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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 44 (1892) · p. Seite 173

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
44 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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ffftttffr, HÜHifc Iftab f^rot htzche Thränen vergehn», mit seiner (etes*- Land fiter Gesicht und Wangen der verklärten, »d, die Todtenkälte verscheuchen zu lfinrrrn. Er erster bald sein vergebliches Bemühen: e« ward chm Gewißheit, daß die geliebte Mutter von ihm geschieden immer, daß ihr liebe-, gute- Auge ihn nicht mehr anhen tonnte, d.iß er nunmehr mutterlos geworden. Mit schmerzerfülltem Ausdruck hastete sei» Angesicht der Gestalt der tobten Mutter, dir je<U ihren ewigen a gesunde« {unb durch einen mitlettigcn Tod allem «er «ntrückr «orten war, der auch über sie wieder einbrrckien sollt« und den sie schon unter bangen Ahnun- H in seltsamer, fast prophetischer Schau vorempsunden. kwar aber, al« habe die Geschiedene mit Freuden den sie taten Tod begrüßt, denn ein stiller Friede hatte sich ik»e Gesichtszuge gelegt,- ja ihre Lippe«, di« noch unelbar vor dem Hinschnden von heftigen Zuckungen ge- »orten waren, umspielte jetzt ein leichte« Lächeln, da« » ganzen Antlitze mit seinen, wenn auch geöffneten und rr;'«« Leer« schäumten, glanzlosen Augen ein beruhigen- Gepräge verlieh und bei dem Beschauv: «in Gefühl der nicht auskommen ließ. Joseph Löwm ward aber doch bald von einer namenlose» Angst erfaßt; er war rathloS. Die Hilfe de- HauS- »irlhS burb ar>S. Selbst fremde Hülfe hi rbeizuholen vermochte er nicht, da er seine tobte Mutter nicht allein lassen konnte, und der Batrr vielleicht bald heiinkehren würde. Da erinnerte er sich der Andeutungen de- HauSwirthS, .die eine so furchtbare Wirkung auf die Mutter auSgeübt und ihren Tod herbeigeführt hatten. Er wartete von Minute zu Minute; kein menschliche- Wesen ließ sich blicken. Er war allein mit dem Tode, zum ^mstm Male übt« er eine Todtmwoche au- und diese bei '"der eigenen Mutter, deren LiebeSworte er nicht mehr verhmen sollte. Unzählige Male hatte er sck on aus den Einte« WohnraumS geblickt, hoffend, cm mmjchlichel «intrrtm zu sehen. Niemand erschien in diesen ban- > schweren Augenblicken. (Schluß folgt). Mkdche» a«» der 'Aeifemuppe. fitz IV. Der Ausspruch: 22PS Ute staurmt unzweifelhaft s»S dem Munde und aus der Feder einer gewiegten Autorität. Unser Wirth und das Gesicht der sich in raßher Aufeinander- 'tge einfintenden Gäste zeigten ein volle« Verslä"dniß der ««reichen Sentenz die everdient, als Randverzinung zu Bildchen besonderauSgeschnitzt zu »»erden. Unser Autor wußte auch sicherlich zu unttrscheiden zwischen . Speisen an unsrrm gewöhnlichen, alltärlichea Familien« e und dem an einer kremten Tafel; rv esich handle f^um da» Stillen de» Hunger« in gewotmter, alltäglicher is«, oder ob die Mahlzeit noch andern Zrxcken dimm soll, letzterem kann man unbedenklich die Tubl« ck'düto im Men Gasthause rechnen; selbst unsere «tlegner haben am zchm Tische noch keinen durchschlagenden Makel gefunten. den anderen Zwecken gewinnen die au»g«sprochenrn I- oder Weg-Essen, wie sie heutigen Ta,)«« in Ausnahme »men sind, unstreitig eine höhere Bedeutung. Heutigen Tage« wird aasiandShcttder einer verdienstvollen Persönlichkett ein Zweck-Weg-Essen veranstaliet, rvenn sie, — " alich der Mann, von seiner Stellung Absü-ird nimmt, oder solcher ihm gegeben wird. Er wird durch da« Abschiedunter Sang, Ktaug und Lobreden m>d bei gehotener ^eutng weggegefsrn. — ^zweckmäßig bewährt. Sie