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Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 41-42 (1892) · p. Seite 163

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
41-42 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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' „Wenn nun aber wider alle» Trv arten Deine Hoffet «nngen-nicht in Erfüllung gehen sollten?" warf die Tochter» Um. „D, ich mag nicht daran denken? Nicht allein wer«' chen unsere Wünsche sich nicht verwirklich:», man wird in ^Ic^tcr Reihe Dir die -Schuld an einem etwaigen tragischen Ausgange der Sache beimeffen."' ' .Denke nicht an einen solchen AuSgang, er wird nicht erfolgen, ich bin dessen gewiß. Warten wir also den fest« gesetzten Zeitpunkt ab." Trotz der beruhigenden Worte venmchte Meta Salden sich der sie in immer stärkerem Maße beschleichenden qualvollen Gedanken nicht zu erwehren. Ihr scharf berechnender Verstand erwog alle Eventualitäten, die möglicherweise ihre Zukunstsideen, die ihr Bater ihr eingeimpft und die immer mehr ihre Denkweise und Denklichtung in ganz andere Bahnen lenkten, in ein Nichts zerfallen lassen konnten. Sie war bisher ein ruhiges, bescheidenes Märchen gewesen, daß mit der Außenwelt sehr wenig in Berührung gekommen, da die häuslichen Pflichten sie ganz ans Haus bannten. Die .Welt mit ihren rauschenden Vergnügungen war ihr ziemlich fremd, da sie als mutterlose Waise sich ihnen nicht hinzugeben vermochte und ihr Vater ansland, sie solche genießen zu lassen. Was sie von der Welt kannte, war nur erlernt, erlesen aus einer Unterhaltungslektürc, bei deren Auswahl sie stets nach eigenem Ermessen handeln konnte, da der Bater, der ganz seinem umfangreichen und so weit verzwergten Geschäfte zu leben hatte, sic hier -nicht beobachten, bewachen konnte. Unter diesen Umständen war es nicht zu verwundern, wenn sie sich eine selbstständige tziedankenwelt aufgebaut, in welcher sie lebte und in deren Lichte sie auch die reale Welt um sich her schaute und beurtheilte. Nun hatte der eigene Vater gewisse Gedanken, die längst bei ihr geschummert, zu Leben geweckt, hatte diesen Gedanken ein festes Gepräge, eine scharf gezeichnete Richtung gegeben, und sie hatte unwillkürlich darauf reagirt. Sic lebte seit gestern vllllig im Banne dieser Ideen und chre allzu lebhafte Phantasie hatte schon die sarbenprächtigsten Zukunftsbilder sich -entworfen. (Fortsetzung folgt.) Bildchen aus der 'Aeisemappe. lll. Mit dem AuSsteigen an der Station R. und der Suche nach einem jüdischen Gasthofe war der elfte Riß in unfern Reifeplan gemacht, die erste Sünde gegen unser Programm begangen. Da» unsere ist in wirklichem bürger- »ichen Sinne zu nehmen, denn ich muß den Schmuck der Größe und Arrlichteft, al» mir nicht zukommenden Titel, bescheiden Anderen überlassen. Nach diesem, der Wahrheit und dem Wesen entsprechimden Bekenntnisse darf ich ein Zweite» nicht unvermerkt lassen, nämlich die so alte me allgemeine Wahrheit, daß jeder Sünder sinne entlastend« und beschönigende Erklärung al» Entschultigung vorzubringen weiß; da» ist die alte und stets neue GfchMe der Sünde non der Erbsünde. Dieser Süud« hatten sich schon die beiten ersten Menschen schuldig gemacht damit ab« auch ein Erbe hinterlafsen, üb« dessen Wahrung alle Evassbhne und Adamstöchter seit dem Verluste de» iSaradiese« sorgfältig wachen, ui« St. Peter an der Himmelsthür und derEerberu» an dem heidnischen Tartaru». — Die erste Sünde, welche bekanntlich alle folgenden nach --sich zieht, wie d« Bock die Schafe, und sollte r» zur Schur tu» Wasser gehen, erklärt sich folgend«maßen: Unser Reiseplan — da» .uns«' erklärt sich durch di« vorsorgliche Theilnahme «ein« Lekenöreisegefährtin an d« iKnfe — hatte sich al» Ziel de» ersten Tage» da» RIosachal