Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 46 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sorge um die Zukunft se«er Tochter Recha sein. Was durch seine Schul» die ein« Tochter erfahren, davor sollte die anders so r<eit e« in seiner Macht gelegen, bewahrt bleiben. Seitdem Leo Salden ftine Tochter Meta wieder in sein Hau» genommen, hatte er sein Geschäft aufgegeben und sich ganz von der Außenwelt zurückgezogen. Er hatte all die bisher unterhaltenen Verbindungen abgebrochen und war mft der Zeit der Welt da draußen fast ein Fremder geworden. Eine gewisse Scheu bannte ihn ans Haus, das er nur selten verließ. Alaber seine Tochter Recha älter geworden, als er die Zeit für gekommen erachtete, da mußte er sich denn entschließen, aus seiner Zurückgezogenheit herauszutreten. Er mußte doch, so meinte er. für sein Kind einen paffenden Lebensgefährten aussuchen. Er selbst wollte diesem Geschäfte sich widmen, nnd nicht die Hilfe irgend eine- Schadchens wieder in Anspruch nehmen. Und bald glaubte er denjenigen gefunden zu haben, der geeignet war, da» Glück seines Kindezu begründen. Hugo Friedheim, der älteste Sohn Emil FriedheimS, sollte Rrcha'S Gatte werden. Allerdings swar er noch jung an Jahren, doch wer er trotz seiner Jugend der Leiter de- Friedheim'schen Geschäftes, da ftin Vater sich vor zwei Jahren ganz vom Geschäft zurückgezogen, nachdem er, geehrt durch das Vertrauen 'einer Mitbürger, zum Stadtverordneten und nächstdem zum Stadtrath gewählt worden war. Salden zweifelte nicht, daß diese Idee sich würde verwirllicken lassen, da er über geeignete Mittel verfügte und er gewiß nicht eine Zurückweisung erfahren würde. Er wähnte auch, das die Zeit die Erinnerung an das Geschick seiner Tochter, die längst ihrem väterlichen Glauben sich wieder zugewandt hatte, verwischt habe. Auf seine Tochter Recha wollte er jedoch von vornherein keinerlei Druck auSüben, um nicht dereinst wieder an ihr zu verschulden, wodurch er seine andere Tochter ins Ungemach gedrängt hatte. Eires Tages hielt er den geeigneten Moment für gekommen, seiner Tochter Recha seine« Plan zu offenbaren. .Meine Tage sind gezählt," hatte Salden im Saufe der Unterredung mit seiner Tochter gesagt, „mein ganzes Sinnen sst jetzt allein darauf gerichtet, für Deine Zukunft zu sorgen. Dir einen Lebensgefährten zu wählen". Die Tochter hatte ausszehorcht, als sie dies« Worte ihres Vaters vernahm, eine tiefe Rvthe hatte plötzlich ihr Angesicht bedeckt, und sie vermochte lein Wort zu erwidern. Salden ergriff die Hand des erröthenden Mädchens und bat sie, neben ihm Platz zu nehmen. Dann fuhr er in liebevollem Tone fort: „Run sage mir, liebes Kind, kennst Du Hugo Friedheim näher?" .Nein, ich bin dem jungen Manne bisher nicht näher getreten." „Nicht? Nun, so bitte ich Dich, mir beizustehen in dem Bestreben, eine Annäherung zwischen Euch Beiden zu bewerksttlligen. Ich wünsche, daß Ihr in nähere Beziehungen zu einander tretet." „Papa, ich bitte Dich, erspare Dir deine Bemühungen, sie können Dir doch nichts nützen, zumal ich deinem Verlangen nicht Nachkommen kann!" .Und warum kannst Du meinem Verlangen nicht nachko—.men?" fragte Salden mit einiger Erregung, »ist Dir Hugo Friedheim etwa nicht ebenbürtig. oder ist er mit irgend einem Makel behaftet? Jft er nicht vielmehr ein tüchtiger ju.i^er Mann, - der noch ein« große Zukunft hat und längst t* r;«|«n hat, daß er ein würdiger Sohn seines Vater» ist?" .Ich gebe dies zu, denuoch muß ich Dir meine Unteriüung versagen." .O, Papa", fuhr dann Recha, sich erhe nd, und wie flehend ihre Hände zum Vater emporhedend, in bittenden Tone fort: .dränge mich doch nicht zum Ungc asam gegen Dich und zürne mir dieftrhalb nicht. Laß daß da» Uld eines theure« Manne« Zügen.meiner Seele sich eingeprägt. Und Papa, er, meine Welt, der mein Ein« und mein Alles ist, er ift!.ut, so liebenswerth; nimmer kann imd werde ich von ihm' asftn?" Eine tieft Erregung hatte das Mädchen erfaßt, als es dieft Worte gesprochen, ihre Augen glühten voll B^eisternng^; und sprühten Flammen de» Stolzes. Rft waren solche Worte über ihre lieblichen Rosenlippen gekommen. Nun aber, da, ihr erste» Liebesglück gefährdet schien, erpreßte ihr die dro» 'd?j hende Gefahr ein Gestänvniß dessen, was sie tief im Herzenals Geheimniß vor der Welt verborgen gehalten hatte. Mit wachsendem Erstaunen hatte Salden den Worte« seiner Tochter gelauscht. Der Gedanke, daß da» Herz seines Kindes nicht mehr frei sein könnte, war bisher gar nicht in ihm aufgrstirgen. Er hatte geglaubt, er brauche nur z« wählen und der Tochter würde er den Mann seiner, nicht ihrer Wahl ohne jeglichen Widerspruch ihrerseits zufühchA können. Hier erfuhr er nun, daß er sich ,n seinem Glauben getäuscht sah, daß seine Absichten durch die, welche er wähnte, glücklich zu machen, selbst durchkreuzt wurden. Sollte er seinem Kinde deshalb zürmen? Sollte er ihr erstes, reines Liebesglück zerstören und mit rauher Hand da« aus ihrem jugendlichen, empfänglichen Herzen reißen, was' allein sie beglücken konnte? Sollte er auch hier wieder, wft ehedem sich durch kalte Berechnungen leiten laffen und das Lebensglück ftines Kindes einer wohlerwogenen Idee opfern und auch sie bis an ihr Ende liebeln« durchs Leben wandeln lassen? Nein, das wollte er nicht! Er wollte dieser seiner Tochter kein Hinderniß in den Weg legen. Sft sollte de» Mann ihrer Wahl zum Altäre führen, damit er sich noch in ihrem Eheglücke sonnen könne. Daher sollte ein Jeglicher, sofern ec die Liebe seines Kinde« erringe, und er nur ei» ehrenhafter, braver Mann fti, als einstiger Gatte ftiner Tochter willkommen sein. Er entgegnet« daher, diese um» safiend und sie liebevoll in die Augen schauend: .Rege Dich nicht so auf, gute» Kind; glaube nur, daß ich einzig und allein Dein Glück zu begründen bestrebt ftin werde. Wenn der Mann, den Du so in dein Herz geschloffen zu haben scheinst, nur rechtschaffen und ehrenhaft ist, so soll er Dir zu eigen werden .Papa, wie glücklich Dn mich machst durch Dein« Worte. Ich habe es ja gewußt, daß Du mir ein guter Bat« bist, und daß Du mir wein Glück nicht stören wirst. Du hättest auch keinen Grund hierfür, da meine Wahl auf einen Mann gefalle», d« auch nach Deinem Herzen ist. Soll ich ihn rufen lassen?" fügte Recha Salden voll Eiftr hinzu. „Gimach, liebe« Kind", versetzte Salden, „Du redest nun schon so Bielerei von dem Geliebten Deines Herzens, doch hast Du mir noch gar nicht seinen Namen genanat.' „Verzeihe, lieb«, gut« Vater!" enlgegnete Recha schmeichelnd. „Nun, so höre seinen Narnen, « heißt: Joseph Löwen!" .-"3 Hätte die Tochter geahnt, welche Wirkurq dft Nensnng ü dieses Namen« auf den Vater ausüben w«de. hätte sie ihn . gewiß nicht üb« ihr« Lippen gebracht, sie hätte ihn «ach fortan al« ihr Geheimniß bewahrt und ihn nur in ft üb Einsamkeit verborgen, leise, anderen Menschenkindern mmnehmva: geflüstert. — Kaum war der Name des Geliebten Recha'« LizPatM entströmt, als ihre Augen Fürcht«liches walstnahmen. Das Antlitz ihres Vaters überzog plöfllich eine Blässe, schw« keuchend sentte und hob sich feine Brust,' Mund öffnete und schloß sich abwechselnd, und veraelllichA war ftin Bemühen, einen einzigen Laut hervorzuftoße»-z Seine Arme fuhren mit den trampshaft geballten FänsteA durch die Luft. Eine namenlose Todesangst prägte sich afts seinem verzerrte» Gesichte aus und scheu blickten feine fltfr