Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 41-42 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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” $«m«gcgtbtn Bon Dr. M. Nntzmer in Magdeburg. Jtt KürrtzoitLLS xxl Ktlrtzrufftr Int j-rttiMe -milir. x» X > Di« Schuld der Liter. Eine Erzählung vim J. Herzberg. (Aoris.l — Bildchen au* der Reisemapp«. III. — Mahrill “V-VflJ) rttlDfllt! I» «egeudburg. - «äthsei.«uss,aben. — «äthsel-Läsungen. — «eilnge r Ein jüdilcher «ardinal. — Der Märlyerer von Dr Mendorf. V " Bia Geschlchrsbild au« dem Mittelaller von Leopold Mandl — Au« de« Gpruchschatz de«Talmud Bon M. Weinberg. «llndesugter Aachdrnrk au« diese» vlnttr ist nntrrsagi.) Me Schuld der AAer. Ein« Erzählung von I. Hrrzberg. lös (Fortsetzung.) Sieutnumt tturt von Wiedenhof mochte ungefähr sechs lmd zwanzig Jahre zählen. Seine ganze äußere Erscheinung, ter stets herere Ausdruck feines intelligenten Gesichtes, das «inen stattliäsen, dunkelblonden Schnurrbart zierte, lieh darauf schließen, dass er immerfort darauf beiracht war, des Lebens Schattenseite möglichst zu meiden und nur die freundlichen, bellen Wege bc*|«;.bcn zu wandeln, auf welchem liebliche/ verauschend duftende Rrsen verlockend prangen und zum Genüsse köstlicher Gaben einladen. Sein Temperament ließ es nicht zu, den Sorgen des Erden dafeinS irgend welche Macht über feine Stimmung einzurärmen. Der Besitz reicher Mittel wäre ebensowenig im Strnde gewesen, ihn bei Verwendung derselben zu kalten Berechnungen zu verleiten, al» der thatfächlich vorhandene Mangel an vermögen ihm irgend welche Besorgnisse wegen sein«» Fortkommens einzuflüßen vermochte, und niemals beschäftigte ihn der Gedanke, daß die Opfer, welche ihm seine man aigfachen Passionen erforderten, in keinem Brrhältniß zu seinen Mitteln standen. Er unterschied sich aber auch insofern von so vielen seines Standes, daß ihm das stolze StandeSliewußtsein ganz abging. Er war leutselig auch in den Greifen, die nicht dem Adelstande angehürtrn. Sein Verhältnis! zur Familie Salden war daher im Laufe der Zeit ein fast freundschaftliches geworden, und diese Thatsache war eS gerade, die Salden den Much verlieh, die Verwirklichung stiner Idee «nzustreben. Mit einem freuudlichen Gruße, den Salden erwiderte, war Lirutenaot von Wiedenhof einzetreten, und nachdem er auf einem Seffel Platz genommen Hütte, sprach er in leichtem Tone: .Habe gestern wieder kolossales Pech gehabt, brauche darum heute Geld, viel Geld." .Wie, Herr Lieutenant?-, versetzte hierauf Salden im Tone der Verwunderung, .Sie brazchen Geld? Sie sind also auch nicht im Stande, die H ute fällig gewordenen Wechsel einzulösen?- .Wo drnlen Sie hin!- rief vor Wiedenhof, .ich bin ganz auf dem Trockenen, uod gebrauche bis morgen Mittag dreitausend Mart. Sie wissen - «ine Ehrenschuld — die muß pünktlich beglichen werden. Du her muß ich Sie er- ^chen, nicht allein jene Wechsel noihmalS zu prolongiren. onder« mir auch die genauutr Summe zu geben, damit ich neue Schald begleichen kanu.- Der Lieutenant hatte dies« Worte in ruhigem Tone '«sprachen, ans welchem die Zuverstht sich vernehmen ließ, wti eine Gewährung keiner Bitte »'bedingt erfolgen «erde. War er doch durch die Gefügigkeit Salden« zu immer erneude» Vitt«, ermuthigt worden, di: dieser stet« sofort «st erfüllt hotte. Heute war e« aber anders Salden antwortet: nicht sogleich auf die Bitte von Wiedenhofs, vielmehr hatte sein Gesicht eine ernste Miene angenommen und tiefe Falten lagen auf seiner Stirne. Ein minutenlanges Schweigen herrschte und allmählich begann bei dem Lieutenant eia Gefühl des Unbehagen« sich bemerkbar zu machen. Er halte erwartet. Salden werde sofort in seine Kaffe greifen und die gewünschte Summe vor ihm auszählen. Ader r« geschah nicht. Statt dessen ergriff Salden da« Hauptbuch, in welchem er eine Weile las. Dann begann er ohne aufznbl'cken: .Herr Lieutenant, es ist wohl an der Zeit, daß ich ein offenes Wort mit Ihnen rede. Ich habe Ihr Konti» berecbnet und gefunden, daß mein Guthaben eine ziewliihe Höhe erreicht hat. Sie schulden mir schon eine bedeutende Summe. Ich besitze im Ganzen acht Wechsel von Ihnen, welche in«, gesammt einen Betrag von virrzigtausend Mark reprüsentiren, eine Summe, dimir unvrrhältnißmäßig hoch erscheint, wenn ich in Betracht ziehe, daß ich wenig Gewahr ha'x, mein Geld so bald wieder zurückzuerlangen. Sir werden e« mir daher nicht verargen können, wenn ich heute Anstand nehme, durch Gewährung eines neuen Darlehns ihre Schuld zu erhöhen. Ja, ich muß es Ihnen dringend ans Herz legen, dafür Sorge zu tragen, daß zunächst die alte Schuld getilgt werde. Namentlich wünsche ich die Honorirung t»er hrure fällig gewordene« Wechsel.- Der Lieutenant hatte zuerst mit Erstaunen, ixmn mit wechselnder Unruhe diese Worte seines Gläubigers ve rnommen. Wiederholt hatte er die Gesichtsfarbe gewechielt und immer unruhiger rückte er auf seinem Sessel. Schweißtropfen perlten auf seiner Stirn und «in Zucken umspielte seine Lippe».' Jede« Wort Salden« ttas ihn wie ein Keulen schl cg. Denn wenn Salden aus sein Verlangen bestand, war ei: verloren, sein Ruin war gekommen, seine Karriere abgrschnitten. Mühsam preßte er daher die Worte hervor: „Aber, Herr Salden, wa« Sie fordern, kann ich ja unmöglich thun. Woher soll ich diese Summen nehmen? Sie sind der Einzige, der derartige Geschäft« betreibt. - .Wohrr Sie diese Summen nehmen, muß ich Ihnen ganz allein überlaffen.- Nach diesen Worten herrschte wieder ein minutenlanges Schweigen. Ganz eigenartig waren die Gedanken, die in diesem Momente die beiden einander gegenüber sitzenden Männer beschäftigten. Während der Blick des Lieutenant« starr an den Boden geheftet war, hatte Salven sein B«müber mit lauerndem Blicke fixirt, erwägend, in welcher!Äeise .er nunmehr seinem sich gestellten Ziele zusteiwr«, welche Worte er zu wählen habe, um »eu bedrängten Mann gefügig zu machen. „Wählen Sie doch denstlben Weg. den so viele Kameraden vor Ihne» schon gewähst habe«,, um zu z» kommen, «st einem Worte: hmrnthen Sie! .Ich soll Heimchen?" fragte von V