Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1892
- Issue
- 40 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/6492351-8722847-5962167--1991-5375444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der ihr sei» Herz mtptpm tragen sollte. Alle , rg»pu«ktr, die de» gewenischaftlichen Weg durch» -Leb« zu einer herrlichen Pilgerreise an lieblichen Auen darüber erscheinen lassen, würden vergeben» gesucht werden, getrennt würben stet» ihre Herzen sein, die ganz verschiedenartigen Ideen erfüllen, getrennt würden auch ihre Wege sein, und all die tzstdingungen würden vermißt werden, die einem -Eheleben Gedeihen geben. All diese Erwägungen waren Salden fremd, oder er verschloß sich ihnen absichtlich. Nur der m »mentane Leichtsinn de» jungen Manne» bereiteten ihm au» den eben angedeutrten -Gründen schwere Beunruhigungen. — Bor ihm log die eben erhaltene Leitung, in welcher über ein grstcrn stattarfundene» Wettrennen eingehend berichtet tonte. Der Name Wiedenhof wurde in erster Linie genunut. Sein Pferd, hieß e» unter anderm, da» sonst stet» einen der Preise zu exnngen pflegte, sei heute auffallender Weise al» letzte» am Ziel angelangt. Dir Zeitung nieterlegend, sprach Salten mit schweren Seufzer: „Die» leidige Wettrennen wird inich wieder ein schwere» -Geld tosten, dazu hat der Lieutenant gestern wieder im Easino nicht unerhebliche Beträge im Spiele verloren. So erzählte mir am heut'gen Morgen der Major Röhmer, der mich wieder in Anspruch nahm." „Papa, laß den Lieutenant ouStoben. Er wird wohl endlich zur kZesinuung kommen;" sprach Meta Salten, um den Vater zu beruhigen. „Weißt T u ater auch, liebe Meta, daß diese» Austoben» laflen mich säst ein Vermögen kostet? Heute soll er seine alte Schuld bezahlen. Wird er es können? Ohne Zweifel nicht! Im Negentheil, er wird mit neuen Forderungen an mich terantreien, denn er hat gewiß auf der Rennbahn wieder neue Verpflichtungen übernommen, und die Spielschuld muß auch beglich«» werden." Salden sah, in Nachdenken versunken, auf die Zeitung. Dann erhob er sich und ging unruhig im Zimmer auf und ab. Plötzlich stehend bleibend, sprach er: „Und iXlbri wird die Erreichung meine» Ziele» noch in - Frage gestellt. Aber ich werte ihm;etzt nicht mehr zu Willen sein; jetzt h,nßt e»: entweder — oder." „Ob er überhaupt kommen wird?" fragte die Tochter. „Er wird kommen, denn er muß. Wer wird ihm Helsen? Nur bei mir allein kann er Hülse finden." — „Ich glaube sogar, daß er bald eintrefsen wird," fuhr Salden fort, auf seine Uhr blickend, „gehe Du auf Dein Zimmer, ich möchte.zunächst nur unter vier Augen mit.ihm ^. verhandeln. Auch Du. lieb« Recha, entferne Dich jetzt." Die beiden Töchter entfernten sich und Salden nahm die gf Bücher und die Schriftstücke »ur Hand, die er bei den mit I« Wiedenhof abzuwickelnden Geschäfte gebrauchte.- 1% E» währte nicht lange und der Erwartete trat in der That ein. «Fittsrtzuag folgt.) Aildchnr aus der Aeisemappe. ll. v k:- Schüttelt und rüttelt nur an dem uralten Baume, «venn Euch die Krone nickst gefällt, und die Blattform. ob lanzenotex herzförmig, nicht behagt. Wir sind unbesorgt, schüttelt nur herzhaft, — den Stamm werd«-t Ihr nicht detotra — rnd wenn morsche Aeste und wurmstichig,: Früchte adfaÜen, so schadet da» gar nicht; e» ist vielmehr Blut» reinignug und Kraftläuterung. So gelangten auch wir stark geschüttelt und gerüttelt an eine itzauptstation,. und entstiegen der glühendheißen Loupeelust um den Anticholera-Bahahösduft einzuathmeu, figür» gesagt, soll der Teufel mit Beelzebub vertrieben werden Im Wartesaale