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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 46 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
46 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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A«r Unterhaltung unb Belehrung für die israelitische Familie. (IlntrfMter Wtfttnuf nl Mdna BUttt Pie Schuld der Käter. w Lin« Erzählung von 3. $erj6erg r} «Forlsetzung.) Leo Salden war seit dem Tage, an welchem Hirsch «in so tragische« End« gefunden, eia ganz anderer sch geworden. In der Untersuchung, welche zur Klar- Hellung der Diebstahl-affaire eingeleitet worlnn war, hatte V eine Hauptrolle gespielt. Mit seltenem, unermüdlichem Mftr war er bestrebt gewesen, immer nur solche Verdacht«» »omentr vorzubringen, welche den Berstorbenen als schuldig scheinen lassen muhten. Mit befremdendem Virstaunen hatte seine Vertrautheit mit den scheinbar unbedeutendsten lleinlichsten Einzelheiten wahrgennmmeu. Undeigenthümlich, neu gegenüber, aus die er einerseits eine schwere Schuld Krilien bestrebt war, wollte er andererseits siet» ol« Menschenndlichen Mann zeigen, indem er sich nicht allein erbot, Losten einer ehrenvollen Bestattung de« Lkwrn'schen Ehe» are« zu »ragen, souvern sich auch bereit erklärte, da» inige zur Sicherstellung!*» Waisenknaben Joseph beizu- Beide« jedoch hatte Friedheim, der flr alle» allein ge Nagen wollte, entschieden abgelehnt. Leo Salden hatte aber auch sein bisherig;«« mürrische« l«n abgeledt; er zeigte jedem gegenüber e:n freundlicke« und eine sonst bei ihm nicht wahrgenom mene Heiterkeit jäümetfte «an jetzt una »«gesetzt bei ihm. Wa« aber war e«, da« eine so auffallerde Wandlung Ot seiner Gemüth-stiwmung hervorgerufen habe? Man gab chru üerschirdensten, oft seltsamsten Vermuthingen Raum, Zh« zu ahnen, wo der Grund seines heitern Sinne« zu pchr» sei. Leo Salden verfügtt wieder über bedeutende Mittel, «ih er war in der Lage gewesen, all di« Opfer zu bringen, K die Verwirklichung der Idee, die er betreff« seiner ter Meta hegte, erforderte. Lieutenant von Wiedenhof war nach reisticher Ueber» zu der Ueberzeugung gelangt, daß er von zwei Uebeln inere zu wählen habe. Er hatte da« GeU> Leo Salden« her ihm so lästigen Zugabe in Gestalt bei: Saldcn'schen einem schmäht«chen Tode vormzogen. Da« Scheiden denjenigen «reisen, in denen er sich bisher heimisch ge- »ar ihm allerdings schwer, da er jedoch die, welcher n Kamen geben wollte, au demselben Orte, an welchem i und erzogen, wo man sie und ihre Familie kannte, n «it ihrer Herkunft vertraut war, nickt in die ihm rtiaen Kreise emsühren konnte, so muhte er diesen Oa Salden war ja auch bereit gewesen, die erforderlichen in reichlichstem Maahe bereitzustellen, gern von H. er rin annehmliche« Leben führen zu!ünnen, da er zu erwarten hatte, daß seine Fra« al« geborene erkannt »erde. ich ein glückliche« Eheleben hatte er fick nicht versprochen. Dessen bedurfte er auch nicht, denn mit dem Momeirle da er der Salden'schen Tochter seinen Namen gegeben, glauvte er weder dieser, noch deren Vater gegenüber weitere Verpflichtungen zu haben. Würde er doch reichliche Mittel besitzen, die e« ihm gestatten würden, da« anderswo zu suchen, wa« er im eigenen Heim vergebens suchen würde. Salden hatte freudigen Hetzen« die zustimmende Erkläru ng de« Lieutenant«, der sofort seinen Abschied nehmen wollte, entgegengenommen. Meta Salden sollte in den nächsten Tagen nach einem fernen, fremden Orte reisen, um sich hier unerkannt für ihien geplanten Uebertritt zum Ehristenlhum vorzubereiten. So hatte der Bater sein Ziel erreicht, hatte da« Heiligste prei-gegeben, um seine ehrgeizigen Pläne zu crwirklichen. X. , v Zehn Jahre waren seit den in den vorhergehenden Kapitel» erzählten Ereignisien vrrsttichen. Nicht spurlo« waren diese . Jahre an Leo Saiden vorübergegangen; er war ein alter«-V schwacher, gebrochener Mann geworden. Lei» Geschäft, da« er in H. betrieben hatte, führte er längst nicht mehr. Schwerer Kummer nagte an seinem Herzen. Bittere Borwürfe . Suälten ihn, denn er hatte in seiner Verblendung sein eigenes ^' 1 lind einem Phantom geopfert. Die Verbindung seiner Tochter Meta mit dem ehemaligen Lieutenant von Wiedenhof war für alle eine Quelle ardhter Betrübnih geworden. Nur zwei Jahre hatte da« Eyeleben - gewährt, da war seine Tochter plützlich zur Wittwe geworden. Aber auch diese zwei Jahre hatten da« nicht gebracht, wa« . er und seine Tochter erwartet hatten. Letztere hatte e« nicht ' . vermocht, sich eine Stellung zu erringen. Sie hatte sich isolirt, verlassen gefühlt, da man chre Gesellschaft gemieden hatte. Und da« Berhältniß, da« zwischen ihr und ihrem / Gatten obgewaltet hatte, war allmählich da« denkbar traurigste -. geworden, da dieser immerfort seine eigenen Pfade gegangen^/ war und in ftinem alten Leichtsinne alle nur erreichbaren Mittel verschwendete, bi« man ihn eine« Tage« schwerver-// wundet heiNwettagen hatte. Eine Kugel hatte ihn bei einem. Duell getroffen. Nach wenigen Tagen war er ei« Leiche. (gewesen. Salden war zu seiner Tochter geeist und hattet * k nach der Bestattung ihre« Gatten wieder in sein Hau» genommen. Hier führte sie nun seit Jahren ein Leben in stiller. Zurückgezogenheit. Die einzige Freude, die ihm da« Geschick noch gewährt hatte, war seine jüngste Tochter Recha. Dieselbe war mit * der Zeit zu einer herrlichen Juugftau erblüht. Sie var K^s sein Stolz^ und «it innige» Wohlbehagen schaute er ihre herrliche Wädchengestait. Sein beiße« Verlangen war, ihr Glück za begründen. Aber die bitteren Enttäuschrutg«, die ihm da« Schicksal bezüglich seiner Tochter Meta dargebotta, sollten ih« ei« warnende und mahnende Lehre bei der

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