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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 45 (1892) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
45 (1892)
Date
1892-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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$tranlecfl'fen von Dr. Dt. N«h«er in Magdeburg Zur Unterhaltung >«nd Belehrung für die israelitische Familie. Halt* ®'* bchnld der VLter. Eine Urzl-ln»,» von I.Herjberg. (Forts.i — Bildchen au» derlieiseniappe.V. (Schlutz.) Bo» S. Lren. Herbftsiurm und Lichlbltck. von «. Treu. — «u» dem Sprachschatz de« Talmud. Poetisch übertragen von Max «einderg. R-ihsel-Ausgabe. — RLihsel-Stzsung. (Undrsngtrr Nachdruck an« diese» «litte ist nntrrsagt.) ' Z»ie Schuld der Mter. Eine Srplhluog von I. Herzber,^ m (5ortff*uBg.) »Und sollte dem Vater wirklich ein Unglück zugestoßen sein?" Co fragte sich der Knabe in seiner namenlosen Angst. £ Da schreckten ihn Schritte von außen aus seinen furchtbaren Grdankm auf. Cr hörte die Thüre leise sich öffnen und F anstlickrnd traf fein Auge Herrn Emil Friedheim, der mit ttübrm fragenden Blick auf daS Bild des Todes vor ihm hinschaute. »Mein Bott. waS sehe ich? — Was ist hier geschehen?" 7. Dies« Fragen stieß Herr Friedheim hervor, a r dir Lrxhe der T - Frau Löwen hcrantretend. »Sollte ich vielleicht schon zu spät gekommen sein?" sprach er dann leise vor sich hin, »und sollte die Schnckens» £ runde ihr von anderer Seite gebracht worder sein, wodurch : ihr Ende herbeigeführt wurde?" Joseph Löwen erhob sich alsbald, als Frirdhrim näher getreten war und auf's Reue brach ein heiße:: Thränenstrom , ans seinen Angen hervor. - Er ries, laut ausschluchzend: »Wo ist mein Vater? Warum 7/ kommt er nicht heim? »Sri ruhig, mein Sohn," sprach Friedhnm mit sanfter, bewegter Stimme. »Du bist ein guter, braver und veesrän- > V drger Knabe. Du hast gern, ohne zu murren, da» Unglück f Deiner Eltern, von dem sie bisher unausgesetzt heimgesucht worden sind, gelheilt. Du hast von des Lebrus Fnude noch »ichts genossen, sie in Deiner Liebe zu den Deinige« aber auch »och nicht entbehrt. Dir ersetzte die Liebe der Mutter Alles. Du wirst daher auch still und ergeben das Unheil «tragen, da» Dich heute trifft." Herr Friedheim hatte, während er diese Worte sprach,' dir Hand des Knaben ergriffen und ihm liebevoll in die * ,7Ang« geschaut. Dann wandt« er sein Angcsicht wieder der Lriche zu und sprach mit gedämpfter Stimm:: J »Armes Weib, wie wohl ist Dir jetzt, da Du auSge» W ruageu l" W* '■ »Aber kommt der Vater nicht heim?" begann jetzt 7 'Joseph Löwen in dringendem Tone. »Wut wird er wohl; sagen, wenn er di« gute Matter nicht mehr am Leben findet!" i^V W> Frichheim war tief ergriffen durch die Wmw de» ahnungS» -7" losen Kindes, das von dem schwerem Beschile, da» seinen betroffen, und von welchem es selber nicht mtkrthrt keinerlei Kenntniß hatte. Er erwvL wie er de» Kncmm -. aus tms Entsetzliche vororrrit« sollt«. Ohn« Kenntniß von de» Borgesallenen dnrste und konnte der Knabe keineswegs i.^chleibeu, da mit de» heutige« Tage sein Lebwsschicksal eine «Wer« Wendung «ehmen sollte, denn Friedheim hätte sich 7^ schon im Herzen gelebt, sich de» Knabe» auzunehmrn. Er wandte -sich daher a»,deu Knabe« mit den Worten :.V - bist schwer heimgesncht worden liexr Sohn» Du i-1 . Vr.- & Ijast eine liebe Mutter verloren. Ich lann Dir aber nicht verhehlen, daß dieser Schlag de» unerbittlich harten Schick». salS nicht der einzige ist, den e« Dir versetzt hat. Dich hat noch Schwereres getroffen.- In ängstlicher Spannung hasteten die Augen de» Knaben an de» Lippen de» Sprechenden. .Wo» ist geschehen, oBott, was werde ich noch hören?" rief Äsrph- »Dein Vater war im Begriff, einen Auftrag zu erledigen, als er plötzlich von einem schweren Unwohlsein fofall?.' wurde." r’L. ängstlicher Spannung hangen die thräneufeuchcen Auge» ves Knaben an den Lippen des Sprechenden; ab« kein Wort entrang sich seinem Munde. Ein stechend« Schmerz durchwühlte sein jugendliche« Her,, da», ohnehin schon so schw« belastet, nun noch eng« zusammengepreßt ward. - Friedhrim nahm den heftigen Se«lenschm«z des nun verwaisten Knaben wahr, und rief schnitt auch ihm da» herbe Beschick dcS so schwer heimgesuchten Kinde», da» du» ih« betroffene LooS nicht selbst verschuldet, daS ach, -wildern« so schw« zu tragen hatte durch die Schuld des eigen« Val««, jinS .H«z. »Di« Sckuld der Vät« sollen die Kind« büßen," murmelt: Friedheim leise, einen tieftraurig«, mitleidsvollen Bcick auf Joseph Löwen werfend. Dam» übe», legte «, wie er diesem in schonendst« Weise die volle Wahr« hett bekunden könne, die der Knabe vielleicht wohl schon ahnte, di« ihm jedoch nicht vorenthalten konnte und durfte. »Was ist meinem Bat« denn zugestoßen?" stieß Joseph mit bebender Stimme hervor. »O. sagen Sie mir Alles! Ist « auch todt?" »Mein liet« Sohn," entgegnet« Friedheim weich, »faste Dich und vernimm, daß Du nunmehr auch vaterlos bist. Dein Bat«, d« infolge eine» Herzschlages in eine riese Ohnmacht versunken war, ist au» dies« mcht mehr erwacht." Aber seltsam, die Wirkung dies« Worte, die für d« Waffenknaben eine sc schwere Hiobspost in sich schloff«, war auf denselben ein«' ganz ander«, als Friedheim erwartet hatte. Wohl starrl» dce Augen Josephs den vor ihm stehenden Mann an, ab« der Thränenquell schien bei ih« versiegt zu sein. Mcht «ging « sich in lautem Wehklag«, nein «in« faßt uaerklärliche eiserne Ruhe war plötzlich üb« ihn gekommen. Er fragte «ur: »Wo ist denn jetzt d« Bat«?" »Seine Leiche besindet sich noch in meinem Beschistslokale, wohin sie gebracht wurde. Und nun, mein So^ gieb mir Aufklärung darüber, wie es gekommen, daß D««e- Mutt« so unerwartet schnell vom Tode getroffen umrdr." Eben wollte d« Knabe antworten, als plötzlich di« Thür aufgeriffen ward und der Hauswirth g«üuscwurll eiu» trat. Er schien völlig außer Ache« zu sein. Mühsam stieß « die Worte hervor;

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