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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 47 (1892) · p. Seite 185

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
47 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 185 (sequence 3)
Language
German
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Mtfef Heftet 1s «in jo feinet itißoog besitzen «ir die erforderiichm Wirksame« Mittel." Dann klingelte Iriedheim, und als der Deiner erschien, tt: K- .Gehen Sie zu Hrrrn Löwen und sagen Sie ihm, ich iHk chn litten, sofort zu mir zu kommen."' ' Al» der Diener sich entfern« hatte, versuchte e» Friedi&R, die unterbrochene Lektüre wieder aufzunebmea. Aber Mhatte Mühe, de« Inhalte der Zeitung, die ein Lange» •Nft Breite» über die bevorstehenden Stadtverordaeteiiwahien iGchtr, seine ganze Aufmerksamkeit zuzuwendea. Rach kurzer Zeit legte er da» Blatt nieder und nahm M«r da» offen aus dem Tisch liegende Schreibt« zur Ha.to. ktübtlftog noch einmal den Inhalt desselben, im Geiste Derlei Reflexionen daran knüpfend; da ward ein leichte» fan die Thür vernehmbar und aus sein: .Herein!" leise der Prokurist Joseph Löwen in da« Zimmer. Der Eingetrrteue verbeugte sich stumm vor seinem Ehes fterwartete mit niedergeschlagenen Angrn dessen Anrede. Emil Friedheim schaute zurrst mit forschendem Auge ' seinen Schützling. Lin Gefühl der Besorgnis überkam Ihre «ruschensrenudliche Seplötzlich, al» er die fahle Blässe im Gesicht desselben Izchstnahm, da« in letzter Zeit zusehends an Fülle verloren zrtte. Er drückte diese» Gefühl aber nieder, de rn er wollte »iter erscheine». Sein Gesicht überzog daher al»bald ein sicheln und er sprach: fe .Sie sind aber ein Allerwelttmensch, mein lieber Löiven, Win Glückspilz ohne Gleichen, dem ungeahnt dar Glück nur Wo i» den Schvoß Mt." .Herr Friedheim!"' stotterte Löwen, sein verschleierte» ilhage zu seinen» Ehes erhebend. .Ich verstehe nicht, wa» Pie meinen!" .Da sehe einer den Ikopshänger, den Duckmäuser an! tzlch al» ob er nicht drei zähle« könnte und al» ob er Ganzen Welt den Krieg erklärte, und doch läßt er sich ri einer einzigen Person besiegen!"!*->' Am Kriedheim, ich bitte Sie, spreche« Sie nicht in I» zu mir." .Run. lesen Sie diesen Brief, den ich soeten erhielt. Rfil wird Ihnen am besten Aufilärung geben." Löwe» nahm den Brief und la» denselben. Der Inhalt war folgender: hochgeehrter Herr Stndtrnthl p- «kftattc* Sie ke» Locht»» eint« Manne», bet ehe «al t in freund* ^scheftttthen Beztthungen ,n Ihnen gestanden, der aber duvh vorkomn» MtzoG^IP^AlLcn wohl jetzt nicht -« Platz« «Ire. Ihnen gewissergen entfeunbet warben ist, ln einer diskreten Vngele>|en$ctt Ihre und Ihren Betstaad zu erbtttS.'?:■ M gilt, bei SeHMglM zweier jugendlicher Menschenkinder zu ilnben, die. »dwohl sie längst ihrer gegenseitigen, innigen Zunei» sich betonhr geworden sind, aus unerklärlichen, rithselhasten Grstn- Unnäheriiiig an einander nicht gesnnden haben. Helsen Sie Herr Vtadtrach, die etwa vorhandenen Hindernisse Wege zn räumen. ^tlud bi« beiden Liebenden sind? So werden Sie ingen. So n Sie: Meine Schwester «ocha liebt Ihren Prokur lsten, Herrn sch Säwen. Beide find einander oft sch«, em^gengetrettn. beide >P dieselbe Leidenschaft, doch ist >» noch nicht zur gegenseitigen »uä- Ich «eist, waä Sie, wein Herr, Iber den jungen D verwägeu Suchen Sie denselben auf eine geeignete Art zu einer lhhmüng zu bestimmen. Ich «nfi gestehen, dah diese neine Bitte tleberwindung kostet, doch «ächte ich «einer lies unglück» ester Helsen, die sich schier verzehrt vor Gram und Schmerz SHc harte» Schicksals liWstcheihen Sie aber auch «eire »ühnhett, »enn ich »tt «einer und vngewähnlichin Bitte an Sie MNttiaa'» anffehkN ftvnnng zn bekhätlgen. In Hochachiung und Ergebenheit Meta von Wiedenhof geb. Salden." Joseph Lvwcn war beim Siefen de» Schreiben» abwechselnd rotd und blaß geworden. Srine Auge« schienen gebannt an die Zeilen, die er la»; er wagte e» nicht, zu seinem vor ihm sitzenden Chef emporzublicken, denn eine große Verlegenheit hatte sich seiner bemächtigt. < Fortsetzung folgt.) -* Beistrich Keine s KamttienteAe«. •in •y*- m Unter diesem Titel werden die bereit« angekündigte«, Briefe de» Dickster» an seine Schwester, di« noch lebende, hochbetagte Charlotte von Emden, veröffentlicht. Karl Hessel, ' dem ein Einblick in diese Briefe verstattet war, schreibt ba-?t. . rüber in der .Köln. Ztz.": .Inhaltlich Reue« ist daran«!