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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 48 (1892) · p. Seite 189

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
48 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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felcaft trab tim*- Besseren belehrt werde» würde, »oder« Erkeuutniß kommen maßte." verführt haben «ich jene Leu»«, di« auch heute noch tz« und Lothe wühlen, die von der Sckändung ihre* lebe» und vegetiren. Heute Abend wollen sie ja in der große» Versammlung lo-lrgeu. klch konnte es >»ir nicht versagen, auch einmal hlnzugehn, um eia Wort zu «echen. Denn es ist doch jedem, und sei e* ein einfacher Wrbriter. wie ich e* bin. gestattet, seine Meinung zu äußern?" .Gewiß können Sie da»." enfeegnete Friedfeiin. „Zufällig >ßnr es auch meine Absicht, «ach dem Bersammlung»lokal« fahren. Wir werden wohl etwa* spät kommen, doch noch nicht zu spät. Sehen wir also zusammen, denn der soll mit den noch nicht ganz beruhigten Pferden eu, der Wea ist ja auch nicht mehr weit." Nachdem Friedheim dem -utschnc di« nöthige Weisung u, ging er mit Burghardt nach dem bezeickneteu Lokale. Auf dem Wege dahin sprach Fricdheim seinem Retter nk und Anerkennung für seinen bewiesenen Much au«, lUb bat ihn, am nächsten Tage nach seinem Privatcomtor u-fonuuen. Burghardt lehnte in bescheidenem Tone jeden Dank versprach aber, dem Wunsche seine* ehemalig.'» Brodherrn willfahren. — Mittleriveile trarftt die beiden Männrr im Betsammluna«. aale angrlangt. Laute Stimmen schollen ihnen schon beim en entgegen. Zahlreich waren die Erschienenen, die an langen Tischen saßen. Die Debatte war schon eine lebjmfle geworden, und eben hatte ein Redner seine Tiraden ocn Nachtheil begonnen, den da» in der städtisch:» Bertling vorherrschende jüdische Element aus da» Gedeihen Stadt auSübe. Oft ivurde der Redner in einem Wortalle. in dem all jene Phrasen wiederkehrtrn, womit die terschaft in den Lokalzeitungen schon seit Wochen bis « Ueberdrpß und Ekel gespeist worden war, durch Zi'chen :Schlußrufe unterbrochen. Er ließ sich jedoch nicht feit; er, redete, ja er schrie weiter, um den immer mehr chsenden Lärm zu üfertönen. Während Burghardt sich die Rübe einiger Bekannten gesetzt hatte, hatte sich Friedth» in kurzer Entfernung von dem derzeitigen Redner an > Tische niedergelassen, an welchem mrhiere ihm bekannte » sahen. Er wurde auf» Freundlichste begrüßt und einem ironischen Lopfnicken gab man seine Meinung über f» Aeuherungrn de* Redner* kund, da* mehr sprach, al* die «tzchetste veruttheilend« Lritik. Friedhrim lauschte jedoch »ehr auf die Stimme de* lltbntt*, al« auf da«, wa« er sprach, denn diese Stimme c ihm nicht fremd, er glaubte, sie schon frühe: vernommen ha«n. Er faßte nun den Redner schärfer in» Auge, der sich in den zügellosesten Schmähung der jüdischeu Miterging, der sie unverblümt der ärgsten Verbrechen Ä, und die Spitzen seiner Angriffe oft gegen ihu, ^reichsten Vertreter der Stadt, richtete. Aus einem stand der unter lebhaften Gestikulationrn sprechend« defien Augen glüht«».