und m demselben Eoche» gefetzt. Bon eine» Reifetuudigen war uu» Eoche» und d« jüdische Gasthof -daselbst (S. Hem) besonder» empfohl«,, und wie wir spät« auszuführen nicht unterlassen dürfen, ist die Empfehlung wohl v«dient. Wir rvaren gegen vier Uhr morgens in d«, Frühzug eingestiegen und hatten beim Herannahen des Mittags so ziemlich die Länge eine» Wintertage» abgerollt. .Wir lange noch in dieser dumpfen, erschlaffenden Schwüle?" fragte meine Reisegefährtin. .Bi» in den späten Nachmittag werden wir aushalten müssen, wenn wir unser erstes Reiseziel planmäßig erreichen wollen," sagte ich etwas kleinlaut. .Nun bin ich aber der Meinung, daß eine F«ienreise zum Vergnügen und zur Erholung dienen soll, da darf man sich nicht in den «sten Tagen adhetzen, sonst verdirbt man sich den Appetit, die folgenden Tage bekommen dann auch nicht gut, und — die spätere Rückerinnerung kann keine heiteren Bilder malen." Indem sie mir dieses zu üb«legen gab, meldeten sich auch schon zwei Verführer, der erste, das Ruiidreisebillet, welches sie in der Hand hielt und hineinblickend sagte: .Ei, da stehen ja vor unserm Cochem nrch mehrere Stationen als Anhaltspunkte verzeichnet." Ehe ich z»m richtigen Verständnisse der Hintieutung auf die Rundreisesahrkarte gekommen war, verhals hierzu in liebenSwürdlgst« Zuvorkommenheit ein Mitreisender, al» zweiter Anführer, indem er erklärte: „Gestatten sie mir auf die nächste Station aufmerksam zu machen, die nächste Stadt ist nämlich recht sehenswerth, sie liegt reizend, sehr romantisch, hat historische Merkwürdigkeiten, und wird deshalb von manchen Turisten nicht überschlagen. Es ist sogar ein jüdischer Gasthof dort, in welchem man, wenn keine hohen Ansprüche gestellt werden, ziemlich gut logiert und einen gut«« Tisch findet." Er schaute zum Wagenfenst« hinaus und fuhr, sich zurücklehnend, fort: „Hi« können Sw R. schon sehen!" Meine Reisegefährtin schaute ab« nicht neugierig hinaus, sondern sah mich fragend und bittend an, ich verstand ihren Blick, dankte dem freundlichen H«rn, griff nach Handtasche, Ueb«zirh«, Stock und Schirm. D« Zug pfiff, da» Eoupoe wurde geöffnet und wir befanden uns bald in d«a Gastzimm« de» uns bezeichneten Wirthe». Bei der Einkehr in eine Gaststube an einem fremden Orte, empfind« man, je nachdem, anfangs ein« Beengung oder soso« rin gemüthlicheS Anheimeln. Letztere» webte un» gleich hier entgegen. Ein einfach und faub« geneidete» Mädchen war mft dem Zurechtordnen de» Tisckie» beschäftigt. Gerade d« EingangSthÜrr gegenüoer hing ein große», kunstlose» Riornob, zu dessen recht« Seite ein Bild, Abraham» Opfer, link» Daniel in d« Löwengrube. Das Mimoh ist den Fremden von groß« Wichtigkeit» es zeigt die Himmelsgegend sicher« als der Hahn auf dem Thurme; e» zeigt woh« die Spenderin dä Lrcht» und der Wärme kommt. Licht und Wärme sind die ersten und beständigen LrbenSbedingungen, und wir sollen ja da» Licht suchen, chm entgegenwandeln. Raum hatten wir an da» Mädchen die sZrage, ob und wann wir hier speisen könnten, gerichtet, so kam auch d« Wi«h mit freundlichem Gruße durch eine Geitenthür auf uns zu. In sein« Anrede ließ « einige neugierige Fragen: Wob«? w«? warum? weil? schüchtern einssielen, Äh ab« umkleidete mich mft d« .Macht de» Geheimnisse»". — Da r» bis zur Eßzeft noch etwas dauerte, so lich ich eine Masche .Wein bringen, und holte mir von einem Ecktisch «ine Nolle Zeitungen. Der Wi«h entkorkte die Flasch«; stellte sie auf den Tisch; sah mein« schnellen Musterung zu und bewirkte auch; «e uh mft leichtem Ikopfschütteln die Zeitung« von mir schob. „Ist nicht» für Sie dabei?" .An de» Titel «ne» Artikel» und den crftt* Sätzen habe ich gcm^, ein un» so gehässige» Blatt in eine« jüdische»

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