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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 45 (1892) · p. Seite 176

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
45 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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»Eine Ewigkeit dauert es fast ehe «au die Jndenmeiber tasamme» hat." Dan» warf -r eine» Blick auf Frau Löwen, und ent» setzt prallte er zurück. l£l H - •VCPyCI V9Q^ TJX |tc J^OU WWr .Ja. sie ist leider todtl" antwortete ihm Friedheim, der hmter ihm stand. Er schaute sich nach de« Sprechenden um und verwundert auf diesen blickend, sprach er: .Ach, Sie sind hier?" Sodann fuhr er eifrig fort: .Ja, sehen Sie. als ich merkt«, daß da» Ende der arme» Frau nicht mehr fern sei, da lief ich eiligst hinaus, um von Ihren Leuten Hilst zu, holen. 3$ kenne die» von stüher her und weih, daß beim i Sterben eiuer jüdischen Frau nur jüdische Frauen zugegen sei» dürfen. Ich hatte aber ei» schöne» Stück Wege» zu lausen, ehe ich an ein Judeuhaut kam. Aber im ersten Haust war mein Supocheu vergeblich. Di« Frau desselben war nicht anwesend. Im nächsten Haust entgegnete «an mit, «an kenne keine Frau Löwe«, ich solle vur zur Bor. sitzenden de^Frumiivercia« gehen, diese werde schon für da» NöMßtzSorge trage». Ich sagte mir: Ra, die Juden pflege« doch §m«ft so Mstimmru zu halten und einander beizusteheu in Ante» der Roth, — diese Frau jedoch legt hierfür kein b-studer« glänzende« Zeuguiß ab." ^können Sie mir vielleicht den Kamen dieser Frau nennen?" unterbrach Friedheim, der durch die Worte de» HanSmirth» unangenehm berührt worden war. den Sprechenden. .Kein," entgegnete dieser, .aber da» kan» ich Ihnen sagen, daß sie eine wohlhabende Frau ist. Auf mein Befragen theiltc «an mir auf der Straße mit, daß i» jenem Haust Juden wohnten; nach dem Kamen der Bewohner habe ich nicht gefragt. Denn ich sagte mir, ob arm, ob in solchen Stunden sind wir alle gleich. Da kann oft der Reiche den Arme«, wie bfefhr jenen nicht entbehren. Ich erkundigte «ich «im nach dem Kamen der Borste Herrn und 'oeren Wohnung, dann eilte ich zu derstlben. Auch diest gab an, dar Fm» Löwen nicht zu rennen» doch wäle sie p bukst al» möglich j» Semtiujchast mit noch andere» Frauen komme». Nachdem ich ihr genau die Wohnung der Sterdeude» angab, machte ich mich schlemngst auf tat Rückweg. Und so," schloß der tnenschenfreunduche Mann, sich die schmechtriestnde Stst,» mit eiaem Tuche trocknend, und sich auf einra uahesteheulcn Stuhl werstnd, .bin ich hier, aber leider zu spät, denn die Aermst« hat schon ausgerungen." Friedheim hatte mit sichtlichnn Jutrreffe den Worten de» Manne« zugehört, und als dieser erschöpft iuuehielt, trat er auf ihn zu. reichst ihm die Hand und sprach: .Ich danke Ihne» im Kamen diese» Knaben. iw Kamen der Humanität. See sind ein wackerer Mann, daß Sie al» Christ einem Jude» einen solchen Liebesdienst erwiesen haben." .Lassen Sst da«, lieber Hm; wir sind alle Menschen und uu» allen schlägt einmal eine letzte Stund«, in der wir schwach und machtlos daliegen und uns gern mit Hilst unstrrr Mitbrüder zu unserem Gotte geleiten laste«, mag die» nun der Gott der Christen oder der Juden sein, e» ist immer unser Aller Bater, der Sott der ganzen Menschheit." »Wie war et aber gekommen, daß da» Befinden der Verstorbenen sich so schurll verschlechterte und so bald zu einem so traurigen Ende führte?" »Da kann ich mich leider nicht so ganz freisprechen," versetzte der Gefragte. »Ich hatte auf der Straße erfahren* — Hier hielt der Sprechende iaue und warf einen frage», de» Blick auf den Knaben. Friedheim winkte chm bejahend pr. wodurch er ihn