war e» verhältnißmäßig frisch die Sonnenhitze im Freien erdrückend, zumal der Glükmnnd Staub und Sand durch die Lust wirbelte. — Au» diesem Umstande wurde ein Gang in die Stadt, zum Besuche «inj» ger Freunde, auf die Rückreise verschoben. — Da» B:dürs» niß nach einem Labetruak in einem ftirdlichen PltHchen machte sich geltend. Letztere» bot sich denn auch unter einem Fenster nahe der ausgestellten Reiselitteratur, welch« von dem Famulu» einer Buchhandlung der Stadt bescheid.m in Erinnerung gebracht wurde. Bon dem eingenommenen Sitze konnte die Auswahl recht wohl gemustert werten. Die Kinder Guttendergs ziehen unwillkürlich da» Liäder» werk de» Gedanken» und Fragespiels wie eine Svieluh: auf. — Als erste Frage drängte sich die hervor: Wie kommt es. daß unter den englischen, französischen, holländischen, klerikalen, fortschrittlichen und anderen Blättern sich kein jüdische» befindet? Warum neben Zola, Jule» Berne», Wildern, uth ic nicht auch Broschüren und Bücher von guten israelitischen Schriftstellern, die «n gutem Stile schöne Seiten de» israelischen Familien- und Gemeindelebens anziehend zur Aufstauung bringen? Bon der Lösung dieser Frage lenkte aber ein R-'isender ab, der vor das Büchergestell trat, einige Zeitungen erstand, und sich mit dem Famulus cn ein Gespräch einließ. — Der Fremde, ein kräftiger Mann mit intelligenten Zügen, welche durch einen schönen Bvllbart vorteilhaft gehoben waren, sagte nach kurzer Musterung: „Diese Ausstellung ist gewiß Vielen testet. Ich finde da nicht» von den Zeit» und Streitstagrn, verstehen Sie mich recht, — ich meine saftige Hetzschriften . . . ." Der Famulus zuckte die Achseln u..d sagte mit abwehrenter Handbewegung: „Sie meinest gegen die Juten I Solch' nichtsnutziges Zeug bringt kein gewisienhaster, rechtlich tenkender Mensch unter die Leute." „Aber da» Geschäft?" „Spricht hier nicht mit! Ich gebe Ihnen die Brr» sicherung, die echten Bürger unserer Stadt würden den hinau»- peirschen, der sich unterfangen wollte, unsere jüdisch.» Mitbürger auszuwcisrn. Solche giebt e» hier viele wohlhabende und wohlthätige, fleißige und geschüftstüchtiae." „Allerdings würden die Gegner den Verlust schwerlich decken, da» gebe ich zu . . ." „Und, Sie werten zudem eingestehen" — unterbrach der Famulu» — daß die Verleger, Verfasser, Verbreiter der Schandschriften, sowie die Wanterredner — fast hätte ich Wanderratten gesagt. — e» mit dem: „Juden 'rau»" nicht einmal ernstlich meinen, nicht mrinen können." „Da» wäre doch widersinnig unverständlich." „Ganz einfach, liegt klar auf der Hand. Denn sehen Sie, mit dem Abzüge der Geschmähten wird ihr Hand- und Mundwerk, wird ihre Klappcrmühle stille stehe», ihre stagliche Existenz würde ..." „Natürlich aus ihre frühere abschüssige Bahn zurück- und untersinken in den moralischen Schmutz, dem sie rn ist,egen." „Gestatten Sie mir einen Wunsch leise, ganz leise, ganz unter un« auSzusprechrn?" „Ei, warum da» nicht!" „Daß doch ein Sturm sich erhöbe, und all' die Schandbücher, Hefte und Blätter in den Rhein, die Ruhr und Lippe fegte und in die Tiest de» Meere» versenkte! daß . . ." Ein Windstoß lüftete in diesem Moment einen Fensterflügel zwischen Sopha und Büchergestell; der Luftzug bewegte die Titelblätter vieler Broschüren, und es war, al» murmelten einstimmig viele Stimmen hinter dem Büchergestelle vernehmlich die Worte: —.Zu solchem Taaciilich Machen sagen wir ein Amen fOK" — Der Fremde wischte unwillkürlich mit der Fläche dei: Rechten ü'ier den Rücken der Linken, al» habe ihn ei» Instkt gestochen und sagte hastig: