Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1892-01-01 · 41-42 (1892) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1892
Issue
41-42 (1892)
Date
1892-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492351-8722847-5962168--1995-5375447
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

lächelnd. »Ader sagen Sie doch: Wen? Und Hab« ich dann gleich die große Summe zur Verfügung?" »Nun. mein lieber Herr Lieutenant." begann jetzt Salden in freundlichem Tone, »die Fragen, die Sie hier aufwerfen. könnte ich Ihnen vielleicht lösen. Ich hätte Ihnen einen ganz annehmbaren Vorschlag zu machen, und würden Sie auf denselben eingehen, würden Ihnen nicht allein die in Betracht kommenden Summen sofort zur Verfügung stehen: es würde Ihnen auch noch ein Erkleckliches darüber zufließen." »Ei. Herr Salden." entaegnete der Lieutenant, der bei diesen Worten, die ihm eine Erlösung aus der bitteren Verlegenheit zu verheißen sckicncn, erleichtert ausathmete. »wenn Sie dazu im Stande wären, würden Sie mich außerordentlich verpflichten. Sagen Sie mir, welche Dame ist es. die Sie mir in Vorschlag zu bringen hätten." »Die Dame ist wohlerzogen, bescheiden und anspruchslos. Sie ist Ihnen nicht unbekannt." Der junge Mann war immer gespannter geworden. Salden wagte noch immer nicht, das entscheidende Wort auszusprechen. Es mußte aber doch einmal geschehen. »Und wir heißt die junge Dame?" fragte Wiedenhof. »Die junge Dame heißt: Meta Salden!" sprach Salden mit lauerndem Mick und etwas unsicherer Stimme. Kaum war der Name des genannten jungen Mädchens über die Lippen Saldens gekommen, als der Lieutenant sich sofort erhob. Eine tiefe Erlegung hatte ihn ergriffen und eine flammende Röth« hatte sein Gesicht überzogen. »Mein Herr, wie können Sie bi* Kühnheit besitzen, mir einen solchen Vorschlag zu machen. Ihre Kühnheit gnnzt schon an etwas, wofür ich die gebührende Bezeichnung nicht wählen mag. Ein Judenmädchen soll ich heirathen, die dazu noch den Kreisen fernsteht, denen ich angehörr, und die dott niemals Aufnahme finden wird? Mein Herr, Sie haben sich arg verrechnet. Wenn Sie glaubte«, mich einzuhaudeln, so sind Sie im Jrrchum. Ein von Wiedenhof wird kein Judenmädchen heirathen!" Nun erhob sich auch Salden. »Was aber wird der Herr Lieutenant thun, wenn ich morgen di« Wechsel nebst den Ehrenscheinen dem Herrn Regimentskommandeur zugchen lasse; wenn ferner morgen die Ehrenschuld unbeglichen bleiben wird?" »Herr, Sie wären im Stande . . . ." keuchte der Lieutenant, kaum noch seiner Sinne mächtig. »WaS bleibt ein Anderes zu thun übrig?" entgegnet« Salden ruhig, »man wirst , so leichten Kaufs ein« so große Summe au» dem Fenster hinaus?" Der Lieutenant schwieg. r »Glauben Sie mir, daß ich keinerlei unedle Absicht habe, wenn ich Ihne« vorschlage meine Tochter zu ehelichen. Sie wären nicht allein sofort aller Ihrer Beqfflichtungrn ledig. Sir würden auch ein sorgenfreies Leben führen können." Da lachte der Lieutenant plötzlich höhnisch auf. »Mein« Kameraden werden höchst erfreut sein, wenn ich Zchner. demnächst ein Judenmüdchen als meine Braut vorstelle." »Run, mein lieber Herr Lieutenant, ich Aaube dagegen, daß so mancher Ihrer Herren Kameraden gern ein reiches Judenmädchen heim führen würde, wenn sich ihm die Gelegenheit dazu darbietet, um mit dem Geld« sei» Adelsschild auf« Reue zu vergolden. Dies« Gelegenhest bietet sich nicht täglich. Sie haben nun jetzt das Glück. auS allen Talamatitäten herauSzukommeu, wen» sie sich meine« Wunsche nnd Willen fügen wollten." Der Lieutenant batte schweigend zugehört. Er mußte sich gestehen, daß er sich in gar arger Bedräugniß befand. Nirgends sah er, so sehr er sich auch sei« Hirn zermarterte, einen SuSweg. Er hatte nach seiner Auftastung zwffcheu zwei Nebeln die Wahl zu treffen. Hier