verstäqdigte, daß er frei reden könne, da der Knabe schon von dem Tode seine« Bater» unter, richtet worden str. »Ich hatte aus der Straße erfahren, daß Herr Löwe« auf ein« traurige Weise um'« Leben gekommen sei. Ich wollte nu» mir selbst Gewißheit in der Sache verschaffen, de ich innige» Antheil au de« Geschicke meiner MirthNeuie rforaMEj nehme. Ich trat also hier ein and stih st« sich mit dem Knoden unterhielt. Ich war vorsichtig, zu frage« ob sie denn noch »ichtS^ davoa wa» «an sich betreff» ihm« Manne« erzähle. Da warb ängstlich, sprach vmr allem Möglichen, und bald «rat Satustrchhe ei». Mir giug die« fo sehr z» Herzen, I« alsbald hinauSeilt«, um Hülst herbeizuholeu." Der HauSwirch erhob sich; dann sprach er: Frauen laste» aber lange auf sich warten. M scheint sich nicht besonder« zu beeilen. Ich werde mich sttzt entfernen, da für «ich hstr ja d«h nnbt« zu thun .Aber eine Frage gestatte« Sst mir, mein Herr," wa»! er sich i» Fortgcheu leist an Friedheim, ,«a« wird ~ an» den elternlos« Knaben?" »Für diestn werde ich sorgen." entgegnete F flüsternd, »er soll, so weit e» möglich ist, sei« verlo Titern nicht vermissen.' »Da» ist brav von Ihnen," sprach, der H»u»wirth Friedheim die Hand reichend. Dann entfernte er Kch. Joseph Löwen hatte während der Lawostnheit tat, wirtb» im Zimmer schweigend und anststiaeud thml» lo» seiner Umgebung gegenüber dagestanden. Sein Knabeuoatlitz. au» dem der tstst Schmerz die blühead« 8M «trieben und da» von einer fahlen Bläffe überzöge» hastete unausgesetzt am Bode». Er wagst e» nichh sei, Blick z« der im TodeSschlase verharrenden Mutter hiuü» schweistn zu kaffe», jedoch nicht etwa au» Scheu und bischer Furcht vor dem Tod«; nein, er befürchtete hefttgen Au«bruch de« Schmerzgefühls, da» seine Brust wogt», und er mußte doch seme Rübe und Ucberleguug bewahren, da er so einsam und verlassen dastaad. Ja eiasa« und verlaffen war er nua! Bater Mutter war nun auf eiumal geschieden! Aber sei« vertrauen verließ ihn nicht. Wnßte er vielleicht schon, sein Helfer ihm so nahe? .Joseph!" drang e» da au sein Ohr. ES war Stimme Fnedheim'S, die er vernahm. Der Bann war brachen, die Züge belebten sich immer mehr, langsam K stin Blick und sein« trockenen und doch so liefst»« gen schauten auf de» Rufätden. .Joseph, sobald die Frauen eingetroffen sein um Deiner verstorbenen Mutter den sttzst» Liebesdienst erweist», wirft Du mir folgen, denn hier kann Deine» Bk ben» nicht «ehr fein." .O, lassen Sie «ich hier; wie könnte ich mich von theurru Mutter stlbst im Tod« trennen?" warf der ein, und jetzt, da er von der Mutter scheiden sollt«, sich wieder ein heißer Thränenstrom Bahn. . .Ich weiß Dein Verlangen ru wüidiae», doch kor ,und darfst Du unter keinen Umständen hierbstibea. 'wirst einstweilen in meine« Hause wohnen." Jetzt erschieuen die längst schon erwartete« Fra welche nunmehr da» Erforderliche, da» Entkleiden der Leiä und die verschiedenen andere« Dinge besorgten. Nachdem Friedhei« Zweien von ih»:n den Auftro theiltr, dir Todstuwache zu übernehmen, erfaßte er J^ «d. und dieser folgte ihm zögernd, »och. einen in« n Blick auf hie «ervärst werfend. iX.' torbmen, ehemaligen Kaffvchgst» " Löwen, ringe leitete Unb fnltast. Der übrige Ä. Werthbriefe» blieb verschwand««. E» wurde wohl M&jti demselben Abend im Löwenstchen Hause, trotzdem dasselbe > Leiche der Frau Löwe» folg, eine Durejjspchuug aller gluglicheu Räume vorgeuomme«, aber ohr« jegliche»! Der Umstand, daß Hst Hummern der Banknote« «chtt »«zeichnet waren, erschwerten-dt« Wstdere ' ßr machten nu« -solche wohl uumabrschemlichkounst sie ruhig, ohne irgend welcher Gesehr sich

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