- Er war hager von Gestalt, Gesicht bedeckte fast ganz ein mächtiger, schwarzer der beim ersten Anblick die Gesichttzüge schwer -Leß. U8i« heißt denn dieser Herr der sich mit 'olchem Eifer Weschirr legt," fragte Friedfeim seinen Na hbar. Dieser schten seine Frage bei dem in diesem Augen- '~~"*Htufen Stlmmenznoirr, da» sich theilt au« Beimngen, theil*au* Spottreden uudGelächterzusammenrhärt zu Hafen. ilüe er e< in der Thal sein?" fragte sich Friedheim. dann soll er auch für ehemal» seinen Lohn finden." er ist e»t" «es sich Friedher« zu. E» dauerte läugere Zeit, al* der Stur« sich legt«. Nachdem der bi-herige Redner, erkennend^ daß fein Bemühe^., sich «ester Gehör zu verschaffen, vergeblich gewrfi'». und.d»»:^ Ruhe wieder hergestevt war. fragte der fee Versammle»? > leitende Herr, ob sich noch Jemand zu« Worte mi lden wolle. Erst herrschte ein sekundenlange» Schweig:». Daun , erhob sich Friedheim und sprach: „Sfrcn Vorsitzender, ich bitte um» Wort!" Alle Augen richteten sich auf den Sprecher. Der Vorsitzende sprach alsdann: »Herr Stadtrath Friedheim hat da« Wort!' Plötzlich war eine Stille eingrtreten, die niemand zu! unterbrechen wagte. *■;,** »Meine Herren! Sie alle habe» eben die Ausführungen fed Vorredner» vernommen u. gehört, von wflch.n Gesinnungen fe**? selbe, sowie alle diejenigen, die mit ihm sympathisiren, gegen ' ihre jüdische., Mitbürger beseelt sind. Ich halte t» für über« flüssig, ja, für unziemlich auf solche Beschuldigungen antworten und ein Wort der Richtigstellung und Brrtheidiguna "«■ vorznbringen. Ich überlaffe r» ganz dem grsunlxn Unheil ' der Bürgerschaft unserer Stadt, über die Au»lassungen, W* wir soeben gehört, sich rigene Meinungen zu bilden. ffiil* dem Thatsächlichrn, wenn e» wirtlich vorhanden, wird dadurch^ in keiner Weise etwa» geändeN, e» sinder auch meine 8er* uNheilung, und da- Erlogene wird von selbst al» da* , charakterisirt werden, wa» es ist. Wennwirnu»,mtineHerren.einesolcheÄesinnunggege«dietzr! jüdischen Mitbürger fei einem Manne antreffen, der »lakrllos da»AZ steht, der irregeleitet und von Borurtheilen erfüllt, in dem Jude» von vornherein einen Verbrecher sieht, dann können wir nur sachlich den Irrenden belehre», den Vorurthcil»r ollen eiae^- andere Ansicht feibringen. Die Gesinnung-tüchtigkeit «>rd^ von jedem Gegner geschätzt und gewürdigt werden, da drm^ freien, selbstständig denkenden, unbeeinflußten Manne da» Recht * der eigenen Meinung eingeräumt werden muß!B«nn aber ein Mann, der selber von den Wegen de» Recht» in sträflicher " Weise abgewichen, schätzenswerrhrn und achtbaren Mitbürger« - unrecht-mäßige Handlungen vorwirst, wenn der, welcher ir .- raffinirtesterWeiseda-BertraurnseineSNächstenmißbrauchleuad ihn an seinem Eigenthumr arg geschädigt hat, ehrlich: Menschen al« Diebe und Betrüger brandmarken will; wenn endlich fet^-^ welcher selbst ein abgrseimter Schuft ist, andere redlvhe, fleißige- Mitbürger Gauner nennt, dann empört sich uns«: Innere»^, dann Hufe» wir nur Worte der Verachtung über solche*^ Gebühren." Eine ungeahnt« Wirkung hatte» diese Worte aus dir Versammlung au-gcübt. Die anfangs vorhandene Stille würfe, je tveitrr der Sprechende in seiner Anrede kam, dtirch Worte theils de» Beifall« und der Zustimmung, theil» de» Widerspruch» unterbroch.'n. Hier hörte man ein „Bravo!", dort wagte sich ein Zischen fervor. Man fragte, gab Bermuthungen Raum, auf wen sich di« Andeutungen de» Redner beziehen könnten, und schon hörte man di« Ungeduldigste« rufen: „Namen nenne»!" „Beweise!" Namentlich herrschte da, wo der Vorredner Fctedheim« sich nach Schluß seine» Bortrage» aiefergrlajsen tpcie, eine lebhafte Bewegung Saum Hütte er die Stimme Friedheim» vernommen, al» ihn jäher Schreck durchzuckt«; sein ohnehin fahle» Gesicht hatte em« Leichensarfe angenommen, seine Häufe, die krampfhaft durch den wirren Bollbart fuhren, zitterte« sichtlich, und er war seit diesem Momente uitau-gesetzt bemüht, hinter dem a« der Borfelseite de» Tische« Sitze»!«» sich m verbergen, damit er Feiedheun» glüfenven Augen, die ihn nih - Dolchstiche trafen und ihn stetig stxukten, aueweichku HMi*V lSmtsetzmrg

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