Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 47 (1892) · p. Seite 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
47 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 184 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492351-8722847-5962175--2025-5375473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

p, ar, fein rosig angehonckM, cW grfchiÄVMr- Ansicht, das run norm hellglänzenden Lockenhaar i» üppigster Fülle nmrcbmt wurde, sein bescheidene-, zurücHalftudes Auftreten und fein nie erkaltender Eifer, sich selbst bei deu geringste» Anlässe» dienstfertig z» zeigen, all diesemußte unwillkürlich sofort für ihn einnehmeo. Zwischen den beiden Knaben hatte im Lauft der Jahre beste Guveruehmen geherrscht; sie waren zwei gute, treu« Knmrradeu gewesen. Und auch Erna, di« Schwester Hugo'-, hi ig mü schwesterlicher Lftbe an ihrem Pflegebruder. Der Huer sah mit innigem Behagen daschöne Einvernehmen unter den Kindern, und mit den Jahren war in ihm betreff« ftiner Tochter eine Idee aufgestiegrn, die zu verwirklichen er der Zeit überlasten wollte. Auch Hugo Frirdheim machte seinen« Baftr Freude. Auch er hatte sich ein reiche- Maaß von Wissen und Kennt» ri^er. aus den verschiedensten Gebieten augeeignet, und mit und ohne jegliches Bedenken konnte ihm Emil Fstiedheim, trotzdem er noch in juger.dlichem Alter stand, di« Leitung fr et GeschLfftübertragen, wobei sein Sohn in Joseph Löwen dir krästipsft Unterstützung fand. Für da« Fabrikgeschüst selbst, dabestens fundirt war und in bestem Ruft stand, konnte diese Aenderung von keinerlei » btheiligen Folgen ftin. Hatte diesedoch schon andere ^Affairen zu überwinden gehabt, und nichtwar im Stande ^orweftn. es in seinen Grundfesten zu erschüttern oder egar «4 Schwanken zu bringen. Freilich bedeutend waren damals die Verluste gewesen, dft dem Hause durch da- Abhanden» ko: uen des Werthbrieft-, da« man Joseph Löwen'- Vater ix. Last gelegt, sowie dft Veruntreuungen de- Geschäft-» führet- Pau-wald, der unmittelbar vor semer bevorstehenden B Haftung sich auf noch unaufgeklärft Weift durch dft Flucht vorläufig dem Arme der Gerechtigkeit entzogen hatte, jedoch waren all diese Berlusft durch angestrengtere Thättgkeit, sowie durch glückliche Operationen bei momentanen günstigen Kon» juncturen in kurzer Frist wieder gedeckt worden. Joseph war. seitdem Emil Friedheim sich vom Geschäfte zurückgezogen, Prokurist der Firma. Der Chef hatte da- Bei trauen, daer dem jungen Raune eutgegeugebracht, in höchstem Maaße bekundet. Er dachte nicht an die Vergangenheit; m chm war zu keiner Zeit der Gedanke aufgestiegen, sein -Schützling könne, da sein Vater sein Vertrauen «ft solch schnödem Undank belohnt, seine- Vertraueneben so unwürdig sein. Nein, der Sohn sollt« unter keinen Umstünden durch dft Schuld de- Vaterzu leiden haben. Er lftbft und schätzte ihn um seiner selbst willen, und nicht ftgeud welcher schwarzer Punkt der Vergangenheit sollft seinen Leben-Himmel verdunkeln. — Anderdachte Joseph Löwen selbst. Rach Jahren erst hatte ihm ftin Wohltbürer Kenutniß gegeben von dem, dessen mar seinen Vater beschuldigte. Frftdhei« hatte esorgsam vermieden, dem damal» hülflosen, unglückliche» Waisenknaben irgend welche Andeutungen »ach dieser Richtung hin zu mach«,. Er kannte daso zart besaitete, für dft leidsten Regungen empfänglich« Gemüth de- Knaben, der. von Borwürstn ge» qnä t. sich namenlos :n»alücklich fühlen mutzte, sich von dem «it Wohtthaten überhäuft zu fthen, den ftin eigener Vater in seiner klaffen Habsucht an seinem Vermögen so arg ge» schädigt. Jo, er wirkft sogar dabin, daß auch von ai?he» her imu keinerlei Mittheilung werden konnte. Alaber ein Jahr an da« ander« sich gereiht hatte, und der Knabe zum Manne herangereift, aljene Affaire und die mit ihr