Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 48 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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HerauSgegeb«» von Ur. M. RufcMwr U Megdedurg Zur U«trrha1t«»g «,rd Belehrung für die israelitische Familie. Di« Lch»Id ver VSIrr. «t», »r^ihlvv« von I. Herxberg. «F-eis.l — Die Helmath der Lboler«. — «areneffe v», Hftfch. Aus dein Epruasaatz de» Telmud. Poetisch übectiegen ve» Max Beinberg — RSihftl »Ausgabe. — Rtthsel»Losung. (tUlrfattn Mach«rack tu* stete» vielte Ift «»tersagt.) Me Schuld der Aäler. Ein« Arpthlung von I. Herzberg. tj --J (Korlsegung.) L.-' Friedheim hatte das Mincnspiel Lönrens, während "»dieser den Inhalt des Schreibens las, scharf bcodachtrt. Er t »neidete sich an der wachsenden Verlegenheit des jungen Mannes, die ihm die Gewißheit bot. daß die Bcrmuthungen, die die Schreiberin de- Briefes ausgedrürkt, voll begründet Waren. Ein Lächeln spielte wieder um seine Lippen, als er hierauf in leichtem Tone begann: »Nun, junger Mann, was sagen Sir zu dem Inhalte , dieses Schreiben»?" »Herr -Friedheim." begann daraus Joseph Löwen mit gter Stimme, „was in dem Schreiben behauptet wird, . grslehe es ojfrn rin, beruht auf Wahrheit. Ja, ich liebe räulein Rccha Salden, und preise mich glücklich, auch ihre „ Siebe zu besitzen. Ist sie doch so liebreizend, so begehrrns- ^tUrthk Ach mein Herz jubelt auf vor Entzück« n, denn es sthnte sich so lange nach einem liebevolle n Blicke."?:& ‘ Dann, als spreche er zu sich selber, fuhr er, wie träumckoren fort: „Ach ach mir darf und soll ein solch erträumtes und . _ ehntr» Glück nicht blühen. Als in mir di« Erkenntniß s/svfsiirg, daß die Vergangenheit etwas birgt, das meinem liafrin einen Stempel aufgrdruckt, der mich vor aller Welt dnnzeichnet al» . . . . — o, ich kann es selbst nicht ausftwechen, ohne beschämt zu erröthen — da erfüllte mich -Jji$ eine Scheu vor dieser Welt, die ich fortan mied. Ich ^,W>chlr und suchte noch auf einsamen Wegen noch Mitteln, lftnes Etwa» ins rechte Licht zu setzen — bis heute waren 7-»«ine Bemühuugeu erfolglos gewesen. Aus diesen meinen Liegen tiaf eines Tages mein Auge ein Blümlein zart, dessen brauschender Dust mich erquickte. Erst von ferne nur wagte _ l;i die» Blümlein auzuschauen und seinen sinn bestrickenden T ust auf mich wirken zu lasten. Und das Blümlein schaute . -Wich mich so treu und liebeverheißend an, sodaß ich es all» 5»ach wagte, ihm immer näher zu treten. Wie gerne hätte > mir die» Blümlein gepflückt, — doch konnte ich eS hütm Mt den rauhen Stürmen, die mein eigene« Hanpt umtosen? ich es den Gefahren aussetzen, die mich selbst bedrohen? »3«, Herr Friedheim, ich lieb« Recha Salden, jene köstlilhc ^Olu»e an einsamem Pfade, liebe sie mit leidenschaftlicher f «ein Auge mag auch ihr dies« Liebe verrathen leiben, — wagte ich eS nicht, ihr mein Herz zu ofienbaren, um ' ffnuugen zu wecken, die ich nie erfüllen darf, so lange , vaS nicht aus meinem Wege geräumt, daß mich nrr. Weit absondert. Schwer ist es hier, entsageri zu müssen, >»«ch