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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 48 (1892) · p. Seite 188

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
48 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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i*ic > zu ihrer SODEMr r«i.. Iflnfii} der Zeit über kiffe» bleibe» mmü, ob und wanneine Annäherung ftattfiaden tarn nnd darf/' „SJim, so reisen Sie denn." sprach hierauf Frieftbeim. gewähre Jbnen -eine» unbeschränften Urlaub. Möge der Erfolg der Nrift ein günstiger sein!" „Ich dank Ihnen »nd empfehle mich Ihnen," erwiderte Joseph Löwen, sich en»fentn*b. — * * XI. Unter der Bürgerschaft H.'s herrschte zur Zeit eine n«. gewöhnliche Aufregung. Die Stadtverordnctenwahlen standen bevvr und nie zuvor war die Agitation der verschiedensten fjc'tfttn eine so lebhafte gewesen. Nie zuvor hatte dies« Agitation so seltsame Blüehen getrieben. Die Bürgerschaft war in mehrere Parteien gespalten. Am wüstesten trieben tl diejenigen Wähler, welche unter der Leitung des Doktor Zickel, der noch immer seinen alten Prinzipien treu geblieben war, sich zusammengethan litten. Täglich wurden Wäblerversammlnngen adgeialten und die Lokalzeitungen füllten ihre Spalten zum größten Theil mit Miltheilungen über solche Versammlungen. Aus einer und derselben Seite standen di« Auftufe der verschiedenen Pannen friedlich nebeneinander, während der Inhalt derselben von dem heiß entbrannten Parteihader Kunde gab. Die Zickel'sche Partei war in der Wahl ihrer Kampfmittel keinesweg» besonders wählerisch. Sie verschinähte es nicht, zu Bcrdächtigungen.Berläumdnngen nndBcschiwpfungen ihreZufiucht {u nehmen, uin das Ziel ihrer Bestrebungen zu cneichen. lad diese» Ziel giup nach dem Wortlaute eines Ausrufs dah'n, das jüdische Element aus der Stadtverwaltung zu «utjernen. „Eine gute christliche Stadt darf nicht von Inden verwaltet werden," so rief inan unausgesetzt den Wählern zu. Die Spitze diese» Zurvis richtete sich hauptsächlich gegen de» Stadt,alh Emil Friedheim, desien AnitSperiode demnächst »blies. Friedheim verfolgte das wüste Treiben seiner Gegner mit Widerwillen, und er hatte es vermieden, mit ihnen den Kamps aufzunrhmeti, da er sich scheute, mit gleichen Mitteln ihnen entgegrnzutirtrn, rin dem Anstande und der Sitte entsprechendes Auftreten jenen Wählern gegenüber aber erfolglos bleiben mußte. Heute aber mußte er aus seiner bisher bewahrten Reserve ~~lr(cu»tTtttn, heute mußte er an die Ocffentlichkeit treten, denn es war für den heutigen Abend eine allgemeine Wähler- Versammlung angesetzt worden, an welcher die Wähler aller Parteien Theil nehmen sollten. Er wollte allerdings nicht aktiv Vorgehen, wollte sich in keiner Weise an den etwa stattfinkenden Debatteu betheiligen. Er hielt seine heurige Theilnahme an der Bersammlung für nothwendig, weil er sonst rin« unverantwortliche Theilnahmslosigkeit für die städtischen Jntereffen an den Tag legen, und dadurch ftinen Gegnern eine mächtige Waffe zur Bekämpfung seiner Wiederwahl in die Har.de liefern würde. — Nachdem Joseph Löwen sich entfernt hatte, ergriff Friedheim »ocknial» die Abendzeitung und laS die Mittheilungen über die jüngsten Wählerversammlungen. D»r Vorgänge auf der letzten Bersammlung erregten sein bescnderrs Interesse, denn es war eine der Zickel'schen Partei. Die Redner hatten sich in den heftigsten Schmähung«, aus ihre iüdi; hen Mitbürger ergangen. Der Name e«neS Redners, der sich hie: besonder» hervocthat, fiel ihm auf. Er erinnerte ihn a» Vorgänge, die sich vor cmem Jahrzehnte ereignet. .Sollte er eS fein, der so gehässige Reden führt? — Run, ich werde