drohte ihm Schmach und Schande, wenn« seinen Verpflichtungen nicht als Kavalier sein mehrfach gegedmeS Ehrmwort nicht eia» lösen konnte. Und dieser ^Schmach mußte er aus alle FülleauS dem Wege gehe», eine Kugel nur könnte ihn dmme bewahren. Dort aber würde ihn der Spott seiner Kameraden verfolgen, wenn er auf die Vorschläge Saldeneingehen würde. In beiden Fällen jedoch war ihm seine Earriere abgeschnitten, denn in beiden Fällen würde er nicht mehr in denjenigen Kreisen geduldet werden, in welchen er bisher gern gesehen worden war. : Salden meiste den schweren Kampf deS jungen ManneS, und er sprach daher: »Sie betonen stets das Judenmüdchen, wenn Sie. von meiner Tochter reden. Muß diese Ihnen unter allen Umständen als »Judenmädchen" die Hand zum Ehebunde reichen?" Verwundert schauete von Wiedenhof den Sprechenden an: . »Wie soll ich das verlieben? Bitte sprechen Sie deutlicher?" »Nun," entgegnete Salden, »meine Tochter würde Ihren Glauben annehmen. Hierdurch würde Ihnen die Erfüllung meiner Wünsche um Vieles erleichtert werden. Sie würden J dann nicht mehr eine »Jüdin" zur Gatttn nehmen." Der Lieutenant antwortete nicht sofort. Dann begann , er nach kurzem Sinnen: . »Herr Salden, verlangen Sie von mir jetzt nicht daS A entscheidende Wort. Gewähren Sie mir bis morgen eine^ Bedenkzeit. Einen festen Entschluß kann ich diesen Augenblick in dieser so folgenschweren Angelegenheit nicht fassen." »Nun gut. ich ermatte Sie morgen Vormittag um zehn Uhr. Ich hoffe in Ihrem eigenen Interesse, daß Ihr Ent-?l schluß meinen Wünschen entsprechen wird." ■ < Nach kurzem Gruße schied der Lieutenant von Wiedenhofs von Leo Salden. — S Dieser versank bald in ein Nachdenken. Die verschiedensten Gedanken beschäftigten ihn. Insbesondere erwog er die Maßnahmen, die er zu wählen habe, um all die Gelder flüssig^ zu machen, deren er in allernächster Zeit gebrauchte. Denn'-' er zweifelte keinen Augenblick daran, daß von Wiedenhof seine Tochter und sein Geld dem Ruine, dem Tode vorziehm $ werde. »Dreitausend Mark will der Lieutenant sofort haben.? Woher soll ich sie sogleich nehmen?—DaS Accevt von Friedhei«, 'i das er mir am heutigen Nachmittage zu senden verspracht lautet nur auf zweitausend Mark. — Hätte ich nur gleich die Summe auf viertausend Mark angegeben, Friedhei« hätte mir auch dann daS GefälligkeitSaccept nicht verweigert."- In diesem Augenblicke ttat sein« Tochter Meta herein.^ »Ich sah den Lieutenant m'.t einer recht verdrießliche» Miene auS dem Hause gehen," sprach' sie zu ihre« Vater.^ »Hat er Dirvielleicht ein« Scene bereitet und weigert er sich, auf Dein Verlangen einzugehen?" »Geweigert hat er sich wohl nicht, jedoch verlangte er X Bedenkzeit, btc ich ihm auch gewährt habe. Ich denke aber, daß ich Dich in nicht gar all zu ferner Zest als Frau von:räg Wiedenhof werde b^rüßen können." Meta Salden erröthete nnd senkte de« Blick zu Bode«. J »Ach, Papa, mich beschleicht eine so große Unruhe, ich * y kann eS mir nicht erklären, warum? So sehr ich nnt Dir sehulichst wünsche, daS einmal gesteckte Ziel »u erreichen, so -. sehr peinigt mich der Gedanke an daS Aufseh«», daS mtM Sache bereiten muß. Du darfst Dir nicht verhehle«, daß ,5:;V wir manchem Spott, manche« Hohn, manch verletzoGer W9j Stachelnde auSgesetzt sei« werde», um so mehr, als unser HauS stet« als ein streng religiöse« gegolten." »Quäle Dich nicht mit derartige» Gedanken. Gewiß man wird reden, vor Verwunderung in die Hände schlage« Doch wie lange? Sobald Du die hiesige Stadt venastea babm, uud Du au« dem Bereiche der Blicke Aller aekonune» sei» wirst, wird auch diese« Gerede verstnmmeu. Und wer weiß» wie lange meines Bleiben« in H. noch sei» wird, wenn £ < ich erst Dich Deine« zukünftigen Gatte» zugeführt habe^ -■i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.