schtverer, da» lirbeverlangrnde Herz da verschließen zu WjiMs, wo ein anderes liebeglühend Einlaß begehrt. Wie fgswer Mt e» auf meine Seele, die Geliebte leiden sehen zu ' lohne ihre Sehnsucht beftiedigrn zu könnenI" Friedheim hatte diese» in ivehmüchiger Begeisterung ge sprochenen Worten Joseph Löwens schweigend gelauscht. Rach einer kurzen Pause begann er: „Löwen. Sie handeln unrecht Sie sehen Gespenster, wo keine vorhanden sind. Sie glauben sich durch die Schuld Ihres Vaters selbst getrosten, glauben, daß di« Welt Sie verdammt um' Ihre« BatrrS Vergehens willen. Sie irren. Jeder Verständige und EinsichrSvollc schätzt den Nächsten einzig und allein nach dessein eigenem Berthe, läßt sich bei Beurthrilung desselben nur durch dessen eigene Verdienste bestimmen und leiten, und nicht die Fehler und Vergehen Anderer, und seien diese ihm noch so nahestehend, vermögen dies« Verdienste herabzudrückrn und daS Maaß. der Achtung und Werthschätzung zu mindern. „Treten Sie wieder zurück in die Welt, die zu meiden Sie sich vorgenommcn, und blicken Sie dann jedem Einzelnen Ihrer Umgebung von diesem Gesichtspunkte aus frei und mit offenem Auge ins A> gesicht, — Sir werden alsdann hier keine verdammenden und vorwurfsvollen Blicke wahrnehmen. Ihre krankhaft aufgeregt« Phantasie sieht etwas, was nur in Ihrer Einbildung vorhanden ist. das in Wahrheit gar nicht existir!. Gewinnen Sie wieder Ihr Selbstvertrauen und Sie werden die Zaghaftigkeit, die Sie in letzter Zeit befa llen, verlieren. Dann tvrrdrn Sie gewiß auch nicht anstehn, die zu beglücken, die, wie sie selbst sagen, Ihre Zuneigung lxsitzt und die auch Ihnen in Liebe zugethan ist." „Ich kann r» nicht. Wir oft habe ich es versucht, mich der peinigenden Gedanken, dir mich anklagen und stündlich verfolgen, zu erwehren. Ich stehe ihnen machtlos gegenüber." „Versuchen Sie eS nur. Seien Sie ein Mann, und e» wird Ihnen gelingen. Sehen Sie, wie glücklich Sie sich schätze» müßten, ein so geliebte» Wesen besitzen zu können. Und nun weisen Sie diesen Scqatz von der Hand." „Gemißt glücklich, namenlos glücklich würde ich sei«, diesen Schatz zu besitzen, aber auch namenlos unglücklich, sollte die, deren Geschick ich an da» meinige für» ganze Leben knüpft» wollte, unter denselben Gedanken unsäglich zu leide» haben, die mir so große Seelenprin bereiten." „Und der Gram des jungen Mädchens, von dem diese» Schreiben spricht, und der eS so sehr niederdrückt, well Sir von Tag zu Tag mit einer Erklärung zurückhalte», vermag dieser Sie nicht zu bestimmen, sich von jenen selbstquälerische» Ideen zu trennen?" fragte Friedheim. „Rein/ entgegnet« Löwen. „Wohl schmerzt mich das Weh Rrcha's auf» Tiefste, ich kann aber heute noch nicht zu chr reden. Lasten Sie mich erst Ruhe finden. Daher ge .oahrer Sie mir «ine» kurzen Urlaub; vielleicht wirkt ein« andere Umgebung wohlthättg auf mich." „Gern gewähre ich Ihnen einen Urlaub/ versetzte Friedhei«. „Und was soll ich der Dame antworte»?" fuhr er dann fort. E» währte mehrere Minuten, ehe Löwen antwortmr kcmrtr. Endlich Preßte er oft Worte hervor: