Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 46 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492351-8722847-5962174--2021-5375470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-.n*' 'Mit ängsklichem Aufsthrri war die T»hter zu ihrem Vater geeilt mit den Wort»: .Barmherziger Sott? Vater, war ficht Dich an?* *£-’ Und liebkosend fuhr sie mit ihren zitternden Händen über dar Gesicht der Vaters, von deffeu Stirm; kalte Schweiß' 'tropfen rannen. Sie häufle Schmeichelworte auf Schmeichrl- Worte, um den Vater zu beruhigen. Da preßte dieser aus der gepeinigten Trust die Worte hervor: .Das ist de- Schick,als Fügung!' Bestemdet lauschte Recha den ihr unverständlichen» ja väthfelhaften Worten ihres BaterS. Sie sielte daher diesen um Aufklärung an: .O, sage mir» lieber, guter Papa, was Dich so sehr srrrgt?' .Rein, nur ihn nicht, den Sohn jene- Mannes, der...' > .Welchen Manne», guter Papa, o, erkläre Dich doch!' Der Vater hatte allmählich seine Selbstbeherrschung wieder erlangt und erschöpft sank er auf seiner Stuhl zurück. Mit schwacher Stimme begann er dann, mit fast flüsternder Stimme: .Nicht ihn, geliebtes Kind! Rein, er darf nie mir nahen!" .Warum denn nicht, lieber Vater," sofchte da» geängstigte Mädchen aushorchend. .£>, erspare es mir, mein gute- Kind, Dir heute eine nähere Aufklärung zu geben. Denke nicht an ihn, es wäre sonst mein, Dein, ja, unser aller Unheil!" .Papa, ich begreife aber nicht, wa» Du gegen Joseph Lönxn, der ein« so geachtete Stellung im Friedheim'schen 'Geschäfte rinnimmt» haben magst. Du erklärtest mir doch, daß Dir Jedermann, wenn er nur ehrbar urd makellos ist, willkommen sei.* .Alle, ja, Alle, nur er nicht!* eotgegnete der Vater, der. als wieder der ominöse Name an sein Ohr klang, von neuer Erregung ergriffen waro, die aber nach wenigen Augenblicken wieder nachließ. Rach einer Weile ivLhrend welcher Leo Salden sich einigermaßen erholt hatte, wandte er sich au die Tochter mit den Worten: .Liebes Kind. Du redest immer nur davon, daß Du jenen so sehr liebst. Run sage aber, bist Du tenn auch von feiner Liebe überzeugt?* .Ach Papa,' entgegnet« das Mädchen, rief errüthend, .er hat mir wohl nicht durch Worte seine Lrete angekündigt, aber trotzdem bin ich von feiner Gegenliebe zu mir überzeugt. Weißt Du denn nicht, daß di« reine, wahre und aufrichtige Liebe auch ohne Worte eine.so verständliche und bereiste Sprache redet, daß sie sich durch dir kleinsten Zeichen ««kündigt, die nur die Betheiligteu zu deuten versteh««? Er erklärte mir wohl nicht seine Liebe zu mir, und doch bin ich von derselben überzeugt.* .So b^rabe diese Liebe in Deinem Herjen,' versetzte plötzlich in strengem Ton« der Vater, .ermurtere ihn nie dazu, zu Dir von Liebe zu reden, meine Zustimmung wirst Su »nn und nimmermehr erhalten!" Dann erhob sich Salden und ging langsam aus dem Zimmer, seine Tochter allein zurücklasiend. «Fortsetz«», folK.) »gen a« de» sek. Aesierungsratö Aras. Ar. Aömpf. G» war zu Ende der fünfziger Jahre, als der verklärte der Tempel'Gemeiude in Prag auf der Höhe seines ufes stand. Rappoport, der berühmte Oberrabbiuer ag, litt an chronischer Heiserkeit und war. zum großrn verhindert, «almudisch rabbimstsie BorlepmgH zu halten.' Rur unter der Oberaufsicht desselben hatten die Rabbmatscandidaten bei talmndischen Autoritäten der Gemeinde, welche als Clausrabbiner fungirten, therstogischcn Unterricht genösse». Hochgeschätzt war in dieser Richtung der sel. Rabbiner Simon Lasch, dessen talmudische Borträge mst mir zusammen Rabbiner Dr Koref (jetzt in Hanau) und die sel. Rabbiner Dr. Hübsch .Newyork) uud Dr. Rehemias Brüll (Frankfurt a. M.) gehört hatten- Unvergessen ist mir da» leutselige Wesen de» leider zu früh Heimgegangenen Dr. Hübsch, der auf meinen Charakter als engerer Landsmann von sehr wohlthätigem Einfluß war; ich sah ihn zuletzt am Grabe Abraham Geiger's in Berlin (1875). — Meine Familien Herkunft war eine Empfehlung bei allen edelgesinnten Familien Prag's Man übte dort zu jener Zeit nicht nur Wohlthätigkeit sür's Herz, sondern auch für den Geist. Man öffnete nicht nur Hand und Herz de» der Milde Bedürftigen, sondern schützte und stützte selbst jede der Gotteslehre geweihte Kraft. Diesem Umstand hatte ich cs zu danken, daß selbst der spröde, aber geisteSsck)arfe und talmudisch gelehrte Gemcinde-Rabbiner R. Samuel Freund s. A. mir. damals einem vierzehnjährigen Jüngling, die Pforten der Gastfreundschaft eröffnet hatte, und ich meinen Lebensunterhalt durch hebräisch. Unterricht an der S. Singer'scheu Lehranstalt (jttzt in Wien) und gottesdienstliche Vorträge an der Synagoge in Bubna (Prag) gewinnen konnte. Dr. Koref nannte mich scherzhust damals de» Bubner (.Dubncr*) Maggid. — Als Religionslchrer dieser beliebten und l>erühmt gewordenen Unter» richtSstätte wirkte Rabbiner Dr. Ungerleider (jetzt Berlin). Alle Theologen Prag's aber fanden in Roppoport ihren geistigen Mittelpunkt, der im perjünlichen Verkehr bildend, und anregend gewirkt und durch seine religiösen Reden an den zweiPfiicht-Sabbothen, dem großen und dem Buß-Sabbarh. die er in der Meysel-Synagoge gehalten und mit einem hebräischen inyalts- und formvollendete« Gedichte,nzulei:en pflegte, alle Zuhörer Hinzeriffen hatte. Durch den Flor, welcher über seiner Stimme auSgebrcitct lag, drangen leichte, zündend« exegetische Ideen, die Allen unv.-rgessen geblieben sind, die den Altmeister gesehen und dessen, wenn auch von jüd.-polnischen Accent angehauchte, aber durchaus korrekte deutsche Sprache gehört hatten. — Der Rabbiner Pollar in Wien (früher Holleschau) gehörte zu deu hervorragendsten Jüngern der Prager Schule. — Lernte man nun von Rappoport wissenschaftliche Bestrebungen und rabbiuische Lebensführung, so konnte man von Kämpf predigen lernen. Um vou Jellinek zu lernen mußte man selbst Prediger sein; denn die Predigt rst für den berühmten Kanzelredner selbst stet» eine Studie gewesen. — Um den sel. Amtsvorgänger Käinpf's, Dr. Michael Sach», mit Nutzen zu hören, mußte man zum rhetorische« Poeten geboren sein. Denn Sach« war ein dichterischer Redner. Bon dem unvergeßlichen Joöl zu lernen, mußte mau mehr in die große Schule, als in die »Schul* (Synagoge) deffelben gehen. — Um aber von Khmpf zu lernen, mußte man nur lernen wollen, wie der Meister kunstgerecht und dabei sehr natüilich. hochpoelisch, besonders in den Urbertraguugen, und dabei gemeinverständlich, im schüusten Deutsch und dabei doch mst aus der Quelle jüdischen Schristthums geschöpften Gedanken, die er ebenso gut anzuführen wie auSzulegen wußte, seine so tiefernsten, und dabei doch nicht selten humorvollen Reden zu arbeiten und zu halten verstanden hatte. Kämpf bat die Eatyre, nach prophetischem Borbitde. auf der Kanzel mit Glück und Geschick einzubürgern verstanden, und es war ergötzlich ihn-zu hören. — Mit meinem sel. «ater, dem Oberrabbiner Moises Naschdr, besuchte iv, Kämpf im Jahre I87l. Mein Vater predigte in der Alt-N«u-Synagoge und ich ia der Pinkas-Synagoge. Der Vorstand der Letzteren Hatto mir einen überaus ehrenden Anstcllungs-Antrag gemach», welchen ich meines Berliner Amtes wegen nicht angenommeu hatte. — Ich habe mit dem verehrten und verklärten Prediger Prost Dr. Kämpf in Boeslau (1884) im Haust de» sei. Regierung«.