• V. allerdings nicht zu entnehmen, doch bestätigen sie glänzend. - die wiederholt ausgesprochene Beobachtung, daß Heine .ein« - wahrhaft rührend« Liebe und Anhänglichkeit an ferne Mutter und Schwester besaß und daß er ein zärtlicher, musterhafter Gatte gewesen ist Am 18. Oktober 1>l43 schreibt er der Mutter au« Pari«: .Deinen letzten Brief habe ich richtig erhallen, nnd Deine Idee, de« . Max auf» Frühjahr ein Rendezvous in Hamburg zu geben, hat den •» ■- Wunsch. Dich einmal tottderzukehen, sehr heftig in mir reg! gemacht. ' Ich will Dich aber noch früher sehen all im Krühjahr, «och in diesem . . Jahr, nnd ehe Du Dich dessen versiehst, eine« frühen Wo;jen* stehe ich , - in Lebenägrähe vor Dir" Heine erschien schon Ende Ottober in Hamburg und ver« v ließ e» nach scch»wvchentlichrm Aufenthalte. Da er von seiner ' Frau Mathilde nicht genug Lobenswcrthe» erzäblrn konnte, so schied er mit dem Versprechen, tm nächsten Jahr: mit der Gattin wirdetzukommen. An seine Schwester Lotte schreibt er am 23. Januar 1844 u. a.: .Ich und meine Krau, wir befinden un» zttmlich wohl «ad sprechen beständig von Dir. ich kann ihr nicht venug erzählen, wa» D, für eine Pracht von Schwester bist, und btt Liede, womit ich von Sie spreche, mach« sie fast eifersütttig «ir leben still und eingezogeu . . Trotz «einer zunehmenden «esichlllähmung arbeite ich viel, «tellesthi aber muß ich e'ne* Tage« die gebe» zum Teufel werfen und «ich zn« Sarnichwthun verdammt sehe»! — Mtine Frau führt sich ziemlich gut »ns, bleibt aber immer eine Berbringerin. Mtt Roch und Mühe komme ich an», doch ich komme an«, und die Sorgen vergehen. 1'änntt ich Dich, süßer Engel, nur manchmal sehen, Dich ansehen. ohne zu lprechen l Leb' wohl und grübe mir btt Sippschaft: Detnen Hanähahn und die Putchen. Dein weitläufiger Bruder H. He>ae." An die Mutter schreibt er am 4. März 1844: »Da mußt «ir immer aus'« Wort glauben, denn lch sage Dir immer alle«. Deinen Betts erhielt ich soeben und ersehe daraus. daß Du DK nnnäthlge che danken nn» Sorgen machst. Meine Ingen »der viel «ehr da» Inge, «voran ich litt, ist triebet gehellt, aber ich muh mich sehr schonen, und daher schreibe ich an Rttmand, lese gar nicht» und pflege «ich. Ich sehne «ich darnach, lach alle wlederzusehen. Diese« soll diesen Sommer in übe« Kall geschehen." 8« geschah denn auch wirklich, und zwar kani Fra« Mathilde in der That mit. Herr von Emoven schilt«rt sie un» al« eine sehr schöne Frau von hoher Statur, etwa» üppigen Forme«, .«in ovale», liebliche» Gesicht, nuirahmt von kastanienbraunem Haar, volle rothe Lippen, schönt weiße Zäh«« zeigend und große ausdrucksvolle Augen, welche in Erregung fturig blitzten." Er bringt eine Anzahl zwar äußerlicher, aber bezeichnender Anekdoten, so daß sie in einem Kasten ihren Liebling, den kreischenden Papagei Eocotte, mit sich führte, der Lottchen« Mann zn Willkomm in die Finger biß, ferner, wie geschickt Heine lavirtc, um seine Frau auch beim Onkel Salomo« im besten Lichte erscheinen zu lassen. So passirte . dort einst der un^ückliche Zufall, daß Salomon Heine eine Weintraube von seltener Größe, in seinem Treibhauft g«z beim Nachtisch alt? Schaustück hecnmreichen ließ, die £&i| al» sie an sic kam, einfach aufzehrtt. Al« der Aste, daß «tt anch Vater un^wlhnllche, ragte, wo' die Traube geblieben. sagte Heine:

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