verbundene Katastrophe längst dn Vergessenheit anheimgefallen war, da hielt e- Frfthhei» für zweckmäßig, ftiyen Schützling von dem Kunde zu geben, was eigenttuh dft Aruntwrsache ftinegegenwärtigen Leben-schicksalbilde. Ee mußte diedoch einmal geschehen, und da wollte er er selber th«l, da jeder Andere eihm unter ganz anderen Ge» sicdtSpnnktcn offenbaren würde. Es 8ar dxpest- «me 'chweveS^Äe' , weftn. E« sind nahezu zwei Jahve seitdem verflosftn' Aber seltsam war vie WirkungdftFriedheiiu-Enthüll auf den jungen Mann än-äbftn War auch sonst bei Knaben schon eia« kindlich« llu-grlaffenhett niemal« bemi geworden, wa- »obl in de« völlig freudenleeren Dasein tet, feinet ersten Kindheit unter der Obhut ftiner vom Schicks, schwer heimgesuchtenEltern ft nen Grund gehabt haben mochte f _ bemächtigtesich seiner seit dem Augenblicks da er von der Schuld" ftine- Vater- Kenntniß erhalfta, ein« tieft Schwermuth. Eichj! beklemmende- Gefühl de- Schuldbewußtftin« hatte sich ftin Gemüth gelegt. Er fühlte sich solidarisch mit ftine» leiblichen Baftr ■ der Schatten, der aus besten Leben-weg fallen «var, verdonftlft auch ihm den Pfad, den er wanvr! er gewährte ihm keinen freien, ungetrübten Au-blick in Zukunft. Düstere Gedanken zermarftlftn foiran ftin Geht und sein« Phantasie lain jedem Blicke, den man auf richtete, eine Anklage; aujedem Munde glaubte er den zu vernehmen: .Äht dort geht der Sohn de- Diebe-!" So mied er denn fortan geflissentlich dft Welt da drautz J um allen vermeintlichen Anklagen audem Weg« zu Auall den Kreisen, in denen er bi«her verkehrt«, n ihn sfttmlt Freuden begrüßftn, hielt er sich fern. So er den« ein Einsiedler geworden, auf «nsamen Wegen hi er seinen selbstquälerischen, düsteren Gedanken nach. M drang in ihn, zurückzufthren, man forschte nach dem deso jäh erfolgten Umschwüngein seiner Gemüth-ftimm, vergeben» — jeder Frag« w ch er au-, biman endlich Bemühungen aufgab, ihn uvizustimmea. Auf seinem einsamen Pfade war eeine- Tagea> gewesen, da ihm Recha Salxn entgegengetreftn war. hatten sich stumm in dft Augen geschauh und dft L beider hatten al«bald in verzehrender Liebe emporgel»! Stumm waren sie an einander vorübergegangr», kern S tarn über dft Lippen Beider, und doch redettn sie zueina»! so verständlich, so eindringlich! Wie auf stumme Berabi ' suchten und fanden sie sich täglich — aber kein Wort zwischen ihnen gewechselt. Wft durfte er zu dem reinen, unschuldigen ML! von Liebe reden? Wie hätre er da- Geschick eineengelgleichen Wesenan daftiaige knüpfen dürft»? Er verzehrtt sich in Sehnsucht nach dem geliebten chen und doch durfte nie dies« Sehnsucht Beftftdigqng sin! Diese- Bewußtsein drücktt ihn völlig und ftin« Umg' «var bald auf sein sichttich verändettr- Wesen auf», geworden. Besonderwar eder Stadtrath Emil Frftdheim, mit wachsender Unruhe seine« Prokuristen bwbachttte, Wesen chm immer mehr ei» RkWek wnrde, da er ums> nach einer Ursache suchte, dft dessen Gemüch-stimmung tiefer herabzudrücken im Stande war. . Auch heute, da wft ihn allein in seinem Privatzii LNtraftu, beschäftigten ihn ühuliche Gedanken. Dft lektüre mußte er trotz ihres iuftreffante» Jnhaltunterbrechen, da er immer wieder auf jene Gedanken ward. Da trat eia Dftner herein und überreichft ihm Schreiben. Er betrachtete «- näher und murmelte: »Eine wft unbekannte Frauenhand! Welche Dam« efein, dft hier an mich schreibt? Run, verschaffe» wft Gewißheit." Diese letzten Warft sprechend, öffneft er da- und begann, daflelbe zu lefta. Der Inhalt de» Schreiben» mußte ein besimdereeffe darbieftu, denn Fnedheün la« e» bedächti " in seinen Gestcht-zügen prägte sichein wachsendel! .Daalso ist de- Räthsel- Lösung, darum diese, hüugerei!" ' ,Na, alter Junge," fuhr er lächelnd solch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.