, daß ich es um unserer Aller Ruhe Wille» nicht durite.' »Du wirst ihn also aufiuchcn lassen, wirft ihm schreiben, Hamit er komme?' - »Jülich werde schreiben!-Und dann wird <r gewiß kommen!"- Dann stürmte der Buter aus dem Zimmer, ohne auf die Tochter noch einen Blick zu werfen. Er mußte seine Fassung bewahren, wollte er seinen Entschluß ausführen. — (Fortsetzung folgt) Iom neuen Ifürsterzvischps. Olm ütz, 20. November. Mit dem Nachmittagszuge der , Nordbahn n>aren gestern die Eltern des Fürst«rzdifchofS | Dr. Theodor Kohn aus dein Gedirgsdörfchen Breznitz, ihrem j Wohnorte, nach Olmütz gekomo--- , um ihren zu jo hoher kirchlicher Stellung bciufenen Sohn zu besuchen und zu beglückwünschen. Erzbiichoj Dr. K.hn erwartete seine Eltern Auf dem Perron dr» Rordvaynhofr» und eilte ihnen, als sie dem Zug« entstiegen waren, zum Willkomm entgegm. Kaum^ ward die Mutter ihres Sohne» ansichtig, als sich ihrer eine hochgradige Erregung bemächtigte und btc alte Frau beinahe umzusinken drohte. Zugleich brach sie in heftiges schluchze« aus. Der Fürsterzbischof fing seine Mutter rasch in seinen Armen auf, beruhigte sie und küßte ihr ehrfurchtsvollst di« Hand. Nachdem sich die Greisin erholt hatte, begrüßte der Erzbischof' auch seinen Vater, vor dem er sich gleichfalls niederbeugte und ihm in kindlicher Ehrfurcht die Hand küßte. Sodann begleitete er feine Eltern zu dem vor dem Bahnhofe harrenden Wagen und fuhr mit ihnen in die bischöfliche Residenz. — Diese Scene die sich innerhalb weniger Minuten abspielte, machte auf das zahlreich anwesende Publikum tiefen Eindruck.— Die Eltern des Fürst.Erzbischofs sind schlichte alte Leute und die Mutter defielben war mit einem schwarzen Kopstuche bekleidet, wie e» in ihrem heimathlichen Gebirgsdorfe Landesbrauch ist. In der vergangenen Woche ist der neue Fürsterzbischof Dr. Theodor Kohn in Olmütz von dem Mitarbeiter eines Blattes darüber befragt worden, welche Stellung er zu dem Antisemitismus in sei:,er Diözese nehmen werde uud wie der Oberhirt dieser Erscheinung wirksam cntgcgentreten könne. »Das ist für mich wohl schwer zu sagen, oi.rissime", nahm Dr. Theodor Kohn das Wort. »Ich bin doch erst seit ivenigcn Tagen in meiner jetzigen Stellung, bin noch nicht von Sr. Heiligkeit bestätigt, wie soll ich da zu einer Frage Stellung nehmen, die ich im- Bereiche meiner Diözese zu studircn noch nicht Gelegenheit hatte?" (Der Herr Erzbischof Kohn schcintcinsehrvorsichtigerundbedächligcrMannzu sein) — Hierauf («merkte der Interviewer, die antisemitische Partei kenne i» ihrem Hasse und verhetzenden Treiben keine Grenze bei Personen und Sachefi. und fuhr fort: »Wie Eurer fürstlichen Gnaden bekannt fein dürfie, scheut die Presse dieser Partei auch nicht vor der Person Eurer fürstliche« Gnaden zurück und gefiel sich in vcn gehässigsten Angriffen." — »Dem gegenüber habe ich keine Worte, nur künftige Thaten- Thaten beweisen I Nach meinem Wirken wird man mich künftig beurtheiten müssen. Wa» sollte ich auch sagen? Christus, der Herr, wurde von seinen Peinigern an» Kreuz geheftet, und er duldete still.' Ein griechischer Erzbischof über Judenver» folgungen. — Aus Zante wird berichtet: Der griechischorthodoxe Erzbischof Dionysos Latta hält feit mehreren Wochen jeden Sonntag in der hiesigen Kathedrale Predigten, in denen er entschieden gegen die Juvenversolgungen Stellung nimmt und den rechtgläubigen Christen Verträglichkeit mit den Juden auf'S nachdrücklichste empfiehlt. Der Erzbischof ist ein in Griechenland wegen seines theologischen Wissens berühmter Gelehrter, ein ausgezeichneter Kanzelrednrr. Die Kathedrale ist jeden Sonntag übervoll von Andächtigen. Einer wörtlichen Niederschrift der erzbischöflichen Predigt vom Sonntag den 30 Octobcr d.J. entnehmen wir folgende Stellen: »Die gege« da» jüdische Volk gerichteten Verfolgungen sind eine so große. Sünde, daß für sie keine Verzeihung bei Gott zu erlange« ist Aus dem jüdischen Volke sind die Gründer de» Christenthums, die ersten und erleuchtetsten Christen hervorgegange«, und dieses Volk soll nun verhöhnt und verfolgt werden» eia Volk, das zu de» ersten und bedeutendsten der Welt gehört, der es die Prägung seine» Geistes ausgrdrückt hat? Ihm verdanken wir die wahre Erkennlniß Gottes, tas Gefühl für Gerechtigkeit,für Nächstenliebe.dieVerehrung verFamilienbande, die Hochachtung der heiligen Worte, die heilige Schrift.' Allerlei für den Familientisch. A«» £•!!««*. Die Agitation der Antisemiten gegea die jüdischen Einwohner in Oldenzaal ist von Herrn Dr.Ku ip«r dem Füycer der antirevolutionären (ultra-konservative«) Partei in Hollands aufs Entschiedenste verurthellt worden.

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