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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 47 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
47 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Qenntgegexx mm Dr. M. tU#«Mr in Magdeburg Zmr U»terhalt««s und Belehrung für die israeltttfche Anmitte. Qlnlirtfr* Di« Schuld »er «ter. «in* «KMHlNM vauJ-Her»»«»«. (Fori,.) - «u» Heinrich Lein«'» Familienleben »nd s«I«n lktzlen Tagen. mJwIJiUI . — Lichurglsch« Uphoridmen. («Steil — «Hm Druckfehler — «thfel.«»f>°be. - -tethsel-LSsung. - «krichUznn^n tvndefNGter «MchdrMck u4 Mcfea «ater I» mtterteGt.) Kie Schnld der Mtter. -in« ErtLhIuug von J.'Heriber,^ «0s (Korisetzung.) Welch bittere» Weh durchflog das Her; des liebenden Mädchen«, al« e« nun allein war! Wie heiß und innig, liebte sie ihn, nach dem eS sie mit unwiderstehlicher grast hinzog. Eie wußte, daß auch er sie liebte. Warum aber sprach er r» nicht au«? Warum lieh er nicht feinen Gefühlen für sie, di« sie längst so unzweideutig erkannt, Worte und riß sie au« den entsetzlicl»en Qualen der Ungewißheit?- Da legte sich sanft ein Arm um ihre Taille, und sie hörte ttrrn Namen flüstern. Sie blickte aus, und ihre Augen ttastn Me ihrer Schwester Meta. .Arme Schwester", fuhr diese leise fort, .wie schmerzt 'mich Dein Geschick. Ich habe Alle« vernommen, wa« der -Vater zu Dir gesprochen. Ich ahnte längst, wa« in Dir svprgeht." .Ach, liebe Meta, Dir kann und darf ich mein Leid klagen. :Ja, ich liebe mit allen Fasern meine« Herzens nur ihn, ihn "allein. Bor wenigen Wochen war e«, al« mich zum ersten Male sein liebe«, süße« A:ge ttaf. Ich weiß noch heutr nicht, wie wir zusammengeiroffen, der Rausch, in den mich sei» erster Anblick versetzte, ließ e« mich verzrflen; genug, «ein Herz gehört ihm bi« zu seinem letzten Schlage. Und nun soll mein LiebeSdurst nicht gestillt werden I Wa« kann der Vater nur wollen? Ist der, dem meine t>eiße Liebe gllt, nicht diest Lieb« werth? Haftet an ihm ein Makel, daß der Vater ihn mit befremdender Heftigkeit zurückmeist und schon von erschreckender Erregung ergriffen wird, wenn nur sein Name an stin Ohr klingt? Stehe mir bei, liebe Schwester, damit ich diese« Räthsel löse, aus daß ich die Hindernisse, die «einem Liebesglück sich entgegenstelleu, über» ade." .Ich will Dir zur Seite stehen, liebe Recha, will Dir «ein« Hand zum Beistand« reichen, damit wenigsten« Dir da« beschieden werde, wa« mir, ach^ versagt geblieben ist: lieben zu dürfen und «liebt zu werden. Aber sage mir, bfft Du denn wirklich dessen gewiß, daß Herr Joseph Löwen Deine Liebe erwidert?" .Ja, ich bin deffen gewiß, denn mein eigene« Herz sagt e« mir." .Nun, dann beruhige Dich. Ich »erde handeln und bald wstst Du Bestimmte« erfahren^— In seinem komfortabel «»«gestatteten Privatim,wer saß diesem Tage zur selben Zeih da im Salden'schen Haust die obige Unterredung stattgrfundeu hatte, der Stadtrath Emil M^edheim. Di« im Fluge dabingerauschten Jahre hatten seine äußere Erscheinung fast unberührt gelassen. »« «ehr in« l stin Besitzer Nar der in« Graue söPmmerude Böllbart kündete un« an, eibe höhere Llter«stust erklommen. Aber an seinem Innern war da» verflossene Jahrzehnt gänzlich spurlo« vorübergegangen. Heine äußere EinwiÄng tte e« vermocht, sein Denken und Empfinden zu ändern, rn seinem Busen schlug ihm noch daffelbe für Volk uud Glaub« erglühende H«z, und die ehemal« so oft und nachhaltig zu Tage getretene Begeisterung für Hnmanitöt, sie loderte noch io gleichem Maaße fort, keinerlei Anfeindungen hatten e« vermocht, ihn zu beirre» und ihn in seine« Bestrebungen z» beengen. Sir waren aber auch nicht im Stande gewesen, ihn der Mitwelt gegenüber in irgend welchen Schatten zu stellen. Im Gegenthnl — immer weitere Kreise erkannten st« edle« Stcrben an. immer weitere Kreise kamen zu der Erkeantniß, daß er neben dem edlen, für alle« Humane «eit offealn H*rzeu einen seltenen, scharfen Geist besaß. Und dir» war e« auch wa« bald de» Anlaß dazu boh daß man ihn al« berustnen Bertteter der Stadt mit unbegrenztem Vertrauen entgegenkam. Und diese« Vertrauen beststigtr sich nicht minder innerhalb der eigenen Glaubensgenossen, sodaß man ihn bald auch hier al« ersten Leiter nnd Verwalter der Gemeindeangelegenhrrten erkor. Nach beiden Richtungen hin kam er mit seltenem Pflichteifer und peinlichster Gewissenhaftigkeit seinen Obliegenheiten nach Ja, al« er sich durch seine so mannigfachen und weitverzweigten Privatgeschäfte in der Erfüllung seiner übernommenen Ehrenpflichten beengt sah, reifte in chm der Entschluß, sich von seinen Privatgeschäfte» gä.izlich zurückzuziehen. Dieser Entschluß war ihm um so leichter geworden, al« er die Führung seine« Fabrikgeschäftes, daß un Lause der Zeit noch an Bedeutung zugenommen hatte, in besten, bewährten Händen wußte. Schon stit zwei Jahren stand da« Geschäft unter der Leitung seine« Sohne« Hugo und seiue« Prokuristen Joseph Löwen. Stadtrath Friedheini hatte da.Herrliche« geerntet, wo er vormal« gesäet hatte. Au« dem hülflosen Waisenknaben war zu seiner immer wachsenden Freude ein tüchtiger, brauchbarer Mann geworden. Er hatte dainal« kein« Opfer gescheut, um Joseph Löwen eine gediegene Bildung angedeihen zu lassen. Er hatte ihn in sein Hau« ausgenommen, hatte ihn seinem eigenen, einzigen Sohne, der fast un selben Alter mit ihm stand, gleichgestellt und nie hatte er r« ihn fühlen lasstu, daß er nicht im elterlichen Hause weile. E« hatte ihm die« allerding« anfang« schwere Kämpfe gekostet, denn seine Frau war nick» sehr davon erbaut gewesen, einen fremden, so niederem Stande angehärendea Knaben, deffen Vater nicht makello« dagestauden, ihren eigenen Kindern gleichgestellt zu sehe». Jedoch war bald ihre Abneigung einer iunigen Zuneigung gewichen, d« lag eben etwa« m der ganzen äußern Erßheinung Joseph«, wie überhaupt in seinem Auftreten, da« bald alle Vorurcheüe uiederdrückte uud all« Herzen fesselte. Sein traute«, »nt einer gewisse» Melancholie dreinschanendech dunkle« Angst»

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