mir cSewißheit verschaffen, und dann soll er dach nicht der straft» oen Gerechtigkeit wieder entrinnen." Bei diesen Worten erhob sich Frftdheim und rief den Dftrer herbei. .Tagen Sie dem Kutscher, er solle sofort anspaunen." »tat befand sicht» der Stadt-und war die Entfernung eiue beträchtliche?,^ Je näher der Wagen de« genannten Staottheiledesto ftbhaftee wurde cs in den Straßen, denn in Schaaren eilte man dem Versammlungslokale zu. Ehen bog der Wagen Frieheim» u« dft Ecke einer! als plötzlich de Pftrde aus unaufgeklärte Weis« scheut Hoch bäumten sich dft zitternden Thftrr auf und eilftn da« in rasender Eüe von dannen. Der Kutscher halft die Gew» über die wild gewordene» Pferde verloren, er war mach ' und vermochte sie nicht znm Stehen zu bringen Ein Sh des Enlsctzeus g>ng durch die Paffanten, tvelchc ein schrecklici Unglück befürcht tcn. Friedheim saß schreckensbleich in seinem Wagen, deul nicht zu öffne» vermochte. Schoa nahte sich die nut Stur schnelle damnflftgende Droschke de» Ende der Straße mußte unfehlbar an der dort a>ffgestelltrn Litfaßsäule schelle», als Friedheim plötzlich durch «inen heftigen Sb empor geworft» ward und der Wagen still stand. Jetzt vermochte er die Wagenthür zu öffnen, er stieg eilend» um die ctivaigen Folgen des Unfalls zu übersehe», bedeckt und zitternd standen die Pferde da, die ocm einem ih unbekannten Manne mit größter Mühe im Zügel gehalftl wurden. Der Kutscher.war auch eiligst vom Bocke stiegen, um ,elbst die Pferde zu beruhigen und da» Geschv zu ordnen. .Ein Glück, daß mir der Griff gelungen, tonst hätte» Sft jetzt gew ß leine heilen Knochen mehr im Leibe," der vor den ftampseuden Thieren stehende Mann im Arbeit kittel, der i» kritischen Augenblicke den daherraseuden Thie in die Zügel gefallen war. Fried iciin horchte sofort aus, al» er dft Stimme Sprechende» vernahm, die ihm keineswegs freind erschien^ „Ich danke Ihnen, lieber Mann, für Ihre Rettung, heißen Sic?" fragte Frftdheim. Es erfolg,« jedoch nicht sogleich eine Antwort. Birlmr hatte auch der Gefragte aufgehorcht, als er dft Stimme Fr Heims veraoinmeu hatte. Er näherte sich diese« und schau! ihm prüfend ins Gesicht. Dana rief er: .Mein Gott, der gnädige Herr!" Frftdheim» Erstaunen wuchs bei diesen Worftn. „Welch rin großes Glück für mich, daß ich Sie vor ein« so großen Unglück bewahren konnte!" Der Spiechende nahm jetzt da« Erstaunen Friedh ' wahr und er sprach daher: „Kennen Sie mich denn nr>, gnädiger Herr? Ich bin doch drr Emil'Burghardt, der eini in Ihrer Fabrik gearbeitet hat!" .Wie, Sie smd Emil Burghardt, und Sft habe«, Leben so muthvoll zu meiner Rettung in die Schanze schlagen?" ries Friedheim aufs Höchste verwundert. .0, reden Sie nccht daoon, gnÄiger Herr, für Sft l ich Alles, denn Sft waren einst so nachsichtig gegea nl Möge Sft der Herr vor einem ähnlichen Unfall« vewah aber sollt« es nöthig sein, so setze ich für Sie noch gern mein Leben eia. Durch Sie wurde ich wieder aufz rechten Weg gebracht, denn Ihr« ermahnenden Warft mir sehr zu Herzen gegangen. Ich war eia ganz nutz Mensch geworden, und ich stand seit jenem Tage nur. bei Juden im Dftusft und dies durchaus nicht zu Nachtheile, denn ich habe erst im Berkedr« mit Ihre» Glaui geaasten deren Werth knnen und schätzen gelernt und^ zu der Ueberzeuguag gelaugt, daß all das Nacht hell ij mau ihnen uachsagt, nur Luz und Berläumduug ist.s habe es auch schon zu etwas gebracht, habe ei» gut und liebe Kivder und konnte mir schon einen »nseh Spargroschen bei Seite legeo " .Da» freut mich, mein lieber Burghardt, dies All Ihnen zu vernehmen. Es ist auch für mich eine'

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