hat bekanntlich ihren königliche« Gemahl zu einem solchen Ztvrckessen gebeten und dazu da« Muster aller Antisemiten höflich zur Tafel geladen. Der Urantisemit fand sich geschmeichelt — er erhielt seinen Abschied und ward — erhöht An einer Gasttafel in der Fremde finden sich Menschen au« verschiedenen Windrichtungen zusammen, und da ist e« interessant, baldmöglichst zu wiffen, na« man an dm ver» schieden«« Tischgenoffen hat. Nun hat zwar ein jüdische« Sprichwort drei '2 <W2 0720^0)') al» »vesentliche Eheirakterverräther hin «stellt. Inteß wird jeder gute Beobachter zu» geben müssen, daß der »vichtigste Perräther der Geml>th«art, de« Anstandes und te» Geiste« in der N^tt. — (den, 2 mit dem vorgrschlirbrnen t«) steckt. Darum steht auch in dnc Aufforderung zur Freute daS Essen vor dem Trinken tnhp TDW» Au« dieser Erwägung muß auch der jüdisch« Äastwirth mehr Bervicht auf da« Erste, als auf da« Zweite legen, nährend sei« christlicher College den Tondruck auf da» Trinkrn legt — So gleicht sich alle« au« in der menschlichen Gesellschaft, rvie in ter Natur. Bei jenem ist da« Esten, bei diesem da« Trinken die Hauptsache, wonach jeder seine Rechnung macht und findet. Welche herrliche Eharakterstudien kann man doch an den da« Esten begleitenden Gewohnheiten und Manieren kt Jüdin, vnen machen! Es läßt .tiefblicken-, wie dieser den Löffel oder die Gabel saßt und zum Munde führt, rvelcheS Tempo jener beobachtet, wie ein anderer die Schüssel auf ihrem Gauge zwischen Thür und Tisch mit Hofaugen (nach Börne) prüft, wie der Eine die Speisen mit Worten zu würden weiß» der Andere, sein Nachbar, bescheiden hört und schweigt, um desto fleißiger mit Seele und Leib bei ter Hauptarbeit bleiben zu können. Er läßt sich nicht stören, nicht ablcnken. Cr sitzet fett auf (rinn Stelle Und denket nicht an (Bott unb Hülle, (M könnten um ihn her die Donnerkeile blitzen; Und sollte auch der Himmel schon Mit Krachen seinen Einfall droh'». Er weiß dt« Zelt recht au«t»uutze» (Krei nach Lichtmehr). Trotz aller Eharaklerverschictenheit verbindet dennoch die auSgleichende Harmonie die Gäste an ter Tafel de« i-racli« tstchen lüirthe« enger al« die de« nicht-jüdischen Hotelier«, der Geist ter Zusammengehörigkeit zieht und weht all »ie an di« zum Tische de« Koscherwirthe« gehen. Bei ihm liegt keine Rangliste auf, und ter die Gesellschaft steif lackierende Titel die zum Ausdruck gebracht rverten müssen, giedt r« weniger unter un«. Spreizt Euch, oder thut verschämt, wie Ihr wollt, die Ihr e« ander« meint; wer zum rituell servirten Tische kommt, reiht sich stillschweigend in die Gesellschaft ein, und Einer scheint dem Andern unausgesprochen zuzuflüstern: .Wir kennen un«! soir sind, tote btt Brüter Joseph» sagten, »Wir sind alle Kinder Eine« Manne«- — darum fort mit ritlem Titel, wir sollen alle «in Stangschild tragen, nirht auf ter Bast, sondern im Herzen, al« wahre Söhne Abraham«, — Söhne der Barmherzigkeit. Und wer hätte mehr Gelegenheit und Pflicht zur Beihättgung dieser Herzensschrift, al« wir. — Da« »st ter geheime Zauber in dem jüdischen Gastzimmer in der Fremd«. — ' Möchte dieser Zauber auch daheim in ter Gemeinde allüberall zu -gemeinschaftlichem Thun die Familien eng verbinden! — Allerdings machten sich schon beim Anmarsch« zur Tafel Unterschied« bemerkbar, aber bit|t störten die Harmonie ganz und gar nicht. — Einige schritten an ein Waschgesäß, «a ') Da« taimuMföe Sprichwort liehe sich im Deutschen durch t£f,i 8 wieveraeden: „Man erkennt denMeaschrn beim Zahlen, nnd Zürnen . . .^ —

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